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Vitaminsymposium Jena 2001
Nachfolgend werden einige allgemein interessierende
Aspekte aus der Vielfalt der Beiträge zusammengestellt.
In den Plenarvorträgen wurden neben den neuen
gemeinsamen Referenzwerten der deutschsprachigen Gesellschaften für Ernährung
(Deutschland, Österreich, Schweiz = DACH) zur Vitaminzufuhr des Menschen
aktuelle Themen kritisch diskutiert, die im Mittelpunkt des Interesses der
Verbraucher stehen. Das betraf vor allem Nutzen und Risiken einer Anreicherung
der Nahrung mit Vitaminen und Zusatzstoffen einschließlich Probiotika bei Mensch
und Tier. Dabei wurde der Lebens- und Futtermittelsicherheit großes Gewicht
beigemessen.
So wurde herausgestellt, daß sich die neuen
Referenzwerte für die Vitaminzufuhr in nutritive sowie
präventive Aspekte zur Risikoreduktion degenerativer Erkrankungen gliedern.
Beispielsweise beziehen sich präventive Aspekte auf eine erhöhte
Vitamin-D-Zufuhr bei Senioren zur Osteoporoseprophylaxe und die Empfehlung von
Folsäuresupplementen für junge Frauen zur Prävention von Neuralrohrdefekten
Neugeborener. Angesichts der Homozysteinproblematik und aufgrund neuer
biokinetischer Daten wurden die Empfehlungen zur Folat- und zur
Ascorbinsäurezufuhr um je 30 % erhöht.
Eine Ableitung des Vitamin-Bedarfs für
Nutztiere nach der faktoriellen Methode ist infolge fehlender
experimenteller Daten gegenwärtig nicht möglich. Dosis-Wirkungs-Studien und
Leistungsversuche unter Berücksichtigung physiologischer Parameter dienten
bisher der Ableitung von Empfehlungen zur Vitaminversorgung. Bei Angaben
zur Vitaminversorgung landwirtschaftlicher Nutztiere muß in verschiedene Niveaus
(Minimal-, Optimalbedarf, opt. Empfehlung, „Sondereffekte“) unterschieden
werden. Die Empfehlungen von Vitamin-Herstellern oder -vertreibern zur
Vitaminversorgung liegen meist deutlich über den Vorschlägen von
wissenschaftlichen Gesellschaften. Vitamin-Überdosierungen, die „Sondereffekte“
ermöglichen sollen, können in extremen Fällen zu Schäden bei Nutztieren führen.
Zum Nutzen von Probiotika in der menschlichen Ernährung wurde betont, daß die verwendeten Kulturen bestimmte Kriterien erfüllen müssen: sie wurden aus Wirtsspezies isoliert, sie haben einen nachgewiesenen Nutzeffekt, sie sind nicht pathogen, sie überleben den Transit in den Darm und sie bleiben in Lebensmitteln über längere Lagerzeit vital. Nicht alle eingesetzten probiotischen Keime siedeln sich im Darm eines jeden Menschen an, vermehren sich und üben ihre beabsichtigte Funktion aus, was zu teilweise widersprüchlichen Ergebnissen bei Interventionsstudien führt. Es wurde auch auf differierende Effekte zwischen Joghurt und Rohwurst mit L. acidophilus, B. longum und L. paracasei auf den Lipidstoffwechsel hingewiesen, wobei die Einflußfaktoren sowohl auf der Seite der Kulturen als auch auf der Seite der Träger-Lebensmittel zu suchen waren. Die Effekte probiotischer Kulturen in der Prävention von Atherosklerose und Krebs sind überwiegend gering und beschränken sich weitgehend auf Laborstudien. Allerdings induzierte Faeceswasser von gesunden Probanden, die probiotischen Joghurt (L. acidophilus) verzehrten, weniger DNA-Strangbrüche bei Zellkulturen.
In der
Tierernährung werden Probiotika besonders als
Futterzusatzstoffe für Ferkel, Kälber und Broiler eingesetzt. In den
meisten Untersuchungen werden wie in der Humanernährung lediglich Trends
positiver Effekte auf die Lebendmassezunahme und den Futteraufwand festgestellt,
die nur selten signifikant sind. Dagegen kann bei Ferkeln und Kälbern die
Durchfallhäufigkeit meist statistisch gesichert gesenkt werden. Derzeit sind in
der EU 18 Probiotikapräparate zugelassen. Sie wirken vermutlich primär über die
Beeinflussung der pathogenen und apathogenen Darmflora, aber auch andere
Reaktionen des Wirtsorganismus scheinen am Effekt beteiligt zu sein.
Die Supplementation der Nahrung mit
Vitaminen und Zusatzstoffen wurde unter dem Aspekt der
Lebensmittelsicherheit diskutiert. Es wurde resümiert, daß Lebensmittel
in Deutschland zunehmend angereichert werden, daß aber auch Bemühungen wachsen,
aufkommende Probleme im Vorfeld unter Vorsorgegesichtspunkten in den Griff zu
bekommen. Der gesundheitliche Verbraucherschutz folgt dabei nicht mehr einfach
dem Verbotsprinzip, sondern stützt sich mehr und mehr auf wissenschaftliche
Prinzipien. Die Aufstellung einer Positivliste für ernährungsphysiologisch
relevante Zusatzstoffe und die Ableitung von transparenten Grenzwerten sind
erste Schritte in diese Richtung.
Auch der Beitrag zur Futtermittelsicherheit
stellte eine kritische Bestandsaufnahme aus der Sicht von Tierernährung und
Tiermedizin dar. Trotz einer insgesamt hervorragenden Qualität von Lebensmitteln
tierischer Herkunft ist die gegenwärtige öffentliche Diskussion geprägt von
Zweifeln an der Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln. Vor diesem Hintergrund
wurden die verschiedenen Facetten des Begriffs „Futterqualität“ in Erinnerung
gerufen. Um diese zu charakterisieren, sind zusätzlich die Effekte auf die
Gesundheit der Tiere, die Auswirkungen auf die Umwelt und die
Lebensmittelqualität einzubinden. Zur Aufdeckung von Schwachstellen für die
Futtermittelsicherheit sollte verstärkt der Weg des Futters von seiner Gewinnung
bis zum Angebot an das Tier verfolgt und geprüft werden. Auf diesem Weg gibt es
eine Vielzahl von Einflüssen, welche die Sicherheit der Lebensmittel tangieren
können. Auch wenn derzeit der Verbraucher „natürliche“ Futtermittel und
Fütterungsbedingungen favorisiert, ist der Hinweis erlaubt, daß gerade moderne
Fütterungstechniken zur Sicherheit von Futtermitteln und damit von Lebensmitteln
beitragen können, wie es beispielsweise der Einsatz effizienter
Konservierungsmittel verdeutlicht.
Die Antibiotika-Resistenzgene in der Umwelt
und in der Nahrungskette stellten ein hochaktuelles Thema dar. Es
wurde darauf verwiesen, daß die Verwendung von Antibiotika in den letzten Jahren
eine rasche Ausbildung von Antibiotika-Resistenzen unter der
Bakterienpopulationen bewirkte. Die zunehmende Nutzung molekularer Werkzeuge,
wie DNS-Sonden und PCR, erlauben es, die Verbreitung bakterieller
Antibiotika-Resistenzgene in den verschiedensten Matrices zu analysieren. Im
Rahmen des EU-BIOTECH-Projektes “RESERVOIR” wurde u.a. das Vorkommen von
Resistenzgenen gegen Gentamycin, einem klinisch wichtigen Antibiotikum,
besonders in Faeces von Geflügel, Rindern und Schweinen sowie in Abwässern von
Kläranlagen nachgewiesen.
Die Kurzvorträge und Poster bezogen
sich überwiegend auf die oben genannten Schwerpunkte, beinhalteten aber auch
angrenzende Aspekte von Vitaminen, Zusatzstoffen und sekundären Pflanzenstoffen
in Hinblick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Mensch und Tier.
Zusatz bzw. Gehalt und Funktionsweise von
Vitaminen und antioxidantiven Stoffen in der Nahrung
nahmen einen breiten Raum ein.
Zur Vitaminversorgung von
Säuglingen und Kleinkindern wurde aus 2163
Drei-Tage-Wiege-Ernährungsprotokollen im Zeitraum 1998-1999 geschlossen, daß
sich die Aufnahme besonders an den Vitaminen B2, Niacin und C
in einigen Altersgruppen veränderte. Die steigende Anzahl gestillter Säuglinge
und Veränderungen im Verzehr üblicher Lebensmittel spiegelten sich in der
Vitaminzufuhr der Säuglinge wider.
Frauen schieden im Verlauf der Schwangerschaft
mit dem Urin nur geringe Mengen Retinol (< 35 nmol/g Kreatinin)
und retinolbindendes Protein (< 70 nmol/g Kreatinin) aus, so daß es nicht nötig
erscheint, diese Verluste während der Schwangerschaft zu berücksichtigen.
Hohe Vitamin-E-Dosen können eine
Verbesserung des antioxidativen Status des Gehirns bewirken. So
konnten die experimentellen Hirninfarkte mit 1 bzw. 100 mg Vitamin E je kg
Körpergewicht um 66 % bzw. 81% verkleinert werden. Diese Ergebnisse unterstützen
die Hypothese, daß die Bildung von Sauerstoffradikalen einen wesentlichen
Faktor bei der Pathogenese des Hirninfarktes darstellt und hohe prophylaktische
Vitamin E-Gaben an Patienten mit einem erhöhten Infarktrisiko die Folgen eines
Schlaganfalles mildern könnten.
Andererseits können
extrem hohe Vitamin-E-Dosierungen auch negative Wirkungen haben,
wie an Ratten, die 100 bis 10.000 mg DL-a-Tocopherylacetat
je kg Futter (ca. 10-1000 mg/kg Körpergewicht) erhielten, gezeigt wurde. Die
Untersuchungen demonstrierten, daß die gleichzeitige Aufnahme sehr hoher
Vitamin-E-Dosen und mehrfach ungesättigter Fettsäuren (Fischöl) zu einer
Destabilisierung der Erythrozytenmembran führt. Diese Destabilisierung wurde als
Folge einer verminderten Kapazität des enzymatischen antioxidativen
Schutzsystems in den Erythrozyten gewertet, die vermutlich zu erhöhten
Konzentrationen reaktiver Sauerstoffspezies führt.
Die Effekte sehr hoher Zusätze an
Vitaminen, Spurenelementen und Antioxidantien zum Futter für Nutztiere
werden oft überschätzt. In Versuchen mit Legehennen konnte bewiesen
werden, daß eine Reduzierung oder Eliminierung verschiedener
Futterzusatzstoffe im Legehennenfutter (Bestandteile des
vitaminisierten Mineralfutters) keine nachteiligen Folgen auf die
Leistungen und die Gesundheit der Tiere ausübten. Für die
Erzeugung eines nährstoffreichen, wohlschmeckenden und ernährungsphysiologisch
wertvollen Eies reichen die von der GfE empfohlenen Futterzusätze
aus. Kosten in Höhe von 2-3 DM/t Legehennenfutter könnten dadurch
gespart werden.
Untersuchungen mit
Milchkühen zur Absorbierbarkeit von intraruminal
appliziertem Vitamin A und E (1.000.000 I.E. Vit. A und 10.000 I.E.
Vit. E je Tag) ergaben, daß die verabreichten Vitamine im Pansen zu 28 % (Vit.
A) bzw. 87 % (Vit. E) abgebaut werden und sich der Vitamingehalt im Blut nicht
erhöhte.
Über den
Empfehlungen liegende Vitamin- und Ca-Gaben an Legehennen
sind meist nicht mit Leistungsverbesserung verbunden. In einem 10-wöchigen
Versuch waren bei 37 g bzw. 60 g Ca und 0 bis 3.150 IE Vitamin-D3
je kg Futter die Leistungsparameter und Eischalenstabilität in allen Dosierungen
fast gleich. Bei 3,7 % Ca und abnehmender Vitamin-D3-Supplementation bestand
lediglich ein Trend zu niedrigerer Leistung.
Dabei ist
entsprechend anderer Studien an Broilern zu berücksichtigen, daß
Cholecalciferol (Vit. D3) gegenüber
25-Hydroxycholecalciferol (25-OH-D3) eine höhere metabolische
Wirksamkeit für Wachstum und Knochenausbildung besitzt.
Werden
sportlich sehr aktive Schüler (PAL 2,0) in der
Gemeinschaftsgastronomie versorgt, kann einer Unterschreitung der
Zufuhrempfehlungen bei einzelnen Vitaminen des B-Komplexes (z.B. Folsäure)
sowie bei ausgewählten Mineralstoffen (z.B. Calcium,
Magnesium) durch kohlenhydratreiche, proteinoptimierte und
fettreduzierte Sportlerkost vorgebeugt werden.
Neben Effekten von
fettlöslichen Vitaminen auf Osteopathien wurden in
weiteren Beiträgen Absorbierbarkeit und spezielle Funktionen
wasserlöslicher Vitamine besprochen.
Die Absorbierbarkeit (präzäkale Verdaulichkeit,
Modell Schwein) betrug bei Thiamin 73-96 % und bei Vitamin B6
16-91 %, wobei für Produkte tierischen Ursprungs um 18 % höhere Werte ermittelt
wurden. Hierfür ist hauptsächlich der hohe Anteil an β-glykosidisch gebundenem
Vitamin B6 in pflanzlichen Produkten verantwortlich.
Durch eine Co-Ergänzung konnte keine nennenswerte
Erhöhung der Vitamin B12-Konzentration im Serum von
Milchkühen erzielt werden. Eine Anreicherung der Ration mit Co (0,27 mg Co/kg T)
bewirkte jedoch im Vergleich zur Kontrollgruppe (0,13 mg Co/kg T) eine Erhöhung
der Co-Konzentration und damit auch der Vitamin B12-Konzentration im
Lebergewebe.
Obwohl die fetale
Leber und die Placenta äußerst empfindlich auf einen Riboflavinmangel reagieren,
scheint bei Ratten bereits ab dem 20. Trächtigkeitstag unabhängig von der
Riboflavinzufuhr ein wirksamer regulatorischer Mechanismus die Vitamin B2-Konzentration
im Gehirn relativ konstant zu halten.
Weiterhin wurde an Ratten gezeigt, daß auch bei
ausreichender Thiaminversorgung durch eine chronische Ethanolzufuhr in
Abhängigkeit der Dosis die Thiamin-Phosphorylierung und Dephosphorylierung
gestört wird. Die dadurch im Gehirn verminderte Konzentration Thiamindiphosphat
steht im Zusammenhang mit den unter chronischer Alkoholzufuhr beobachteten
neuronalen Funktions- und Stoffwechselstörungen.
Die Sinnhaftigkeit vitaminisierter Säfte
und die Konzentration bzw. Bioverfügbarkeit von
antioxidativen Substanzen in verschiedenen Getränken war Gegenstand
weiterer Vorträge und Poster.
Fruchtsafthaltige Getränke bieten sich als
wohlschmeckende Basis für Zusätze mit funktionellen Eigenschaften an. Dabei
sind sensorische Parameter für eine Akzeptanz der Produkte
ausschlaggebend. Multivariate Methoden wie Hauptkomponentenanalyse und Internal
Preference Mapping haben sich als gute Techniken erwiesen, um
Verbraucherpräferenzen zu beschreiben und mögliche Marktnischen für
Produktentwicklungen zu finden.
Anthocyane gehören zur Gruppe der
Polyphenol-Flavonoide und haben aufgrund ihrer antioxidativen
Kapazität verschiedene gesundheitsbeeinflussende Effekte. Schwarze
Karotten enthalten Cyanidin als Hauptanthocyan, deren Extrakt gegenüber
der Reinsubstanz in vitro sowohl Vorteile als auch Nachteile aufwies. Der
Extrakt hemmte sowohl die Proliferation von humanen Colon-Tumor-Zellen (HT29
clone 19A-cells) und wirkte zytotoxisch, Cyanidin dagegen nicht. Cyanidin
schützt gegen H2O2-induzierte DNA-Schäden, dagegen
steigerte der Extrakt genetische Schäden. Mögliche Ursache hierfür könnten
unbekannte Verbindungen des komplexen Extraktes sein. Die Anthocyane
aus rotem Traubensaft und schwarzem Johannisbeersaft sind nur in geringem
Umfang absorbierbar und/oder werden schnell metabolisiert, wie aus geringen
Anthocyan-Konzentrationen sowohl im Plasma als auch im Urin geschlossen wurde.
Dem Rotwein werden kardioprotektive Wirkungen
zugeschrieben, die insbesondere auf die antioxidativen Eigenschaften
der enthaltenen phenolischen Verbindungen zurückgeführt werden. Es
konnten mehr als 30 phenolische Verbindungen in den
untersuchten Rotweinproben quantifiziert werden. Der Gesamtpolyphenolgehalt (ohne
Anthocyane) korrelierte positiv mit der antioxidativen Kapazität. Anthocyane und
Sulfit beeinflußten die antioxidativen Eigenschaften der Rotweine dagegen nicht.
Bei der Weinherstellung
wird zunehmend auf Erhalt der Polyphenole während der
Traubenverarbeitung bzw. Weinbereitung geachtet. Bei Einsatz von
Schönungsmitteln treten unterschiedlich hohe Verluste an antioxidativ
wirksamen phenolischen Verbindungen ein, die nach Schönungen mit Tannin-K und
Tannin-S (neue Präparate aus Trauben-Kernen und ‑Schalen) am
geringsten sind. Da jedoch das Hauptanthocyan im Rotwein von diesen beiden
Tanninen stark adsorbiert wird, ist deren Einsatz nur für Weißweinschönungen zu
empfehlen.
Verschiedene Tee-Extrakte
unterscheiden sich in Gesamtphenolgehalt, antioxidativer Aktivität
und Catechingehalten. Grüntee von China, Darjeeling Grüntee und
Darjeeling Schwarztee hatten vergleichbare Gesamtphenolgehate und antioxidative
Aktivität. Die Fermentation bewirkte eine Abnahme im Gehalt an Catechinen.
Zu hoher Teekonsum kann bei Frauen allerdings die Eisenversorgung beeinträchtigen. Der tägliche Konsum von einem Liter grünen oder schwarzen Tee führte bei Mischköstlerinnen zu signifikant niedrigeren Ferritin-Werten.
Das im grünen Tee
am reichlichsten vorkommende Flavanoid mit sehr hoher antioxidativer Kapazität
ist Epigallocatechingallat (EGCG).
Es kann mit speziellen Verfahren in einer Reinheit von
93 - 95
% isoliert werden. In Humanstudien wurden
EGCG-Dosen bis zu 1600 mg gut toleriert.
Ein wesentlicher Aspekt, der zu einer
Qualitätsminderung von Fleisch führt, sind
oxidationsbedingte Veränderungen der in Membran-Phospholipiden
gebundenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren und des Myoglobins. Durch
Supplementierung von Antioxidantien (z.B.
a-Tocopherol) kann eine
oxidative Stabilisierung des Schlachtkörpers erzielt werden. Zur Überprüfung der
antioxidativen Wirksamkeit bei der Lagerung stellt die Bildung von
Malondialdehyd (MDA) im Rindfleisch einen empfindlichen und selektiven Indikator
zur Beurteilung des Oxidationsstatus dar.
Bei Schweinen bewirkte eine mäßige
Supplementation mit 200 mg a-Tocopherol
je kg Futter für die Dauer von 60 Tagen vor dem Schlachten eine Verdoppelung der a-Tocopherol-Konzentration im Muskel
sowie eine signifikante Verminderung der Fe-induzierten Lipidoxidation.
In anderen Versuchen zeigte sich ein
synergistischer Effekt bei kombinierter Supplementierung mit 200 mg/kg
dl-a-Tocopherylacetat
plus 200 mg/kg Ascorbinsäure beim wachsenden Schwein,
in dem bei gleichzeitiger Zulage beider Vitamine auch die Konzentration beider
Vitamine in Leber, Milz und M. longissimus dorsi höher war als bei
Supplementierung mit nur jeweils einem Vitamin.
Der kombinierte Zusatz von Vitamin-E und Se
(40 mg/kg als a-Tocopherylacetat + 0,3
mg/kg als Na-Selenit) zu Vitamin-E- und Se-armen Rationen (Vitamin E 14 mg/kg,
Se 17 µg/kg) für Schweine erhöhte die oxidative Stabilität (TBARS)
und den Oxy-Myoglobin-Gehalt des Muskelfleisches sowie den Gehalt an PUFA in
Muskellipiden mehr als jeweils ein Zusatz allein.
Die
antioxidative Stabilität des Blutplasmas von Kälbern
gemessen am Redoxstabilität-Index (RSI) korreliert eng mit dem Se-Gehalt
im M. long. dorsi. (r = 0,6).
Gewürze dienen nicht nur der
Schmackhaftigkeit von Wurstkonserven, auch deren Haltbarkeit
nach Anbruch und langer Kühllagerung kann durch sie verbessert werden. Sowohl
Majoran als auch Pfeffer und Kümmel schützten das Fett vor
Oxidation. Die stärkste Wirkung hatte Majoran, der die Induktionszeit im
Vergleich zum Kochgut ohne Gewürzzusatz versiebenfachte. Welche Inhaltsstoffe
diese Wirkung bedingen, ist noch zu klären.
Bei der Analytik von
phenolischen Verbindungen, Carotinoiden und Tocopherolen
ergeben sich oft erhebliche Probleme. Es wurden neue Entwicklungen bei der
Bestimmung dieser sekundären Inhaltsstoffe in Lebensmitteln mittels HPLC
präsentiert.
Bei der Ermittlung der
antioxidativen Aktivität von Lebensmitteln mittels LDL-Oxidations-Test
(ex-vivo Methode) kann es zu Problemen kommen. Durch eine zusätzliche
EDTA-Zugabe wird die Probenstabilität bis zum Beginn der Oxidation zuverlässig
erreicht, so daß die modifizierte Methode ausreichend zuverlässig ist.
Der geburtsnah ermittelte antioxidative Status ist ein wichtiger prognostischer Faktor für die Krankheitsanfälligkeit des neugeborenen Menschen. Die Ursachen dafür können einerseits in einem erhöhten Antioxidantienverbrauch durch die katalytische Wirkung von prooxidativem Fe2+ liegen, das beim Abbau des fetalen Hämoglobins freigesetzt wird. Es bleibt zu prüfen, ob eine Verbesserung der Antioxidantienversorgung die Ausbildung von sauerstoffradikalinduzierten Erkrankungen verhindern kann.
Von den Fettsäuren wurden die
konjugierten Linolsäuren (CLA) als physiologisch höchst aktive
Substanzen betrachtet, die u.a. stark in den Fettsäuren- und
Eicosanoidstoffwechsel eingreifen. Die CLA-Isomeren cis-9,trans-11
und trans-10,cis-12 werden konzentrations- und zeitabhängig in die
Lipide von isolierten Hepatozyten (HepG2-Zellen) eingebaut. Die Inkubation der
HepG2-Zellen mit dem trans-10,cis-12-Isomer führte zu einer
deutlichen Hemmung der Desaturation gesättigter Fettsäuren, der Linolsäure und
der a-Linolensäure sowie zu einer
Stimulierung der Synthese von 6-Keto-PGF1a
und PGF2a
(Biotransformationsprodukt aus Prostacyclin, Indikatoren der
Prostaglandinsynthese in der Niere).
Die Milch von Wiederkäuern ist eine natürliche
CLA-Quelle. Der CLA-Gehalt im Milchfett kann durch eine geeignete
Fütterung oder durch Zugabe von pansenstabilen CLA-Salzen erhöht werden.
Die Gruppe der ergogenen
Substanzen für Sportler wächst rasant. Besonders beliebt
ist das nicht auf der Dopingliste stehende Kreatin
(α-Methyl-Guanidinessigsäure).
Im Kraft-Ausdauertraining
wurde bei täglicher Einnahme von 18 g Kreatinmonohydrat für 1 Woche eine
Leistungssteigerung von 34,9 % erzielt. Mit 6 g Kreatin/Tag konnte das
Leistungsniveau stabilisiert werden. Da die Supplementierung die
Kreatin-Homöostase in Gehirn, Herz, Hoden und anderen Organen beeinflußt,
sollte die minimale individuelle Tagesdosis ermittelt werden, um noch nicht
erforschte Risiken zu minimieren.
Unter den Zusatzstoffen wurde neben
NSP-spaltenden Enzymen die Wirkungsweise von Phytasen
pflanzlichen (Nahrung) und mikrobiellen (Dickdarm) Ursprungs beleuchtet. Die
Kenntnis dieser Vorgänge ist sowohl für die Optimierung der
Phytat-Phosphor-Verdaulichkeit bei Nutztieren als auch zur Ableitung
ernährungsphysiologischer Konsequenzen für den Menschen wichtig. Die
P-Verdaulichkeit beim Schwein erhöhte sich durch
Phytasezusatz im Mittel von 33 % auf 57 % signifikant, wobei die
Proteinverdaulichkeit jedoch nahezu unverändert blieb. Bei Broilern
waren Phytasezusätze zu Mais-Soja-Mischungen weniger effektiv, dagegen erhöhte
bei Legehennen der Zusatz von mikrobieller Phytase zu
Mais-Soja-Rationen (nicht aber zu Weizen-Soja-Rationen) die Legeleistung und
Futterverwertung signifikant. Die Abhängigkeit der Phytase-Wirkung
von der pflanzlichen Basis des Futters wurde auch bei Broilern bestätigt.
Außerdem wird die Aktivität pflanzlicher Phytase durch Hitzebehandlung und
Extrudieren stark vermindert.
Zum L-Carnitin wurden neue Befunde zur
Reproduktionsleistung von Zuchtsauen mitgeteilt. Die
Zulage von 125 mg L-Carnitin pro Tier und Tag während der Trächtigkeit und 250
mg L-Carnitin pro Tier und Tag während der Laktation verringerte sich die Anzahl
totgeborener und lebensschwacher Ferkel. Die Ferkel waren bereits zum
Geburtszeitpunkt signifikant schwerer und zeigten während der Säugezeit höhere
Lebendmassezunahmen als die Ferkel der Kontrollsauen.
Relativ neu ist der Einsatz spezieller Proteine als
Leistungsförderer. Der Austausch von Fischmehl gegen 5 % Plasmaprotein
(AppeteinTM) im Futter von Ferkeln während der ersten 2
Wochen nach dem Absetzen verbesserte die Zunahmen um 9 %, die
Futteraufnahme um 6 % und die Futterverwertung um 3 % im Verlauf
eines insgesamt 6wöchigen Fütterungsversuchs. Diese Effekte wurden durch den
nutritiven Einsatz von Fumarsäure (2 % im Futter) nicht erreicht. Die
Kombination von Fumarsäure und Plasmaprotein verbesserte die Leistungsparameter
weniger stark als Plasmaprotein allein.
Der Nutzen von Pre- und Probiotika
wurde in mehreren Vorträgen und Postern verdeutlicht.
Probiotika werden in Deutschland seit etwa 25 Jahren
zur Unterstützung der Mikroflora im Verdauungstrakt von landwirtschaftlichen
Nutztieren eingesetzt. So verbesserten Kombinationen von probiotischen
Kulturen (Enterococcus faecium, Lactobacillus acidophilus und
lebende Saccharomyces cerevisiae) mit Fruktooligosacchariden
und Antikörpern die Gesundheit und Leistung von Ferkeln
und Kälbern.
Das Probiotikum Toyocerin, ein
bakterielles Fermentationsprodukt, das als aktiven Bestandteil
lebensfähige Keime von Bacillus cereus toyoi in versporter Form enthält,
bewirkt bei der Aufzucht von Kälbern unter guten
Haltungsbedingungen lediglich in den ersten Lebenswochen positive Effekte auf
Futteraufnahme und Lebendmasseentwicklung.
Der Zusatz von E. faecium zum Futter
für Puten veränderte die mikrobielle Zusammensetzung der
Dünndarmdigesta und förderte die Ansiedlung besonders von Laktobazillen. Es
wurde geschlußfolgert, daß das Probiotikum im Dünndarm zwar lebensfähig ist,
seine Aktivität aber bereits im Kropf und Magen entfaltet.
In der Kälberaufzucht gelangen neben
Milchsäurebakterien und Bacillus-Sporen auch Hefezellen zum
Einsatz. Während Futteraufnahme und Zunahme nahezu unbeeinflußt blieben, konnte
die Durchfallhäufigkeit der Kälber durch Hefezellen um » 30 % gesenkt werden.
Hefekulturen
können bei älteren Wiederkäuern die Pansenfermentation
optimieren. Hohe Dosen von Saccharomyces cerevisiae erhöhten die molaren
Anteile an Acetat. Die Anteile an Propionat und Butyrat im
Pansensaft sowie die Nährstoffverdaulichkeit blieben dagegen
unbeeinflußt.
Desweiteren wurden verschiedene Pflanzen bzw. deren
Inhaltsstoffe auf hormonelle, immunologische und qualitätsverbessernde
Wirkungen untersucht.
So reduzierte eine Soja-reiche Ernährung
aufgrund der enthaltenen Phytoöstrogene,
besonders des Isoflavons “Genistein“, das
Risiko für hormonabhängige Krebsarten, kardiovaskuläre Erkrankungen
und postmenopausalen Knochenverlust (Osteoporose). In Untersuchungen zeigte die
Genstimulation durch Genistein eine hohe Übereinstimmung mit der von 17b-Östradiol
und Raloxifen.
Verschiedene Kräutermischungen und
ätherische Öle könnten künftig auch in der Tierernährung als aroma-
und appetitanregende Stoffe Einsatz finden. In ersten Untersuchungen ließen sich
Futteraufnahme und Futteraufwand von Broilern
senken.
Sekundäre Inhaltsstoffe können
immunmodulierende Eigenschaften haben. So wurde in Studien mit Ferkeln
durch b-1,3-Glukan die Aktivität des
angeborenen Immunsystem gesteigert. Die aktivsten Eigenschaften besitzen
b-Glukane, welche neben den b-1,3-Ketten zusätzlich, über b-1,6-Verzweigungen verbundene b-1,3-Seitenketten aufweisen.
Es wurde darauf verwiesen, daß gemäß der
Festlegungen der EU-Kommission die Prüfung der Sicherheit von neu
entwickelten Zusatzsstoffen höchste Priorität haben muß.
Symposiumsband:
Vitamine und
Zusatzstoffe in der Ernährung von Mensch und Tier : 8. Symposium 26. und 27.
September 2001 Jena/Thüringen. Hrsg.: Rainer Schubert; Bundesforschungsanstalt
für Landwirtschaft (FAL). - Braunschweig : FAL, 2001; ISBN 3-933 140-51-X
Bestellung: Friedrich-Schiller-Universität, Biologisch-Pharmazeutische
Fakultät, Institut für Ernährungswissenschaften, LS Ernährungsphysiologie,
Dornburger Straße 24, D-07743 Jena, Germany, Tel.: 03641 949610, Fax: 03641
949612, e-Mail: b6jage@uni-jena.de
Preis: DM 50,00
nächstes Symposium: 24.-25.09.2003 in Jena
verantwortlich: PD Dr. R. Schubert
Siehe auch
7. Symposium 1997,
9. Symposium 2003
homepage Institut für Ernährungswissenschaften:
http://www.uni-jena.de/biologie/ieu/ew/
Anzahl der Leser seit 25. Oktober 1999: 3494