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Diabetes mellitus & Vitamine
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Wechselwirkung. Über
100 Mio. Diabetiker gibt es weltweit. Alle Diabetiker sind
Hochrisikopatienten. Im Verlauf der Erkrankung treten häufig Folgeschäden an
den großen und kleinen Blutgefäßen sowie am Nervensystem auf, die die
typischen Folgeerkrankungen wie Erblindung, Funktionsverlust der Nieren,
erhöhte Amputationsrate an den Füßen sowie ein erhöhtes Risiko eines
Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls verursachen.
Erschreckende Zahlen spiegeln die aktuellen Probleme der Diabetes-Therapie
wider:
• Diabetiker sterben 4–5 mal
häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Gesunde – so das Ergebnis der
MRFIT-Studie mit 35.000 US-Amerikanern. Diabetiker leiden meist zusätzlich
noch an weiteren Risikofaktoren wie erhöhtem Blutdruck und
Fettstoffwechselstörungen. Dies ist eine Bündelung von Hochrisikofaktoren, die
als »metabolisches Syndrom« bezeichnet werden.
• Das Risiko der Erblindung ist
ca. 25-fach erhöht.
• Ein Prozent aller Diabetiker
mussten sich in Deutschland einer Fußamputation unterziehen. Ursache ist das
diabetische Fußsyndrom, das in ca. 70% aller Fälle auf eine Nervenschädigung
(Polyneuropathie) zurückzuführen ist und in 30% auf Durchblutungsstörungen.
• Bei etwa 40% der Typ
1-Diabetiker und 20% der Typ 2-Diabetiker kommt es zu einer Nierenschädigung,
aus der sich innerhalb von 10 Jahren ein chronisches Nierenversagen
entwickelt.
Betreuungsfunktion der Apotheken
Apotheken haben im Rahmen des »Pharmaceutical Care« in der Betreuung von
Diabetikern eine besondere Verantwortung und die Aufgabe, Kenntnisse über
Zusammenhänge zwischen Vitamindefiziten – verursacht durch eine diabetische
Stoffwechsellage – transparent zu machen sowie durch das Angebot einer
Vitaminsubstitution die Lebensqualität und Lebenserwartung von Diabetikern
signifikant zu erhöhen.
Das Vitamin-Problem des Diabetikers erfordert unbedingtes Handeln und Umdenken.
Ging man noch vor einigen Jahren davon aus, dass es sich bei
der Zuckerkrankheit um eine einheitliche Erkrankung handelt, so wissen wir
heute, dass sich hinter diesem Begriff ganz unterschiedliche Krankheiten
verbergen, die als gemeinsames Merkmal letztlich nur den erhöhten Blutzucker
aufweisen. Eine effektive Stoffwechselführung ist das A und O jeder
Diabetes-Therapie, bei der Vitamine und Spurenelemente essenzielle
Bestandteile sind. Das Vitamin-Problem des Diabetikers erfordert unbedingtes
Handeln und Umdenken. Es gibt inzwischen zahlreiche Hinweise darauf, dass eine
ausreichende Zufuhr von Vitaminen den Verlauf der Erkrankung, insbesondere in
Hinblick auf die Begleiterkrankungen, positiv beeinflussen kann. Dieser
Artikel gibt einen Einblick in den neuesten Stand der Forschung auf dem Gebiet
diabetesinduzierter Störungen des Vitaminstoffwechsels sowie in die
Möglichkeiten der Prävention durch gezielte Vitaminzufuhr.
Störungen des Vitamin C-Stoffwechsel
Eine Auswertung von 30 Studien bei Personen mit Diabetes mellitus stellte um
mindestens 30% niedrigere Vitamin C-Blutspiegel fest als bei
Stoffwechselgesunden (Nutrition Review 54; 1996: 193–202). Dieses Ergebnis
wurde auch in der größten Ernährungsstudie (NHANESIII) bestätigt.
Für die Vitamin C-Verarmung bei Diabetikern werden folgende Gründe angeführt:
• ungenügende Vitamin C-Zufuhr mit
der Nahrung
• erhöhter oxidativer Stress
• Konkurrenzverhalten von Glucose
und Vitamin C beim Transport in die Zelle
Jüngere wissenschaftliche Publikationen geben Anlass zu der Befürchtung, dass
jeder Insulinmangel von einem Vitamin C-Mangel in der Zelle begleitet wird, da
Insulin den Transport von Ascorbinsäure in das Gefäßendothel fördert. Das
Endothel produziert und sezerniert eine aus Kollagen und anderen
Glykoproteinen bestehende Matrix, die die Auskleidung aller Gefäße und
Kapillaren bildet. Mangel an Ascorbinsäure kann zu Matrixschäden und
Angiopathien führen, die oft Folgen des Diabetes sind (1). Ascorbinsäure ist
in den Teil der Kollagenbiosynthese involviert, in dem das Prokollagen an
spezifischen Lysin- und Prolinresten hydroxyliert wird. Versuche an
Zellkulturen bestätigen die stimulierende Rolle von Ascorbinsäure in der
Biosynthese nicht nur von Kollagenen, sondern auch von Proteoglykanen. Auch
die Biosynthese von L-Carnithin ist, analog der Biosynthese von Kollagenen,
Eisen- und Vitamin C-abhängig. L-Carnithin besitzt eine wichtige Funktion für
den Lipidstoffwechsel der Zelle. Es dient als Vehikel für langkettige
Fettsäuren, die innere Mitochondrienmembran zu passieren, so dass diese als
Energielieferant über die Beta-Oxidation fungieren können. Myokardiale
Ischämien und Herzinsuffizienz werden im Zusammenhang mit einer durch
L-Carnithin-Defizite verursachten myokardialen Ischämie infolge reduzierter
Beta-Oxidation und durch zelluläre Fettsäureakkumulation diskutiert.
Vitamin C bessert die Endothel-abhängige Vasodilatation bei Patienten mit insulinunabhängigem Diabetes mellitus.
Für manche Zellarten wie neutrophile Granulozyten und Fibroblasten des Menschen wurde gezeigt, dass der Dehydroascorbinsäure-Transport aus dem Medium in die Zelle sich des Glukose-Transportsystems bedient. In der Zelle erfolgt eine rasche Reduktion zur Ascorbinsäure – ein Vorgang, in den das Glutathion involviert ist (Abb. 1), dessen Biosynthese in einem engen Zusammenhang zum Vitamin B6-Stoffwechsel steht, auf den im Folgenden noch eingegangen wird. Insulin fördert die Aufnahme von Vitamin C in die Blutzellen. Glukose scheint diesen Transport zu hemmen, wie Versuche an Hunden zeigten. Patienten mit Diabetes weisen einen erhöhten Plasmaspiegel an Dehydroascorbinsäure (2) auf.
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Abb. 1: Redoxsystem Ascorbinsäure/Dehydroascorbinsäure (Bayer und Schmidt, 1991) |
Die Notwendigkeit der Substitution von Vitamin C scheint
bezüglich des Glukosetransports in die Zelle bei einem gut eingestellten
Diabetiker eine untergeordnete Rolle zu spielen, doch dürfte eine Gabe von
Ascorbinsäure unter den folgenden Aspekten dennoch sinnvoll sein:
• Die bei Diabetikern häufig
auftretende Hypercholesterinämie sowie erhöhte Triglyzeridkonzentrationen
konnten durch Gabe von 500 mg Vitamin C über 12 Monate bei Patienten mit Typ
1-Diabetes mellitus deutlich und statistisch signifikant gesenkt werden (3).
Dies erklärt sich durch die Beteiligung von ascorbinsäureabhängigen
Cytochromen am Cholesterinstoffwechsel (Abb. 2).
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Abb. 2: Beeinflussung des Cholesterinstoffwechsels durch Gabe von Ascorbinsäure |
• Prof. Rösen
vom Diabetesforschungsinstitut der Heinrich Heine-Universität in Düsseldorf
führte in einem Vortrag anlässlich des 6. Symposiums der Gesellschaft für
Vitaminforschung am 15. Mai 1998 in Bonn die positiven Effekte auf den
oxidativen Stress infolge von Diabetes durch antioxidative Vitamine wie
Vitamin C und E zurück. Die Bildung von Markern des oxidativen Stresses ist
bei diabetischen Patienten erhöht (thiobarbitursäurereaktive Substanzen,
Lipidhydroperoxide, oxidierte LDL).
Ferner ist die Bildung von reaktiven Sauerstoffintermediten (ROI) mit einer
diabetischen Hyperglykämie kausal verknüpft. Hyperglykämische
Glukosekonzentrationen und ihre Folgeprodukte – die sog. Advanced Glycation
Endproducts (AGE) – induzieren in Gefäßzellen die Bildung von ROI. AGE
aktivieren die NADPH-Oxidase, so dass aus molekularem Sauerstoff im Rahmen von
oxidativem Stress vermehrt Superoxidradikale sowie daraus über die
Superoxiddismutase Wasserstoffperoxid und über die Fenton-Reaktion und
Haber-Weiss-Reaktion Hydroxylradikale entstehen, die hochreaktiv sind und
biologische Strukturen schädigen. Der erhöhte oxidative Stress äußert sich in
der Verringerung der plasmatischen Quotienten Vitamin E/LDL. ROI vermindern
die biologische Aktivität von Stickstoffmonoxid, das neben seiner
gefäßerweiternden Wirkung auch antithrombotisch wirkt. ROI fördern zusammen
mit der erhöhten Permeabilität der Gefäßwand unter den Bedingungen des
oxidativen Stresses die thrombogene Situation der Gefäßwand und die Bildung
atherosklerotischer Läsionen mit den Folgen akuter kardialer Komplikationen
(Abb. 3).
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Quelle: Journal für Orthomolekulare Medizin, Ralf
Reglin-Verlag, 9. Jahrgang 2001 |
Vitamin C bessert die Endothel-abhängige Vasodilatation
Das Gefäßendothel spielt eine herausragende Rolle bei der Regulation des
Gefäßtonus besonders über die Freisetzung vasoaktiver Substanzen wie
Stickoxid. Eine endothelabhängige Beeinträchtigung der Regulation des
Gefäßtonus ist sowohl bei Typ I als auch bei Typ II-Diabetikern beobachtet
worden. Als Ursache wird eine erhöhte Inaktivierung des aus dem Gefäßendothel
stammenden NO durch sauerstoffinduzierte freie Radikale diskutiert. In
Tiermodellen konnte eine Wiederherstellung der endothelbedingten
Gefäßrelaxation mittels Antioxidantien nachgewiesen werden. Eine Untersuchung
an der Harvard Medical School, Vaskular Medicine and Atherosclerosis Unit,
Boston, Massachusetts, hatte zum Ergebnis, dass Vitamin C bei Typ
2-Diabetikern die endothelbedingte Vasodilatation signfikant verbessern
konnte. In der Studie konnten 60% der im Vergleich zu einem gleichaltrigen
gesunden Patientenkollektiv bei Typ 2-Diabetikern reduzierten
endothelabhängigen Vasodilatation durch die Gabe von Vitamin C
wiederhergestellt werden. Die Wiederherstellung der normalen Endothelfunktion
ist nach Aussage der amerikanischen Wissenschafter ein wichtiges Hilfsmittel
zur Senkung des Risikos vaskulärer Erkrankungen (20).
Reduzierte Serum-Ascorbinsäure-Konzentrationen
(Makroangiopathie = Erkrankung der kleinen, mittleren und großen peripheren
Arterien und der Koronarien)
Eine Studie von Nagano, Tokio, First Department of Internal Medicine,
erbrachte den Nachweis, dass bei Diabetikern mit einer fortgeschrittenen
Atherosklerose (Makroangiopathie) eine signifikante Abnahme der
Serum-Ascobinsäurekonzentration festzustellen war. Ascorbinsäure ist der
japanischen Arbeitsgruppe zufolge nicht nur ein Radikalscavenger, der die
Oxidation von LDL verhindert, sondern Ascorbinsäuredefizite hemmen die
Kollagenbiosynthese und führen zur oxidativen Gefäßzerstörung. Ferner fungiert
Ascorbinsäure als Aldose-Reduktase-Hemmer und verlangsamt dadurch über die
Hemmung des Polyol-Stoffwechselweges die Entwicklung einer Atherosklerose.
AGEs als Mediatoren chronischer Erkrankungen
AGEs sind die Endprodukte von nichtenzymatischen Glykierungsreaktionen.
Glucose und andere reduzierende Zucker in der offenen Aldehydform reagieren in
einer nichtenzymatischen Reaktion mit freien N-terminalen und
Epsilon-ständigen Aminogruppen in Proteinen. Die entstehenden Schiffschen
Basen werden innerhalb kurzer Zeit zu stabileren, aber noch reversiblen
Amadori-Produkten umgelagert. Die offene Ketoform des dabei gebildeten
Ketoamins kann mit anderen Aminogruppen reagieren. Durch Oxidation,
Kondensation und Dehydrierung entstehen letztlich irreversibel quervernetzte
Komplexe, die Protease-resistent und kaum abbaubar sind. Durch Bindung an
spezifische Rezeptoren vermitteln AGEs auch intrazelluläre Signalmechanismen,
die von potenziell pathogener Bedeutung sind. Einer dieser spezifischen
Rezeptoren, RAGE, vermittelt intrazellulär oxidativen Stress, der den
Transkriptionsfaktor NF-KappaB und die entsprechende Genexpression induziert,
die möglicherweise bei diabetischen Spätkomplikationen eine Rolle spielen (21)
(Abb. 4).
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Quelle: Nawroth, P., Bierhaus, A., Vogel, G.,
Hofmann, M., Nichtenzymatische Glykierung und oxidativer Stress bei
chronischen Erkrankungen und Diabetes mellitus. Medizinische Klinik, 1999,
29–38 |
Antioxidantien und AGEs
Die Datenlage für den Einsatz von Antioxidantien als Adjuvans zur optimierten
Glukosekontrolle ist bei der diabetischen Neuropathie besser belegt als bei
anderen diabetischen Folgeerkrankungen. Obwohl Ascorbat aufgrund seiner
antioxidativen Eigenschaften die AGE-Bildung reduzieren kann, ist vor einem
unkritischen Einsatz besonders hoher Vitamin C-Dosen zu warnen. Grund ist,
dass das Hauptabbauprodukt des Vitamin C, die L-Threose, selbst eine rasche
Reaktionsrate hat. Dabei bilden zwei Moleküle L-Threose mit der
Epsilon-Aminogruppe eines Lysins das Formyl-Threosyl-Pyrrol, ein AGE-Produkt,
das innerhalb eines Tages gebildet werden kann. Die Dehydroascorbinsäure kann
leicht in Aldehyde und Ketone zerfallen, die eine AGE-Bildung eingehen können.
Diabetiker weisen oft hohe Dehydroascorbinsäurekonzentrationen auf.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die nichtenzymatische Reduktion der
Dehydroascorbinsäure zur Ascorbinsäure durch Glutathion.
Weitere Forschungen scheinen auf diesem Gebiet notwendig zu sein.
Vitamin C ist in entscheidender Weise in den Vitamin-E-Metabolismus
involviert, indem es der Regeneration von Tocopherol dient (Abb. 5).
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Abb. 5: Schematische Darstellung der Elimination von Radikalen aus der lipophilen Phase einer Phospholipidmembran. Das durch die Reaktion mit einem Alkoxylradikal (FS) entstandene Tocopheroxylradikal (TPh) übergibt die Elektronendifferenz an membranständige Ascorbinsäure (AS). |
Achtung: Verschiedene gängige Nachweisreaktionen von Glukose im Harn bedürfen einer kritischen Hinterfragung, wenn gleichzeitig unmittelbar vor Probennahme eine Ascorbinsäuremedikation erfolgte. Ascorbinsäure vermag Testreagentien – insbesondere den Glukose-Oxidase-Test – zu beeinflussen.
Vitamin E
Diabetes mellitus erhöht die Gefahr für kardiovaskuläre Gefäßerkrankungen,
wobei die Progredienz in besonderer Weise durch weitere Risikofaktoren
(Rauchen, Metabolisches Syndrom, Hypercholesterinämie) begünstigt wird. 75%
aller Todesfälle sind bei Diabetikern durch kardiovaskuläre Erkrankungen
bedingt, wobei die koronare Herzerkrankung und der Herzinfarkt zu den
häufigsten diabetischen Folgeerkrankungen gehören.
Vitamin E (Tocopherol) wirkt als Radikalfänger in der Lipidphase, führt zum
Kettenabbruch bei der Lipidperoxidation und schützt die Lipoproteine im
Plasma. Beta-Carotin ist ebenfalls ein Radikalfänger in der Lipidphase, der
jedoch bei niedrigem Sauerstoffpartialdruck wirksam ist. Es hat die stärkste
Wirkung gegen den Singulettsauerstoff. Die antioxidativ wirksamen Vitamine
ergänzen sich in ihrer Wirkung mit Glutathion, so dass eine Zufuhr aller
Antioxidantien für eine optimale Wirkung essenziell ist (4). Die
ROI-induzierte thrombogene Transformation der Gefäßwand und die Bildung von
atherosklerotischen Läsionen sowie die reduzierte Stabilität
atherosklerotischer Plaques wird als wichtige Ursache der akuten kardialen
Komplikation beim Diabetiker gesehen. Die genannten Prozesse werden durch
Vitamin E und andere Antioxidantien gehemmt, was durch zell- und
molekularbiologische Untersuchungen nachgewiesen wurde. Eine Untersuchung an
der Harvard Medical School lässt eine Hemmung der Entwicklung von Retino- und
Nephropathien durch Einsatz von hohen Dosierungen an Vitamin E (1.500 I.U./Tag)
bei Typ 1-Diabetikern im Rahmen der Primärprävention erkennen. Die Glykierung
von Proteinen verursacht die Inaktivierung von Enzymen sowie die Veränderung
der Struktur und Funktion von Kollagen. Das Ausmaß des glykierten Hämoglobins
reflektiert das Ausmaß der Glykierung anderer Proteine. Die Bildung glykierten
Hämoglobins ist nichtenzymatisch, langsam und weitgehend irreversibel.
Zahlreiche Studien haben belegt, dass bei Diabetikern eine Vitamin
E-Supplementierung die Konzentration glykierten Hämoglobins reduzieren kann.
Als Mechanismus wird vermutet, dass eine vermehrte Biogenese von
Sauerstoffradikalen die Lipidperoxidation forcieren kann, und zwar mit dem
Korrelat einer Akkumulation von Malondialdehyd, die beim Diabetiker die
Glykierung von Proteinen stimuliert. Durch die Hemmung der radikalinduzierten
Lipidperoxidation kann Vitamin E die Malondialdehyd-Bildung und damit die
Glykierung von Protein reduzieren (23).
Zur Erzielung therapeutischer sekundärpräventiver Effekte sind Dosierungen von 400–800 IE (entspr. 270–540 mg RRR-Alpha-Tocopherol) empfehlenswert.
Die Frage der optimalen Dosierung kann nach den bisher
vorliegenden Studien nur unzureichend beantwortet werden. Für den gesunden
Menschen wird eine Zufuhr von 40–60 mg Vitamin E täglich empfohlen. Laut
Expertenmeinung sind bei Risikopatienten mit erhöhtem oxidativen Stress wie
Diabetikern höhere Dosierungen zur Primär- und Sekundärprävention
atherosklerotischer Gefäßveränderungen erforderlich. In Präventionsstudien
wurden überwiegend Dosierungen von 100–800 IE Vitamin E eingesetzt. Zur
Erzielung therapeutischer sekundärpräventiver Effekte sind Dosierungen von
400–800 IE (entspr. 270–540 mg RRR-Alpha-Tocopherol) empfehlenswert. In diesem
Dosierungsbereich tritt auch eine antioxidative Wirkung hinsichtlich der
LDL-Oxidation ein (400 IE) (22).
Weitere klinische Untersuchungen belegen eine Hemmung der Monozyten- und
Thrombozytenadhäsivität und -aggregation (5).
Hervorgehoben werden soll weiters, dass sich hohe Dosierungen von Vitamin E
auch zur Prävention diabetischer Nephro- und Retinopathien als effektiv
erwiesen haben.
Vitamin A/Zink
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich bei insulinpflichtigen
Diabetikern erniedrigte Spiegel sowohl an Retinol als auch des
Retinolbindungsproteins (RBP) nachweisen lassen. Da dieses Phänomen in seinen
Ursachen weitgehend ungeklärt ist, lassen sich nur Mutmaßungen anstellen: Für
die Biosynthese des RBP (Retinolbindungsprotein) hat Zink eine wichtige
Bedeutung. RBP versorgt die Körperzellen aus den hepatischen Depots mit
Vitamin A.
Bei vielen Diabetikern ist eine verstärkte renale Eliminierung von Zink
auffällig, wobei die erhöhten Zinkverluste das 2- bis 3-Fache der Norm
erreichen (6). In zahlreichen Berichten wurde über niedrige Zinkwerte im Blut
von Diabetikern berichtet. Dabei scheint die Dauer der Erkrankung und die
Qualität der Einstellung die Entwicklung eines Zinkmangels beim Diabetiker zu
begünstigen. Dieses Phänomen wurde durch die Beobachtung bestätigt, dass 54
männliche Typ 1-Diabetiker mit einer diabetischen Polyneuropathie und Impotenz
niedrige Zinkwerte im Serum aufwiesen. Auch die oft verzögerte Wundheilung von
Unterschenkelulzera bei Diabetikern wird im Zusammenhang mit Zinkdefiziten
gesehen (6). Da Zink auch die Bioverfügbarkeit von Folsäure und Vitamin B6 aus
der Nahrung erhöht, sind die bei Diabetikern häufig auftretenden Defizite
dieser Vitamine oft mit Zinkdefiziten vergesellschaftet, eine Erscheinung, auf
die noch ausführlich eingegangen wird.
Achtung: Diabetiker weisen oft einen Zinkmangel auf.
B-Vitamine
Vor allem die Vitamine der B-Gruppe greifen entscheidend in den
Kohlenhydrat-Stoffwechsel ein. Auf eine Unterversorgung reagieren in erster
Linie jene Gewebe empfindlich, die ihre Energie aus dem Kohlenhydratabbau
beziehen, wie z.B. das Nervensystem. Auch im Hinblick auf vaskuläre
Begleit-Erkrankungen sind B-Vitamine, wie B6, B12 und Folsäure, von Bedeutung,
da sie in den Stoffwechsel der toxischen Aminosäure Homocystein involviert
sind. Patienten mit manifestem Diabetes mellitus leiden in einem hohen
Prozentsatz an symptomatischer, peripherer Neuropathie. Schmerzen und
Missempfindungen stören das Wohlbefinden und die Nachtruhe und können normales
Gehen beeinträchtigen. Beim Fortschreiten der Empfindungsstörungen geht dem
Diabetiker die Tiefensensibilität in den Füßen verloren, was ein erhöhtes
Verletzungsrisiko mit nachfolgenden Ulzerationen und Infektionen bedeutet.
Auch bei der Therapie der diabetischen Polyneuropathie spielen die B-Vitamine
eine herausragende Rolle.
Vitamin B6-Stoffwechsel und Diabetes
Vitamin B6 bzw. das aktive Koenzym Pyridoxalphosphat besitzt eine wichtige
Rolle für den Stoffwechsel der Kohlenhydrate. Pyridoxalphosphat ist Kofaktor
für Enzyme, die sowohl in die Glukoneogenese als auch in die Glykogenolyse
involviert sind. Vitamin B6-Defizite sind mit Störungen der Glukoneogenese und
einer abnormalen Glukosetoleranz in Zusammenhang gebracht worden. Unter den
Bedingungen einer Hyperglykämie kommt es zu einer signifikanten Abnahme des
Pyridoxalphosphat-Plasmaspiegels sowie der gesamten Vitamin
B6-Konzentrationen. Vitamin B6-Defizite senken ferner die pankreatischen und
zirkulierenden Insulin-Spiegel. Ferner wurden reduzierte Spiegel an
Leberglykogen und eine signifikant reduzierte Lactat-Dehydrogenase-Aktivität
beobachtet.
Auch der Tryptophanabbau, an dem Vitamin B6 auf vielfache Weise beteiligt ist,
ist bei einer diabetischen Stoffwechsellage verändert. Im diabetischen
Rattenurin wurde eine erhöhte Ausscheidung von 3-Hydroxy-Kynurenin und
3-Hydroxyanthranilsäure gemessen, Folge der Destruktion Vitamin B6-abhängiger
Enzyme durch zelluläre Proteasen (7).
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass erhöhte
3-Hydroxyanthranilsäure-Plasma-Konzentrationen infolge Vitamin B6-Mangels die
Aktivität der Pyruvat-Dehydrogenase hemmen, welche Brenztraubensäure in
Essigsäure umwandelt, die wiederum Substrat des Krebszyklus ist (8).
Brenztraubensäure scheint in der Pathogenese der diabetischen Polyneuropathie
eine herausragende Rolle einzunehmen.
Reduzierte Insulinempfindlichkeit unter Vitamin-B6-Mangel
Frauen, die orale Kontrazeptiva anwenden, und Schwangere weisen häufig eine
abnormale Glukosetoleranz auf, die auf hormonell induzierte Vitamin
B6-Defizite zurückgeführt werden (9). Wie bereits erwähnt, führt ein Vitamin
B6-Mangel zur Ausscheidung verschiedener Tryptophanmetabolite wie Kynurenin,
Hydroxykynurenin, Xanthurensäure und Hydroxyanthranilsäure (Abb. 6).
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Abb. 6: Tryptophanabbau durch Vitamin B6-abhängige Enzyme |
Xanthurensäure ist in der Lage, Komplexe mit Insulin zu bilden, die nur noch einen Bruchteil der biologischen Aktivität des Insulins haben (10/11). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Xanthurensäure ein 8-Hydroxychinolinderivat ist, das in der analytischen Chemie als Komplexbildner z.B. für den Magnesiumnachweis über den Magnesium-Oxin-Komplex verwendet wird.
Besonders Diabetiker neigen häufig zu Vitamin-B6-Defiziten, die über die Erhöhung des Homocysteinspiegels ein erhöhtes atherogenes Risiko verursachen können. Eine Studie mit 80.000 Probanden in den USA belegte den günstigen Effekt von Folsäure und Vitamin B6 auf das Herzinfarktrisiko.
Die komplexbildenden Eigenschaften der Xanthurensäure wurden
zufällig entdeckt, als sich die Käfige, in denen Ratten gehalten wurden, die
einen Vitamin B6-Mangel mit einer erhöhten Xanthurensäureausscheidung
aufwiesen, infolge Komplexbildung des Käfigeisens mit der Xanthurensäure grün
färbten. Da auch Aluminium und Zink in schwach saurer Lösung Fällungen mit
8-Hydroxychinolinen geben, ist eine Komplexbildung von Zink mit Xanthurensäure
nicht ausgeschlossen. Bei der oft erhöhten Zinkausscheidung bei Diabetikern
könnte es sich daher um ein Korrelat einer Xanthurenazidurie handeln.
Veränderter Blutsauerstofftransport als Folge einer
Vitamin-B6-Stoffwechselstörung
Auch der Blutsauerstofftransport ist bei Diabetikern verändert. Normalerweise
können unter physiologischen Bedingungen verschiedene Proteine mit Glukose
reagieren, eine Erscheinung, die bei erhöhten Glukosekonzentrationen
signifikant beschleunigt ist.
Besonders gut untersucht sind glykiertes Hämoglobin und Albumin. Bei dem für
die Betreuung des Diabetikers wichtigen Hämoglobin A1c ist ein Glukoserest mit
dem N-terminalen Valinrest einer Hämoglobin-Beta-Kette verbunden. Die
Konzentration der glykierten Hämoglobine erlaubt eine Aussage über die
langfristige Blutzuckereinstellung eines Diabetikers.
Das nicht enzymatisch glykierte Hämoglobin A1c ist naturgemäß beim Diabetiker
erhöht und nimmt 10% und mehr des Gesamt-Hämoglobins ein, was die
Sauerstoffverbindungskapazität signifikant reduzieren kann. Dieser Vorgang
wird durch Vitamin B6 modifiziert. Pyridoxin wird von roten Blutzellen
aufgenommen und dort zu Pyridoxalphosphat umgewandelt. Die Bindung von
Pyridoxalphosphat zur Alphakette des Hämoglobins erhöht die Sauerstoffbindung
zum Deoxyhämoglobin (12). Eine Gabe von Vitamin B6 führte bei Diabetikern zu
einer Verringerung des Plasmaspiegels an Hämoglobin A1c (13). Da sowohl Typ 1-
als auch Typ 2-Diabetiker niedrige Plasma-B6-Spiegel haben und die Aktivität
der alkalischen Phosphatase – die Pyridoxalphosphat (PLP) inaktiviert – bei
Diabetikern erhöht ist, führt eine Abnahme des PLP-Spiegels zu einer erhöhten
Glykierung des Hämoglobins und einer Abnahme der Sauerstofftransportkapazität.
Pyridoxalphosphat oder Pyridoxin eignen sich bei Diabetikern dazu,
nichtphysiologische Glykierungen von Eiweißen, besonders von Hämoglobin, zu
hemmen und dadurch die Sauerstoffversorgung zu verbessern.
Langfristige Pyridoxingabe senkt das Risiko der Retinopathie beim Diabetiker
(14).
Glutathion und Homocystein bei diabetesinduzierter B6-Hypovitaminose
Das Tripeptid Glutathion besitzt aufgrund seines Redoxpotenzials und aufgrund
seiner relativ hochkonzentrierten zellulären Elektronendichte eine elementare
Bedeutung in der komplexen Aktion gegen Sauerstoffradikale, gegen oxidativen
Stress, gegen Intoxikationen mit Xenobiotika, gegen Strahlenschäden und gegen
Krebserkrankungen. Es vermittelt die Lebens-, Anpassungs- und Arbeitsfähigkeit
jeder Zelle. Wie eingangs erwähnt, steht Glutathion in enger Korrelation mit
anderen Antioxidantien wie Vitamin C, E und Carotinoiden.
Von großer Bedeutung für die Biosynthese des Glutathions sind die Präkursoren,
wobei die Glutathionbiosynthese in erster Linie durch L-Cystein limitiert
wird. Die Hepatozyten können Cystein nicht aufnehmen, so dass Nahrungseiweiße
nicht als Cysteinquelle dienen können. Eine Quelle des Cysteins ist das
Methionin, welches über das Homocystein über die Cystathionsynthase und
Gamma-Lyase über die Zwischenstufe Cystathionin Cystein bildet. Cystein ist
Bestandteil des Glucosetoleranzfaktors (Abb. 7).
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Abb. 7: Glukosetoleranzfaktor |
Dieser als Transsulfurierung bezeichnete Biosyntheseweg ist Vitamin-B6-abhängig. Dabei reagiert die Cystathionin-Gamma-Lyase empfindlicher auf Vitamin B6-Defizite als die Synthase, so dass bei einem beginnenden Vitamin B6-Mangel vermehrt Cystathionin, bei einem fortgeschrittenen Mangel vermehrt Homocystein gebildet wird, beides mit dem Korrelat einer reduzierten Cystein- bzw. Glutathionbiosynthese (Abb. 8). Glutathion dient dem Recycling antioxidativer Vitamine, als Radikalfänger und zum Abbau von Peroxiden. Homocystein bzw. Homocysteinthiolacton ist ein Risikofaktor für atherogene Veränderungen.
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Abb. 8: Abbauwege des Homocysteins |
Auch vaskuläre Veränderungen, eine häufige Komplikation bei
Diabetikern, sollte wie das erhöhte Thromboserisiko unter dem Aspekt des bei
Diabetikern sehr häufigen Vitamin-B6-Mangels Beachtung finden.
Besonders Diabetiker neigen häufig zu Vitamin-B6-Defiziten, die über die
Erhöhung des Homocysteinspiegels ein erhöhtes atherogenes Risiko verursachen
können. Eine Studie mit 80.000 Probanden in den USA belegte den günstigen
Effekt von Folsäure und Vitamin B6 auf das Herzinfarktrisiko (15).
• Interessant ist in diesem
Zusammenhang, dass viele Arzneimittel, die direkt oder über den
Zinkstoffwechsel Vitamin-B6-Defizite verursachen, Störungen der
Glukosetoleranz und diabetische Stoffwechsellagen verursachen:
orale Kontrazeptiva – Glukosetoleranzstörung/Diabetes mellitus bei
Prädisposition
Glukokortikoide – Glukosetoleranzstörung/Hyperglykämie
Alkohol – Glukosetoleranz/Diabetes Mellitus
Thiaziddiuretika – Glukosetoleranzstörungen/Verschlechterung einer
diabetischen Stoffwechsellage
Schleifendiuretika – dito
INH – Hyperglykämien
Folsäure
Laut Ernährungsbericht aus dem Jahre 1984 ist die Versorgung der Bevölkerung
mit den Vitaminen B1 und Folsäure kritisch (16). Es wurde mit dem Auftreten
eines Folsäuremangels bei 10% aller Diabetiker gerechnet.
Eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergab, dass 13% der
weiblichen und 7% der männlichen Diabetiker weniger als 80 Mikrogramm
Folsäure/Tag (d.h. weniger als 50% der empfohlenen Zufuhrmenge) zu sich
nahmen.
Bei der Beurteilung der Folatversorgung darf nicht vergessen werden, dass
Zinkdefizite die Bioverfügbarkeit der Folsäure limitieren, da Folate als
Monoglutamate resorbiert werden, d.h. die Nahrungsfolate, die als
Polyglutamate vorkommen, müssen durch die pankreasaktive Folsäuredekonjugase,
die zinkabhängig ist, in Monoglutamate umgewandelt werden.
Da auch Folsäure in den Homocysteinstoffwechsel involviert ist, ist ein Mangel
häufig mit einer Hyperhomocysteinämie verbunden. Ferner treten bei
Folsäurehypovitaminosen folgende Symptome auf:
• Blutbildveränderungen;
• neurologische und psychiatrische
Störungen;
• Schleimhautveränderungen.
Unter dem Aspekt, dass ca. 30% aller durch die Behandlung von
Diabeteserkrankungen im Krankenhaus verursachten Kosten im Zusammenhang mit
der Behandlung des diabetischen Fußes stehen, ist eine Substitution von
B-Vitaminen zur Prävention einer Polyneuropathie – auch als Folge einer
Unterversorgung mit Vitamin B6, B1 und Folsäure – sinnvoll, um die
Lebensqualität von Diabetikern zu erhöhen und Folgekosten zu reduzieren.
Vitamin B12
50% aller Diabetiker weisen diskrete oder ausgeprägte Neuropathien auf, die
von sensiblen Störungen, rein motorischen Ausfällen, vegetativen und
trophischen Ausfällen (Blase, Darm, Gelenke, Haut) bis zu Blasenentleerungs-
und Potenzstörungen reichen.
Die pathologisch-anatomischen Veränderungen sind heterogen und reichen von
Vorderhornzell-Läsionen mit neurogener Muskelatrophie, Degenerationen von
Spinalganglienzellen mit Hirnstrangdegeneration, vaskulären Läsionen
peripherer Nerven und Muskeln bis zur Degeneration intra- und perineuraler
Gefäße (16).
Biguanide (Metformin) können einen Vitamin-B12-Mangel verursachen.
Neuropathien können durch wiederholte schwere Hypoglykämien
ausgelöst werden. Berichte aus der internationalen Literatur führen an, dass
diabetische Patienten auf eine intrathekale Anwendung ansprachen, wenn andere
Therapieversuche keinen Erfolg hatten. Vitamin B12 soll dabei den
Nervenstoffwechsel normalisieren und die Myelinscheide regenerieren, so dass
sich reversible Störungen der peripheren sensiblen Neurone sowie Schmerz gut
behandeln lassen (17).
Vitamin B1
Vitamin B1, Thiaminpyrophosphat, hat Coenzymfunktionen für den Metabolismus
von alpha-Keto-Säuren und 2-Keto Zuckern. Ferner ist es essenziell für die
oxidative Decarboxylierung von Brenztraubensäure. Bei der oxidativen
Decarboxylierung von Pyruvat wird CO2 abgespalten und Acetyl-CoA gebildet, das
in den Citrat-Zyklus gelangt. Der Thiaminstatus bei den verschiedenen Gruppen
von Diabetikern ist nicht einheitlich. Insulinabhängige Diabetiker haben oft
niedrige Blut-Thiamin-Spiegel. Die Transketolase katalysiert die Spaltung
einer C-C Bindung in 2 Oxo-Zuckern. Untersuchungen bei Diabetikern haben
gezeigt, dass die Transketolase-Aktivität eng mit der Vitamin B1-Aufnahme
korreliert.
Die Funktionen des Thiamins im Nervengewebe sind vielfältig. Aufgrund des
hohen Umsatzes und der geringen Speicherfähigkeit muss dem Körper ständig
Thiamin exogen zugeführt werden. Ein Mangel führt zu kardiovaskulären (feuchte
Beriberi), nervösen Störungen mit Über- und Unterempfindlichkeiten,
Fußbrennen, Nervenentzündungen, Muskelschmerzen und Lähmungen (trockene
Beriberi) sowie zerebrale Störungen mit Wernicke-Encephalopathie und
Korsakoff-Syndrom.
Eine placebokontrollierte, doppelblinde Untersuchung mit einer Vitamin
B-Kombination (B1, B6, B12/-B1) Benfotiamin (lipidlösliches B1-Derivat)
erbrachte eine signifikante Verbesserung der Schmerzsituation (47% des
Ausgangswertes) und der Sensibilitätsstörung (71,4% des Ausgangswertes) bei
der Behandlung der diabetischen Polyneuropathie (24).
Wechselwirkung zwischen Biguaniden und Vitamin B12
Kompliziert wird das Symptomenbild der klassischen diabetischen Neuropathie
durch einen Vitamin-B12-Mangel, der durch Biguanide verursacht wird. Biguanide
wie Metformin wirken nicht wie Sulfonylharnstoffe über die Aktivierung der
Insulinsekretion im Pankreas, sondern greifen in den Kohlenhydratstoffwechsel
ein, indem sie die Glykogenbildung in der Leber steigern und die
Glukoseaufnahme in die periphere Muskulatur erhöhen. In einer Untersuchung an
21 Patienten wurde eindeutig nachgewiesen, dass Biguanide eine intestinale
Resorptionsstörung für Vitamin B12 und Xylose verursachen (18). Weitere
Studien berichten darüber, dass es bei ca. 30% der Biguanidanwender
(Metformin) zu einer signifikanten Abnahme der Vitamin B12-Aufnahme kam.
Nach Einstellung der Metformingabe normalisierten sich die Vitamin
B12-Resorption und der Vitamin B1-Plasmaspiegel wieder (19). Es lässt sich
nicht ausschließen, dass nach langfristiger Metformingabe das komplexe
Symptomenbild der diabetischen Neuropathie überlagert wird von den
neurologischen Auswirkungen eines Vitamin-B12-Mangels, der von
Sensibilitätsstörungen in den unteren Extremitäten über Lähmungen bis zu
hypochondrischen und depressiven Symptomen bis paranoiden Psychosen reichen
kann.
Biotin
Niedrige Biotinspiegel sind im Zusammenhang mit Störungen des peripheren
Nervensystems diskutiert worden. Epileptiker und Alkoholkranke reagieren mit
hoher Signifikanz positiv auf Biotin hinsichtlich neuronaler Störungen (20).
Biotin wird in Dosen von 5–10 mg pro Tag über 4–6 Wochen bei Diabetikern zur
Verhütung und zur Therapie peripherer Neuropathien empfohlen. Als Ursache der
diabetesinduzierten Neuropathien wird eine Anreicherung von Pyruvat
diskutiert. Pyruvat wird durch die thiaminabhängige Pyruvatdehydrogenase und
durch die biotinabhängige Pyruvatcarboxylase abgebaut (20). In einer Studie
mit insulinpflichtigen Diabetikern wurde beobachtet, dass nach Gabe von 16 mg
Biotin pro Tag die Biotinspiegel epithelialer Gewebe höher als bei normalen
Vergleichspersonen waren, während die Plasmaspiegel beider Gruppen normal
waren. Dies könnte an einer anormalen Biotin-Proteinbindung bei Diabetikern
liegen, wodurch Biotin nicht verfügbar ist (20) (Abb. 9).
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|
Abb. 9: Stoffwechselsituation beim Diabetiker |
Bei Diabetikern wird Biotin in Dosen von 5–10 mg/Tag zur
Verhütung und Therapie peripherer Neuropathien empfohlen.
Pantothensäure
Die Beobachtung, dass Diabetiker erhöhte Mengen an Pantothensäure ausscheiden
(4), sollte eine diätetische oder medikamentöse Zufuhr von Pantothensäure
(siehe Tabelle) zur Folge haben.
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Pantothensäuregehalte verschiedener Nahrungsmittel |
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|
Nahrungsmittel |
Pantothensäure |
||
|
Äpfel |
0,1 |
||
|
Bananen |
0,2 |
||
|
Brombeeren |
0,25 |
||
|
Erdbeeren |
0,26 |
||
|
Grapefruit |
0,25 |
||
|
Himbeeren |
0,2 |
||
|
Orangen |
0,2 |
||
|
Stachelbeeren |
0,15 |
||
|
Karfiol |
1,0 |
||
|
Karotten |
0,27 |
||
|
Kartoffeln |
0,3 |
||
|
Kohl |
0,1–1,4 |
||
|
Mais |
0,89 |
||
|
Tomaten |
0,31 |
||
|
Champignons |
2,1 |
||
|
Bäckerhefe |
5,3 |
||
|
Erdnüsse |
2,14 |
||
|
Walnüsse |
0,7 |
||
|
Haferflocken |
0,92 |
||
|
Hühnerei (Vollei, roh) |
1,6 |
||
|
Kuhmilch |
0,33 |
||
|
Muttermilch |
0,24 |
||
|
Käse |
0,1–0,9 |
||
|
Hühnerleber |
4,1 |
||
|
Kalbsleber |
9,7 |
||
|
Schweineleber |
7,0 |
||
|
Fleisch (Rind) |
0,33–2,0 |
||
|
Fleisch (Schwein) |
0,4–3,1 |
||
|
Empfehlungen für Pantothensäurezufuhr (Friedrich, 1987) |
|||
|
. |
Panthotensäure mg/Tag |
||
|
. |
DGE |
RDA |
|
|
Säuglinge |
0–6 Monate |
4 |
2 |
|
Kinder |
1–3 Jahre |
5 |
3 |
|
Personen über 12 Jahre |
8 |
4–7 |
|
|
Schwangere |
10 |
. |
|
|
Stillende |
10 |
. |
|
Auch Pantothensäuremangel kann zu Parästhesien, Muskelschwäche und Persönlichkeitsveränderungen führen, also einen Beitrag zum komplexen Erscheinungsbild der Neuropathie leisten. Bei unterernährten Bevölkerungsgruppen beobachtet man oft Schmerzen der Zehen und Füße sowie ein Brennen der Füße, was teilweise dem Pantothensäuremangel zugeschrieben wird.
|
Fazit |
Apotheker Jens Bielenberg,
Bahnhofsstraße 53, D-25364 Westerhorn
Sport und gesunde Lebensführung können besser vor Diabetes schützen als Blutzuckersenker,
Vitaminsymposium vom 13.11.1999 (Frankfurt/M.): „Die
Bedeutung von Vitaminen in der Gesundheitsvorsorge“ - Schwerpunktthema: Vitamin
C und Diabetes mellitus -
von Henning Friesicke, Christoph Müller
Das Vitaminsymposium in Frankfurt präsentierte erstaunliche Forschungsergebnisse
hinsichtlich der vielseitigen Anwendungs- und Therapiemöglichkeiten der „Königin
der Vitamine„: Vitamin C. Insbesondere auf die Supplementierung von Vitamin C
bei Diabetes mellitus ging Herr Prof. Dr. Rösen ein. Er stellte hierbei das
Konzept der adjuvanten Therapie vor, wobei das Vitamin C zur Vermeidung der
gefürchteten Folgeerscheinungen und Komplikationen einen inzwischen
unerlässlichen Stellenwert einnimmt.
1. Die Referenten
„Präventive Möglichkeiten einer ausreichenden Versorgung mit Vitaminen und
Antioxidantien bei der Entstehung von Krebs„
Prof. Dr. Klaus-Konrad Biesalski
- Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaften Stuttgart -
führte in seinem Vortrag aus, warum die sog. Mikronährstoffe, zu denen Vitamine,
Mineralien und Spurenelemente zählen, zu den Stoffen gehören, die für die
Entwicklung und Gesundheit des Menschen von essentieller Bedeutung sind. Diese
können, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in unserem Organismus nicht
synthetisiert werden und müssen daher regelmäßig in ausreichender Menge mit der
Nahrung zugeführt werden. Sowohl Vitamine als auch Spurenelemente bzw.
Mineralien können wahrscheinlich sehr selektiv in neoplastische
Wachstumsvorgänge eingreifen und diese hemmen - erste Erfolge in der Forschung
zeichnen sich hier ab. Aus epidemiologischen Studien lässt sich entnehmen, dass
Personen, die einen hohen Blutspiegel an z.B. Vitamin C aufweisen, ein
geringeres Risiko für die Entwicklung bestimmter Krebsformen haben. Supplemente
können somit - immer in Verbindung mit einer gesunden Ernährung - eine wichtige
Säule zur Prävention von Krebserkrankungen darstellen.
„Die Bedeutung einer parenteralen Vitamin C-Infusionstherapie in der
Onkologie„
Dr. med. Friedrich Migeod
- Chefarzt der Klinik St. Georg in Bad Aibling - ging in seinen Ausführungen auf
die besondere Bedeutung der parenteralen Vitamin C- Supplementierung bei
Tumorpatienten ein. Da Ascorbinsäure in vielfältiger Art und Weise in das
Krebsgeschehen eingreift (Vitamin C führt u.a. zu einer Reduktion karzinogener
und mutagener Stoffe im Organismus, wirkt als Radikalfänger, stärkt das
Immunsystem, fördert die Membranintegrität und stabilisiert das Bindegewebe),
nimmt es in der adjuvanten Therapie von Tumorpatienten eine unverzichtbare
Schlüsselrolle ein. Es hat sich in Studien gezeigt, dass Vitamin C selbst kein
erhöhtes mutagenes Risiko aufweist und so auch hochdosierte Gaben gerechtfertigt
sind. Herr Dr. Migeod unterstrich, dass insbesondere die Vitamin C-Infusionen
einen herausragenden Stellenwert einnehmen, da einerseits häufig eine zu geringe
Resorption bei diesen Patienten gegeben ist, die nur durch eine parenterale Gabe
umgangen werden kann und andererseits nur hierdurch eine für die Therapie
erforderliche Konzentration (sog. „spikes„) erreicht werden kann.
„Die Bedeutung von Vitamin C bei Diabetes mellitus„
Prof. Dr. Peter Rösen
- Diabetes Forschungsinstitut Universität Düsseldorf - betonte in seinem
Vortrag, dass die heutzutage alleinige intensivierte Insulinbehandlung und
Langzeitbehandlung mit Antidiabetika für die Mehrheit der Patienten nicht
ausreichen, da nur bei einem kleinen Teil der behandelten Patienten durch diese
Therapieformen eine normoglykämienahe Einstellung erreicht wird. Um
Spätkomplikationen bei Diabetikern zu verhindern bzw. zu verzögern, stellte Herr
Rösen das Konzept der adjuvanten Therapie mit antioxidativen Supplementen wie
Vitamin C vor. Diese Konzept stützt sich auf folgende Grundlagen:
- Der oxidative Stress ist im Diabetes erhöht, da hierbei reaktive
Sauerstoffintermediate vermehrt gebildet werden. Diese entstehen einerseits aus
einer ernährungsbedingten unzureichenden Versorgung und reduzierten Aufnahme von
antioxidativen Vitaminen, zum anderen aus einem vermehrten Verbrauch
antioxidativer Vitamine. Dadurch folgt, dass bei einem großen Teil der
diabetischen Patienten die Plasmaspiegel an u.a. Vitamin C vermindert sind.
- Der oxidative Stress ist eine Ursache für die den Typ II Diabetes
charakterisierende Insulinresistenz. Die Translokation der Insulin-abhängigen
Glucoseaufnahme wird durch reaktive Sauerstoffintermediate inhibiert, der Zusatz
antioxidativ wirkender Vitamine hebt diesen Defekt wieder auf. Klinische
Untersuchungen belegen eine verbesserte Glucosehomöostase und Insulinsensivität
nach Gabe von antioxidativen Vitaminen.
- Die reaktiven Sauerstoffintermediate sind Ursache für die Entwicklung der
vaskulären Komplikationen im Diabetes mellitus. Die Sauerstoffradikale führen
über die Aktivierung von nukleären Transkriptionsfaktoren zu einer thrombogenen
Aktivierung der Gefäßwand und zu einer Störung der Endothel-abhängigen
Vasomotorik. Diese Störung und Veränderung bedingen langfristig in Abhängigkeit
von der Lokalisation einen Umbau der Gefäßwand und der Strombahn. Aus
zellbiologischen, tierexperimentellen und human-pharmakologischen Untersuchungen
folgt, dass hohe Dosen von antioxidativen Vitaminen gefäßprotektiv wirken.
- Epidemiologische Untersuchungen belegen eine inverse Korrelation zwischen der
Aufnahme an antioxidativen Vitaminen und den kardiovaskulären Risiken.
2. Vitamin C und Diabetes mellitus
Da durch verschiedene Studien die regelmäßige Einnahme von Vitamin C bei
Diabetes mellitus (IDDM und NIDDM) auf Grund seiner positiven Wirkung nachhaltig
empfohlen wird, soll in Ergänzung zu den Vorträgen des Frankfurter Vitamin
Symposiums die Interaktion von Vitamin C und Diabetes mellitus im Folgenden noch
ein wenig genauer beleuchtet werden: Julie C. Will et al. analysierten 1996 über
23 Artikel, die ein bemerkenswertes gemeinsames Ergebnis ans Licht förderten
(1): Diabetker weisen gegenüber Stoffwechselgesunden einen um mindestens 30%
verminderten Vitamin C-Spiegel auf.
Welche Ursachen haben aber diese signifikant niedrigeren Vitamin C-
Konzentrationen im Blut und welche präventiven Möglichkeiten weist hierbei die
Ascorbinsäure bei Diabetikern auf?
Schon 1991 konnte A.J. Sinclair nachweisen, dass Diabetiker mit
mikroangiopathischen Veränderungen eine niedrigere Vitamin C-Konzentration
aufwiesen als die Kontrollgruppen, und dass im Blut nach Gabe von 1 g
Ascorbinsäure täglich die Ascorbinsäure-Plasmaspiegel bei den Diabetikern in den
ersten 3 Wochen anstiegen, dann aber in den folgenden 3 Wochen wieder abfielen.
Dies lässt auf einen erhöhten oxidativen Stress schliessen, der wiederum den
vermehrten Vitamin C-Verbrauch erklärt (2). Eine weitere Erklärung lieferte J.J.
Cunningham in einem Übersichtsartikel von 1998 (3): Er stellte heraus, dass
Insulin selbst die Aufnahme von Vitamin C fördert, eine hyperglykämische
Stoffwechsellage hingegen dies verhindert, so dass auch hier die
Supplementierung von Ascorbinsäure empfohlen wurde, um das Gewebe mit dem
Vitamin zu versorgen und die physiologischen Funktionen aufrecht zu erhalten.
3. Die protektive Wirkungen von Vitamin C
Die allgemeinen Langzeitfolgen des Diabetes sind bekannt: Makroangiopathie,
Mikroangiopathie, Retinopathie, Neuropathie u.a. - wobei erstere letztendlich
die Haupttodesursachen bei Diabetikern darstellen!
Inzwischen wird als ein wichtiger Faktor für insbesondere vaskuläre
Komplikationen eine endotheliale Dysfunktion angesehen. Eine vermehrte
Produktion von prokoagulatorischen und vasokonstriktorischen Substanzen seitens
des Endothels könnte die Zunahme von Arteriosklerose und Hypertonie in dieser
Patientengruppe erklären (4). Dass Substanzen wie Vitamin C in dieses Geschehen
protektiv eingreifen können, wurde mehrfach nachgewiesen: Ascorbinsäure führt
bei Diabetikern selektiv eine endothelabhängige Vasodilatation herbei, während
bei den stoffwechselgesunden Kontrollgruppen keine vergleichbaren Wirkungen
erzielt wurden (5,6).
Als weiterer entscheidender Faktor für Schäden am Gefäßsystem werden oxidative
Einflüsse angeschuldigt. Maxwell et al. konnten zeigen, dass Diabetiker einen
signifikanten Defekt der antioxidativen Protektion aufweisen, der seinerseits
wiederum zu vermehrten oxidativen Schäden und zur Entwicklung der diabetischen
Komplikationen beiträgt (7). Eine ausreichende Vitamin C-Supplementierung - als
ein wichtiges antioxidatives Agens - erscheint unter diesen Gesichtspunkten mehr
als sinnvoll. Einen interessanten Zusammenhang zwischen Vitamin C-Mangel,
Hyperglykämie und Arterioskleose liefert die „Skorbut - Metaplasie -Hypothese„
von K.D. Price und R.D. Reynolds (8). Hierbei wird die Entstehung der
Arteriosklerose, welche als ein entscheidender Faktor für die Entwicklung von
Komplikationen bei Diabetikern angesehen wird, ein Kollagendefizit der Gefäßwand
vermutet. Dieses ist einerseits das Resultat einer hyperglykämischen
Stoffwechsellage und andererseits eines Vitamin C-Mangels.
Ferner konnten durch Ascorbinsäuresupplementation wichtige Faktoren, die
vaskuläre Spätfolgen begünstigen, in positiver Weise verändert werden:
- Senkung eines latenten Bluthochdruckes (9,10)
- Positive Veränderung der Blutfette, wobei Vitamin C sowohl zu einer Erhöhung
des HDLs führt (11) als auch die Senkung von Triglyceride fördert (12,13)
- Verminderung von Sorbitol in den Erythrozyten, welches - insbesondere wenn es
akkumuliert - ebenfalls diabetische Komplikationen triggern kann (14)
- Abnahme der Thrombozytenaggregation (15)
4. Zusammenfassung und Empfehlungen
Die empfohlene Dosis liegt bei den Studien bei ca. 500-1000 mg, die nur
schwerlich durch eine ausgewogene Mischkost erreicht werden können. Daher ist es
unbedingt zu empfehlen, durch Vitamin C-Ergänzungspräparate (z.B VITAMIN C 100
Pascoe®) diese erforderliche und sinnvolle Menge zusätzlich täglich zuzuführen.
Schlußfolgerung: Auch wenn die Vitamin C-Supplementierung den Diabetes mellitus
nicht heilen kann, so kann sie dazu beitragen seine schwerwiegenden
Komplikationen zu vermindern oder sogar zu vermeiden.
A: Kollagendefizit durch Hyperglykämie: Ein hoher Anteil von raffiniertem Zucker
oder Rohrzucker in der Nahrung erzeugt eine Hyperglykämie, wobei Glucose die
Aufnahme von Vitamin C kompetitiv hemmt. Dadurch fehlt nun die für die
Kollagensynthese essentielle Ascorbinsäure. Es wird angenommen, dass ein
chronisches Kollagendefizit der Gefäßwand einer der entscheidenden Ursachen für
die Entwicklung der Arteriosklerose ist.
B: Die akute Entzündungsreaktion: Ein chronisches Kollagendefizit (verursacht
durch Hyperglykämie und Vitamin C Mangel) der Gefäßwand schwächt die Blutgefäße.
Verletzungen der Gefäße werden zuerst durch Fibrin und Thrombozyten (Plättchenthrombus)
verschlossen. Durch das fortbestehende Defizit an Kollagen kommt es aber im
weiteren Verlauf zu Wundheilungsstörungen.
C: Die chronische Entzündungsreaktion: Der chronische Kollagenmangel führt zu
Arteriosklerose, einer chronischen Entzündungsreaktion. Es wird angenommen, dass
größere Gefäße durch den Einbau von modifiziertem LDL versuchen, ihre Funktion
aufrecht zu erhalten. Makrophagen und glatte Muskelzellen differenzieren sich zu
Schaumzellen, die LDL modifizieren und zu ihrer Akkumulation beitragen. Diese
Anhäufung von LDL wiederum spart bei latentem Skorbut Vitamin C (und Kollagen)
mit dem Ziel, die Funktion der Blutgefäße zu erhalten.
5. Literaturverzeichnis
1. Will JC, Byers T: Does Diabetes mellitus Increase the requirement for Vitamin
C ? Nutrition Reviews 54; 193-202 (1996)
2. Sinclair AJ, Girling AJ, Gray L, Guen Cle, Lunec J, Barnett AH: Disturbed
handling of ascorbic acid in diabetic patients with and without microangiopathy
during high dose ascorbate supplementation; Diabetologica 34; 171-175 (1991).
3. Cunningham JJ: The Glucose/Insulin System an Vitamin C: Implications in
Insulin-Dependent Diabetes Mellitus; Journal of the American College of
Nutrition 17; 105-108 (1998)
4. Tribe RM, Poston L: Oxidative stress and lipids in diabetes: a role in
endothelium vasodilator dysfunction ? Vascular Medicine 1; 195-206 (1996)
5. Timimi FK, Ting HH, Haley EA, Roddy MA, Ganz P, Creager MA : Vitamin C
improves endothelium-dependent vasodilatation with Insulin-Dependent Diabetes
Mellitus; Journal of the American College of Cardiology 31; 552-7 (1998)
6. Ting HH, Timimi FK, Boles KS, Ganz P, Creager MA: Vitamin C improves
endothelium-dependent vasodilatation with Non-Insulin-Dependent Diabetes
Mellitus; Journal of Clinical Investigation 97; 22-8 (1996)
7. Maxwell SRJ, Thomason H, Sandler D, Leugen C, Baxter A., Thorpe HG:
Antioxidant status in patients with uncomplicated insulin-dependent and
non-insulin-dependent duabetes mellitus; European Journal of Clinical
Investigation 27, 484-490 (1997)
8. Price KD, Price CSC, Reynolds RD: Hyperglycemia-induced latent scurvy and
atherosklerosis: The Scorbutic-Metaplasia Hypothesis; Medical Hypotheses 46;
119-129 (1996)
9. Ness AR et al.: Vitamin C and blood pressure - an overview; Journal of Human
Hypertension 11; 343-350 (1997)
10. Osilesi O, Trout DL, Ogunwole JO, Glover EE: Blood presure and plasma lipids
during ascorbic acid supplementation in borderline hypertensive and normotensive
adults; Nutr Res 11; 405-412 (1991)
11. Hallfrisch J, Singh VN, Muller DC, Baldwin H, Bannon ME, Andreas R: High
plasma vitamin C associated with high plasma HDL and HDL2 cholesterol; Am J Clin
Nutri 60; 100-105 (1994)
12. Ginter E, Zdichynec B, Hozerova O et al.: Hypocholesterolemic effect of
ascorbic acid in maturity-onset diabetes mellitus; Int J Vitam Nutr 48; 368-373
(1978)
13. Hemilä H: Vitamin C and plasma cholesterol; Crit Rev Food Sci Nutr 32; 33-57
(1992)
14. Cunningham JJ, Mearkle PL, Brown G: Vitamin C: An aldolase reductase
inhibitor that normalizes erythrocyte sorbitol in Insulin-Dependent Diabetes
Mellitus; J Am Col Nutri 13; 344-350 (1994)
15. Bordia A, Verma Sk: Effect of Vitamin C on platelet adhesiveness and
platelet aggregation in coronary artery disease patients; Clin. Cardiol 8;
552-554 (1985)
Vitamin-B1-Derivat schützt vor diabetischer Retinopathie
NEW YORK. In tierexperimentellen Studien schützt das
Vitamin-B1-Derivat Benfotiamin vor der Entwicklung einer diabetischen
Retinopathie. Aus dem in Nature Medicine am 18. Februar online publizierten
Artikel (DOI: 10.1038/nm834) geht hervor, dass durch Benfotiamin drei
Stoffwechselwege gehemmt werden, die an der durch Hyperglykämie ausgelösten
vaskulären Schädigung beteiligt sind.
In der Studie gehen Hans-Peter Hammes von der Medizinischen Klinik V in Mannheim
und Mitarbeiter von folgender Annahme aus: Die in Erythrozyten lokalisierte
Transketolase ist bei Diabetikern weniger aktiv. Dieses Enzym kann
Fructose-6-Phosphat und Gylcerinaldehyd-3-Phosphat in Pentose-5-Phosphat und
Erythrose-4-Phosphat umwandeln. Bei Diabetikern ist das an der Glykolyse
beteiligte Enzym Glycerin-3-Phosphat-Dehydrogenase teilweise inhibiert.
Hierdurch kommt es zu einem Rückstau von Metaboliten innerhalb der Glykolyse,
wodurch der Hexosamin-, der Diacylglycerin- und der AGE-Stoffwechselweg (AGE,
advanced glycation endproducts) verstärkt aktiviert werden. Die Arbeitshypothese
der Forscher lautet: Der Metabolitenrückstau könnte durch die vermehrte
Aktivität der Transketolase vermieden werden.
In In-vitro-Experimenten wurde der Effekt von Benfotiamin auf Endothelzellen,
die aus der Aorta von Rindern stammten, in Anwesenheit von fünf mM Glukose
untersucht. Benfotiamin verhinderte die Akkumulation von Produkten der
Hexosamin-, der Diacylglycerin- und der AGE-Stoffwechselwege. Wenn Benfotiamin
weggelassen oder die Transketolase blockiert wurde, stieg die Konzentration der
erwähnten Stoffwechselprodukte an.
Als nächstes wurde der Effekt von Benfotiamin an diabetischen Ratten getestet.
Durch die Vitamingabe erhöhte sich die Transketolase-Aktivität, und die
genannten Stoffwechselparameter wie auch der Entzündungsmarker NF-κB
normalisierten sich in den Retinae. Nachdem die Ratten 36 Wochen einen Diabetes
aufwiesen, wurden die Retinae morphometrisch untersucht.
Die mit Benfotiamin behandelten Tiere zeigten wie auch gesunde Kontrolltiere
keine kapillaren Veränderungen. Hingegen hatten die nicht behandelten
diabetischen Ratten dreimal mehr azelluläre Kapillarsegmente. Die Autoren
vermuten, dass durch die Gabe von Benfotiamin oder andere Thiaminderivate
diabetische Komplikationen an Retina, Niere, Nerv oder Arterien verhindert
werden könnten.
DEUTSCHES ÄRZTEBLATT ONLINE (18.02.2003)
Retardform von Niacin ist auch bei Diabetes geeignet - Kein
Einfluß auf HbA1c-Wert
PARIS (ner). Die Statin-Therapie reicht bei Diabetikern mit Dyslipoproteinämie
allein nicht aus. Offenbar kann das hohe kardiovaskuläre Risiko von
Typ-2-Diabetikern vor allem mit einer Anhebung des HDL-Cholesterin-Spiegels
gesenkt werden, hieß es beim Kongreß der International Diabetes Federation (IDF)
in Paris.
Bereits die Anhebung des HDL-Spiegels um sechs bis acht Prozent mit Fibraten hat
nach Angaben von Professor Charles Reasner von der University of Texas in San
Antonio in den USA zu einer signifikanten Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse
geführt.
Das Nikotinsäure-Präparat Niacin steigere das HDL um bis zu 30 Prozent, so
Reasner bei einem Symposium von Merck KGaA. Zugleich sinken die Triglyzeride.
Dieser Effekt ließ sich bislang bei Diabetikern aber kaum nutzen, weil es
Berichte über eine verschlechterte Blutzuckerkontrolle sowie eine vermehrte
hepatische Glukose-Ausschüttung gab.
Untersuchungen mit einer Neuformulierung von Niacin als Retardpräparat (bereits
in den USA und Großbritannien als Niaspan® im Handel) hätten jedoch die
Effektivität und Sicherheit des Mittels bestätigt. So wird der HbA1c-Wert bei
Dosen von 1000 bis 1500 mg Niacin nicht beeinflußt, wie eine
Placebo-kontrollierte Studie mit 148 Typ-2-Diabetikern belegt (Arch Intern Med
162, 2002, 1568). Dosis-abhängig stieg das HDL um 19 bis 24 Prozent. Die
Triglyzeride sanken um 13 bis 28 Prozent.
In einer weiteren Studie mit KHK-Patienten mit Hypercholesterinämie habe Niacin
eine im Vergleich zu Placebo um 27 Prozent verminderte Herzinfarktrate erbracht,
so Reasner.
Bei Diabetikern oder Patienten mit metabolischem Syndrom würden wesentlich
größere Niacin-Effekte beobachtet als bei Patienten ohne metabolische
Stoffwechselstörungen.Ärzte Zeitung, 22.09.2003
Vitamine für Diabetiker
Nach neuesten Berechnungen leiden 3,8 Millionen Menschen in Deutschland an
Zuckerkrankheit, 4,7 Prozent aller erwachsenen Männer und 5,6 aller Frauen.
Allein die medikamentöse Behandlung zur Korrektur ihrer entgleisten
Blutzuckerwerte verschlingt im Jahr rund 1,2 Milliarden Euro, Tendenz steigend.
Diabetiker-Vitamine könnten vor Nebenschädigungen bewahren
Diabetes ist eine tückische Krankheit: Die Schädigung von Nervensystem und
Blutgefäßen schreitet im Zuge der Krankheit immer weiter voran, was oft
gefährliche Komplikationen zur Folge hat. Experten sind überzeugt: Viele dieser
Begleiterkrankungen könnten durch eine optimale Blutzucker- und
Blutdruckeinstellung sowie eine ausreichende Versorgung mit speziellen
Diabetiker-Vitaminen verhindert werden.
Besonders schwerwiegend ist das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
Herzinfarkt und Schlaganfall treten bei Diabetikern vier bis fünf Mal häufiger
auf als bei Gesunden. Die Schädigung der Blutgefäße in den Augen kann
Sehverluste zur Folge haben (die so genannte Diabetische Retinopathie). Die
Nierenfunktion wird ebenfalls gestört, so dass sich oft innerhalb von zehn
Jahren ein chronisches Nierenversagen entwickelt.
Offene Stellen und Geschwüre werden häufig nicht rechtzeitig bemerkt
Infolge von Durchblutungsstörungen ist die Wundheilung verlangsamt und Geschwüre
können entstehen. Wenn die Nerven der Beine und der Füße betroffen sind, werden
als Folge der so genannten diabetischen Polyneuropathie häufig offene Stellen
und Geschwüren an den Füßen nicht rechtzeitig bemerkt. Nach einer Berechnung des
Wissenschaftlichen Instituts der AOK mussten 2001 in Deutschland rund 30 000
Füße und Beine im Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung amputiert werden.
URL:
http://www.stern.de/wissenschaft/ernaehrung/index.html?id=513110
Im Tierversuch schützt bei Diabetes
Selen das Herz
Injektionen mit dem Spurenelement verringern Glukosekonzentration im
Blut / Vermehrung von Kollagen gebremst
BADEN-BADEN (bwa). Das Risiko eines Diabetikers, an einer KHK zu
erkranken und an einem Herzinfarkt zu sterben, läßt sich vielleicht
künftig durch eine Selen-Therapie drastisch reduzieren. Hinweise dafür
gibt es aufgrund aktueller Forschungsergebnisse bei Tieren.
Die Studienergebnisse hat Professor Belma Turan von der Universität
Ankara in der Türkei bei der 37. Medizinischen Woche Baden-Baden auf dem
von dem Unternehmen biosyn unterstützten "Schrauzer-Symposium"
vorgestellt.
Der Forschungsansatz von Turan bezieht sich auf die These, daß
Diabetes-induzierte Veränderungen am Herzmuskel auf oxidativem Streß
beruhen. Unter dieser Voraussetzung wäre eine gezielte Therapie mit
Antioxidantien ein vielversprechender Ansatz. Turan hat sich in ihrer
Untersuchung für Selen entschieden, das als Bestandteil von Selenenzymen
stark an der oxidativen Streßabwehr beteiligt ist.
Um ihre These zu überprüfen, behandelte die Wissenschaftlerin Ratten mit
dem Glukosamin-Derivat Streptozotocin. Dadurch kommt es zu ähnlichen
Symptome wie bei Typ-1-Diabetes, auch zu Kardiomyopathie. Dann
injizierte sie den Tieren vier Wochen lang Natrium-Selenit, und zwar
täglich 5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Ergebnis: Bereits nach zwei Wochen hatte keine der Ratten einen erhöhten
Blutglukosewert. Am Ende der Therapie waren sogar die Zellschädigungen
am Herzmuskel zurückgebildet. Auch die unter der
Streptozotocin-Behandlung entstandene Zunahme der Kollagenfasern und
Degenerationen der Herzfibrillen wurden gebremst. Damit ging eine
Normalisierung des Aktionspotentials einher, was auch für eine
Zurückbildung der Kardiomyopathie spricht.
Turan vermutet, daß eine Natrium-Selenit-Therapie die Herzkomplikationen
bei Diabetes lindern könnte. Dies wurde von Selen-Pionier Professor
Gerhard Schrauzer aus San Diego in Kalifornien, nach dem das Symposium
benannt wurde, als eine vielversprechende Therapie-Option bei Diabetes
bewertet. Ärzte Zeitung, 21.11.2003
Hier gibt's
Selen
Diabetes: L-Carnitin schützt Herz und Gefäße
L-Carnitin kann das Risiko für koronare
Herzerkrankungen und Durchblutungsstörungen bei Typ 2-Diabetikern
mit erhöhten Blutfettwerten reduzieren. Diabetikern wird die
Einnahme von 500 bis 1.000 Milligramm L-Carnitin pro Tag
empfohlen. Eine aktuelle Studie belegt, dass L-Carnitin die
Plasmakonzentration von Lipoprotein A signifikant senkt.
Die Konzentration des Lipoprotein A im Plasma ist ein Hinweis auf
das Risiko eine koronare Herzkrankheit oder Durchblutungsstörung
zu erleiden. Im Rahmen der randomisierten und
Placebo-kontrollierten Studie wurden 94 Patienten, bei denen kurz
zuvor ein Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert worden war und
die gleichzeitig erhöhte Blutfettwerte aufwiesen, in zwei Gruppen
eingeteilt. Die Therapie des Diabetes erfolgte während der
sechsmonatigen Studie ausschließlich diätetisch. Während die
Interventionsgruppe täglich ein Gramm Carnitin in Tablettenform
erhielt, bekamen die Probanden der zweiten Gruppe ein Placebo.
Sowohl nach drei als auch nach sechs Monaten zeigte sich bei den
Probanden der Interventionsgruppe eine deutliche Reduktion der
Plasmakonzentration des Lipoprotein A.
Auch wenn es sich bei der vorliegenden Untersuchung nur um eine
Vorstudie handelt, zeigt sich doch bereits eine deutliche Tendenz
für die schützenden Eigenschaften des L-Carnitins. Neben der
Eigenproduktion ist der Körper des Menschen auf eine Zufuhr mit
der Nahrung angewiesen. Da L-Carnitin jedoch vorwiegend in
tierischen Produkten enthalten ist, die Menschen mit erhöhten
Blutfettwerten besser meiden sollten, kann eine
L-Carnitin-Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln, Diätetika
oder Arzneimitteln sinnvoll sein.
Quelle:
(1) Derosa G, et al.: The effect of L-carnitine on plasma
lipoprotein(a) levels in hypercholesterolemic patients with type 2
diabetes mellitus. Clinical Therapeutics 2003; 25 (5): 1429-39
Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Bad Aachen
Diabetische Ratten:
Omega-3-Fettsäuren
retten im Labor das Augenlicht
Die derzeit viel diskutierten Omega-3-Fettsäuren, wie sie in Fischöl vorkommen,
können möglicherweise auch Diabetiker vor dem Verlust des Augenlichts bewahren.
Darauf deutet eine Studie an Ratten hin, die das britische Fachmagazin «New
Scientist» vorstellt (Nr. 2433, S.12).
Algis Vingrys von der Universität Melbourne in Australien fütterte dazu
diabetische Ratten entweder mit Fischöl oder mit Distelöl. Nach 24 Wochen hatten
die Fotorezeptoren in den Augen der mit Distelöl gefütterten Tiere ein Drittel
ihrer Leistungsfähigkeit eingebüßt. "Aber die diabetischen Tiere, die Fischöl
erhielten, zeigten keine Unterschiede zu gesunden Tieren", berichtete Vingrys
vor wenigen Tagen auf einem Kongress der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft
Australiens in Melbourne.
Bislang wird eine Erblindung bei Diabetes in der Regel darauf zurückgeführt,
dass der hohe Blutzuckergehalt die Blutgefäße im Auge schädigt. Der Tierversuch
deutet jedoch darauf hin, dass direkt die Lichtrezeptoren angegriffen werden.
"Bei den Blutgefäßen war kein Verlust festzustellen", sagte Vingrys.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten von Omega-3-Fettsäuren werden derzeit
diskutiert. Unter anderem sollen sie bei Herzkrankheiten oder Hyperaktivität
helfen.
Andere Forscher befürchten allerdings, dass im Übermaß verabreichte Fettsäuren
die Krebs erregenden freien Radikale freisetzen. 04.02.2004 Infos für Ärzte
http://www.journalmed.de
Zimt senkt Blutzuckerwerte
Altersdiabetes (Typ-ll-Diabetes) verbreitet sich angesichts unserer oft falschen
Lebensweise mit nach wie vor zu üppiger Ernährung immer mehr. Ein besonderer
Risikofaktor ist das Übergewicht. Sobald Fett- und Muskelzellen nicht mehr auf
Insulin reagieren, bleibt überschüssige Glucose im Blut. Nun wurde anlässlich
eines Lebensmitteltests durch Zufall entdeckt, dass Zimt die Fähigkeit besitzt,
den Glucosestoffwechsel zu erhöhen. Wissenschaftliche Untersuchungen sowie
Versuchs- und Vergleichsstudien bestätigen, dass die im Zimt enthaltene,
wasserlösliche Polyphenolverbindung MHCP ein Insulin ähnlicher Wirkstoff ist,
der in Zellen auch tatsächlich synergetisch mit dem Insulin arbeitet. Bei
regelmässiger Einnahme einer Kleindosis Zimt reduzierten sich die
Blutzuckerwerte bei Typ-li-Diabetikern um durchschnittlich 20%. Zudem
verringerte Zimt die Fett- und Cholesterinwerte im Blut. Für die problemlose
Einnahme von qualitätsgeprüftem, reinem Zimt gibt es jetzt in Apotheken und
Drogerien die Zimt 500 Tabletten, je in der Grösse einer Tagesdosis. Zimt wirkt
auch ausgleichend auf innere Organe.
Durch die Sensibilisierung der Zellen für Insulin kann sich das Risiko, an
Altersdiabetes zu erkranken, verschieben lassen oder überhaupt reduzieren.
http://www.universal-frame.com
Dunkle Schokolade:
Anti-Aging-Effekt
durch
Flavanole und Polyphenole
Der Genuss von dunkler Schokolade wirkt sich positiv auf den Blutdruck und bei
Diabetes aus und hat zudem einen Anti-Aging-Effekt. Der Grund dafür sind die in
der dunklen Schokolade enthaltenen Flavanole. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Studie der Università degli Studi dell´Aquila, die in der aktuellen Ausgabe des
American Journal of Clinical Nutrition publiziert wurde. "Durch den Konsum von
dunkler Schokolade kann nicht nur der Blutdruck gesenkt, sondern auch die
Insulinsensibilität verbessert werden", erklärte Claudio Ferri, der Leiter der
Studie.
Die italienischen Forscher verabreichten einem Untersuchungssample von 15
Personen täglich 100 g dunkle Schokolade, welche eine Menge von 500 mg
Polyphenol enthält. Gleichzeitig wurde eine Kontrollgruppe angewiesen, täglich
90 Gramm weiße Schokolade - die keinerlei Polyphenole enthält - zu konsumieren.
Die Forscher konnten beobachten, dass durch den Verzehr von dunkler Schokolade
die Insulinresistenz signifikant niedriger und die Insulinsensibilität höher
war, als in der Kontrollgruppe. Die Erkenntnis, dass durch den Schokoladekonsum
der Körper besser in der Lage ist Zucker abzubauen, ist vor allem für
Diabetes-Kranke
von Bedeutung. Darüber konnte bei den Probanden der dunklen Schokolade auch eine
Senkung des systolischen Blutdrucks registriert werden.
Der Grund für die gesundheitsfördernde Wirkung der Schokolade wird von den
Experten auf die in dem Produkt enthaltenen Flavanole zurückgeführt. Denn
Flavanol ist ein Antioxidans, welches die Fähigkeit besitzt Zell-Struktur
angreifende Substanzen - so genannte freie Radikale - zu neutralisieren. Eine
ähnliche Wirkung wurde auch anderen Produkten attestiert, die Flavanole
enthalten, beispielsweise Tee oder Wein. "Die Identifizierung von gesunden
Produkten und das Verständnis, dass manche Produkte die Physiologie des Körpers
positiv beeinflussen ist wichtig für eine gesunde Ernährung. Trotzdem rate ich
zu Vorsicht, denn Schokolade enthält zwar Antioxidantien, darüber hinaus aber
auch jede Menge Fett und Kalorien", erklärte Ferri.
22.03.2005 Infos für Ärzte
Vitalstoffe: Diabetiker brauchen mehr
Diagnose Diabetes: In den vergangenen 15 Jahren stieg in Deutschland die
Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes („Alterszucker“) um rund 50 Prozent.
Geht diese dramatische Entwicklung weiter, wird im Jahr 2030 jeder fünfte
Bundesbürger unter der chronischen Stoffwechselerkrankung leiden, schreibt
der Ratgeber aus Ihrer Apotheke.
Vielen Zuckerpatienten fehlen wertvolle Vitamine und Mineralien – das
zeigten wissenschaftliche Studien. Eine Unterversorgung mit Vitalstoffen
erhöht jedoch das Risiko für ernste Folgeschäden. Im Vergleich zu gesunden
Menschen haben Zuckerpatienten ein etwa fünffach erhöhtes Infarktrisiko.
Jeder zweite Dialysepatient ist ein Diabetiker, und Jahr für Jahr müssen
Chirurgen rund 30.000 Mal zum Messer greifen, um einen diabetischen Fuß zu
amputieren.
Bei vielen Diabetikern besteht beispielsweise ein ausgeprägter
Vitamin-C-Mangel. Eine schlechte Versorgung mit dem wichtigen Vitalstoff
begünstigt das Entstehen der diabetischen Nerven- und Nierenerkrankung und
beeinträchtigt das Sehvermögen. Freie Radikale sind an der Entwicklung von
diabetischen Spätschäden in nicht unerheblichem Maße beteiligt. Sie
verursachen oxidativen Stress, der vor allem Herz und Kreislauf stark
belastet. Diabetiker sollten daher stets auf eine ausreichende Versorgung
mit den Vitaminen C und E achten: Diese Antioxidanzien sind in der Lage,
freie Radikale zu neutralisieren. Alle B-Vitamine spielen besonders eine
Rolle bei der Vorbeugung von Nervenschäden, können aber auch das Gefäßrisiko
verringern. Vielen Diabetikern fehlt Zink; ein Mangel begünstigt
Hautpilzinfektionen, Infekte und Wundheilungsstörungen. Durch ein
Chromdefizit können Blutzuckerspiegel und Cholesterinwerte ansteigen.
Um sich optimal mit schützenden Vitalstoffen zu versorgen, ist für
Zuckerpatienten eine möglichst vollwertige Ernährung überaus wichtig. Im
Mittelpunkt stehen dabei ballaststoffreiche Lebensmittel wie
Vollkornprodukte, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Salat und Hülsenfrüchte.
Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate, die den Blutzuckeranstieg
nach dem Essen bremsen. Außerdem wirken sie sättigend, fördern die Verdauung
und senken die Blutfettwerte. Darüber hinaus liefern Früchte, Wurzeln,
Knollen und Blattgemüse reichlich Vitamine, Mineralien, Spurenelemente wie
Chrom, Zink und Selen und gesunde Pflanzenstoffe.
Krankenkassen-News 07.11. 05 (dgk) http://krankenkassenratgeber.com/