FOLSÄURE
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Ernährung

Folsäure.
von Emmo Müller

 Preis: EUR 9,95


Sondereinband - Trias
Erscheinungsdatum: Oktober 2003
Vitamine. Aktiver Gesundheitsschutz. 
Bedarf, Mangel, Risiko.  
Hans-Konrad Biesalski
Preis:   EUR 15,24  
Taschenbuch - 127 Seiten (1996)  
Das Vitamin, das die Gesundheit organisiert.
Vitamin C und Coenzym Q 10.

von Günter A. Ulmer
Preis: EUR 4,90
Taschenbuch - 48 Seiten
Erscheinungsdatum: 1999


Folsäure- Funktion und Schutz
Folsäure und Leukämie 
Folsäure gegen Darmkrebs
BgVV erinnert an Folsäure-Bedarf von Schwangeren 
Weizenkeime und Sojabohnen sind sehr folsäurehaltig
Folsäure in der Zahnmedizin
Folsäuremangel weit verbreitet - wenig bekannt
Warum Folsäure vor Fehlbildungen schützt
Dreierkombination Folsäure, Vit. B6 und B12 

Folsäure zählt zu den "kritischen" Vitaminen, denn auch in unseren Breitengraden ist eine unzureichende Folsäurezufuhr mit der Nahrung sehr weit verbreitet. Wahrscheinlich das bekannteste B-Vitamin. Lebensnotwendig für jede Zelle, besonders für Zellen, die schnell reproduziert werden wie rote Blutkörperchen oder Zellen der inneren Darmwand. Wichtig für Eisenverwertung, Kohlenhydrat/Proteinstoffwechsel, Nervensystem (pflegt die Fettschutzschicht der Nervenenden ) und guten Appetit. Wirkt mit bei der Gewinnung des Neurotransmitters Acetylcholine. Hohe Dosen haben einen drogenähnlichen  Energieschub, daher beliebt bei Athleten. B12 kommt praktisch nur in tierischer Nahrung vor (in kleinen Mengen auch in Meeresgemüse ( z.B. Kelp, Alfalfa, Soja ). Da der Körper B12 bis zu 5 Jahren bevorraten kann, tauchen die Mangelerscheinungen bei strikten Vegetariern oft später auf. Senilität wird mit B12 Mangel in Verbindung gebracht, hohe Dosen können bei multipler Sklerose helfen, förderlich für die Wirkung von Impfungen ( wahrscheinlich wegen seiner Immunwirkung ).
Folsäure dient der Blutbildung und Zellteilung (schon in der Schwangerschaft). Ein Mangel trifft besonders die Entwicklung  des Ungeborenen (Folge: z.B. offener Rücken) und des schnell wachsenden, hyperaktiven Kindes. Beim Erwachsenen können sich die Schleimhäute verändern, die Verdauung gestört werden, und es kann zu Blutarmut kommen. Das Vitamin kommt reichlich vor in: Rinderleber, Gemüsen, Salaten, Eigelb, Weizenkeimen. Dieempfohlene Tagesdosis liegt bei 300 Mikrogramm, was etwa 300 Gramm Broccoli entspricht
Wechselwirkungen :
( - ) beeinträchtigen die Aufnahme
( + ) fördern die Aufnahme

( - ) Alkohol, Antibabypillen, Tabak, radioaktive Strahlung, Kaffee.
( +) Linolsäure, Natrium, B1, B2, C, Pantothensäure, B-Komplex, Magnesium.
500 - 1500mcg täglich sind effektiv.

Vorkommen
Folsäure
ist in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs enthalten. Besonders gute Folsäurelieferanten sind jedoch grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Brokkoli, Weizenkeime, Nüsse, Vollkornprodukte, Fleisch, Leber, Milch und Milchprodukte sowie Eier. Die Folsäure liegt in der Nahrung zum Großteil (75%) in gebundener Form vor, welche vom Körper nur schlecht resorbiert werden kann, so daß nur 40% der Folsäure einer Mischkost dem Körper zur Verfügung stehen.

Funktion
Folsäure
ist am Abbau und an der Bildung verschiedener Aminosäuren beteiligt, wie z.B. an der Umwandlung der Aminosäure Homocystein in die essentielle Aminosäure Methionin.Wird zuwenig Folsäure über die Nahrung zugeführt, ist der Abbau von Homocystein gestört und der Homocysteinspiegel im Plasma steigt an. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen begünstigen erhöhte Homocysteinspiegel im Blut die Entstehung der Arterienverkalkung und erhöhen somit das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Eine gute Folsäureversorgung kann somit das Risiko für Gefäßerkrankungen senken, da Homocystein schneller zu ungefährlichen Verbindungen abgebaut werden kann und sich nicht im Blut anstaut.
Darüber hinaus wird Folsäure für die Zellteilung und Zellneubildung benötigt und ist somit zum Beispiel für die Blutbildung von Bedeutung.

Mangelerscheinungen
Ein Folsäuremangel äußert sich in

Anämie, entzündlichen Veränderungen der Schleimhäute im Mund und Magen-Darm-Trakt, wobei letztere zu Durchfall und Resorptionsstörungen führen,verminderter Bildung von Antikörpern, d.h., es kommt zur Beeinträchtigung der Immunabwehr.

Eine unzureichende Folsäureversorgung in der Schwangerschaft scheint die Entstehung neurologischer Schäden beim Fötus sowie Fehlgeburten zu begünstigen. Ferner kann es bei unzureichender Folsäureversorgung zu Fruchtbarkeitsstörungen kommen. Frauen mit Kinderwunsch sollten daher 400 µg Folsäure pro Tag zusätzlich
aufnehmen.

Eine unzureichende Folsäureversorgung oder ein Folatmangel kann bei

     einer unzureichenden Folsäurezufuhr über die Nahrung (einseitige Ernährung, hoher Alkoholkonsum),
     einem erhöhten Bedarf (Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, Infekten),
     der Einnahme bestimmter Medikamente (orale Kontrazeptiva = Pille, Chemotherapeutika) und bei
     Vitamin B12
     -Mangel auftreten.
Die deutsche Bevölkerung nimmt im Mittel nur die Hälfte der täglich empfohlenen Folsäuremenge auf, so daß die Folsäureversorgung             bundesweit nicht gesichert ist.
Die unbefriedigende Versorgungslage ist häufig auf den geringen Konsum von frischem Obst und Gemüse zurückzuführen.

Praktische Tips
Die Folsäureverluste bei der Nahrungszubereitung betragen 60 - 95%, da Folsäure sehr empfindlich gegenüber Hitze und Sauerstoff ist und aufgrund der guten Wasserlöslichkeit leicht ins Kochwasser übergehen kann. Um die Verluste so gering wie möglich zu halten, sollten lange Garzeiten und häufiges Wiederaufwärmen von Speisen vermieden werden. Zum Garen sollte nur wenig Flüssigkeit verwendet, bzw. das Kochwasser weiterverwertet werden.
Folsäure-Mangel
... Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin. Es ist zu beachten, daß das Vitamin durch Kochen zu 90% zerstört wird. Der Tagesbedarf beträgt ca. 0.2mg.
Normalerweise kann Folsäure in ausreichender Menge leicht durch eine ausgewogene Ernährung zugeführt werden. In der Schwangerschaft ist der Bedarf jedoch doppelt so hoch. Hier ist eine zusätzliche Folsäurezufuhr sinnvoll.

Folsäure ist enthalten in
-   Leber,
-   grünem Blattgemüse, z.B. Spinat,
-   Hülsenfrüchten,
-   Milch und Käse.

Folsäure ist wichtig für
-   Zellteilung beim Erwachsenen.
-   Entwicklung und Wachstum beim Embryo.
-   Bildung der roten Blutkörperchen, wie auch Vitamin B12.

Überdosierung führt zu
Magen-Darm-Beschwerden.


       

Warum ist Folsäure wichtig ?
Die Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Seinen Namen bekam das Vitamin 1941: Damals wurde die Substanz aus vier Tonnen Spinatblättern isoliert und nach dem lateinischen Wort für Blatt folium benannt. Eigentlich verbergen sich hinter dem Begriff viele Substanzen, die allerdings im Körper ähnlich wirken. Die Folsäure spielt eine Schlüsselrolle bei lebenswichtigen Vorgängen in unserem Körper: Folsäure ist für alle Wachstums- und Entwicklungsprozesse wichtig, denn mit ihrer Hilfe werden Bestandteile der Nucleinsäuren (das sind die biologischen Informationsspeicher der Zellen) hergestellt.
In Form von Tetrahydrofolsäure (THF) kann das Vitamin außerdem kleine Kohlenstoff-Moleküle binden und weitergeben. Solche Kohlenstoff-Moleküle spielen eine wichtige Rolle bei vielen Reaktionen im Stoffwechsel. Sie bestehen jeweils aus einem Kohlenstoffatom und unterschiedlichen Bindungspartnern. So überträgt die THF beispielsweise solche 1-Kohlenstoff-Moleküle auf andere Stoffe, die erst dadurch zu essentiellem Ausgangsmaterial für den Aufbau der genetischen
Erbinformation und der Eiweißstoffe werden.
Außerdem ist sie zusammen mit dem Vitamin B12 unentbehrlich für die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark. Ein Mangel von einem der beiden Vitamine läßt sich daher am Blutbild feststellen.
Eine ausreichende Folsäureaufnahme ist vor allem in der Schwangerschaft und bei Jugendlichen wichtig, da der wachsende Organismus besonders viele Eiweißstoffe aufbaut und genetische Informationen für die neuen Zellen kopiert.

Was geschieht bei Folsäuremangel ?
Folsäuremangel ist in Deutschland weit verbreitet: Nur jeder vierte Deutsche nimmt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung genügend von dem Vitamin auf. Frauen erreichen durchschnittlich gerade 71 Prozent der empfohlenen Tagesdosis von 0,3 mg.
Männer nehmen durchschnittlich 88 Prozent auf. Dabei liegen die Werte für Personen mit niedrigem Einkommen zehn Prozent unter denen von Personen mit Hochschulabschluß. Die Folsäureversorgung muß daher auch unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet werden.
In Deutschland kommt auf tausend Neugeborene ein Kind mit Neuralrohrdefekt. In anderen europäischen Ländern liegen diese Zahlen sogar noch höher, da auch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Aus diesem Grund sollten Frauen im gebärfähigen Alter prinzipiell eine optimale Folsäureversorgung sicherstellen. Die Folsäure scheint außerdem auch eine Rolle bei Artheriosklerose (Herz-Kreislauf-Krankheiten) zu spielen. Das Risiko für diese Krankheit steigt, wenn die Werte für die Aminosäure Homocystein im Blut erhöht sind. Homocystein wird mit Hilfe der Tetrahydrofolsäure in eine andere Aminosäure umgewandelt. Bei Folsäuremangel steigt der Homocysteinspiegel und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Welche Lebensmittel enthalten Folsäure?
Folsäure enthalten grüne Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Zitrusfrüchte und eine ganze Reihe anderer Nahrungsmittel. Auch Milch enthält Folsäure. Zwar nicht in besonders großen Mengen, dafür kann der Körper die Folsäure aus Milchprodukten sehr gut aufnehmen. Leber ist ein besonders guter Folsäurelieferant, kann wegen der Anreicherung von Giftstoffen in diesem Organ aber nicht mehr empfohlen werden. Die Tabelle gibt einen Überblick über einige Folsäurelieferanten:

Worauf muß ich achten?
Folsäure ist ein sehr empfindliches Enzym. Deshalb ist es wichtig, das Essen schonend zuzubereiten. Gemüse, das drei Tage bei Zimmertemperatur liegt, enthält nur noch ein Drittel der ursprünglichen Folsäuremenge. Das Vitamin ist auch sehr hitzeempfindlich, so daß nach dem Kochen weniger als zehn Prozent übrig sind. Auch Gemüse aus Konserven enthält nur noch sehr wenig Folsäure, zwei Beispiele: 100 g frische Karotten enthalten 0,028 mg Folsäure, Karotten aus der Konserve nur noch 0,002 mg.
In frischen, rohen Produkten ist die meiste Folsäure. Langes Wässern von Salat oder Gemüse schadet dem Vitamin: Folsäure ist wasserlöslich, so daß sie schnell ausgelaugt wird. Besonders Menschen, die an Krankheiten der Verdauungsorgane leiden, sollten auf ihre Folsäurezufuhr achten, da sie weniger von dem Vitamin aufnehmen können als Gesunde.

Kann man zuviel Folsäure aufnehmen?
Überschüssige Folsäure wird mit dem Urin ausgeschieden. Lediglich bei Menschen, die krampflösende Medikamente nehmen (Epileptiker), ist Vorsicht geboten, da hohe Dosen des Vitamins die Wirkung der Medikamente beeinflussen können.
Folsäure kann außerdem Vitamin B12-Mangel maskieren, da die ersten Anzeichen eines solchen Mangels (die roten Blutksrperchen verändern sich) nicht auftreten und der Vitaminmangel erst zu einem Zeitpunkt entdeckt wird, an dem der Körper schon ernsthaft geschädigt ist. Vitamin B12-Mangel ist jedoch sehr selten und viele Vitaminpräparate enthalten aus diesem Grund beide Substanzen.
 

Folsäure
einige Folsäuren                  chem. Name Synonyme (bzw. Funktion)                                                             R

Folsäure;                             Pteroyl-mono-L-glutaminsäure             Leber-Lactobacillus-casei-Faktor;         -OH

Pteroylglutaminsäure                                                                       Norit-Eluatfaktor; Faktor U; Vitamin BC;
                                                                                                      Vitamin M; FS
Folsäurekonjugat 2                 Pteroyl-hepta-glutaminsäure              PteGlu7; Vitamin-BC-Konjugat -                [Glu]6*

Tetrahydrofolsäure                 5,6,7,8-Tetrahydrofolsäure                H4PteGlu; FSH4; THFA; THF                 -OH

Formyl-tetra-                         N5-Formyl-                                      FolinsäureSF; Folininsäure;                        -OH
hydrofolsäure                         5,6,7,8-tetrahydrofolsäure                 Leucovorin; Citrovorumfaktor

Formyl-tetra-                         N¹°-Formyl-                                     aktivierte Ameisensäure                             -OH
hydrofolsäure                         5,6,7,8-tetrahydrofolsäure

Methylen-tetra-                     N5,¹°-Methylen-                                 aktivierter Formaldehyd                            -OH
hydrofolsäure                         5,6,7,8-tetrahydrofolsäure

Methyl-tetra-                         N5-Methyl-                                     (inaktive Speicher- u. Transportform;          -OH
hydrofolsäure                         5,6,7,8-tetrahydrofolsäure                 Freisetzung Vit.-B12-abhängig)

* [Glu] = Glutaminsäurerest


Vitamin-Supplementation   Ärztezeitung 3.4.98        BgVV erinnert an Folsäure-Bedarf von Schwangeren
Berlin (eb). "Gesunde Mütter - gesunde Familien" ist das Motto des Weltgesundheitstages am 7. April. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen
Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) nimmt den Tag zum Anlaß, auf die Bedeutung von ausreichender Folsäure-Versorgung für
Schwangere hinzuweisen. Der durchschnittliche Konsum von Gemüse, Obst und Getreide reiche nicht aus, um die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Schwangere empfohlene Menge von 300 Mikrogramm Folsäure täglich aufzunehmen, meldet das BgVV. Das Institut rät, schon dann auf eine ausreichende Folsäure-Versorgung zu achten, wenn ein Kinderwunsch besteht. Die zusätzliche tägliche Zufuhr sollte etwa 0,4 Milligramm betragen. Ausgewogene Ernährung reiche meist aus, um den Tagesbedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu decken. Das BgVV hält es deshalb für überflüssig, Nahrung damit zu ergänzen. Ausnahmen seien Jod und Folsäure. Für eine obligatorische Folsäure-Anreicherung von Grundnahrungsmitteln - wie sie jetzt in den USA für Getreideprodukte obligatorisch ist - fehle hierzulande noch der breite gesellschaftliche Konsens, so das BgVV.

Ernährung / Schwangerschaft   23.10.1997     Weizenkeime und Sojabohnen sind sehr folsäurehaltig
Frankfurt/Main (run). Ein Mangel an Folsäure vor oder während einer Schwangerschaft kann bekanntlich zu Komplikationen wie einer Fehlgeburt oder einem Neuralrohrdefekt beim Kind führen. Wichtig ist nach Angaben von Professor Günther Wolfram, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt a. Main, daß die Folsäureversorgung bereits in den ersten Schwangerschaftswochen ausreichend vorhanden ist, wenn eine Schwangerschaft oft noch gar nicht erkannt ist. Frauen, die sich ein Kind wünschen oder möglicherweise bereits schwanger sind, empfiehlt daher die DGE zusätzlich zu einer vollwertigenErnährung 0,4 Milligramm Folsäure pro Tag über ein geeignetes Medikament einzunehmen. Nahrungsmittel, die gut zur Folsäureversorgung geeignet sind, sind den Informationen der DGE zufolge Getreideprodukte aus Vollkorn sowie Chinakohl, Wirsing, Rote Bete, Fenchel, Tomaten und Spinat. Vor allem Weizenkeime und Sojabohnen enthielten viel Folsäure. Wichtig sei es zudem, daß schwangere Frauen täglich - möglichst fettarme - Milchprodukte essen.

Folsäure gegen Darmkrebs
Vitamin aus Blattgemüse, Leber, Hefe und Milch schützt bei langjähriger Einnahme
 (azpd) Das Vitamin Folsäure schützt vor Dickdarmkrebs, wenn man es jahrelang regelmässig einnimmt. Zu diesem Schluss kommt eine grossangelegte Studie an über achtzigtausend Frauen in den USA. Eine leichte Schutzwirkung begann sich etwa ab dem fünften Jahr des regelmässigen Konsums abzuzeichnen. Ausgeprägt schützend wirkte die Folsäure jedoch erst nach fünfzehn Jahren: Dann sank das Risiko für Dickdarmkrebs auf ein Viertel.Folsäure ist ein wasserlösliches, hitze- und lichtempfindliches Vitamin, das der Körper für zahlreiche Stoffwechselvorgänge benötigt. Es kommt hauptsächlich in Spinat und anderem Blattgemüse, Weizenkeimen, in der Leber, Hefe und Milch vor. Einige Lebensmittel wie Frühstücksflocken können mit Folsäure (Folat) angereichert sein. Ausserdem können Bakterien der Darmflora Folsäure erzeugen. Eine gesunde Darmflora erhält man am besten mit einer vielseitigen, ausgewogenen Ernährung, die viele Frischprodukte enthält.Den minimalen Tagesbedarf an Folsäure schätzte man früher auf etwa 150 Mikrogramm; nach den Erkenntnissen der amerikanischen Studie sind aber 400 Mikrogramm zu empfehlen. - AstraZeneca-Pressedienst
Quelle: Giovannucci E et al: Ann Intern Med 1998, 129, 517


Folsäure
 ist unentehrlich für die Zellteilung. Ohne Folsäure ist die Bildung der roten Blutkörperchen (Erzythrocyten) gestört, ebenso der
Eiweißstoffwechsel. Weitere wichtige Aufgaben sind:
      Auf- und Abbau von Aminosäuren
       Eiweißsynthese
       Zellvermehrung
Ein Mangel führt zu:                  Anämie (Blutarmut)
                                                Entzündungen an Schleimhäuten
                                                Störungen im Magen-Darm-Trakt
Die empfohlene täglich Zufuhr beträgt für Erwachsene 300 µg. Gute Quellen, den Folsäurebedarf zu decken sind u.a. Weißkohl, Spinat,
Hühnerfleisch und Leber.
Der Bedarf von Schwangeren ist doppelt so hoch, denn das Wachstum des Embryos benötigt viel Folsäure. Ein Folsäuremangel kann
schlimme Konsequenzen mit sich ziehen: Fehlgeburten und Mißbildungen (offener Rücken) können Folge eines Folsäuremangels sein. Aber
auch der Bedarf von Stillenden und Kindern ist höher als der Normalbedarf. Denn Säuglinge und Kinder brauchen Folsäure für das Wachstum.

Folsäure und Leukämie
Washington 25.10.99 Reuters: Ein Folsäuredefizit erhöht möglicherweise das Risiko einer Erkrankung an akuter lymphatischer Leukämie (ALL): US-Forscher untersuchten die DNA von 300 erwachsenen ALL-Patienten und 491 gesunden. Menschen mit der Folsäure-Stoffwechsel-Genmutation MTH-FR litten 4,3 mal häufiger an ALL und Menschen mit einer zweiten Mutationsversion dreimal häufiger        (Proc Natl Acad Sci).


Folsäure in der Zahnmedizin als
wichtiger Stoff für die Zellteilung, besonders beim wachsenden Organismus.   
In Leber, Hefe oder grünen Blättern enthaltener Wuchsstoff für Mikroorganismen. Die eigentliche Synthese findet im Darm statt.
Folsäure scheint bei Zahnfleischerkrankungen eine günstige Wirkung zu haben. Doppelblindversuche deuten darauf hin , dass die örtliche Wirkung in Form von Mundspülungen besser ist als die Einnahme. Verglichen wurde die Einnahme von 2-5mg Folsäure mit einer 0,1%-igen Mundspülung.


Dreierkombination Folsäure, Vit. B6 und B12
Um Neuralrohrdefekte( Spina bifida) bei ungeborenen Kindern zu vermeiden ist die Gabe von Folsäure notwendig. Die Vitamin Dreierkombination Folsäure, Vit. B6 und B12 kann zudem den Homozysteinspiegel senken und somit Gefäßerkrankungen vorbeugen. Die Gabe von B12 ist vor allem in Hinblick auf die Maskierung einer perniziösen Anämie  durch Folsäuresupplemente von Bedeutung.
Seit August 1998 reichert Ungarn daher Brot mit dieser 3-er Kombination an. Auch in den USA werden seit 1.1.1998 Getreidemehle zur besseren Vitaminversorgung angereichert (140 mg Folsäure pro 100Gramm).  In Deutschland gibt es dies nicht. Hier muß man sich selbst mit den Präparaten
versorgen.  Ceizel et al. Lancet (1998) 352 ; Ernährungsumschau (1998) 45: 178-179


Warum Folsäure vor Fehlbildungen schützt Süddeutsche Zeitung 7.7.98
Bis zu 70 Prozent der Fehlbildungen des Gehirns und des Rückenmarks  von Ungeborenen könnten verhindert werden, wenn die Mtter in der frühen Schwangerschaft bereits ausreichende Mengen des B-Vitamins Folsäure  zu sich nehmen. Warum das so ist, haben die Biologen Angeleen Fleming und Andrew Copp von der Universität London nun mit Experimenten an Mäusen herausgefunden. Offenbar können mit der Gabe von Folsäure Defizite des Embryos bei der Synthese von Pyrimidin ausgeglichen werden, dessen chemisches Grundgerüst Bestandteil der Erbsubstanz  DNS ist (Science, Bd. 280, S. 2107, 1998). Durch die Gabe von Folsäure oder Thymidin - eines der aus Pyrimidin abgeleiteten Grundbausteine der DNS - ließen sich bei Mäusen Rückenmarkdefekte verhindern, obwohl  man ihnen eine Veranlagung für dies Schden eingepflanzt hatte. Die Autoren vermuten, daß die Wirkung beim Menschen auf ähnliche  Prozesse zurückgeführt werden kann.


Folsäuremangel weit verbreitet - wenig bekannt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, teilte im jüngsten Jahresbericht zur Ernährungslage mit, daß ca. 90% der deutschen Bevölkerung unter Folsäuremangel leidet. Bei Frauen beträgt dieser Prozentsatz 99%. Die ist ein erstaunliches Eingeständnis eines antiquierten und restriktiven Vereins, der immer betonte eine Vitaminunterversorgung in Deutschland sei nicht vorstellbar. Daß gerade Frauen so drastisch unter Folsäuremangel leiden, ist umso tragischer, da dieser Mangel direkte Auswirkungen auf die Mißbildungsrate von Neugeborenen hat. " Wenn der Folsäuremangel behoben werden könnte, und zwar schon vor der Schwangerschaft, könnten 70% der Mißbildungen verhindert werden" (Dr. Robert Marger, ehem. Leiter der Kinderchirurgie, St. Gallen) Doch nicht nur Frauen benötigen Folsäure. Die Folsäure senkt den Homozysteingehalt im Blut und verringert dadurch die Ablagerung von Plaque an den Arterieninnenwänden. Zudem ist Folsäure von größter Bedeutung für die Blutbildung und Blutgerinnung. Nun könnte man empfehlen, einfach mehr Lebensmittel die Folsäure enthalten, in den Speiseplan aufzunehmen. Dies gestaltet sich deswegen als schwierig, weil Folsäure in Obst und Gemüse als Folat vorkommt, welches schlecht bioverfügbar ist. Nur ca. 11% des vorhandenen Folats werden resorbiert. Erstaunlicherweise werden jedoch von der synthetischen Form, der reinen Folsäure ca. 45% aufgenommen. Daher werden in den USA ab 1998 alle Mehle mit Folsäure angereichert Ein erhöhter Bedarf entsteht in allen Wachstumsphasen, in der Schwangerschaft und Stillzeit, in Kindheit und Jugend, nach Verletzungen und Operationen. Barbiturate (in Schlafmitteln) und Antibiotika begünstigen ein Defizit. Die Wissenschaftler empfehlen eine Mindestaufnahme von 600 -700 mcg Folsäure.


Folsäure-haltige Nahrung für zukünftige Väter fördert die Gesundheit der Kinder
Los Angeles – Männer, die viel Obst und Gemüse essen, fördern die Gesundheit ihrer zukünftigen Kinder. Die in dieser Nahrung reichlich vorhandene Folsäure bewahrt die Erbsubstanz im Sperma vor Schäden, berichtet das Magazin "Fertility and Sterility" ("Fruchtbarkeit und Sterilität"). Die Ernährungs-Forscherin Lynn Wallock von der Universität Kalifornien in Berkeley hat zusammen mit Kollegen das Sperma von 48 Männern untersucht. Dabei stellte sie fest, dass Männer mit wenig Folsäure in der Samenflüssigkeit auch weniger Samen produzieren. Der Folsäuregehalt in der Samenflüssigkeit hängt dabei direkt von der Menge dieses Vitamins in der Nahrung ab.  Bereits vor vier Jahren stellten Wallock und ihre Kollegen fest, dass ein Mangel an Folsäure Fehler in der Erbsubstanz von Samen verursachen kann. Viele Forscher vermuten, dass vor allem solche Fehler in den Samengenen für Krebs bei Kindern verantwortlich sind. "Es wird Zeit, nicht nur auf Mütter und ihre Ernährung zu achten, sondern auch auf die Väter", sagt Wallock. 06.03.2001 http://www.wissenschaft.de

 


Mangel an Folsäure für Leukämie im Kindesalter mitverantwortlich
Genetische Unterschiede im Stoffwechsel des Vitamins Folsäure sind für die Entstehung von Leukämie in der Kindheit verantwortlich, wie Joseph Wiemels von der University of California in San Francisco aufdeckte. Zu geringe Mengen des Vitamins führen zu Schäden in der Erbinformation und können drei bekannte Varianten des Blutkrebs hervorrufen. Die Anfälligkeit für einen Krebstyp hängt davon ab, welche Form eines beteiligten Enzyms das Kind erbt.  Krebsbiologen kennen drei Formen von Leukämie im Kindesalter. Sie beruhen auf unterschiedliche Abnormitäten der Chromosomen. In einem Fall haben die betroffenen Kinder zusätzliche Kopien des Chromosoms 21, während sich die beiden anderen Fälle durch abnormale Chromosomen auszeichnen, diesich bei Entwicklung der embryonalen Blutzellen bildeten. Bei jedem Typ unterscheiden sich Prognose und Behandlungsprotokoll. Die Ursache der unterschiedlichen Krebsarten war bisher noch ungeklärt. Wie Joseph Wiemels in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte, entsteht jeder Krebstyp auf unterschiedliche Weise. Wissenschaftler untersuchten in der Studie 250 britische junge Leukämiepatienten, ordneten sie einem der drei Krebstypen zu und bestimmten die Genvarianten eines im Stoffwechsel von Folsäure beteiligten Enzyms.  Je nachdem, welche Variante die Kinder geerbt hatten, entwickelten sie eine der drei Krebsformen. Die Wissenschaftler fanden zwei unterschiedliche Varianten eines weniger aktiven Enzyms. Jedes stand für einen bestimmten Krebstyp. Die Forscher folgern daraus, dass eine niedrige Aktivität des Enzyms offensichtlich vor der Entstehung von Leukämie schützt. Denn der Körper setzt dann mehr Folsäure frei, die den Erbschäden vorbeugt. Die Bevölkerung sollte ausreichend mit Folsäure versorgt werden, um solche Erkrankungen in Zukunft zu verringern, so Wiemels. 28.03.2001


Folsäure kann Ebola-Viren in vitro blockieren
SAN FRANCISCO (gwa). Mit einer erhöhten Folsäure-Konzentration kann das Eindringen von Ebola- und Marburg-Viren in Zellen verhindert werden. Denn diese Filoviren werden über dieselben Oberflächenproteine in die Zellen eingeschleust wie das Vitamin Folsäure. Dabei wirken die Proteine als
Rezeptoren. Wenn die Menge an Folsäure erhöht wird, können so mehr der Proteinrezeptoren blockiert werden und die Filoviren können nicht in das Zellinnere eindringen, um sich zu vermehren (Cell, 106, 2001, 117). Stephen Y. Chan vom Gladstone Institute of Virology and Immunology in San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien und seine Kollegen haben diese Wirkweise der Folsäure in vitro belegt. Bevor das Vitamin oder etwa Proteine, die die Rezeptoren ebenfalls blockieren könnten, zur Behandlung von Patienten genutzt werden könnten, müsse sich dieser Therapieansatz in klinische Studien bewähren, so die Forscher. Ebola- und Marburg-Viren verursachen ein hämorrhagisches Fieber mit einer hohen Letalität. Ärzte Zeitung, 19.07.2001


Forscher: Einnahme von Folsäure begünstigt Zwillingsgeburten =
Paris, 26. Juli (AFP) - Ein von vielen Schwangeren zur Verhinderung von  Missbildungen ihres Babys eingenommenes B-Vitamin begünstigt nach  Untersuchungen schwedischer Wissenschaftler Zwillingsgeburten. Das zur  Verhinderung der Wirbelsäulendeformation Spina Bifida von vielen schwangeren  Frauen eingenommene B-Vitamin Folsäure sorge für einen deutlichen Anstieg von  Zwillings-Schwangerschaften, meldet die britische Fachzeitschrift "New  Scientist" in ihrer jüngsten Ausgabe. Demnach brachten seit 1994 in Schweden  2,8 Prozent aller Frauen, die Folsäure einnahmen, Zwillinge zur Welt. Damit  lag die Zahl der Zwillingsgeburten bei ihnen fast um das doppelte über dem  statistisch üblichen Wert der Durchschnittsbevölkerung.  Das Forscherteam um den Wissenschaftler Bengt Kallen stellt daher die These  auf, die Nachteile einer obligatorischen Einnahme von Folsäure könnten ihre  Vorteile überwiegen. Laut ihrer Modellrechnung würde die Einnahme von Folsäure  durch 30.000 Frauen in Schweden 225 zusätzliche Zwillingspärchen zur Folge  haben. Diese 450 Kinder hätten - wie bei Zwillingen üblich - ein statistisch  wesentlich höheres Risiko, zu früh, mit zu geringem Gewicht oder mit Lähmungen  auf die Welt zu kommen. Gleichzeitig würden durch die Folsäure-Gabe jedoch nur  vier bis fünf Fälle von Spina Bifida verhindert, geben die Forscher zu  bedenken.


Schöne Mähne: Zink, Biotin und Folsäure gut fürs Haar
Aachen (dpa) - Für schöne Haare spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Zwar ist ein früher Haarausfall in den meisten Fällen genetisch bedingt. Doch mit der richtigen Ernährung, lässt sich einiges dafür tun, dass die Haare möglichst lange schön bleiben, teilt das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) in Aachen mit. Positiv wirkt sich demnach eine Ernährung mit viel Zink, Biotin und Folsäure auf die Haare aus. Das Spurenelement Zink beispielsweise ist an der Bildung von Keratin beteiligt, einem wichtigen Bestandteil von Haut, Haaren und Nägel. Zink ist dem Institut zufolge in größeren Mengen unter anderem in Rind- und Schweinefleisch, Roggen- und Weizenkeimen sowie in Eiern, Käse und Meeresfrüchten enthalten. 18. August 2001

 

 Neuralrohrdefekte und Folsäuremangel
Eine tägliche Menge von 400µg Folsäure vor und während der frühen Schwangerschaft vermindert Neuralrohrdefekte bei Kindern dramatisch. Bevor Lebensmittel in den USA mit Folsäure angereichert wurden nahmen nur 29% aller Frauen im reproduktiven Alter die erforderliche Menge Folsäure auf. Im März 1996 ermächtigte die US Food and Drug Administration die Anreicherung von Getreideprodukten und seit Januar 1998 ist dieses Vorgehen für Folsäure obligatorisch.Eine Studie versuchte, den Effekt der Folsäureanreicherung auf die Prävalenz von Neuralrohrdefekten (Spina bifida und Anencephalus) zu bestimmen. Dazu wurden die Daten aus 45 US-Staaten plus Washington DC mit Lebendgeburten zwischen 1990 und 1999 zusammengetragen. Die Forschergruppe verglich das Auftreten der Neuralrohrdefekte zwischen Oktober 1995 und Dezember 1996 vor Einführung der Folsäureanreicherung mit dem Zeitraum obligatorischer Anreicherung von Oktober 1998 bis Dezember 1999.Die Prävalenz sank von 37.8 pro 100000 (lebend-)Geburten auf 30.5, was eine Verminderung von Neuralrohrdefekten um 19% entspricht. Im gleichen Zeitraum verminderte sich die Prävalenz von 53.4 auf 46.5 pro 100000 Geburten bei Frauen, die Vorsorge nicht oder nur im dritten Drittel der Schwangerschaft erhielten.Die Autoren schließen aus diesen Ergebnissen, dass zwar die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten um 19% abgenommen hat, seit Lebensmittel in den USA mit Folsäure obligat angereichert werden, sie geben aber zu bedenken, dass auch andere Faktoren an diesem Rückgang beteiligt sein können. 29.6.2001 via medici online
Quelle M. A. Honein et al.: "Impact of Folic Acid Fortification of the US Food Supply on the Occurrence of Neural Tube Defects". JAMA 2001;285:2981-2986


Folsäure
Herzpatienten die Nitrate nehmen sollten Folsäure einnehmen
Nitrattoleranz: Ist Folsäure wirksam als Gegenmittel? Effekt auf Endothelfunktion
ANAHEIM (ob). Kanadische Kardiologen glauben, ein neues Mittel gegen die bei kontinuierlicher Therapie mit organischen Nitraten sich entwickelnde Nitrattoleranz gefunden zu haben. Ihr Rezept: Supplementierung mit Folsäure.
Damit haben sie in einer Studie mit 18 gesunden Probanden der Toleranzentwicklung erfolgreich vorgebeugt. Alle Personen erhielten eine Woche lang eine transdermale Nitrattherapie mit Nitroglycerin-Pflaster. Zusätzlich wurde entweder Folsäure oder Placebo verabreicht. Am Ende der Therapie wurde der Einfluß dieser Medikation auf die Endothelfunktion geprüft. Dies erfolgte durch Messung des Blutflusses in der Arteria brachialis nach Infusion von Acetylcholin, das die endothelabhängige Gefäßrelaxation stimuliert. In der Placebo-Gruppe war nach der kontinuierlichen Nitratexposition eine deutliche Einschränkung der endothelial vermittelten Vasodilatation nachweisbar, berichtete Dr. Tommaso Gori aus Toronto auf dem gestern eröffneten Kongreß der American Heart Association in Anaheim. Diese nitratinduzierte Dysfunktion des Endothels wurde dagegen durch gleichzeitige Gabe von Folsäure verhindert. Auch war die Blutfluß-Zunahme nach Nitroglycerin-Infusion in der Folsäure-Gruppe signifikant stärker als in der Placebo-Gruppe. Wie wirkt Folsäure den Auswirkungen der Nitratdauerexposition entgegen? Bekannt ist, daß eine solche Exposition die Synthese von freien Sauerstoff-Radikalen ankurbelt. Gori vermutet, daß diese vermehrte Synthese ("oxidativer Streß") unter anderem auf einer Dysfunktion des eigentlich für die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) zuständigen Enzyms eNOS (endotheliale NO-Synthase) basiert. Grund für diese Dysfunktion ist möglicherweise eine verringerte Verfügbarkeit von Tetrahydrobiopterin - ein wichtiger Co-Faktor der NO-Synthase - als Folge der Nitrattherapie. Gori sieht Anhaltspunkte dafür, daß Folsäure in dieser Situation die Bioverfügbarkeit von Tetrahydrobiopterin wieder erhöhen kann.
Ärzte Zeitung, 12.11.2001


Folsäuresubstitution: Erste Erfolge in den USA
BOSTON. Seit Januar 1998 werden in den USA Mehl, Reis, Pasta, Maismehl und andere Zerealien mit Folsäure angereichert. Erste Untersuchungen zeigen, dass dies bereits zu einem deutlichen Anstieg der Folsäurekonzentration in den Erythrozyten geführt hat. Darüber berichten Silvina Choumenkovitch et al. von der Tufts Universität, Boston, jetzt in der Dezemberausgabe vom Journal of Nutrition (2001; 131: 3277-3280). Die Querschnittsstudie unter Teilnehmern der "Framingham Offspring Study" zeigte, dass der Anteil der Erwachsenen mit einer zu niedrigen Folsäurekonzentration (<160 µg/l) von 4,9% auf 1,9% zurückgegangen ist. Die Folsäurekonzentration besserte sich auch bei jenen US-Amerikanern, die nebenher keine Vitaminpräparate einnahmen. Die Autoren zeigen sich über die Entwicklung befriedigt. "Dies ist mehr als wir ursprünglich erwartet haben", schreiben sie in einer Pressemitteilung.  Ob die Folsäuresubstitution tatsächlich sinnvoll ist, wird man erst in einigen Jahren wissen. Die Forscher hoffen vor allem auf günstige Effekte auf das Herzkreislaufsystem. Ein leichter Folsäuremangel führt zu einem Anstieg der Plasmakonzentration von Homozystein – einem unabhängigen Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit. Zudem wird ein Folsäuremangel mit Gedächtnisverlust und leichten kognitiven Störungen in Verbindung gebracht. Schließlich werde ein Einfluss auf die Krebsentstehung diskutiert. (07.12.01) http://www.aerzteblatt.de


Dr. Reinhild Prinz-Langenohl
Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn
Folat – ein Vitamin mit großem Präventionspotenzial
Jahrgang 52, Nr. 12 (2001) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN

Lange Zeit hat man den antioxidativen Vitaminen E und C und dem β-Carotin hinsichtlich der Prävention von Erkrankungen große Aufmerksamkeit geschenkt. Das B-Vitamin Folat blieb im Hintergrund. Anfang der 90er Jahre haben jedoch große prospektive Interventionsstudien gezeigt, dass dieses Vitamin vor schwerwiegenden fetalen Fehlbildungen, den sogenannten Neuralrohrdefekten . Daraufhin beschäftigte man sich näher mit der Wirkung dieses Mikronährstoffes und erkannte, dass Folat möglicherweise über eine Senkung des Homocysteinspiegels im Blut Schutzfunktionen im Rahmen der Pathogenese der Atherosklerose ausüben kann.
Was ist Folat bzw. Folsäure?
Der Begriff Folsäure wurde bisher häufig als Oberbegriff für die zahlreichen chemisch unterschiedlichen Derivate des Vitamins verwendet. Dies hatte oft Verwirrungen bei der Interpretation von Zufuhrdaten und Empfehlungen zur Folge. Daher soll sich die Verwendung des Ausdrucks Folsäure zukünftig ausschließlich auf eine bestimmte chemische Verbindung, die Pteroylmonoglutaminsäure beschränken. Sie tritt als solche in der Natur nicht auf, wird aber aufgrund ihrer hohen Stabilität bei Arzneimitteln und Supplementen bzw. zur Anreicherung von Lebensmitteln eingesetzt. Folsäure wird im menschlichen Körper zu biologisch aktiven Verbindungen metabolisiert. Davon abzugrenzen sind die Folate, die natürlicherweise in Lebensmitteln und im menschlichen Organismus auftretenden Derivate der Folsäure.
Biochemische Funktionen von Folat
Im Organismus agiert Folat in Form des Tetrahydrofolats als Coenzym bei Transferreaktionen von Einkohlenstoffeinheiten (z.B. Methyl- oder Formylgruppen). Somit ist es beteiligt am Aminosäure- und Proteinstoffwechsel und an der Purin- und Pyrimidinsynthese.
Folat und Herz-Kreislauferkrankungen
In den Zellen entsteht durch die Demethylierung von Methionin ständig die nichtproteinogene Aminosäure Homocystein. Da Homocystein ein starkes Zellgift darstellt, wird seine intrazelluläre Konzentration durch Metabolisierung und Exportmechanismen niedrig gehalten. Mit Hilfe der B-Vitamine B6, B12 und Folat wird Homocystein abgebaut bzw. zu Methionin remethyliert. Der Homocysteinspiegel im  Plasma steigt, wenn die intrazelluläre Metabolisierung durch eine unzureichende Versorgung mit den genannten Vitaminen nicht gewährleistet ist. Erhöhte Plasma-Homocysteinkonzentrationen stehen mit atherosklerotischen und thrombotischen Erkrankungen im Zusammenhang. Dies konnte recht eindeutig in zahlreichen retrospektiven Studien gezeigt werden. Die Ergebnisse prospektiv angelegter Studien sind hingegen zum Teil widersprüchlich. In der Physicians‘ Health Study wiesen Männer mit einem Homocysteinspiegel > 15,8 µmol/l unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren ein dreifach höheres Risiko für einen Herzinfarkt auf als Männer mit Homocysteinwerten < 14,1 µmol/l (5). In der Tromso-Studie konnte ein signifikant erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen mit jedem Anstieg des Homocysteinspiegels um 4 µmol/l beobachtet werden (2). Die Framingham Heart Study zeigte einen direkten Zusammenhang zwischen dem Homocysteinspiegel und dem Risiko einer Carotis-Stenosierung (4). In der British United Provident Association Study wiesen Männer mittleren Alters mit Homocysteinkonzentrationen> 10,3 µmol/l ein um 33% erhöhtes Risiko für ischämische Herzkrankheiten auf (6). Im Gegensatz dazu konnte im Multiple Risk Factor Intervention Trial (3) und in einer finnischen Studie (1) kein Bezug zwischen Homocystein und koronarer Herzkrankheit hergestellt werden. Die möglichen Wirkmechanismen des Homocysteins im Atheroskleroseprozess sind bisher nur unzureichend geklärt. In der Diskussion stehen unter anderem die oxidative Modifikation des LDL durch Autoxidation des Homocysteins, eine Beeinträchtigung der NO-Synthese und eine Verschiebung der Gerinnungshomöostase i n Richtung einer verstärkten Gerinnung. Zur Zeit werden große multizentrische Interventionsstudien durchgeführt, in denen die Effekte einer Senkung der Homocysteinkonzentration auf das koronare Risiko untersucht werden. Erste Ergebnisse sind frühestens in einem Jahr zu erwarten.
Fazit
Der positive Effekt einer perikonzeptionellen Folsäuresupplementierung im Hinblick auf die Vermeidung von Neuralrohrdefekten ist in Fachkreisen unstrittig. Unter präventivmedizinischen Aspekten sollten jedoch auch die vielversprechenden Studienergebnisse im Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen berücksichtigt und auf eine gute Folatversorgung geachtet werden.

Folatreiche Lebensmittel

• Milchprodukte

Weichkäse wie Brie, Edelpilzkäse, Camembert

• Getreideprodukte

Vollkornbrot, Vollkornprodukte, Keimlinge

• Gemüse und Salate

– Kohlsorten wie Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl, Weißkohl

– Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen

– Dunkle Blattsalate und -gemüse wie Spinat, Mangold

– Knollengemüse wie Fenchel, rote Beete

Literatur
1. Alfthan G, Pekkanen J, Jauhiainen M et al: Relation of serum homocysteine and ipoprotein(a) concentrations to atherosclerotic disease in a prospective Finnish population based study. Atherosclerosis 106 (1994) 9-19
2. Arnesen E, Refsum H, Bonaa KH et al: Serum total homocysteine and coronary heart disease. Int J Epidemiol 24 (1995) 704-709
3. Evans RW, Shaten BJ, Hempel JD et al: Homocyst( e)ine and risk of cardiovascular disease in the Multiple Risk Factor Intervention Trial. Arterioscler Thromb Vasc Biol 17 (1997) 1947-1953
4. Selhub J, Jaques PF, Bostom  AG et al: Association between plasma homocysteine concentrations and extracranial carotid-artery stenosis. New Engl J Med 332 (1995) 286-291
5. Stampfer MJ, Malinow MR, Willett WC et al: A prospective study of plasma homocyst(e)ine and risk of myocardial infarction in US physicians. JAMA 268 (1992) 877-881
6. Wald NJ, Watt HC, Law MR et al: Homocysteine and ischemic heart disease. Arch Intern Med 158 (1998) 862-867

 


Vitamin Folsäure senkt das Herz-Kreislaufrisiko
Denn: Regelmäßige Einnahme von Folsäuretabletten reduziert den Homocysteinspiegel   Von Dr. med. Jochen Kubitschek
Schon seit längerem ist bekannt, daß ein Mangel an dem Vitamin Folsäure eine deutliche Erhöhung des körpereigenen Stoffwechselprodukts Homocystein nach sich zieht. Homocystein konnte aber bereits vor Jahren – völlig unabhängig von allen anderen bekannten Risikofaktoren wie Rauchen oder  hoher Blutdruck - als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislaufkrankheiten identifiziert werden. Obgleich zu diesem Thema viel geforscht wurde, ist allerdings bis heute so gut wie nichts über die Häufigkeit erhöhter Homocysteinspiegel bei Frauen bekannt. Die Beurteilung der Situation wird dadurch erschwert, daß einige Studien zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen geliefert haben. Um mehr Klarheit über die Zusammenhänge zwischen Folsäure und Homocystein bzw. deren Auswirkungen auf Herz- Kreislaufkrankheiten zu schaffen, führte ein Wissenschaftlerteam um Dr. Charles H. Hennekens an einer Untergruppe jener 28.263 Frauen eine Studie durch, die seit 1993 an der Womens Health Studie teilnehmen. Im Verlauf der Untersuchung erlitten 122 Frauen einen Herzinfarkt bzw. einen Schlaganfall. 244 gleichalte herz- und kreislaufgesunde Frauen dienten den Wissenschaftlern als Kontrollgruppe. Nach drei Jahren wurden die Laborergebnisse sorgfältig miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, daß die an einem Herzinfarkt bzw. Schlaganfall erkrankten Frauen bereits zu Beginn der Studie einen deutlich höheren Homocyseinspiegel hatten als die Frauen der Kontrollgruppe (14.1 gegenüber 12.4 Mikromol pro Liter Blutserum. Weitere Analysen ergaben, daß die Frauen mit den höchsten gemessenen Homocysteinspiegeln im Vergleich zu Frauen mit niedrigen Homocysteinwerten insgesamt ein um 100% erhöhtes Herz- Kreislaufrisiko hatten.  Bereits zu Beginn der Studie wurden die Frauen gefragt, ob sie Folsäure in Tablettenform einnehmen. Die Studienteilnehmerinnen, die zu Beginn der Untersuchung angegeben hatten, daß sie regelmäßig Folsäure einnahmen, hatten erwartungsgemäß einen niedrigeren Homocysteinspiegel als die Frauen, die keine Folsäure einnahmen (in Deutschland werden zahlreiche Folsäure-Präparate unter Namen wie Folarell Ò oder Folsäure Tabletten Dr. Hotz Ò ) angeboten. Da auch in den USA ein Folsäuremangel häufig ist bzw. viel zu wenige Menschen Folsäure einnehmen, hatte die Arzneimittelbehörde FDA bereits 1996 den Zusatz des Vitamins zu bestimmten Lebensmitteln genehmigt. Diese vorbeugende Maßnahme erwies sich schnell als erfolgreich. Dr. Irwin H. Rosenberg , Tuffs Universität, Boston, untersuchte 756 Patienten, 350 davon auch nach Einführung der Anreicherung von  Nahrungsmitteln mit Folsäure. Es zeigte sich, daß sich der durchschnittliche Folsäure-Blutspiegel aufgrund dieser ursprünglich umstrittenen Maßnahme mehr als verdoppelt hat. Gleichzeitig sank der Homocystein-Blutspiegel deutlich ab. Die Verbreitung deutlich erhöhter Homocystein-Blutspiegel sank im Verlauf der Studie von 18.7 % auf 9.8 %. " Wenn Homocystein ein Risikofaktor für Herz-Kreislaufkrankheiten ist, dann kann die Zufuhr von Folsäure das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch senken", resümierte Dr. Rosenberg. Dass sich das Problem auch in Deutschland ähnlich darstellt, zeigte eine an der Schwarzwald Privatklinik Obertal durchgeführte Untersuchung. Insgesamt wurden zwischen 1996 und 1999 bei 3036 Patienten die Homocysteinwerte untersucht. Die Patienten mit erhöhten Homocysteinwerten wurden mit Folsäure und B-Vitaminen behandelt. Die im Patientenblut durchschnittlichen Werte bis zur Wiederaufnahme in die Klinik sanken um 32,5 Prozent im Jahr. Dies belegt die hohe Effektivität der sehr preiswerten Therapie. Bei einer Sondergruppe von 60 Patienten wurde der Homocysteinspiegel vor und nach der in der Privatklinik durchgeführten Kombinations-Behandlung bestimmt.Es wurde deutlich, dass sich die durchschnittlichen Homocysteinwerte nach nur neun Injektionen völlig normalisierten.


Folsäure zur Reduktion des Darmkrebs-Risikos
Laut einer Studie im ‚International Journal of Cancer’ besteht bei Frauen einer inverse Assoziation zwischen Folsäure-reicher Ernährung und Darmkrebs-Risiko.
Ein internationales Wissenschafterteam unter der Leitung von Dr. Paul Terry vom Albert Einstein College of Medicine in New York werteten hierfür Daten von 295 Frauen mit Kolorektalkarzinomen und 5.334 Kontrollsubjekten aus, die in den 80er Jahren an der Canadian National Breast Screening Study teilnahmen.
Nach Ausschluss diverser Faktoren konnte eine inverse Assoziation zwischen Folsäure-reicher Ernährung und Kolorektalkarzinom-Risiko errechnet werden (IRR=0,6) - wobei bei Frauen, die laut eigenen Angaben bezüglich ihrer Ernährung, mehr als 367 Mikrogramm Folate und Folsäure pro Tag konsumierten, das Risiko der Entwicklung eines Kolon- oder Rektumkarzinoms am niedrigsten war.
Während die oben beschriebenen Resultate vermuten lassen, dass eine Folsäure-reiche Ernährung das Darmkrebsrisiko reduzieren könnte, betonte Dr. Terry in einem Interview, dass viele nicht evaluierbare Faktoren (z.B. Stress, Nikotin, Alkohol) das Ergebnis hätten beeinflussen können.
Quelle: Inter J Cancer; 2001, 97: 864-867    www.medaustria.at  21.2.2002


Zink plus Folsäure zur Steigerung der Spermienzahl
Die Einnahme von Zink und Folsäure resultiert in einer signifikanten Steigerung der Spermienzahl. Dr. Regine P. M. Steegers-Theunissen vom University Medical Center in Nijmegen, Holland, und Kollegen untersuchten entsprechende Daten von 108 fertilen und 103 subfertilen Männern, die 26 Wochen lang entweder Folsäure plus Plazebo, Zinksulfat plus Plazebo, Folsäure plus Zink oder zwei Plazebos erhielten. Die tägliche Folsäure-Dosis betrug 5mg, die von Zink 66mg.
Bei subfertilen Männern, die Folsäure plus Zinksulfat erhielten, stieg die durchschnittliche Zahl normal geformter Spermien um 74 Prozent (p<0,05). Die Zahl der abnorm geformten Spermatozoen stieg um vier Prozent (p<0,01). In allen anderen Behandlungsgruppen konnte keine signifikante Steigerung der Spermienzahl registriert werden. Abschließend wird jedoch betont, dass die Erhöhung der Spermienkonzentration bei Einnahme von Zinksulfat und Folsäure nicht unbedingt zu einer Steigerung der Empfängnisrate resultieren muss, eine mögliche diesbezügliche Assoziation sollte in weiteren Studien untersucht werden. 4.4.02
www.medaustria.at Quelle: Fertil Steril; 2002, 77, 491-498


Nur jeder Dritte nimmt genug Folsäure zu sich

Folsäure ist bekanntlich nötig für die Teilung und Neubildung von Zellen. Derzeit ist die Versorgung der Bundesbürger allerdings nicht zufriedenstellend.
Nach einer Studie der Bonner Universität nehmen die Deutschen nur etwa ein Drittel der empfohlenen Menge auf. Ideal wäre aber eine Foläureversorgung mit 400 Mikrogramm pro Tag. Natürliche Lieferanten des Vitamins sind vor allem grünes Blattgemüse, verschiedene Kohlarten, Brokkoli und Hülsenfrüchte. Auch Weizenkeime, Nüsse und Vollkornprodukte haben einen hohen Folsäureanteil. Leber, Fleisch, Milchprodukte und Eier sind ebenfalls Folsäurelieferanten. Vor allem bei Schwangeren und stillenden Frauen ist eine ausreichende Folsäureversorgung enorm wichtig. Bei ihnen steigt der Bedarf nämlich auf 600 Mikrogramm pro Tag an. Das Vitamin ist sehr licht- und hitzeempfindlich. Beim Kochen gehen etwa 35 Prozent des Vitamins verloren. Schonendes Garen mit wenig Wasser ist daher ratsam.  Quelle: Ärzte Zeitung; Nr. 35, 23./24.02.01


Folsäure: Obst und Gemüse schützen Herz
Hamburg (dpa) - Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist nach Expertenangaben eine ausreichende Aufnahme von Folsäure notwendig. Das in Obst und Gemüse, aber auch in Rinderleber vorkommende B-Vitamin senke den Homozysteinspiegel, sagte Professor Klaus F. Pietrzik vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Bonn am Mittwoch in einem dpa-Gespräch in Hamburg. Zu viel Homozystein wiederum begünstige Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Untersuchungen aus den USA, wo seit 1998 Mehl generell mit Folsäure angereichert werden müsse, zeigten einen Rückgang der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als drei Prozent. "Empfehlenswert ist die Aufnahme von 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag", sagte Pietrzik. Durch eine zu fett- und zuckerhaltige Ernährung nähmen die Bundesbürger im Durchschnitt jedoch nur rund die Hälfte dieser Dosis zu sich. "Leider hält sich kaum jemand an die Empfehlung, fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse zu essen", so Pietrzik. Daher sei es sinnvoll, die Folsäure in anderer Form zu sich zu nehmen. So werde im September in Deutschland mit Folsäure angereichertes Salz auf den Markt kommen. Wichtig sei das Vitamin vor allem für werdende Mütter, so der Ernährungswissenschaftler: "Schwangere sollten sich so ernähren, dass sie mindestens 600 Mikrogramm pro Tag zu sich nehmen." Dies sei meistens nur durch zusätzliche Präparate zu erreichen. Bei einer zu geringen Folsäureversorgung der Mutter drohe dem Fötus ein so genannter Neuralrohrdefekt: "Das Rückenmark schließt sich nicht, und es kommt zur Spina bifida, dem offenen Rücken." Auch das Gehirn des Ungeborenen könne geschädigt werden. In Deutschland kommen diese Defekte laut Pietrzik bei einer von 1000 Geburten vor. Die Anreicherung von Lebensmitteln sei in Ländern wie Ungarn, Chile und den Vereinigten Staaten ein Erfolg: "In den USA haben wir einen Rückgang der Neuralrohrdefekte von 20 bis 30 Prozent beobachtet", so der Experte. In Deutschland sei eine staatliche Anordnung solcher Anreicherungen gegenwärtig nicht zu erwarten. Um so wichtiger sei es, dass jeder Einzelne auf die Folsäure-Versorgung achte.  netdoktor 27. Juni 2002


Folsäure: Einnahme schützt vor Herzinfarkt
Bonn (dpa) - Jedes Jahr könnten in Deutschland nach Expertenangaben 15 000 Todesfälle in Folge von Herz- und Kreislauferkrankungen vermieden werden, wenn die Folsäure-Aufnahme ausreichend wäre. Darauf machte Professor Klaus Pietrzik vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Bonn am Montag in einem dpa-Gespräch aufmerksam. Neben den gängigen Risikofaktoren Cholesterin, Rauchen und Bluthochdruck, sei ein erhöhter Homocysteinwert Ursache vieler Herz- und Kreislauferkrankungen. Dieser lasse sich durch mehr Folsäure sehr einfach senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) habe vor zwei Jahren die Empfehlungen zur täglichen Folsäurezufuhr auf 400 Mikrogramm erhöht, erläuterte Pietrzik. Folsäure stecke vor allem in Obst und Gemüse, wovon aber zu wenig verzehrt werde. "Die mittlere Obst- und Gemüsezufuhr liegt in Deutschland bei 260 Gramm. Um 400 Mikrogramm Folsäure zu sich zu nehmen, müsste jeder 500 bis 700 Gramm Obst und Gemüse am Tag essen." Pietrzik rät daher zu mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln (wie Multivitaminsäften) oder in Apotheken erhältlichen Ergänzungsmitteln. Pietrzik verweist auf die USA wo zur Prävention von Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen 1998 eine Zwangsanreicherung von Grundnahrungsmitteln (z.B. Mehl) mit Folsäure eingeführt worden sei. "Man konnte nicht nur das Risiko für Neuralrohrdefekte um 19 Prozent senken, sondern hat in einem Nebeneffekt auch 25 000 weniger Herz- Kreislauf-bedingte Todesfälle beobachten können." Vegetarier und ältere Menschen sollten zudem auf eine zusätzliche Versorgung mit Vitamin B12 achten. Vegetariern fehle Vitamin B12, da es ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorhanden sei.
5. November 2002 netdoktor


Kann Folsäure die Inzidenz vom Down-Syndrom reduzieren?
LONDON. In Familien, in denen Neuralrohrdefekte vorkommen, besteht ein größeres Risiko, dass ein Kind mit einem Down-Syndrom geboren wird. Ebenfalls scheint ein Down-Syndrom mit einem höheren familiären Risiko für ein Neuralrohrdefekt assoziiert zu sein.
Gad Barkai und Kollegen von den Universitäten in Tel Aviv, Israel, Leeds, England und dem Sheba Medical Centre in Donetsk, Ukraine, folgern, dass eine Zufuhr von Folsäure vor der Empfängnis die Häufigkeit vom Down-Syndrom reduzieren kann (Lancet 2003; 361: 1316, 1331–1335). Die Autoren untersuchten 493 israelische Familien, in denen Neuralrohrdefekte vorkamen und 516 ukrainische Familien mit Down-Syndrom hinsichtlich der Inzidenz der jeweils anderen Erkrankung.
In den Familien mit einem Neuralrohrdefekt dokumentierten Barkai et al. bei 1 492 Schwangerschaften elf Schwangerschaften mit einem Down-Syndrom. Ausgehend von dem Alter der Mutter waren lediglich 1,87 Fälle von Trisomie 21 zu erwarten. In den Familien mit einem Down-Syndrom hatten bei 1 847 Schwangerschaften sieben Kinder einen Neuralrohrdefekt, in der Normalbevölkerung wären 1,37 Fälle aufgetreten.
Die Autoren vermuten, dass bei einem Teil der Mütter, die ein Kind mit einem Down-Syndrom haben, ein abnormer Folsäure- und Methyl-Metabolismus vorliegt, der zu einer DNA-Hypomethylierung und so zu chromosomaler Instabilität führt. Dies wird teilweise auch durch genetische Untersuchungen in den beim Folsäure-Metabolismus beteiligten Genen Methylentetrahydrofolat-Reduktase und Methioninsynthase-Reduktase untermauert.
Barkai und Mitarbeiter sind der Auffassung, dass mit dieser Studie ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten vom Down-Syndrom und Neuralrohrdefekten demonstriert wurde und empfehlen vor der Konzeption eine Supplementierung mit Folsäure, um auch das Risiko für ein Down-Syndrom zu reduzieren. Um dies zu untermauern, haben die Autoren eine multizentrische Studie mit Familien begonnen, die ein hohes Risiko aufweisen, ein Kind mit einem Down-Syndrom zu bekommen. (22.04.2003) DEUTSCHES ÄRZTEBLATT


Zink, Folsäure und Biotin bei Haarausfall

Bei der Behandlung von Haarausfall ist auch eine Ernährungsumstellung einzubeziehen. Haarausfall kann bei vielen Betroffenen durch eine ausreichende Zink-, Folsäure- und Biotinzufuhr reduziert werden, wenngleich er überwiegend genetische Ursachen oder krankheits- und medikamentenbedingt ist. Menschen, die untergewichtig sind, müssen zunehmen, um dem Haarausfall Einhalt zu gebieten. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Zink, Folsäure und Biotin trägt dazu bei, dass schöne Haare möglichst lange erhalten bleiben und Haarausfall gestoppt werden kann.

Haare erneuern sich unter gewöhnlichen Umständen regelmäßig. Spätestens nach sechs Jahren macht das alte Haar Platz für ein neues, so dass ein täglicher Haarausfall von 80 bis 100 Stück ganz normal ist. Unter Haarausfall verstehen Hautärzte den Ausfall von mehr als 100 Haaren täglich über einen längeren Zeitraum hinweg. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das essenzielle Spurenelement Zink. Es ist an der Bildung von Keratin beteiligt, einem Hauptbestandteil von Haaren, Haut und Nägeln. Zudem ist Zink an der Bildung und Quervernetzung von Kollagen beteiligt. Kollagen verankert nicht nur das Haar in der Haut, sondern ist auch für die Haarstruktur von Bedeutung. Zinkmangel, unter dem in Deutschland viele Menschen leiden, kann sich beispielsweise in Alopecia areata, dem kreisrunden Haarausfall, manifestieren.

Zinkreiche Lebensmittel sind Rindfleisch, Eier, Käse sowie Austern. Bei starkem Haarausfall ist es ratsam, täglich 15 Milligramm Zink in einer für den Körper gut resorbierbaren Form wie beispielsweise Zink-Histidin einzunehmen. Auch Folsäure ist wichtig, da es eine zentrale Bedeutung für das Zellwachstum und die Zellerneuerung hat. Die Zufuhr von Folsäure ist in Deutschland kritisch und entspricht nur in seltenen Fällen den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. Zu den Lebensmitteln, die an der Folsäurezufuhr beteiligt sind, zählen vor allem grüne Blattgemüse, aber auch Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.

Das zu den B-Vitaminen zählende Biotin ist am Proteinstoffwechsel beteiligt und somit für die Bildung der Eiweißstruktur der Haare notwendig. Bei Haarausfall sollten mindestens 60 bis 90 Mikrogramm Biotin mit der Nahrung aufgenommen werden. Eine Unterversorgung mit Eisen führt zu brüchigen Haaren, wohingegen sich ein Defizit an Jod durch trockenes Haar äußern kann. Viele Nahrungsinhaltsstoffe sind mit dem Haarwuchs verknüpft, so dass es notwendig ist, dem Körper durch eine haargesunde Ernährung alle benötigten Substanzen zu liefern. Neben der Ernährungstherapie des Haarausfalls muss jedoch auch die medizinische Seite beachtet werden. So sollte beispielsweise abgeklärt werden, ob beispielsweise eine Schilddrüsenfunktionsstörung vorliegt, die sich durch Haarausfall bemerkbar machen kann.

Zufuhrempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe, die am Haarwuchs beteiligt sind:

Empfohlene tägliche Zufuhr (D.A.CH. 2000)- Empfohlene tägliche Zufuhr bei Haarausfall (GfED)
Nährstoff:
Biotin: 30-60 Mikrogramm // 60-90 Mikrogramm
Folsäure: 400 Mikrogramm-Äquivalent // 600 Mikrogramm-Äquivalent
Zink: 7-10 Milligramm // 15-30 Milligramm Zinkhistidin
Jod: 200 Mikrogramm // 200 Mikrogramm
Eisen: 10-15 Milligramm // 15 Milligramm
Protein: 0,8 Gramm // 1,0 bis 1,2 Gramm

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik, Bad Aachen


Neuroblastom: Folsäure halbiert Risiko
Nachdem die Bedeutung erhöhter Homocysteinwerte im Blut als kardiovaskulärer Risikofaktor sowie als Ursache u.a. für die häufigste frühkindliche Missbildung, die sog. Spina bifida, in den 90er Jahren durch eine wachsende Zahl von Studien immer offenkundiger wurde, entschlossen sich einige Länder wie die USA, Kanada und Ungarn, einem besonders weit verbreiteten Grundnahrungsmittel Folsäure zusetzen zu lassen. Eine Analyse der Entwicklung der Inzidenz anderer Erkrankungen, die bislang nicht mit Homocystein in Zusammenhang gebracht wurde, kann bei entsprechendem Verlauf seit Einführung der Fortifikation wichtige Hinweise darauf geben, dass Homocystein ev. auch bei weiteren Erkrankungen ein pathogenetisch wichtiger Faktor sein könnte.
Diese Erkenntnis ist nicht zuletzt für die Entwicklung von spezifischen Präventionsstrategien von Bedeutung, in denen es keine gesetzlichen Regelungen zur Anreicherung eines Grundnahrungmittels mit B-Vitaminen gibt (dazu zählt auch Deutschland). Kanadische Forscher untersuchten die Entwicklung der Anzahl der Neuerkrankungen an einer Reihe von bösartigen Erkrankungen, die typischerweise bereits bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten wie Neuroblastom, lymphoblastische Leukämie und Hepatoblastom.
Zusammenfassung: Zugrundegelegt wurden die Daten der “Pediatric Oncology Group of Ontario” (die etwa 95% aller auftretenden Krebsfälle im Kindesalter im Raum Ontario in Kanada erfasst) vor und nach der Einführung der Folsäurefortifikation. Während sich an der Inzidenz von lymphoblastischer Leukämie und Hepatoblastom keine Veränderungen der Inzidenz beobachten ließen, sank die Rate der Neuerkrankungen an Neuroblastomen von 1.57 Fällen auf 0.62 Fälle pro 10.000 Geburten im Gefolge der Folsäurefortifikation. Das entspricht einem Rückgang der Inzidenz um etwa 60%.
Adresse zum Bestellen der Publikation: Dr. G. Koren, Hosp Sick Children, Div Clin Pharmacol & Toxicol, Motherisk Program, 555 Univ Ave, Toronto, ON M5G 1X8.
(E-mail: gkoren@sickkids.ca)
Quelle: MEDICE
 http://www.journalmed.de


Mehr Folsäure, weniger Kochsalz und Junk Food

Wie in den meisten anderen europäischen Ländern haben Übergewicht und Fettleibigkeit in den letzten 20 Jahren auch in Deutschland dramatisch zugenommen. Zunehmend sind Kinder und Jugendliche betroffen. Vertreter der nationalen Behörden für Lebensmittelsicherheit sowie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben deshalb am 13. Januar 2004 in Paris eine engere Zusammenarbeit in Fragen der Prävention von ernährungsbedingten Krankheiten vereinbart. Das Treffen erfolgte auf Einladung der Agence Francaise de Sécurité Sanitaire des Aliments (AFSSA). Zentrale Themen waren die Vermeidung von Bluthochdruck, Neuralrohrdefekten sowie Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen und der Erfahrungsaustausch über nationale Präventionsmaßnahmen.
Professor Andreas Hensel, Präsident des BfR, wertete das Treffen als wichtigen Schritt hin zu einer effizienten Vernetzung der nationalen wissenschaftlichen Einrichtungen. "Ernährungsrisiken", so Hensel, "gehören mit stofflichen und biologischen Risiken von Lebensmitteln zu den zentralen Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes". Die Bewertung all dieser Risiken steht im Mittelpunkt der Arbeit des Bundesinstituts für Risikobewertung.
Durch gezielte Initiativen wollen die europäischen Behörden und Institutionen künftig dazu beitragen, dass Übergewicht und die damit assoziierten chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, andere Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus auf nationaler und europäischer Ebene wirksamer bekämpft werden. Das geht nicht ohne die Kooperation der Lebensmittelindustrie und die Hersteller von Gemeinschaftsverpflegung (Caterer). Lösungsvorschläge, etwa zur Verringerung hoher Kochsalzgehalte von Lebensmitteln und Speisen (einem der Risikofaktoren für Bluthochdruck) können nur gemeinsam erarbeitet werden.
Erfahrungen liegen aus Deutschland vor: Seit hier 1988 die Nährwert-Kennzeichnungsverordnung geändert wurde, können Hersteller und Caterer sowohl für niedrige Kochsalzgehalte von Lebensmitteln als auch für reduzierte Gehalte in bestimmten Lebensmitteln, wie Brot, Backwaren, Fertiggerichten, Suppen, Kochwürste, Käse und Käseerzeugnisse, werben. "Neben einer Verringerung der Salzzufuhr und Normalisierung des Körpergewichts", so Dr. Rolf Großklaus, Leiter der Fachgruppe Ernährungsmedizin des BfR, der in Paris über die Erfahrungen in Deutschland berichtete, "kann auch die Veränderung anderer Lebensstilfaktoren zur Senkung von hohem Blutdruck wirksam beitragen". Mehr körperliche Aktivität, mäßiger Alkoholkonsum, Verzicht auf Rauchen, Abbau von Stress und reichlicher Verzehr von kaliumreichem Obst und Gemüse gehören dazu.
In Deutschland werden jährlich 600 bis 800 Kinder mit Neuralrohrdefekten geboren. Eine hohe Folsäureaufnahme noch vor Beginn der Schwangerschaft kann diese Zahl verringern. Deshalb sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter auf eine ausreichende Folsäurezufuhr achten. Dies kann über natürlich folsäurereiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse und die ergänzende Einnahme von Folsäurepräparaten oder auch über den Verzehr von mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln. Die Möglichkeit der Folsäureanreicherung von Lebensmitteln ist in Deutschland freiwillig. Um die Wirkung von unterschiedlich hohen Anreicherungen auf die Folsäureversorgung verschiedener Bevölkerungsgruppen besser abschätzen zu können, arbeitet das BfR derzeit gemeinsam mit dem Berliner Robert Koch-Institut und dem Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund, auf der Basis existierender Verzehrsdaten an einer Risikobewertung. Darüber hinaus empfiehlt das BfR, die individuelle Zusatzversorgung von Frauen im gebärfähigen Alter mit Folsäure durch nationale Kampagnen zu fördern, um Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen damit noch gezielter vorzubeugen.
Die nationalen und europäischen Behörden haben die Ergebnisse ihres Treffens in einer gemeinsamen Stellungnahme zusammengefasst.
http://www.journalmed.de            21.01.2004 Infos für Ärzte
Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)


Folsäure zur Reduktion des Hypertonierisikos
Folsäure hat einen günstigen Effekt auf die endotheliale Funktion und schient – speziell bei jungen Frauen – mit einer Reduktion des Hypertonierisikos assoziiert zu sein.
Dr. John P. Forman und Kollegen von der Harvard Medical School untersuchten den Einfluss der Folsäureeinnahme auf das Risiko, an einer Hypertonie zu erkranken.
In die Nurses’ Health Study II wurden 93.803 junge Frauen zwischen 27 und 44 Jahren, in die Nurses’ Health Study I 62.260 Frauen zwischen 43 und 70 Jahren eingeschlossen. Keine der Frauen hatte eine Hypertonieanamnese. Mittels semiquantitativem Fragebogen erfassten die Autoren unter anderem Informationen zur ernährungsbedingten Folsäurezufuhr und zur zusätzlichen Einnahme von Folsäureprodukten, und zwar alle 4 Jahre. Primärer Endpunkt war das Hypertonierisiko nach 8 Jahren Follow up.
Insgesamt trat bei 7.373 jungen Frauen und bei 12.347 älteren Frauen eine Hypertonie auf. Junge Frauen, welche mindestens 1.000µg Folsäure pro Tag zu sich nahmen, hatten im Vergleich zu weniger als 200µg Folsäure konsumierenden Frauen ein deutlich reduziertes Hypertonierisiko (relatives Risiko 0.54). Bei älteren Frauen betrug das relative Risiko für den gleichen Vergleich 0.82. Bei Frauen mit tiefer natürlicher Folsäureeinnahme (<200 ug) war die gesamte Folsäurezufuhr von > 800µg pro Tag ebenfalls mit einer Reduktion des Hypertonierisikos assoziiert (RR 0.55 für junge Frauen und 0.61 für ältere Frauen).
Die Wissenschafter fassen zusammen, dass die regelmäßige Zufuhr einer höheren Dosis Folsäure ist mit einem tieferen Hypertonierisiko assoziiert, insbesondere bei jungen Frauen.  www.medaustria.at 20.1.05
Quelle: JAMA; 2005, 293: 320-329


Ernährungs-Tips für Schwangere
Sehr wichtig ist die Versorgung mit Mikronährstoffen wie Jod und Folsäure

FÜRTH (bib). Schwangere, die sich ausgewogen ernähren und außer reichlich Obst und Gemüse ausreichend Fisch und Fleisch zu sich nehmen, tun sich und ihrem Kind etwas Gutes - zumal die Ernährung einer Schwangeren die Gesundheit ihres Kindes bis ins Erwachsenenalter beeinflussen kann.
Zur Versorgung mit Jod, Kalzium, Eisen, Folsäure und anderen Vitaminen, kann dabei auch eine zusätzliche Einnahme entsprechender Präparate notwendig werden.
Den zusätzlichen Energiebedarf von im Mittel 285 Kilokalorien am Tag zu decken, ist für Schwangere in Industrieländern meist kein Problem. Denn an Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß mangelt es nicht. "Gefährdungen des Kindes entstehen hier eher durch eine Hyperalimentation der Mutter", meint Dr. Bernd Kleine-Gunk von der Euromed-Klinik in Fürth und verweist auf die oft schwergewichtigen Neugeborenen von Müttern mit Diabetes (Gynäkologie und Geburtshilfe 5, 2004, 22).
Bei Mikronährstoffen sieht es anders aus. So gibt es hierzulande etwa die Empfehlung für alle Schwangere und Stillende, täglich 200 µg Jodid in Tablettenform einzunehmen - nebst dem Rat, regelmäßig Seefisch zu essen und jodiertes Speisesalz zu verwenden. Auch Folsäure sollte mit täglich 0,4 mg substituiert werden.
Der Grund: Neuere Untersuchungen belegen, daß weniger als zehn Prozent aller Frauen die empfohlene Mindestmenge an Folsäure pro Tag über die Nahrung tatsächlich erreichen. Folsäure-Präparate sollten möglichst schon vor der Empfängnis eingenommen werden. Nur so werde die kritische Phase für den Verschluß des Neuralrohres zwischen dem 15. und 28. postkonzeptionellen Tag abgedeckt, so Kleine-Gunk.
Ebenfalls wichtig für das sich entwickelnde fetale Nervensystem sind nach Studien-Ergebnissen Omega-3- Fettsäuren. Daher der Rat des Experten: Regelmäßig Seefisch essen oder Fischölkapseln schlucken!
Weiterhin gehören auf den Speiseplan von Schwangeren reichlich Milch und Milchprodukte oder alternativ kalziumreiches Mineralwasser. Gibt es zu wenig davon, besorgt sich der Fetus das für sein Skelett nötige Kalzium aus den Knochen der Mutter. Die mögliche Folge ist dann eine Osteoporose.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher, ab dem vierten Schwangerschaftsmonat pro Tag 1000 mg Kalzium zuzuführen. Kann dieser Bedarf nicht über die Nahrung gedeckt werden, empfiehlt der Gynäkologe aus Fürth die Einnahme von Kalzium-Präparaten.
Besonders bei Frauen, die sich überwiegend vegetarisch ernähren, kann es in der Schwangerschaft zu Eisenmangel sowie Mangel an Vitamin B12 kommen. Eine generelle Einnahme von entsprechenden Präparaten wird jedoch nicht empfohlen. Indiziert sei eine solche Behandlung nur bei klinisch relevantem Hämoglobin-Abfall, so Kleine-Gunk. Ärzte Zeitung, 24.01.2005


Erhöhte Zufuhr von Folsäure ist gut für Herz und Hirn
Daten der Nurses Health Study
BERLIN (urm). Sinnvolle ernährungsmedizinische Maßnahmen zur Gesundheitsprävention werden nach Ansicht von Professor Klaus Pietrzik in Deutschland nicht in wünschenswertem Maße genutzt. Der Bonner Ernährungswissenschaftler rechnet dazu etwa die Supplementierung mit Folsäure.
Denn mit einer Folsäure-Supplementation könne nicht nur Neuralrohrdefekten in der Schwangerschaft vorgebeugt, sondern auch das kardiovaskuläre Risiko nachhaltig gesenkt werden, sagte Pietrzik bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V. in Berlin.
So senke eine erhöhte Zufuhr von B-Vitaminen und Folsäure die Homocystein-Spiegel deutlich - und zwar um so stärker, je höher die Homocystein-Ausgangswerte seien. Das sei von Bedeutung, da eine Hyperhomocysteinämie bekanntlich als ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor diskutiert werde.
Ein Indiz dafür, daß sich eine höhere Folsäurezufuhr tatsächlich günstig auf die Gesundheit auswirkt, ergibt sich nach Angaben von Pietrzik aus der Nurses’ Health Study: Danach wiesen Frauen mit der niedrigsten Aufnahme von Folsäure und Vitamin B 6 das höchste Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. So hatten Frauen mit der höchsten Folat- und Vitamin-B-6-Aufnahme im Vergleich zu Frauen mit der niedrigsten Aufnahme ein um 45 Prozent erniedrigtes Risiko, berichtete Pietrzik bei einem von Orthomol veranstalteten Satellitensymposium.
Daß eine amerikanische Interventionsstudie zum Nutzen einer Folsäure-Supplementierung kürzlich ein negatives Ergebnis ergab, kommt für Pietrzik dennoch nicht unerwartet. Denn in den USA werden bereits seit 1998 die Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert - und das mit offenbar gutem Erfolg. Denn fortan sei die Schlaganfall-assoziierte Mortalität um durchschnittlich 4,5 Prozent jährlich gesunken, so Pietrzik. Eine zusätzliche Supplementierung bringe daher vermutlich keinen weiteren Nutzen.
Ärzte Zeitung, 21.01.2005


Folsäure und Vitamin B12 senken Frakturrisiko nach Schlaganfall

TAGAWA/JAPAN. Nach einem Schlaganfall ist das Risiko von Knochenbrüchen erhöht. Eine mögliche Ursache ist der Anstieg des Homocysteinspiegels im Blut, der durch eine Therapie mit Folsäure und Vitamin B12 gesenkt werden könnte. Eine im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2005; 293: 1082-1088) publizierte Doppelblindstudie aus Japan bestätigt diese Hypothese mit einem sehr guten Ergebnis, wenn auch die Editorialisten zur Zurückhaltung mahnen.
An der Studie, die am Mitate Hospital in Tagawa durchgeführt wurde, nahmen 628 Patienten teil, bei denen der Schlaganfall mindestens ein Jahr zurücklag und noch eine residuale Hemiplegie bestand. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In einem Arm nahmen die Patienten täglich fünf Milligramm Folsäure plus 1500 µg Vitamin B12 ein. An die Teilnehmer des anderen Studienarms wurden Placebos verteilt.
Folsäure und Vitamin B12 werden für den Abbau von Homocystein in Methionin benötigt. Die Therapie sollte deshalb zu einem Abfall des Homocysteinspiegels führen, was auch der Fall war. Während im Placebo-Arm die Homocysteinspiegel um 31 Prozent anstiegen, fielen sie im Therapie-Arm um 38 Prozent. Das allein würde noch keinen klinischen Vorteil bedeuten. Doch unter den Patienten, die mit den beiden Vitaminen behandelt wurden, traten in den zwei Jahren der Nachbeobachtung deutlich weniger Schenkelhalsfrakturen auf, nämlich sechs gegenüber 27 im Placebo-Arm. Das ergibt unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den Patienten eine Risikominderung um 80 Prozent (relatives Risiko 0,20: 95-Konfidenzintervall 0,08-0,50). Das absolute Risiko sank nach der Auswertung der Gruppe um Yoshihiro Sato vom Mitate Hospital um 7,1 Prozent (3,6 bis 10,8 Prozent). Und die “number needed to treat” (NNT), also die Zahl der Patienten, die behandelt werden müsste, um eine einzelne Hüftfraktur zu vermeiden, betrug 14 (9 bis 28), durchaus ein beeindruckendes Ergebnis.

Die Autoren ließen die Patienten auch ein Tagebuch führen, in dem diese die Stürze notierten. Die Zahl war in beiden Gruppen gleich, so dass man vermuten darf, dass das verminderte Frakturrisiko auf eine Verbesserung der Knochenstabilität zurückzuführen war.

Für Joyce van Meurs und André Uitterlinden vom Erasmus Medical Center in Rotterdam ist die Studie der erste Beweis, das durch erhöhte Homocysteinspiegel das Frakturrisiko ansteigt (JAMA 2005; 293: 1121-1122). Dennoch sind die Experten zurückhaltend in ihrer Bewertung. Sie fordern weitere klinische Studien zur Effektivität und zu den biologischen Grundlagen der Wirkung.2. März 2005 http://www.aerzteblatt.de

Links zum Thema

Abstract der Studie im JAMA

Pressemitteilung JAMA


Folsäure verjüngt das Hirn um Jahre  -  Vitamin verlangsamt Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit
Senioren, welche die doppelte Menge der empfohlenen Folsäuredosis einnehmen, bleiben geistig länger fit, so das Ergebnis einer Studie der niederländischen Wageningen Universität.
Folsäure wirkt wie geistiges Anti-Aging. Sie ist beispielsweise in Erdbeeren enthalten. Foto: dieBlen.de
Altern ist mit einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit assoziiert. Forscher fanden nun heraus, dass die Verdopplung der empfohlenen Folsäuredosis sich positiv auf das Gedächtnis auswirkt. Ihre Ergebnisse stellten die Wissenschaftler beim derzeit in Washington abgehaltenen Jahreskongress der Alzheimer Association vor.
Über 800 Personen zwischen 50 und 75 Jahren hatten über drei Jahre lang entweder 800 mg Folsäure oder Plazebo erhalten.
Ein Intelligenztest ergab, dass die Gedächtnisfunktionen mit der Folsäureeinnahme so gut wie bei 5,5 Jahre jüngeren Personen waren.
Folsäure gehört zur Vitamin-B-Gruppe und ist in Orangen, Erdbeeren, fast allen dunkelgrün blättrigen Gemüse- und Salatarten sowie in Bohnen enthalten, allerdings in niedrigeren Dosierungen.
http://www.aerztlichepraxis.de


Folsäuremangel drückt Geburtsgewicht
Leidet die Mama in spe in der Frühschwangerschaft unter Folsäuremangel, läuft sie Gefahr, ein Baby mit geringem Geburtsgewicht zur Welt zu bringen.
Schwangeren zuliebe sollten Nahrungsmittel mit Folsäure angereichert werden, fordern britische Wissenschaftler. Foto: Berufsverband der Frauenärzte
Dass das Geburtsgewicht Neugeborener mit dem Folsäure-Spiegel der Mutter in Zusammenhang steht, fanden Wissenschaftler der University of Newcastle, Großbritannien, heraus. Sie hatten 1 000 Frauen und ihre neugeborenen Kinder untersucht.
Besonders niedrige Folsäurespiegel im Blut wiesen rauchende Mütter auf. Dies erklärt möglicherweise das häufig geringe Geburtsgewicht ihrer Kinder.
Folsäure sei bei jeder Schwangerschaft nicht nur wegen der Prävention von Krankheiten wichtig, sondern auch für das Erreichen eines gesunden Geburtsgewichts. Sie plädieren deshalb dafür, eine Reihe von Nahrungsmitteln mit Folsäure anzureichern.
aerztlichepraxis.de


Folsäure kann Malignomen vorbeugen

Rom – „Folsäure beugt Krebs vor“. Das erklären Wissenschaftler der Unversita Cattolicà Sacro Cuore in Rom. Sie veröffentlichten Ihre Ergebnisse Mitte Juni in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift „Cancer“. In gedruckter Form wird der Artikel am 15. Juli in der Zeitschrift erscheinen.

Folsäure ist ein natürlich vorkommendes Vitamin (Vitamin B9). Es findet sich in frischem Obst und Gemüse. Sie ist essentiell für eine Reihe von Reaktionen das Nukleinsäure- und Aminosäuremetabolismus. Zu diesen zählen DNA-Synthese, DNA-Reperatur und die Umsetzung von Homocystein zu Methionin. Hohe Homocysteinspiegel stehen unter anderem in Verbindung mit Krebs und koronarer Herzkrankheit.

Die Arbeitsgruppe von Giovanni Almadori am Institut für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universita Cattolicà Sacro Cuore, Policlinico Gemelli in Rom untersuchte 43 Patienten mit unbehandelter Leukoplakie, einer Präkanzerose der Kehlkopfschleimhaut. Die Probanden erhielten über einen Zeitraum von sechs Monaten dreimal täglich fünf Milligramm Folsäure. Die Untersucher dokumentierten alle 30 Tage das Ausmaß der Läsionen.

Nach sechsmonatiger Behandlung bestand bei zwölf Patienten (28 Prozent) eine vollkommene Auflösung der Leukoplakie. Die Läsionen von 19 Patienten (44 Prozent) wiesen eine Reduktion um mindestens 50 Prozent auf. Bei zwölf Patienten (28 Prozent) zeigte sich keine Reduktion der Läsionen, allerdings auch keine Ausbreitung. Die durchschnittlichen Homocysteinspiegel der Probanden sanken signifikant.

„Somit kommt Folsäure eine effektive kanzeropräventive Wirkung zu. Bisher versprach der Einsatz von Retinoiden in Tests den größten Erfolg, als Medikament Krebs vorzubeugen. Der Nachteil von Retinoiden ist die hohe Toxizität. Folsäure hat zwar geringere Effekte, ist aber auch mit weniger Nebenwirkungen assoziiert“, so die Wissenschaftler. /hil
www.aerzteblatt.de  16. Juni 2006 Deutsches Ärzteblatt
Links zum Thema
Abstract in Cancer
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112652869/ABSTRACT 
Universita Cattolicà Sacro Cuore
http://www.unicatt.it/ 


Larynxkarzinom: Folsäure bessert Leukoplakie
Dienstag, 13. Juni 2006 http://www.aerzteblatt.de/
Rom - Nach einer sechsmonatigen Folsäure-Substitution kam es in einer Pilotstudie bei mehr als der Hälfte der Patienten zu einer Verkleinerung der Leukoplakie, die eine Vorstufe des Larynxkarzinoms ist. Die Studie in Cancer (2006; doi: 10.1002/cncr.22003) ist der erste Hinweis auf eine chemopräventive Wirkung des B-Vitamins, als Beweis kann sie hingegen nicht herhalten.

Folsäure ist ein natürlicherweise vorkommendes B-Vitamin. Es ist in frischem Obst und Gemüse enthalten, dass viele Menschen jedoch nur noch in geringen Mengen verzehren. Die Bevölkerung in den Industrieländern gilt jedenfalls als unterversorgt und es gibt Hypothesen, nach denen der Mangel an Folsäure die Entwicklung von Leukoplakien fördert, deren Hauptverursacher indes das Rauchen ist. Interessanterweise haben viele Menschen mit einer Leukoplakie einen niedrigen Folsäurespiegel, was Onkologen der Katholischen Universität in Rom zu einer offenen Studie veranlasste.

43 Patienten mit Leukoplakie (darunter 40 Raucher) wurden gebeten, täglich 5 mg Folsäure einzunehmen. Der Erfolg war durchaus beachtlich. Nach einem halben Jahr war die Leukoplakie bei 12 Patienten (28 Prozent) vollständig verschwunden. Bei weiteren 19 Patienten (44 Prozent) war es zu einer Rückbildung gekommen. Die Gesamtremissionsrate von 72 Prozent ist erstaunlich, sie ist indes weder Zeichen eines Wunders noch belegt sie eine chemopräventive Wirkung der Folsäure.

Leukoplakien haben nämlich eine beachtliche Neigung zur Spontanremission. Um die Wirkung einer Chemoprävention mit Folsäure zu belegen, die in dieser Größenordnung wohl einzigartig in der Onkologie wäre, müssen die italienischen Onkologen jetzt eine randomisierte kontrollierte Studie durchführen. /rme

Links zum Thema

» Abstract der Studie

» Pressemitteilung des Cedars-Sinai Medical Center

» Pressemitteilung von


Deutsches Ärzteblatt print

Koletzko, Berthold; Pietrzik, Klaus
Gesundheitliche Bedeutung der Folsäurezufuhr
Deutsches Ärzteblatt 101, Ausgabe 23 vom 04.06.2004, Seite A-1670 / B-1388 / C-1338
MEDIZIN

 Zusammenfassung
Der Großteil der Bevölkerung erreicht mit der üblichen Ernährungsweise nicht die zur Gesundheitsprävention empfohlene Zufuhr von Folsäure. Eine angemessene Folatversorgung in der Frühschwangerschaft kann die Häufigkeit angeborener Neuralrohrdefekte (Inzidenz circa 1,5/1 000 Schwangerschaften) um etwa 70 bis 75 Prozent senken, in etwa gleichem Maße werden auch Schwangerschaftsabbrüche aufgrund pränatal erkannter Neuralrohrdefekte vermindert. Tatsächlich erhalten aber nur wenige Frauen im gebärfähigen Alter eine wirksame perikonzeptionelle Folatzufuhr. Eine Folatsubsupplementierung erst nach Eintritt der Schwangerschaft, zum Beispiel aufgrund einer Tablettenempfehlung bei der ärztlichen Schwangerschaftsberatung, ist für eine effektive Prävention meist zu spät. Deshalb ist auch in Deutschland die gezielte Folsäureanreicherung von Grundnahrungsmitteln (beispielsweise Mehl, Salz), wie sie in anderen Ländern bereits praktiziert wird, dringend wünschenswert. Eine solche breitenwirksame Verbesserung der Folsatversorgung lässt weitere gesundheitspräventive Effekte für die Allgemeinbevölkerung erwarten, insbesondere auch eine Senkung der Morbidität und Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schlüsselwörter: Folsäuretherapie, Demenz, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, Prävention, Homocysteinstoffwechsel, Schwangerschaft

Folat ist ein wasserlösliches Vitamin, das in den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckt und in seiner Struktur aufgeklärt wurde. Der Name Folat leitet sich vom lateinischen Begriff „folium“, das Blatt, ab, da das Vitamin zuerst aus Spinat isoliert wurde. Für die Vitaminwirkung sind verschiedene Folatverbindungen verantwortlich.
Folsäure/Folat
Natürliche Folate bestehen aus einem Pteridin- und einem para-Aminobenzoesäurering, an dessen Carboxylende bis zu acht Glutaminsäurereste gebunden sind (Pteroylpolyglutamate). Neben der Länge der Glutamylkette unterscheiden sich die natürlichen Folate im Hydrierungsgrad des Pteridinrings sowie in der Bindung verschiedener C1-Einheiten an N-5 und N-10. Dagegen enthält die synthetisch hergestellte, in Arzneimitteln und zur Nahrungsergänzung eingesetzte Folsäure nur einen Glutaminsäurerest und zählt damit zu den Pteroylmonoglutamaten. Außerdem ist sie die Form des Vitamins mit der höchsten Oxidationsstufe.
Folatvorkommen in der Nahrung
Folate kommen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Vor allem Blattgemüse weist einen hohen Gehalt auf. Gute Folatquellen sind Spinat, Salate, Weißkohl, Tomaten, Orangen, Leber und Getreide. Mit der heute üblichen Ernährungsweise werden frisches Obst und Gemüse in zu geringen Mengen verzehrt; die Versorgung der Bevölkerung mit Folat ist unzureichend (25, 26).
Resorption und Stoffwechsel
In der Nahrung liegen Folate zum großen Teil als Pteroylpolyglutamate vor. Diese müssen zunächst von einer Carboxypeptidase im Bürstensaum der Mukosazellen zu Pteroylmonoglutamaten hydrolysiert werden, bevor sie im Darm hauptsächlich durch aktiven Transport resorbiert werden. Die Resorption wird durch Glucose und Na+ stimuliert und folgt einer Sättigungskinetik, wobei ein pH-Wert von 6,0 am günstigsten ist. Zu einem Teil erfolgt auch passive Diffusion (4).
Nach dem Transport von überwiegend nichtmethylierten Folaten zum Hauptspeicherorgan Leber kommt es hier zur Umwandlung in die methylierte Form. Der Weitertransport in die Zellen erfolgt vorwiegend als 5-Methyl-Tetrahydrofolat (THF) an Albumin und a-Makroglobulin gebunden. Nach der Aufnahme in die Zellen wird 5-Methyl-THF demethyliert und in die Polyglutamatform umgewandelt. An der Demethylierung sind die Aminosäure Homocystein sowie ein Enzym, welches Vitamin B12 als Coenzym benötigt, beteiligt. Die enge Verbindung des Folatstoffwechsels mit dem des Homocysteins ist präventivmedizinisch sehr bedeutsam.
Täglich werden 10 bis 90 µg Folat von der Galle in den Darm ausgeschieden und von dort nahezu vollständig rückresorbiert (enterohepatischer Kreislauf). Bei normaler Folataufnahme werden täglich etwa 1 bis 12 mg in Form verschiedener folatwirksamer Verbindungen wie 5-Methyl-THF und 10-Methyl-THF sowie inaktiver Abbauprodukte wie Pteridin renal ausgeschieden. Die Bedeutung der fäkalen Ausscheidung kann nicht beurteilt werden, da mit den Fäzes auch immer endogen gebildete Folate aus der im Darm stattfindenden mikrobiellen Folatbiosynthese ausgeschieden werden (4, 34).
Tetrahydrofolate und ihre Derivate sind Koenzyme für zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Sie fungieren als Akzeptor und Überträger von C1-Resten wie Hydroxymethyl- und Formylgruppen und werden daher unter anderem bei der Umwandlung von Serin in Glycin sowie im Histidin- und Tryptophanstoffwechsel benötigt. Folate sind an der Purin- und Pyrimidinsynthese beteiligt. Sie sind daher sehr wichtig für die DNA- und RNA-Synthese sowie für die Zellteilung beziehungsweise Zellneubildung (4). Auch bei der Methylierung von Homocystein zu Methionin wird eine C1-Gruppe übertragen. In Form von S-Adenosylmethionin (SAM) ist Methionin selbst ein wichtiger Methylgruppendonator. Bei SAM-abhängigen Methylierungsreaktionen entsteht als Zwischenprodukt immer die schwefelhaltige Aminosäure Homocystein.
Homocysteinstoffwechsel – Homocystein kann in Abhängigkeit von Folat und Vitamin B12 zu Methionin remethyliert oder in zwei Schritten unter Beteiligung von Vitamin B6 zu Cystein transsulfuriert werden. Bei unzureichender Versorgung mit Folat und/ oder den Vitaminen B12 und B6 wird der Homocysteinstoffwechsel behindert, sodass es zum Anstieg der Homocysteinkonzentration im Blut kommen kann (4).
Von verschiedenen Autoren werden unterschiedliche Grenzwerte für die Definition erhöhter Homocysteinkonzentrationen angegeben. Die American Heart Association hat den Zustand der Hyperhomocysteinämie durch folgende Konzentrationen im Plasma definiert: 16 bis 30 mmol/L (moderat), 31 bis 100 mmol/L (mittel) beziehungsweise > 100 mmol/L (schwer) (59). Eine Konzentration von mehr als 10 mmol/L wird bei Personen mit prämaturen kardiovaskulären Erkrankungen in der persönlichen beziehungsweise familiären Anamnese bereits als kritisch angesehen (4). Auch die D-A-CH-Liga (D-A-CH, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung und Schweizerische Vereinigung für Ernährung) Homocystein sieht bei Homodysteinwertenzwischen 10 und 12 mmol/L, sofern weitere Risikofaktoren vorliegen, beziehungsweise allgemein ab 12 mmol/L Handlungsbedarf (93).
Die Homocysteinkonzentration im Blut kann als ein Indikator für die Folatversorgung herangezogen werden. Der Zusammenhang zwischen der Folat-/Folsäureversorgung und dem Homocysteinspiegel wird unter anderem durch die im Folgenden zitierten Studienergebnisse gestützt.
Ubbink et al. zeigten bereits 1993, dass Studienteilnehmer mit moderat erhöhtem Homocysteinspiegel signifikant geringere Plasmakonzentrationen an Folat, Cobalamin und Pyridoxal-5-Phosphat aufwiesen. Die Gabe eines Supplements mit 1 mg Folsäure, 12,2 mg Pyridoxal-HCL und 0,4 mg Cyanocobalamin normalisierte den Homocysteingehalt des Plasmas (102). Auch in einer bayerischen Studie von Rauh et al. korrelierte die Homocysteinkonzentration invers mit der Konzentration von Vitamin B12 sowie Folat im Blut, sowie positiv mit der fettfreien Körpermasse und der Konzentration von Serumkreatinin (74).
Eine Meta-Analyse der Ergebnisse von zwölf randomisierten kontrollierten Studien ergab, dass die tägliche Gabe von 0,5 bis 5 mg Folsäure eine mittlere Reduktion des Homocysteinspiegels um 25 Prozent bewirkte (46). Der Effekt konnte durch die zusätzliche Gabe von durchschnittlich 0,5 mg Vitamin B12 um sieben Prozent verstärkt werden. Außerdem zeigte sich, dass die Reduktion des Homocysteinspiegels bei hohen Ausgangskonzentrationen effektiver war. Vitamin B6 hatte in den ausgewerteten Studien keinen Einfluss auf den Homocysteinspiegel.
Eine gepoolte Analyse von Studien mit jungen Frauen zeigte, dass bei diesem Kollektiv mit Homocysteinspiegeln von im Mittel 8 µmol/L die kombinierte Gabe von Folsäure zusammen mit Vitamin B6 und/oder Vitamin B12 zu einer deutlicheren Senkung des Homocysteinspiegels führte als die Gabe von Folsäure allein (12).
Im Zusammenhang mit erhöhten Homocysteinspiegeln werden aber auch genetische Ursachen diskutiert: Stark erhöhte Homocysteinspiegel sind die Folge des Defektes der Cystathionin-b-Synthase (Homocystinurie), während leicht erhöhte Homocysteinspiegel bei Personen auftreten, die homozygot für die thermolabile Variante des Enzyms Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) sind. Durch einen Basenaustausch von C zu T ist die Aktivität des Enzyms bei diesen Genträgern reduziert. Die homozygote Variante tritt weltweit bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung auf, was leicht erhöhte Homocysteinspiegel zur Folge hat. Circa 40 Prozent sind heterozygote Merkmalsträger und weisen keine erhöhten Homocysteinspiegel auf.
Bioverfügbarkeit
Die Bioverfügbarkeit der in der Nahrung vorkommenden Folate variiert in Abhängigkeit vom Mono-/Polyglutamatverhältnis in beachtlichem Umfang (4). Während die Monoglutamate nahezu quantitativ resorbiert werden (> 90 Prozent), ist die Bioverfügbarkeit der Polyglutamate mit circa 50 Prozent deutlich geringer (27). Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährungsforschung und der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung (D-A-CH) wurde aufgrund der unterschiedlichen Resorption der folatwirksamen Verbindungen der Begriff der Folat-Äquivalente eingeführt, der in Anlehnung an die neue Praxis in den USA folgendermaßen definiert wird: 1 mg Folat-Äquivalent wird gleichgesetzt mit 1 mg Nahrungsfolat und entspricht 0,5 mg synthetischer Folsäure (Pteroylmonoglutaminsäure [PGA]) (27).
Bedeutung von Folsäure für die Gesundheit
Schwangerschaft
Neuralrohrdefekte – Neuralrohrdefekte sind die häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Zentralnervensystems. Der Verschluss des Neuralrohres erfolgt bereits vier Wochen nach der Konzeption (zwischen dem 22. und 28. Schwangerschaftstag) beziehungsweise etwa sechs Wochen nach dem ersten Tag der letzten Menstruation (52). Bei Störungen des Neuralrohrschlusses kommt es zu Neuralrohrdefekten (NRD) wie Spina bifida, teilweise mit Meningozele oder Meningomyelozele (Abbildung), zu Anenzephalien und Enzephalozelen.
Kinder mit Anenzephalus haben praktisch keine Überlebenschancen. Lebend geborene Kinder mit einer Spina bifida, Meningozele oder Meningomyelozele haben heute gute Lebenschancen, wenngleich sie selbst bei optimaler Versorgung aufgrund neurologischer Beeinträchtigungen häufig lebenslang behindert sind. Das Ausmaß und die Folgen der neurologischen Störungen sind von der Lokalisation der spinalen Läsion abhängig. Zwei Drittel der Kinder und Erwachsenen sind aufgrund von Muskellähmungen rollstuhlabhängig. Sie zeigen Schädigungen der Extremitäten, der Wirbelsäule sowie des harnableitenden Systems, und in etwa drei Viertel der Fälle entwickeln sie auch eine Erweiterung der Hirninnenräume (Hydrozephalus).
In Deutschland werden jährlich etwa 470 bis 800 Säuglinge mit NRD lebend geboren, die Häufigkeit liegt damit bei circa einem Fall pro 1 000 Neugeborenen. Bei weiteren 500 Schwangerschaften erfolgt nach einer pränatalen Diagnose, die meist durch Ultraschall gestellt wird, ein Abbruch der Schwangerschaft (4). Bei Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt hatten, ist die Wiederholungswahrscheinlichkeit bei einer weiteren Schwangerschaft um das zehn- bis 20-fache erhöht (4, 79).
Bereits 1965 wurde die Rolle der Folsäure bei der Genese von NRD thematisiert (44). Seit 1981 verdichten sich die Hinweise dafür, dass eine ausreichende Folat-/Folsäureversorgung von Schwangeren während der kritischen Phase des Neuralrohrschlusses das Risiko für Fehlbildungen des Neuralrohrs beim Embryo deutlich vermindern kann (18, 21, 91, 77, 100). Der Mechanismus für den protektiven Einfluss der Folsäure auf die Entstehung von NRD ist noch nicht geklärt. Möglicherweise spielt das neurotoxische Homocystein eine entscheidende Rolle (4). Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gibt die Tatsache, dass der weit verbreitete Genpolymorphismus C 677 T der Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) mit erhöhten Homocysteinspiegeln im Blut einhergeht und bei etwa zehn Prozent der Normalbevölkerung zu finden ist, bei Müttern von Kindern mit Spina bifida jedoch häufiger vorkommt (99).
Eine Reihe von Studienergebnissen bestätigen Vermutungen über einen Zusammenhang zwischen der Zufuhr von Folsäure beziehungsweise der Nahrungsfolatversorgung und dem NRD-Risiko sowohl für die Primärprävention als auch zur Senkung des Wiederholungsrisikos.
- Fall-Kontroll-Studien: In vier von fünf Fall-Kontroll-Studien, in denen ein Multivitaminpräparat mit Folsäure in einer Dosierung von 0,36 bis 0,8 mg pro Tag perikonzeptionell verabreicht wurde, konnte eine Reduktion des NRD-Risikos um 35 bis 75 Prozent nachgewiesen werden (11, 66, 87, 109). In einer Studie wurde kein Zusammenhang beschrieben (61).
In einer irischen Fall-Kontroll-Studie wurde eine direkte Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Folatgehalt der Erythrozyten und dem Risiko für NRD gezeigt. Frauen mit dem niedrigsten Folatgehalt (< 150 mg/L) in den Erythrozyten hatten ein achtfach höheres Risiko, ein Kind mit NRD zu gebären, als Frauen in der Gruppe mit den höchsten Folatgehalten (22).
- Prospektive Kohortenstudien: In einer großen prospektiven Kohortenstudie wurden Frauen in der 16. Schwangerschaftswoche befragt, ob sie Vitaminpräparate mit oder ohne Folsäure eingenommen hatten. Eine Einnahme von folsäurehaltigen Präparaten in den ersten sechs Wochen der Schwangerschaft ging mit einer Risikoreduktion um 70 Prozent einher. Die Einnahme von Folsäure erst ab der siebten Schwangerschaftswoche zeigte keine Risikoreduktion (62).
In einer anderen Studie mit 23 228 Frauen wurde mittels linearer Regression berechnet, dass eine zusätzliche Zufuhr von 500 mg Folat-Äquivalenten pro Tag (Berücksichtigung von Nahrungsfolat und Folsäure aus Supplementen) die Prävalenz von NRD um 0,78 Fälle pro 1 000 Geburten reduzierte (95-Prozent-Konfidenzintervall [CI] = 0,47 bis 1,09). Im Vergleich zu der Gruppe der Frauen mit der geringsten Zufuhr an Folat-Äquivalenten (0 bis 149 mg/d) war die NRD-Rate in der Gruppe mit der höchsten Zufuhr (> 1 200 mg/d) um 77 Prozent verringert (p = 0,016 für linearen Trend) (63).
- Interventionsstudien: Czeizel et al. (21, 20) führten im Rahmen des Ungarischen Familienplanungsprogramms eine randomisierte, placebokontrollierte doppelblinde Studie mit 5 502 schwangeren Frauen durch. Eine Gruppe (n = 2 819) erhielt mindestens einen Monat vor der Empfängnis sowie mindestens zwei Monate danach ein Multivitaminpräparat mit 800 mg Folsäure, die Kontrollgruppe bekam ein Präparat, das Kupfer, Mangan, Zink und Vitamin C in Spuren enthielt. In der mit Folsäure supplementierten Gruppe trat kein Fall von NRD auf, während in der Kontrollgruppe sechs Fälle beobachtet wurden (p = 0,014) (21, 20). Die isolierte Gabe einer hohen Dosis an Folsäure (6 mg/d) senkte das Risiko weniger effektiv als die Kombination von Folsäure mit anderen Nährstoffen (19).
In Nordchina, einer Gegend mit hoher Inzidenz von NRD, führte bei Frauen im gebärfähigen Alter die isolierte Gabe von 400 mg Folsäure pro Tag zu einer Reduktion des NRD-Risikos um 79 Prozent. In Südchina, einer Region mit einer deutlich niedrigeren Inzidenz von NRD, wurde durch diese Maßnahme eine Abnahme um 41 Prozent beobachtet (7).
- Wiederholungsrisiko: An der multizentrischen Medical Research Council Vitamin Study, die randomisiert und doppelblind durchgeführt wurde, nahmen 1 817 Frauen teil, bei denen in einer früheren Schwangerschaft bereits ein NRD aufgetreten war. Die Teilnehmerinnen erhielten täglich 4 mg Folsäure ohne oder mit anderen Vitaminen und behielten dies im Falle einer Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen bei. In der Gruppe der Frauen, die Folsäure isoliert oder mit anderen Vitaminen erhalten hatten, war die Rate eines erneuten NRD um 72 Prozent niedriger als in den Gruppen ohne Folsäurezufuhr (Placebo beziehungsweise Multivitamine ohne Folsäure). Andere Vitamine als Folsäure zeigten keinen protektiven Effekt (65).
In einer weiteren, nicht randomisierten Interventionsstudie hatten Frauen, die bereits ein Kind mit NRD geboren hatten, ein um 86 Prozent geringeres Risiko erneut ein Kind mit NRD zu bekommen, wenn sie in der Frühschwangerschaft ein Multivitaminpräparat mit 360 mg Folsäure eingenommen hatten (90). Laurence et al. und Vergel et al. konnten in zwei weiteren, jedoch kleineren Interventionsstudien zur Sekundärprophylaxe mit 4 beziehungsweise 5 mg Folsäure täglich (perikonzeptionelle Einnahme) Risikoreduktionen von 60 beziehungsweise 100 Prozent erzielen (54, 106).
Da nur etwa fünf Prozent aller NRD-Fälle Wiederholungsfälle sind (98) und viele Frauen ihre Schwangerschaft erst feststellen, wenn die kritische Phase der Neuralrohrentstehung bereits abgeschlossen ist, ist eine NRD-Prävention für alle Frauen im gebärfähigen Alter, die eine Schwangerschaft planen oder nicht sicher ausschließen können, wichtig.
Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten – Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch eine perikonzeptionelle Folsäuresupplementierung möglicherweise auch das Risiko für Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten reduziert werden kann. Als mögliche Mechanismen werden eine gestörte Methylierung der DNA sowie teratogene Wirkungen durch erhöhte Homocysteinspiegel diskutiert (105).
- Fall-Kontroll-Studien: In einer Fall-Kontroll-Studie wurde bei Frauen, die perikonzeptionell ein folsäurehaltiges Multivitaminpräparat einnahmen, ein um 50 Prozent geringeres Risiko festgestellt, ein Kind mit Lippenspalte und/oder Gaumenspalte zu gebären, wenn diese die einzige Fehlbildung war (88).
Der Zusammenhang zwischen Polymorphismen der Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) und dem Auftreten oraler Spalten wurde in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Trägerinnen des Genotyps MTHFR 677 TT, die perikonzeptionell keine Folsäure aufgenommen hatten oder eine geringe Folataufnahme über die Nahrung zeigten oder auf die beides zutraf, hatten ein erhöhtes Risiko, ein Kind mit Lippen- und/oder Gaumenspalte zu gebären (odds ratios [OR] = 5,9; 2,8 beziehungsweise 10,0). Fast siebenfach erhöht war dieses Risiko für Mütter mit dem Genotyp MTHFR 1298 CC, die keine Supplemente eingenommen hatten und wenig Folat über die Nahrung aufnahmen (OR = 6,5) (105). Bei dem Polymorphismus MTHFR A 1298 C ist die Aktivität des Enzyms ebenfalls verringert, jedoch treten keine erhöhten Homocysteinkonzentrationen beziehungsweise erniedrigte Folatspiegel im Plasma auf.
Hayes et al. konnten in einer weiteren Fall-Kontroll-Studie keinen Zusammenhang zwischen einer perikonzeptionellen Supplementierung mit Folsäure und dem Auftreten oraler Spaltbildungen demonstrieren (41).
- Interventionsstudien: Die Ergebnisse einer Interventionsstudie zeigen, dass die tägliche Einnahme von 10 mg Folsäure plus einem nicht folsäurehaltigen Multivitaminpräparat (Dosierung etwa in Höhe der empfohlenen Nährstoffzufuhr) über mindestens zwei Monate vor sowie drei Monate nach der Konzeption das Risiko der Wiederholung von Lippenspalten mit oder ohne Gaumenspalte um 65 Prozent reduzierte (97). Untersucht wurden 221 Mütter, die entweder bereits ein betroffenes Kind hatten oder bei denen Mutter oder Vater selbst eine solche Fehlbildung aufwiesen. Die Vergleichsgruppe bestand aus 1 901 Frauen mit einem erhöhten Risiko für ein Kind mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte, die kein Supplement erhielten.
In einer Übersichtsarbeit zu den bisherigen Daten halten Hartridge et al. fest, dass aussagekräftigere Untersuchungen nötig seien, um einen solchen Zusammenhang zu beweisen (40).
Angeborene Herzfehler – Durch die Gabe von Folsäure beziehungsweise folsäurehaltigen Multivitaminpräparaten scheint auch die Vermeidung angeborener Herzfehler möglich. In der randomisierten Ungarn-Studie fanden Czeizel und Dudas eine 52-prozentige Reduktion im Auftreten angeborener kardiovaskulärer Defekte bei Kindern von Müttern, die perikonzeptionell folsäurehaltige Multivitaminpräparate eingenommen hatten, im Vergleich zu denen, die ein Placebo bekommen hatten (20). In einer späteren Studie, die ebenfalls von Czeizel durchgeführt wurde, war die Reduktion der Herzfehler signifikant; deutlicher sogar als für NRD (zitiert bei 64).
Eine im Vergleich zur Placebogruppe signifikante Reduktion des Risikos um 35 Prozent für Fehlbildungen der großen Gefäße zeigte sich in einer Fall-Kontroll-Studie bei Kindern, deren Mütter perikonzeptionell folsäurehaltige Multivitaminpräparate eingenommen hatten (86).
In einer bevölkerungsweiten Fall-Kontroll-Studie der Centers for Disease Control (CDC) in Atlanta (USA) aus Daten von 1968 bis 1980 wurde eine signifikante Risikoreduktion um 43 Prozent für Fehlbildungen der großen Gefäße festgestellt, wenn ein (folsäurehaltiges) Multivitaminpräparat in der perikonzeptionellen Phase eingenommen worden war. Die Autoren weisen darauf hin, dass sie die Wirkung einzelner Komponenten des Präparates nicht untersuchen konnten (9).
Angeborene Fehlbildungen der Harnwege – Bei Müttern, die perikonzeptionell Multivitaminpräparate nahmen, war das Risiko für Harnwegsfehlbildungen des Kindes um 85 Prozent reduziert. Dafür wurden 118 Fälle des Washington State Birth Defect Registers (1990 bis 1991) mit 369 Kontrollen ohne Fehlbildungen verglichen (56). Da die Entwicklung der Harnwege im Gegensatz zum Neuralrohr erst in der 16.
bis 20. Schwangerschaftswoche abgeschlossen ist, konnten Li et al. auch dann noch einen Trend für die Reduktion von Fehlbildungen feststellen, wenn folsäurehaltige Multivitaminpräparate erst im zweiten Trimester der Schwangerschaft verabreicht worden waren.
Akute lymphoblastische Leukämie – Eine australische Studie erbrachte im Jahr 2001 das Ergebnis, dass eine Folsäuresupplementierung während der Schwangerschaft möglicherweise das Risiko einer akuten lymphoblastischen Leukämie des Kindes reduzieren kann. 83 Kinder mit lymphoblastischer Leukämie und 166 Kontrollen wurden in die Untersuchung aufgenommen. Es zeigte sich, dass die Einnahme von Eisen- und Folsäuresupplementen zur Anämieprävention von Schwangeren das Risiko einer Erkrankung des Kindes an lymphoblastischer Leukämie signifikant reduzierte (p = 0,0042). Nach Ansicht der Autoren scheint eher die Folsäure als das Eisen protektiv zu wirken, da eine alleinige Eisengabe keine positive Wirkung auf die Erkrankungshäufigkeit zeigte (96).
Trisomie 21 – Eine Hypomethylierung der DNA in der zentromeren Region begünstigt eine Non-Disjunction und kann somit zu Trisomie 21 führen (64). In der Ungarn-Studie von Czeizel et al. zeigten fünf Kinder der Kontrollgruppe, aber nur zwei in der Vitamingruppe ein Down-Syndrom (wegen kleiner Fallzahl nicht signifikant) (17). Messungen des Homocysteinspiegels bei Müttern von Kindern mit Trisomie 21 ergaben durchschnittlich höhere Werte, und Mütter mit der MTHFR-Mutante C 677 T auf einem oder beiden Genen zeigten eine 2,6-fach höhere Prävalenz von Kindern mit Down Syndrom (95-Prozent-CI: 1,2 bis 5,8) (50).
Folsäureantagonisten und Schwangerschaft – Die Kausalität der Assoziation von Folat/Folsäure und embryonalen Fehlbildungen wurde indirekt durch die Beobachtung bestätigt, dass während der Frühschwangerschaft eingenommene Folsäureantagonisten zum gleichen Fehlbildungsmuster führen, wie durch Folsäuresupplementierung beziehungsweise ausreichenden Folatstatus verhindert werden kann: Herzfehler, orale Spalten, Harnwegsfehlbildungen, Neuralrohrdefekte (42, 43). Wie die Autoren in einer großen, multizentrischen Fall-Kontroll-Studie gezeigt haben, beläuft sich das relative Risiko für die diversen Fehlbildungen auf das vier- bis mehr als siebenfache der Kontrollgruppe.
Diese Beobachtungen müssten zur Konsequenz führen, dass Folsäureantagonisten während der ersten drei Schwangerschaftsmonate nach Möglichkeit vermieden werden. Ist die Einnahme zwingend nötig, sollte sie nur unter gleichzeitiger Verabreichung von 5 mg Folsäure täglich erfolgen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Neben den gefäßschädigenden Einflüssen durch Hypertonie, Hyperlipidämie, Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung und Stress wurde lange Zeit das Cholesterin als Haupt-Risikofaktor der Atherosklerose diskutiert.
Auf diese altbekannten Faktoren können nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aber nur 50 Prozent aller atherosklerotischen Erkrankungen zurückgeführt werden. Inzwischen ist auch die Hyperhomocysteinämie als unabhängiger Risikofaktor atherosklerotischer Erkrankungen anerkannt.
Homocystein als Risikofaktor – Erste Hinweise für einen Zusammenhang zwischen erhöhten Homocysteinkonzentrationen im Blut und dem Auftreten von Gefäßerkrankungen haben Patienten mit der angeborenen Stoffwechselerkrankung Homocystinurie gegeben. Die dabei auftretenden hohen Homocysteinwerte können schon in jungen Jahren zu atherosklerotischen Gefäßwandveränderungen und zu Thrombosen führen, wodurch bereits im Vorschulalter Schlaganfälle auftreten können (35, 59).
Aufgrund dieser Beobachtungen wurde die Bedeutung des Homocysteinspiegels als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung untersucht.
Inzwischen ist dieser Zusammenhang durch die Ergebnisse von mehr als 20 Fall-Kontroll-Studien erwiesen. Das erhöhte Risiko einer koronaren Herzkrankheit bei Personen mit Hyperhomocysteinämie ist in großen prospektiven Studien untersucht worden.
So wurde in der Physicians´ Health Study aufgrund der Beobachtungen bei 14 916 Männern geschätzt, dass sieben Prozent der im Laufe von fünf Jahren aufgetretenen 271 Herzinfarkte auf erhöhte Homocysteinspiegel zurückgeführt werden konnten (92). In der Framingham Heart Study wurde außerdem ein direkter Zusammenhang zwischen erhöhten Homocysteinspiegeln und einer Karotisstenosierung gezeigt (84).
Eine von Boushey et al. 1995 veröffentlichte Metaanalyse von 38 zwischen 1988 und 1994 durchgeführten epidemiologischen Studien ergab, dass etwa zehn Prozent des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen in der Bevölkerung auf einen erhöhten Homocysteinspiegel zurückzuführen ist (10): Eine Erhöhung des Homocysteinspiegels um 5 mmol/L ging mit einer Risikosteigerung um 60 Prozent bei Männern und um 80 Prozent bei Frauen einher. Das ist vergleichbar mit der risikosteigernden Wirkung einer um 0,5 mmol/L erhöhten Cholesterinkonzentration. !
Auch die Auswertung des European Union Concerted Action Projects, einer Studie mit 750 Fällen kardialer, zerebraler und peripherer Gefäßkrankheiten sowie 800 Kontrollen, führte zu vergleichbaren Ergebnissen (39).
Aufgrund der Resultate einer holländischen Studie mit 269 Thrombosepatienten und gleicher Anzahl gesunder Kontrollen wird vermutet, dass erhöhte Homocysteinspiegel auch einen Risikofaktor für venöse oder arterielle Thrombosen darstellen. Diese Assoziation war bei Frauen stärker als bei Männern und stieg mit dem Alter an (23, 70).
Der Mechanismus für die gefäßschädigenden Effekte hoher Konzentrationen an Homocystein ist noch nicht geklärt. Diskutiert wird eine chemische Modifikation von Lipoproteinen niedriger Dichte (LDL), die die Bildung von so genannten Schaumzellen begünstigen kann. Außerdem trägt Homocystein vermutlich zur Endothelzelldesquamation sowie zur Steigerung von Blutgerinnungsprozessen und zur Verminderung der Fibrinolyse durch erhöhte Bindung von Lipoprotein(a) an Fibrin bei (35, 72).
Zur Prävalenz erhöhter Homocysteinwerte in Deutschland liegen bisher keine Daten vor. Im Rahmen eines Bayerischen Gesundheits- und Ernährungssurveys wurden eine Gruppe von 257 Schulkindern sowie ihre Eltern untersucht. Eine moderate Hyperhomocysteinämie (Hcy > 15 mmol/L) wurde bei sieben Prozent der Erwachsenen, aber bei keinem der Kinder festgestellt. Männer wiesen signifikant höhere Homocysteinspiegel auf als Frauen (p < 0,0001) (74).
Einfluss von Folsäure/Folat auf den Homocysteinspiegel und kardiovaskuläre Erkrankungen – Ursachen einer erhöhten Homocysteinkonzentration können sowohl Enzymdefekte als auch ein Mangel an den Vitaminen B6, B12 oder Folat sein.
In der Nurses’ Health Study, in der Amerikanerinnen 14 Jahre lang regelmäßig zu ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem Gesundheitsstatus befragt wurden, zeigte die Auswertung der Daten von mehr als 80 000 Teilnehmerinnen, dass Frauen mit der niedrigsten Aufnahme an Folat und Vitamin B6 das höchste Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung aufwiesen. Frauen in der höchsten Quintile der Folat- und Vitamin-B6-Aufnahme zeigten ein um 45 Prozent reduziertes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung im Vergleich zu Frauen in der niedrigsten Quintile (78).
In einer weiteren großen epidemiologischen Studie aus den USA, der NHANES I Epidemiologic Follow-Up Study mit 9 764 zu Studienbeginn gesunden Teilnehmern, stand die Aufnahme von Folat mit der Nahrung signifikant invers in Beziehung zum Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen sowie Schlaganfällen. Eine Zufuhr von mindestens 300 mg Folat täglich bedeutete hier ein um 20 Prozent geringeres Risiko für Schlaganfälle beziehungsweise ein um 13 Prozent niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen im Vergleich zu Personen, die weniger als 136 mg Folat täglich aufnahmen (5).
Im Busselton Health Survey, einer Kohortenstudie des Jahres 1969 mit einem Follow-up über ein Zeitraum von 29 Jahren, konnten die Daten von 1 419 Männern und 1 531 Frauen keinen unabhängigen Zusammenhang zwischen Serum- beziehungsweise Erythrozytenfolatkonzentration, Vitamin B12 im Serum und der Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankungen liefern (48). Neben methodischen Schwächen der Studie ist festzuhalten, dass Folat beziehungsweise der direkte inverse Zusammenhang von Folatstatus und Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Vordergrund gestellt wurden; nicht die mögliche Reduktion des Risikos für diese Krankheiten über die Senkung erhöhter Homocysteinspiegel. Auch führt ein Folatmangel nicht zwangsläufig zu erhöhten Homocysteinspiegeln.
Erste therapeutische Interventionsstudien mit Patienten nach operativen Eingriffen an den Herzkranzgefäßen zeigten, dass die Senkung des Homocysteinspiegels mit Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 die Restenose-Rate sowie weitere Komplikationen verringerte (81, 82).
Wald et al. kamen in einer Metaanalyse aufgrund der Vergleichbarkeit der hochsignifikanten Ergebnisse von genetischen Studien, in denen das Auftreten der Mutation MTHFR C 677 T miteinbezogen wurde, und prospektiven Studien mit unterschiedlichen Einfluss- und Fehlermöglichkeiten sowie den Resultaten erster Interventionsstudien zu dem Schluss, dass die Beziehung zwischen Homocystein und kardiovaskulären Erkrankungen kausal ist. Für eine Absenkung des Homocysteinspiegels um 3 mmol/L durch Folsäuregaben errechneten die Autoren eine Risikominderung für eine koronare Herzkrankheit um 16 Prozent (95-Prozent-CI: 11 bis 20 Prozent), für tiefe Venenthrombosen um 25 Prozent (95-Prozent-CI: 8 bis 38 Prozent) und für einen Hirnschlag um 24 Prozent (95-Prozent-CI: 15 bis 33 Prozent) (108).
Bereits 1995 berechnete man in den USA anhand der bis dato vorliegenden Ergebnisse, dass durch eine verbesserte Folat-/Folsäurezufuhr die Zahl der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Personen über 45 Jahren um bis zu 50 000 Fälle pro Jahr reduziert werden könnte (10). Für Deutschland wurde auf der Grundlage dieser Zahl eine mögliche Reduktion um bis zu 15 000 Todesfälle jährlich geschätzt, wobei einzelne Interventionsmaßnahmen als unterschiedlich effektiv angesehen wurden (13). Bei den Berechnungen wird von einem Nutzen einer Supplementierung mit Folsäure bei einem Homocysteinspiegel > 10 mmol/L ausgegangen.
Anhand der dargelegten Studienergebnisse und der Tatsache, dass in Deutschland im Jahr 2001 Kreislauferkrankungen für 47,2 Prozent aller Todesfälle verantwortlich waren und damit Todesursache Nummer eins sind (94), wird die mögliche Relevanz einer adäquaten Folat- beziehungsweise Folsäureaufnahme deutlich, auch wenn die Ergebnisse großer Interventionsstudien zu deren kardioprotektiver Wirkung noch ausstehen. Aufgrund des Mangels an evidenzbasierten Daten sind bisher nur Analogschlüsse zu einem möglichen präventiven Potenzial möglich. Die Ergebnisse von derzeit laufenden Interventionsstudien bleiben abzuwarten.
Maligne Erkrankungen
Es wird diskutiert, ob Folat aufgrund seiner Bedeutung für die DNA-Methylierung und die DNA-Strangstabilität über die Reparatur von DNA-Strangbrüchen vor Krebserkrankungen schützen kann (4, 14). Die Bedeutung dieser Mechanismen wird durch die auf epidemiologischen Untersuchungen beruhende Beobachtung gestützt, dass bei dem weit verbreiteten Polymorphismus des Enzyms Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) das relative Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken, erhöht ist. Ein inadäquater Folatstatus spielt dabei eine entscheidende Rolle. MTHFR katalysiert die Reaktion, die dafür entscheidend ist, ob Folat für die biologische Methylierung oder für die Nukleotidsynthese verwendet wird (14).
Die Auswertung von 32 epidemiologischen Studien zum Thema Folat und Krebserkrankungen zeigte einen inversen Zusammenhang zwischen der Folataufnahme beziehungsweise dem Folatstatus und dem Risiko für kolorektale Karzinome und (obwohl weniger eindeutig) Adenome (29).
Neben der Folatversorgung spielen offenbar auch der Alkoholkonsum und die Methioninaufnahme eine Rolle, denn in einigen der ausgewerteten Studien stellte eine niedrige Folataufnahme nur dann ein erhöhtes Risiko dar, wenn viel Alkohol konsumiert wurde beziehungsweise die Methioninaufnahme gering war: So wurde beispielsweise in der Nurses’ Health Study ein Zusammenhang zwischen niedriger Folataufnahme und höherem Brustkrebsrisiko nur bei den Frauen beobachtet, die täglich mindestens 15 g Alkohol aufnahmen (112).
In der Nurses’ Health Study, an der mehr als 88 000 Frauen teilnahmen, war die Einnahme von Multivitaminpräparaten mit mehr als 400 mg Folsäure über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren mit einer 75-prozentigen Risikoreduktion für Dickdarmkrebs assoziiert (38).
In einer prospektiven Kohortenstudie wurde der Zusammenhang zwischen dem Folatstatus und Pankreaskrebs bei 29 133 finnischen Rauchern im Alter von 50 bis 69 Jahren untersucht (95). Einbezogen wurden 126 Personen, die während der Beobachtungszeit Krebs des exokrinen Pankreas entwickelten, sowie 247 Kontrollen. Es wurde ein signifikanter inverser Zusammenhang zwischen der Serumfolatkonzentration und dem Risiko für Pankreaskrebs beobachtet.
Depressionen und Demenzzustände im Alter
In Deutschland leben gegenwärtig fast eine Million Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer Krankheit betroffen. Jährlich treten mehr als 200 000 Neuerkrankungen auf. Basierend auf Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung (zunehmende Zahl älterer Menschen) wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 auf mehr als zwei Millionen Krankheitsfälle erhöht, sofern kein Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt (24).
Hinweise einer möglichen präventiven Bedeutung von Folatverbindungen findet man sowohl für kognitive Beeinträchtigungen im Alter, wie die Altersdemenz, als auch für depressive Störungen. Studien weisen darauf hin, dass auch hier erhöhte Homocysteinspiegel in der Pathogenese eine Rolle spielen könnten, sodass ein Mangel an den Vitaminen B6, B12 und Folat mögliche Risikofaktoren darstellen (4). Auch wenn Interventionsstudien noch fehlen, weisen epidemiologische Studien auf Zusammenhänge zwischen der Folatversorgung und kognitiven Erkrankungen hin. In der Framingham-Studie entwickelten von 1 092 Teilnehmern 111 eine Demenz. Eine Hyperhomocysteinämie (Homocysteinspiegel > 14 mmol/L) war mit einem zweifach erhöhten Alzheimerrisiko verbunden. Ein Anstieg der Konzentration um 5 mmol/L führte zu einem signifikanten 40-prozentigen Anstieg des Demenzrisikos, während das Alzheimerrisiko um 80 Prozent erhöht war (85).
Des Weiteren zeigte eine Studie mit 213 Patienten, die wegen depressiver Störungen in medikamentöser Behandlung waren, einen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigen Folatspiegeln und dem Auftreten melancholischer Depressionen. Ein niedriger Folatstatus bedeutete hier außerdem eine verminderte Reaktion auf das Antidepressivum. Ursache sind möglicherweise Störungen im Einkohlenstofftransfer, die die Pathogenese depressiver Zustände beeinflussen (2, 32).
Folatversorgung in Deutschland
Empfohlene Zufuhr
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die verantwortlichen Institutionen in Österreich und der Schweiz empfehlen gesunden Erwachsenen eine tägliche Nahrungsfolatzufuhr von 400 mg (27). In der Schwangerschaft wird eine höhere Zufuhr (600 mg/d) empfohlen, da der Bedarf durch besondere physiologische Umstände, wie Wachstum von Uterus und Embryo, erhöht ist. Dieser Wert stimmt mit den in den USA und Kanada gültigen Empfehlungen überrein.
Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zur Senkung des NRD-Risikos zusätzlich täglich 400 mg synthetische Folsäure aufnehmen, und zwar mindestens vier Wochen vor dem Zeitpunkt der Empfängnis sowie im ersten Drittel der Schwangerschaft. Hat eine Frau bereits ein Kind mit NRD geboren, wird die zusätzliche Einnahme von 4 mg synthetischer Folsäure pro Tag empfohlen (27, 52)
Auch Kinder in der Wachstumsphase könnten aufgrund der Funktion der Folate einen höheren Bedarf aufweisen. Wegen fehlender Untersuchungen zum Folatbedarf von Kindern wurde die empfohlene Zufuhr allerdings auf Basis der für Erwachsene erhobenen Befunde und Berücksichtigung weiterer Faktoren geschätzt.
Versorgungslage der Bevölkerung
Eine den Empfehlungen entsprechende Folatzufuhr wird durch die heute in Deutschland übliche Kost kaum erreicht. Durch ausreichenden Verzehr von frischem Gemüse und Obst (folatreich sind insbesondere Orangen beziehungsweise Orangensaft) gemäß den Empfehlungen der Kampagne „Fünf am Tag“ ließe sich die Folatversorgung für einen großen Teil der Bevölkerung deutlich verbessern. Jedoch scheint die Mehrheit diesen Empfehlungen nicht nachzukommen. Hinzu kommen mögliche Verluste des Folatgehaltes von Lebensmitteln zwischen 30 und 90 Prozent durch Zubereitung (beispielsweise Kochen) sowie Lagerung (4). Insgesamt stammt aber mehr als 60 Prozent der gesamten Folataufnahme aus Lebensmitteln, die ohne weitere Zubereitung verzehrt werden, sodass der Mittelwert der Zubereitungsverluste bei 35 Prozent liegt (27).
Nach Angaben des Ernährungsberichts 2000 beträgt die mittlere tägliche Folatzufuhr bei männlichen Personen 235 mg und bei weiblichen Personen
214 mg. Dies entspricht 61 beziehungsweise 55 Prozent der empfohlenen Zufuhr. Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen liegen die mittleren Aufnahmemengen deutlich unter den Referenzwerten für eine bedarfsgerechte Zufuhr. Bei den unter 19-Jährigen wird in allen Altersgruppen im Schnitt nur circa die Hälfte der empfohlenen Werte erreicht (25, 26).
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Ernährungssurvey 1998, der als Teil des Bundesgesundheitssurveys 1998 die Nährstoffversorgung der deutschen Bevölkerung untersuchte und dabei auch die Folsäurezufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel mit einbezog, nicht aber die Aufnahme über angereicherte Lebensmittel. Unter Berücksichtigung eingenommener Supplemente liegt der Median der Folataufnahme mit 283 mg/d bei Männern beziehungsweise 238 mg/d bei Frauen immer noch deutlich unter der empfohlenen Zufuhr. Nach dieser Studie nehmen 18 Prozent der Männer sowie 25 Prozent der Frauen mindestens einmal pro Woche Nahrungsergänzungsmittel. 24 Prozent der Männer sowie 27 Prozent der Frauen erreichten aufgrund der regelmäßigen Einnahme von Supplementen durchschnittlich die von der DGE empfohlene Zufuhrhöhe für Folat. Sofern spezielle Folsäuresupplemente eingenommen wurden, erzielten 48 Prozent dieser Männer und 66 Prozent dieser Frauen die Zufuhrempfehlungen (6).
Häufig beschrieben wird ein Folatmangel bei Alkoholikern. Als Ursachen kommen neben Fehlernährung vor allem verminderte Resorption und vermehrte Ausscheidung infrage. Auch ein direkter toxischer Effekt des Alkohols auf den Folatmetabolismus wird diskutiert (4).
Verschiedene Erkrankungen wirken sich ebenfalls auf die Bedarfsdeckung mit Folat aus. Eine ungenügende Folataufnahme kann bei Patienten mit chronischer Hämodialyse aufgrund besonderer Diäten mit folatarmen Nahrungsmitteln auftreten. Auch kann es zur Abdiffusion während der wiederholten Hämodialyse kommen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie) können eine gestörte Folatresorption zur Folge haben. Ein gesteigerter Folatbedarf besteht daneben in verschiedenen (patho-) physiologischen Situationen wie erhöhter Umsatz im Knochenmark bei chronischen Hämolysen. Schließlich wird die Folatversorgung durch Interferenzen mit verschiedenen Pharmaka beeinflusst, sodass die Bioverfügbarkeit beziehungsweise die Resorption von Folat beeinträchtigt sein können (4).
Die häufig unzureichende Versorgungslage (unter anderem von jungen Frauen) wird auch dadurch deutlich, dass eine Substitution mit Folsäure regelmäßig zu einer signifikanten Senkung des Homocysteinspiegels führte (15, 16). Zur Diagnostik eines Folsäuremangels sind prinzipiell auch Vitaminbestimmungen im Serum geeignet, wobei man sich bisher jedoch immer noch an den klassischen Grenzwerten von 7 bis 8 nmol/L orientiert. Niedrige Homocysteinspiegel (< 10 mmol/L) werden jedoch erst erreicht, wenn die bisherigen Normwerte in etwa verdoppelt würden (circa 15 nmol/L) (55). Für die Routinediagnose stehen unter ande-
rem Radioimmuno-, Chemilumineszenz- und Enzymimmunoassays zur Verfügung, die vergleichbare Ergebnisse liefern.
Empfehlungen zur Supplementierung
In Anbetracht der Bedeutung einer ausreichenden Folatversorgung für Schwangere zur Prävention von Neuralrohrdefekten und aufgrund der Tatsache, dass die Zufuhrempfehlungen oft nicht erreicht werden, sprachen sich zahlreiche nationale und internationale Gremien für eine Folsäuresupplementierung bei Schwangeren beziehungsweise bei Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, aus.
Bereits 1995 empfahlen fünf wissenschaftliche Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutsche Gesellschaft für Humangenetik, Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde, Gesellschaft für Neuropädiatrie) in Deutschland die zusätzliche Zufuhr von 400 mg Folsäure täglich für den Zeitraum von mindestens vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft (52). Obwohl die Autoren damals ausdrücklich die Notwendigkeit der Verordnung von folsäurehaltigen Supplementen für Frauen im gebärfähigen Alter unterstrichen, wurde auch auf die Möglichkeit der Anreicherung ausgewählter Grundnahrungsmittel (wie zum Beispiel Brot) hingewiesen. Es wurde angeregt, neben der Bereitstellung geeigneter Präparate verstärkt Informationskampagnen durchzuführen, um die Bevölkerung über die für gebärfähige Frauen empfohlene zusätzliche Folsäureeinnahme zu informieren (52).
Nur ein kleiner Teil der Frauen kommt der empfohlenen Supplementierung mit Folsäure vor beziehungsweise zu Beginn der Schwangerschaft nach. Erschwerend ist ferner, dass zum Zeitpunkt des Neuralrohrverschlusses viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Doch auch bei gezielter Planung einer Empfängnis wird die Empfehlung zur Supplementierung mit Folsäure nicht ausreichend befolgt.
Zwei Jahre nach der Bekanntmachung der Empfehlung, perikonzeptionell zusätzlich Folsäure aufzunehmen, gaben in einer Befragung von 253 Wöchnerinnen in München nur 4,3 Prozent an, dieser Empfehlung in der Frühschwangerschaft nachgekommen zu sein. Unter Berücksichtigung des Verzehrs folsäurehaltiger Multivitamingetränke hatten insgesamt nur 8,6 Prozent perikonzeptionell ausreichend Folsäure erhalten (37).
Auch andere Autoren bestätigen die mangelhafte Prophylaxepraxis, wonach nur sehr wenige Frauen bereits vor der Empfängnis Folsäure zu sich nehmen (36, 80). Von 234 befragten Gynäkologen empfahlen 23 Prozent auch bei Feststellen einer Schwangerschaft keine folsäurehaltigen Präparate (80).
Ausgehend von dieser unbefriedigenden Situation untersuchten Egen und Hasford die Effektivität einer Intervention zur Information der Zielgruppen. In zwei Querschnittsstudien wurden niedergelassene Gynäkologen (n = 24/27), Pharmazeuten (n = 21/21) und Wöchnerinnen (n = 131/118) befragt. Zwischen beiden Erhebungen erfolgte die Intervention, wobei die Gynäkologen einzeln angeschrieben, die Apotheken persönlich besucht und die Öffentlichkeit durch Medienarbeit über das Thema Folsäure und Schwangerschaft informiert wurde. Durch diese Maßnahmen konnte die Zahl der Gynäkologen, die zur Supplementation rieten, signifikant gesteigert werden (74 Prozent gegenüber 38 Prozent vorher, p < 0,05), dies galt jedoch nicht für die Apotheker. Die perikonzeptionelle Folsäureaufnahme der Frauen stieg von 3,8 Prozent auf 9,3 Prozent (p = nicht signifikant). Die Kenntnis der Prophylaxe vor der Schwangerschaft war mit dem sozioökonomischen Status korreliert und stieg durch die Intervention signifikant von 28 Prozent auf 42 Prozent an. Gründe, dieses Wissen nicht umzusetzen, waren unter anderem Ungeplantheit der Schwangerschaft, geringer Glauben an die Wirksamkeit und mangelndes Erinnern (28).
Anreicherung von Lebensmitteln
Da ein großer Teil der Bevölkerung die Zufuhrempfehlungen für Folat nicht erreicht und nur wenige Frauen im gebärfähigen Alter die Empfehlungen zur Supplementierung von 400 mg Folsäure pro Tag befolgen, befürwortet die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, zur Verringerung des NRD-Risikos Lebensmittel gezielt mit Folsäure anzureichern (53).
In einigen Ländern wurden in den vergangenen Jahren bereits Anreicherungsprogramme zur Verbesserung der Folatversorgung gestartet, um das Auftreten von NRD zu reduzieren:
- In den USA sind seit 1998 alle Hersteller verpflichtet, standardisierte – also bereits mit Mikronährstoffen angereicherte – Mehle, Brote, Brötchen, Stärkemehle, Maisgrütze, Maismehle, Reis und Nudelprodukte zusätzlich mit Folsäure anzureichern. Die Menge der zugesetzten Folsäure soll gewährleisten, dass durch eine Portion des jeweiligen Lebensmittels zehn Prozent des Tagesbedarfs an Folat gedeckt werden können. Darüber hinaus dürfen Frühstückszerealien mit 400 mg Folsäure pro Portion angereichert werden. Vollkornprodukte sind von der Anreicherung ausgenommen, da sie natürlicherweise Folat enthalten (104).
Durch diese Maßnahme versprach man sich eine tägliche Mehraufnahme von im Mittel 100 mg Folsäure. Die tatsächliche Steigerung der Folsäurezufuhr lag jedoch bei mehr als 200 mg/d (73). Seit dem Zeitpunkt der Folsäureanreicherung wurde ein Absinken der NRD um 19 bis 23 Prozent berichtet (47, 60).
Die Auswertung von 24 populationsbasierten Erfassungssystemen für angeborene Fehlbildungen in den USA ergab einen 31-prozentigen Rückgang bezüglich Spina bifida (vor der Anreicherung versus obligatorische Anreicherung). Im gleichen Zeitraum sank die Zahl von Anenzephalien um 16 Prozent, jedoch war nur bei Spina bifida ein klarer zeitlicher Bezug zur Anreicherung gegeben (110). Bei einem Teil der amerikanischen Bevölkerung wurden inzwischen sowohl höhere Folat- als auch niedrigere Homocysteinspiegel beobachtet (49).
Die Zahl der tödlichen Herzinfarkte und Schlaganfälle sank 1998, dem Jahr der flächendeckenden Anreicherung von Mehl, um circa 25 000 Fälle (3,4 Prozent) gegenüber 1997 (68). Hierbei ist anzumerken, dass aufgrund technischer Ursachen eine zweijährige Vorlaufzeit bis zur Umsetzung der obligatorischen Maßnahme bestand, sodass bereits vor 1998 angereicherte Produkte erhältlich waren.
- In Kanada gelten die gleichen Bestimmungen wie in den USA. In Nova Scotia wurde seit Beginn der obligatorischen Anreicherung mit Folsäure ein Rückgang von 54 Prozent bei offenen NRD festgestellt, während zuvor die Empfehlungen zur perikonzeptionellen Supplementierung keine signifikanten Auswirkungen hatten (Persad et al. 2002). In der Provinz Ontario ging die Häufigkeit offener NRD seit der Anreicherung von 1,13 auf 0,58 Fälle pro 1 000 Geburten zurück (p < 0,0001) (75).
- In Ungarn werden seit 1998 neben Folsäure (160 mg) auch 0,8 mg Vitamin B12 und 880 mg Vitamin B6 pro 100 g des zur Brotherstellung verwendeten Mehls zugesetzt. Bei einem Verzehr von 200 g Brot wird so die tägliche Zufuhr um etwa 200 mg Folsäure, 1 mg Vitamin B12 und 1,08 mg Vitamin B6 erhöht.
- In Chile wird seit Beginn des Jahres 2000 Weizenmehl mit 220 mg Folsäure pro 100 g angereichert, was bei einem Konsum von 200 g Brot pro Tag zu einer zusätzlichen Aufnahme von 360 mg Folsäure führt.
In einer prospektiven Studie mit 108 Chilenen, die mindestens 70 Jahre alt waren, wurde gezeigt, dass sechs Monate nach Beginn der Anreicherung die Serumfolatspiegel im Vergleich zu vor der Anreicherung erhöht (p < 0,001) und die Homocysteinspiegel um 11,7 Prozent erniedrigt (p < 0,001) waren. Die Vitamin-B12-Spiegel im Serum hatten sich nicht geändert. Da zu Beginn der Studie (vor der Anreicherung) etwa ein Drittel der Probanden einen subklinischen Vitamin-B12-Mangel (< 165 pmol/L) aufwies, wird auf die Möglichkeit der Maskierung eines Vitamin-B12-Mangels durch das Anreicherungsprogramm bei älteren Menschen hingewiesen (45).
Die Folsäuremenge, die pro 100 g Mehl zugesetzt wird, ist in Chile höher als in anderen Ländern. Wright et al. errechneten auf der Grundlage von Daten des britischen Department of Health Committee on Medical Aspects of Food and Nutrition Policy (COMA), dass bei einer Anreicherung mit 140 mg Folsäure/100g Mehl 0,1 Prozent, bei 240 mg/100g bereits 0,6 Prozent und bei 280 mg/100g 1,5 Prozent der über 50-Jährigen mehr als 1 mg Folsäure/d aufnehmen würde. Entsprechend würde auch die Zahl der Personen über 60 Jahren steigen, die diese Menge bei bestehender undiagnostizierter makrozytärer Anämie durch Vitamin-B12-Mangel erreicht (111). 1 mg entspricht der tolerablen Zufuhrmenge synthetischer Folsäure, bis zu der das Risiko eines maskierten Vitamin-B12-Mangels vernachlässigbar ist.
- In der romanischen Schweiz reichert ein großer Müllereibetrieb das Brotmehl aus eigener Initiative mit 300 mg Folsäure pro 100 g an. Um die gesamte Bevölkerung zu erreichen, spricht sich die Arbeitsgruppe „Folsäure-Prophylaxe“ der Eidgenössischen Ernährungskommission der Schweiz für die Anreicherung eines Grundnahrungsmittels als effektivster Form der Prophylaxe aus. Es wird empfohlen, 3 mg Folsäure sowie 10 mg Vitamin B12 pro kg Mehl zuzusetzen, um bei einem täglichen Mehlkonsum von 140 g unter Berücksichtigung möglicher Verluste eine zusätzliche Zufuhr von 275 mg Folsäure sowie 1 mg Vitamin B12 zu erzielen (3).
- In Australien und Großbritannien wird die Maßnahme der Mehlanreicherung auf freiwilliger Basis propagiert (3).
In Deutschland sind bisher viele Lebensmittel mit unterschiedlichsten Mengen Folsäure angereichert. Dabei handelt es sich vor allem um Multivitamingetränke, Milchprodukte, Frühstückszerealien und Brotbackmischungen sowie Speisesalz. Mittlerweile steht eine Datenbank über angereicherte Lebensmittel zur Verfügung, die Neuberechnungen zur Folatversorgung sowie eine Abschätzung des Beitrags angereicherter Lebensmittel möglich macht. Ein entsprechendes Projekt wird derzeit im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt. Da die Verzehrmuster der genannten angereicherten Lebensmittel in der Bevölkerung unterschiedlich sind (außer Salz), wird eine zielgruppengerechte Verbesserung der Folatversorgung hiermit kaum erreicht. Auch hier würde eine fakultative Anreicherung ausgewählter Grundnahrungsmittel (wie Mehl, Backwaren und Salz), die aufgrund ihres in etwa gleich bleibenden Verzehrs eine regelmäßige ergänzende Folsäurezufuhr sicherstellen würden, eher zielführend sein.
Anmerkungen zur Sicherheit
Bedenken in Bezug auf eine Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure betreffen die mögliche Maskierung eines Vitamin-B12-Mangels, der in subklinischer Form vor allem bei älteren Menschen auftritt. Die Beteiligung von Vitamin B12 an der Remethylierung von Homocystein führt dazu, dass bei einem Mangel an diesem Vitamin das Blutbild identische Veränderungen aufweist wie bei Folatmangel. THF wird nämlich nicht mehr aus 5-Methyl-THF regeneriert und entsprechend wird die Übertragung von Einkohlenstoffgruppen (Formylgruppe) unterbunden. Es kommt zunächst zu hämatologischen Veränderungen, die durch hohe Gaben synthetischer Folsäure (> 1 mg) kompensiert werden können. Zu den hämatologischen Symptomen zählen zunächst übersegmentierte Granulozyten, später makrozytäre, hyperchrome Erythrozyten. Nach länger bestehendem Mangel an Folat oder Vitamin B12 entwickelt sich schließlich die so genannte megaloblastische Anämie (4). Die neurologische Komponente des Vitamin-B12-Mangels ist jedoch durch Folsäure nicht beeinflussbar. Aufgrund dieser Zusammenhänge spricht man von der Gefahr eines durch Folsäure maskierten Vitamin-B12-Mangels.
Daher setzte man in den USA den „tolerable upper intake level“ für die Aufnahme synthetischer Folsäure auf 1 mg/d, da bis zu dieser Höhe die Gefahr der Maskierung eines Vitamin-B12-Mangels vernachlässigbar ist (34, 71). Auch das Scientific Committee on Food der Europäischen Kommission (SCF) hat für Folsäure einen „upper safe level of intake“ von 1 mg/d definiert (83). Dagegen unterliegt die Zufuhr von Nahrungsfolat keiner Begrenzung (27).
Die britische Expert Group on Vitamins and Minerals (EVM) geht davon aus, dass eine tägliche Zufuhr von 1,55 mg Gesamtfolat aus Supplementen (Folsäure) und Nahrung (Folat) keine negativen Effekte hervorruft (31).
Davon abgesehen wurde bereits 1996 postuliert, dass auch bei älteren Menschen der Nutzen einer Anreicherung von Lebensmitteln größer ist als das Risiko (101). Eine mögliche zusätzliche Option würde in diesem Zusammenhang die Anreicherung ausgewählter Grundnahrungsmittel mit Folsäure und Vitamin B12 darstellen.
Ein weiterer Punkt betrifft eine mögliche Interferenz mit antiepileptisch wirkenden Medikamenten. Erhöhte Folsäuregaben (> 1 mg) können bei Epileptikern epileptogen wirken und die Wirkung von Antiepileptika abschwächen (4). Mögliche, hieraus resultierende Gefahren einer Anreicherung mit einer sinnvollen Folsäuredosis werden aber als unwahrscheinlich eingestuft (71, 76).
In einer 2001 erschienenen Publikation wurde, unter anderem auf der
Basis einer Fall-Kontroll-Studie, der Verdacht geäußert, dass die perikonzeptionelle Anwendung von Multivitaminen und Folsäure die Häufigkeit von Mehrlingsgeburten erhöht (30). Eine Untersuchung aus Norwegen zeigte, dass Frauen, die sich einer In-vitro-Fertilisation unterziehen, häufiger Folsäurepräparate einnehmen und auch häufiger von Mehrlingsschwangerschaften betroffen sind. Die Autoren warnen davor, die Verwendung von Folsäurepräparaten mit dem Auftreten von Mehrlingsschwangerschaften in Beziehung zu setzen, ohne die Rate von In-vitro-Fertilisationen zu berücksichtigen. Nach dem Ausschluss von Schwangerschaften durch In-vitro-Fertilisation zeigte sich nämlich, dass die präkonzeptionelle Folsäureeinnahme mit keinem signifikant erhöhten Risiko von Zwillingsgeburten einherging (107).
Eine ungarische randomisierte Studie zur Primärprävention von NRD, die ein Multivitaminpräparat mit 800 mg Folsäure einsetzte, zeigte einen Anstieg der Mehrlingsschwangerschaften von 1,38 Prozent auf 1,93 Prozent. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant (20). In einer Kohortenstudie von Li et al. hatte die perikonzeptionelle Gabe von 400 mg Folsäure keinen erkennbaren Einfluss auf die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften. Insgesamt gingen in die Auswertung die Daten von etwa 127 000 Chinesinnen, die Folsäure eingenommen hatten, sowie die Angaben von etwa 115 000 Chinesinnen ein, die keine Folsäure eingenommen hatten. Die Häufigkeit der Mehrlingsschwangerschaften betrug in dieser Kohortenstudie 0,59 Prozent bei Folsäureeinnahme und 0,65 Prozent ohne Folsäureeinnahme (57).
Shaw et al. prüften, ob die Einführung folsäureangereicherten Mehls in den USA im Januar 1998 zu einem Anstieg der Mehrlingsschwangerschaften geführt hat. Sie analysierten mehr als 2 500 000 Geburten und kamen zu einem negativen Ergebnis (89). Auch die Food and Drug Administration (FDA) verneint in einer Stellungnahme einen Zusammenhang zwischen der perikonzeptionellen Gabe von Folsäure und Mehrlingsschwangerschaften (33).
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es daher keine überzeugenden Hinweise, dass die perikonzeptionelle Gabe von Folsäure oder Multivitaminen zu einer Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften führt.
Eine fakultative Anreicherung der Grundnahrungsmittel Mehl (100 mg Folsäure pro 100 g Brot) und Salz (100 mg Folsäure pro 1 g Salz) würde bei dem in Deutschland üblichen durchschnittlichen täglichen Verzehr zu einer Mehraufnahme von Folsäure von etwa 225 mg/d führen. Dies berech-
net sich folgendermaßen: Von einer durchschnittlichen Zusatzmenge im eigenen Haushalt von 2 g Salz pro Tag geht etwa die Hälfte durch beispielsweise Kochwasser verloren. Bei einer Resorption von 100 Prozent bedeutet dies für 1 g Salz 100 mg Folsäure zusätzlich. Von 250 g Brot pro Tag, der in Deutschland üblichen Verzehrmenge, wird etwa die Hälfte der Folsäure resorbiert, das heißt etwa 125 mg. Für den Großteil der Bevölkerung kann die zusätzliche Aufnahme von Folsäure in dieser Größenordnung durch Mehl und Salz als gesundheitlich unbedenklich eingeschätzt werden.
Ob es bestimmte Bevölkerungsgruppen gibt, die aufgrund ihrer Verzehrmuster sehr hohe Mengen synthetischer Folsäure aufnehmen würden und bei denen wegen des gleichzeitigen Vorliegens weiterer Faktoren (zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel) unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können, ist derzeit Gegenstand einer Risikoabschätzung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Fazit
- Die empfohlene Folatzufuhr wird in Deutschland mit der heute üblichen Ernährungsweise von einem großen Teil der Bevölkerung nicht erreicht.
- Eine ausreichende Folat-/Folsäureversorgung kann die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen um 70 bis 75 Prozent senken (58). Zudem könnten Schwangerschaftsabbrüche aufgrund pränatal diagnostizierter Neuralrohrdefekte (0,5 auf 1 000 Schwangerschaften) um bis zu 70 bis 80 Prozent vermieden werden.
- Die Zahl der Neuralrohrdefekte, die mit einer Häufigkeit von circa 1,5 pro 1 000 Schwangerschaften auftreten, ließe sich durch eine ausreichen-
de Folat-/Folsäureversorgung reduzieren.
- Nur wenige Frauen im gebärfähigen Alter folgen den Empfehlungen zur perikonzeptionellen Folsäuresupplementierung zur Verringerung des NRD-Risikos.
Vor diesem Hintergrund ist eine gezielte Folsäureanreicherung ausgewählter Grundnahrungsmittel (Mehl, Salz) – statt einer unkritischen Anreicherung einer Vielzahl von Lebensmittelgruppen – auch für Deutschland wünschenswert. Sie wird bereits von einer steigenden Zahl von Fachleuten gefordert, unter anderem von der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (53, 51, 68, 99). Dabei ergeht diese Aufforderung an die Bundesregierung sowie Hersteller von Lebensmitteln, angemessen zu reagieren. Einen entsprechenden Forderungskatalog wird der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit erstellen. Weitere positive Auswirkungen (Prävention angeborener Fehlbildungen, weniger Schwangerschaftsabbrüche, wahrscheinlich geringere Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen) könnten sich durch den breiten Einsatz ausgewählter angereicherter Grundnahrungsmittel auch für die Allgemeinbevölkerung ergeben.

Im Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit sind die folgenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Institutionen vertreten:

Mitglieder:
– Bundesinstitut für Risikobewertung (vertreten durch Prof. Dr. H. Przyrembel und A. Weißenborn)
– Deutsche Gesellschaft für Ernährung (vertreten durch Dr. A. Brönstrup)
– Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (vertreten durch Prof. Dr. A. Weimann)
– Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (vertreten durch Priv.-Doz. Dr. U. Hasbargen)
– Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (vertreten durch Prof. Dr. E. Schwinger)
– Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (vertreten durch Prof. Dr. J. Stein)
– Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Ernährungskommission (vertreten durch Prof. Dr. M. Lentze und Prof. Dr. B. Koletzko)
– Deutsche Physiologische Gesellschaft e.V. (vertreten durch Prof. Dr. F. Lang)
– Eidgenössische Ernährungskommission (CH) (vertreten durch Prof. Dr. K. Baerlocher)
– Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt (vertreten durch Prof. Dr. V. Steinbicker und Dr. C. Rösch)
– Geburtenregister Mainzer Modell (vertreten durch Priv.-Doz. Dr. A. Queißer-Luft)
– Folsäure-Initiative Rheinland-Pfalz/ASbH (vertreten durch Dr. J. A. Ermert)
– Forschungsprojekt Pegasus (vertreten durch Prof. Dr. J. Hasford)
– Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V. (vertreten durch Prof. Dr. K. Pietrzik)
– Institut für soziale Pädiatrie und Jugendmedizin, Abteilung Pädiatrische Epidemiologie (vertreten durch Prof. Dr. R. von Kries)
– Robert Koch-Institut (vertreten durch M. Thamm)
– Stiftung Kindergesundheit (vertreten durch Prof. Dr. B. Koletzko)

Gäste:
– Bundesministerium für Gesundheit (vertreten durch S. Sandring)
– Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (vertreten durch Dr. A. Potz)

Manuskript eingereicht: 3. 12. 2003; revidierte Fassung angenommen: 4. 3. 2004

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im inne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors vorliegt.

zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2004; 101: A 1670–1681 [Heft 23]


Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das beim Verfasser erhältlich oder im Internet unter www.aerzteblatt.de/lit2304 abrufbar ist.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Berthold Koletzko
Dr. von Haunersches Kinderspital
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
Lindwurmstraße 4
80336 München
E-Mail: Claudia.Wellbrock@med.uni-muenchen.de


Folsäure verbessert kognitive Leistungen im Alter

Wageningen - Die Gabe von Folsäure als Nahrungsergänzung verbessert bei älteren Menschen mit dokumentiertem Folsäuremangel die kognitiven Leistungen. Dies geht aus den jetzt im Lancet (2007; 369: 208-16) publizierten Ergebnissen einer randomisierten kontrollierten Studie hervor. Sie wirft die Frage auf, ob eine Anreicherung von Nahrungsmitteln wie in den USA oder Kanada sinnvoll wäre. Die Editorialisten fordern weitere Studien.

In den USA wird seit 1988 dem Mehl Folsäure zugesetzt. Da fast alle Menschen Mehlspeisen zu sich nehmen, ist der Anteil der Menschen mit einem Folsäuremangel von 26 Prozent auf unter ein Prozent zurückgegangen. Auch die Rate der Neuraldefekte bei Neugeborenen, deretwegen die Folsäure-Anreicherung eingeführt wurde, ist rückläufig (um etwa ein Viertel nach einem Bericht in MMWR 2004; 53: 362-5). Dennoch ist bislang kein europäisches Land dem nordamerikanischen Beispiel gefolgt. Auch in Deutschland ist die Idee nicht populär, obwohl beispielsweise Experten des Robert-Koch-Instituts sie positiv bewerten. Zurzeit wird nur Schwangeren oder Frauen mit Kinderwunsch dazu geraten, das „Schwangerschaftsvitamin“ Folsäure einzunehmen.

Jetzt gibt es ein weiteres Argument für eine Mehlanreicherung mit Folsäure: In der Folic Acid and Carotid Intima-media Thickness oder FACIT-Studie waren 818 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 70 über 3 Jahre mit Folsäure (800 Mikrogramm pro Tag) oder Placebo behandelt worden. Eingeschlossen waren Probanden mit erhöhten Homocystein-Konzentrationen im Blut, was ein Marker für niedrige Folsäurespiegel ist. Homocystein ist auch ein Marker für die Atherosklerose.

Das primäre Ziel der FACIT-Studie war, den Einfluss von Folsäure auf die Atherosklerose an den Karotiden zu untersuchen. Die zerebrale Atherosklerose ist aber ein Risikofaktor für Demenzerkrankungen, weshalb die Gruppe um Jane Durga von der Universität Wageningen in den Niederlanden untersuchte, ob die Einnahme von Folsäure sich auf die kognitive Funktionen auswirkt. Durga ist beim Nestlé-Forschungszentrum in Lausanne beschäftigt, dem Sponsor der Studie.

Ein Abfall kognitiver Leistungen im Alter wird gewöhnlich mit der Mini-Mental-State Examination gemessen. Dieses Instrument erwies sich allerdings in früheren Studien als nicht geeignet, um eine positive Wirkung der Folsäure-Supplementierung zu belegen. Eine Negativstudie wurde erst im letzten Jahr publiziert (McMahon et al NEJM 2006; 354: 2764-2772). Dort zeigte sich auch in einer Reihe weiterer Tests nach 2 Jahren kein Vorteil. In der FACIT-Studie wurden hingegen signifikante bessere Leistungen in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und im Gedächtnis gefunden.

Ob die günstigeren Ergebnisse durch die Verwendung anderer, vielleicht genauerer Messinstrumente zustande kamen, dürfte Gegenstand von Diskussionen unter den Fachleuten sein. Deren Ergebnis wird zeigen, ob die Idee der Folsäure-Anreicherung neue Unterstützung erfährt. Die Editorialisten Martha Clara Morris und Christine Tangney von der Rush Universität in Chicago bleiben zurückhaltend. Sie fordern eine weitere Studie, in der die Patienten gezielter nach ihrem Folsäuremangel und nicht dem Substitut Homocysteinämie ausgewählt werden sollten. Interessant wären sicherlich auch Studien an Personen mit erhöhtem Demenzrisiko, etwa Personen mit milder kognitiver Einschränkung (MCI mild cognitive impairment), einem Frühstadium des Morbus Alzheimer. www.aerzteblatt.de  Deutsches Ärzteblatt    Links zum Thema

Pressemitteilung Lancet
http://www.thelancet.de/artikel/862779
Abstract in MMWR
http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm5317a3.htm
Abstract der Studie (nach kostenloser Registrierung)
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673607601093/abstract
Pressemitteilung des Robert-Koch-Instituts aus 2005
http://www.rki.de/cln_006/nn_527010/sid_1E07956AB53CCABD47AA2693EBCCF4DE/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2005/07__05.html__nnn=true
Abstract der Negativstudie
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/354/26/2764 
DÄ-Archiv zum Thema Folsäure
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/treffer.asp?archivSchlagwort1=Fols%E4ure 
22. Januar 2007


Genveränderte Tomaten mit viel Folsäure

WASHINGTON (dpa). Eine gentechnisch veränderte Tomate mit bis zu 25 Mal mehr Folsäure als im herkömmlichen Gemüse haben US-Forscher produziert. Mit ein bis zwei dieser Tomaten könne der Tagesbedarf eines Erwachsenen gedeckt werden, so die Forscher.
Folsäure besteht aus Pteridin, para-Aminobenzoesäure und Glutaminsäure. US-Forscher aus Gainesville in Florida veränderten zunächst eine Erbinformation der Tomate so, dass in den Zellen 140 Mal so viel Pteridin gebildet wurde. Die Folsäure-Menge verdoppelte sich in der Folge jedoch nur (PNAS-Online).
In einem zweiten Schritt veränderten die Forscher Erbmaterial, das für die Synthese der para-Aminobenzoesäure wichtig ist. Die so entstandene Tomate bildete bis zu 19 Mal mehr Folsäure. Dann kombinierten die Forscher die beiden veränderten Tomaten-Linien - die Früchte enthielten daraufhin bis zu 25-fach höhere Folsäure-Mengen, im Durchschnitt waren es 840 Mikrogramm je 100 Gramm Fruchtfleisch. Aussehen und Größe der Tomaten veränderten sich nicht.
Ärzte Zeitung, 06.03.2007


Meta-Analyse: Folsaeure senkt Schlaganfallrisiko
Chicago – Die Einnahme von Folsaeure senkt im Koerper die Konzentration von Homocystein, einem kardiovaskulaeren Risikofaktor. Nach einer Meta-Analyse im Lancet (2007; 369: 1876-1882) koennte Folsaeure deshalb Schlaganfaellen vorbeugen. Eine Kommentatorin weist jedoch auf moegliche Risiken hin.
Die Idee, kardiovaskulaere Erkrankungen durch Folsaeure vorzubeugen, hat in den letzten Jahren verschiedene Rueckschlaege erlebt. Obwohl die negativen Folgen erhoehter Homocysteinwerte in Beobachtungsstudien immer wieder zutage traten und Folsaeure zweifelsfrei in der Lage ist, die Homocysteinwerte zu senken, konnte in randomisierten kontrollierten Studie niemals eine praeventive Wirkung belegt werden. Im Gegenteil: Es gab sogar Hinweise, dass die Rate der kardiovaskulaeren Ereignisse ansteigen kann, wenn Folsaeure mit anderen B-Vitaminen kombiniert wurde, wie Cynthia Carlsson von der Wisconsin School of Medicine in Madison in einem Kommentar (Lancet 2007; 369: 1841-1842) schreibt.
Vor diesem Hintergrund muessen die Ergebnisse der Meta-Analyse von Xiaobin Wang von der Feinberg School of Medicine in Chicago mit Vorsicht interpretiert werden. Wang geht davon aus, dass Folsaeure eine spezifische praeventive Wirkung auf Schlaganfaelle hat und fuehrt dazu die Ergebnisse einer Meta-Analyse aus acht randomisierten kontrollierten Studien an. Sie ergeben eine grenzwertig signifikante Reduktion der Schlaganfallfrequenz um 18 Prozent (relatives Risiko RR 0,82; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68-1,00), die in einigen Subgruppen deutlich hoeher war.
Am meisten wuerden danach Menschen profitieren, welche die Supplemente laenger als 36 Monate einnehmen (RR 0,71; 0,5-0,87), bei denen der Homocysteinspiegel um mehr als 20 Prozent gesenkt wird (RR 0,77: 0,63–0,94) und die in Laendern leben, in denen das Mehl nicht mit Folsaeure angereichert ist (RR 0,75; 0,62-0,91). Eine guenstige Wirkung wurde auch in der Primaerpraevention erzielt, also bei Personen ohne Schlaganfall in der Vorgeschichte (RR 0,75; 0,62-0,90).
Diese Daten moegen in sich ein plausibles Bild ergeben, doch angesichts der moeglichen Risiken fordert die Kommentatorin Carlsson eine erneute randomisierte kontrollierte Studie, bevor zur langfristigen Einnahme “von vormals als sicher eingestuften” Vitaminsupplementen geraten werden koenne. www.aerzteblatt.de 1. Juni 2007

Links zum Thema
Abstract der Studie im Lancet
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS014067360760854X/abstract