FOLSÄURE
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Folsäure zählt zu den "kritischen" Vitaminen, denn auch in unseren Breitengraden
ist eine unzureichende Folsäurezufuhr mit der Nahrung sehr weit verbreitet. Wahrscheinlich das bekannteste B-Vitamin. Lebensnotwendig für
jede Zelle, besonders für Zellen, die schnell reproduziert werden wie rote Blutkörperchen oder Zellen der inneren
Darmwand. Wichtig für Eisenverwertung, Kohlenhydrat/Proteinstoffwechsel, Nervensystem (pflegt die Fettschutzschicht
der Nervenenden ) und guten Appetit. Wirkt mit bei der Gewinnung des Neurotransmitters Acetylcholine.
Hohe Dosen haben einen drogenähnlichen Energieschub, daher beliebt bei Athleten. B12 kommt praktisch nur in
tierischer Nahrung vor (in kleinen Mengen auch in Meeresgemüse ( z.B. Kelp, Alfalfa, Soja ). Da der Körper
B12 bis zu 5 Jahren bevorraten kann, tauchen die Mangelerscheinungen bei strikten Vegetariern oft später auf. Senilität
wird mit B12 Mangel in Verbindung gebracht, hohe Dosen können bei multipler Sklerose helfen, förderlich
für die Wirkung von Impfungen ( wahrscheinlich wegen seiner Immunwirkung ).
Folsäure dient der Blutbildung und Zellteilung (schon in der Schwangerschaft).
Ein Mangel trifft besonders die Entwicklung des Ungeborenen (Folge: z.B. offener Rücken) und des schnell wachsenden,
hyperaktiven Kindes. Beim Erwachsenen können sich die Schleimhäute verändern, die Verdauung gestört
werden, und es kann zu Blutarmut kommen. Das Vitamin kommt reichlich vor in: Rinderleber, Gemüsen, Salaten, Eigelb, Weizenkeimen. Dieempfohlene Tagesdosis liegt bei 300 Mikrogramm, was etwa 300 Gramm Broccoli entspricht
Wechselwirkungen :
( - ) beeinträchtigen die Aufnahme
( + ) fördern die Aufnahme
( - ) Alkohol, Antibabypillen, Tabak, radioaktive Strahlung, Kaffee.
( +) Linolsäure, Natrium, B1, B2, C, Pantothensäure, B-Komplex,
Magnesium.
500 - 1500mcg täglich sind effektiv.
Vorkommen
Folsäure
ist in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs enthalten.
Besonders gute Folsäurelieferanten sind jedoch grünes Blattgemüse,
Hülsenfrüchte, Brokkoli, Weizenkeime, Nüsse, Vollkornprodukte, Fleisch, Leber, Milch und
Milchprodukte sowie Eier. Die Folsäure liegt in der Nahrung zum Großteil
(75%) in gebundener Form vor, welche vom Körper nur schlecht resorbiert werden kann, so
daß nur 40% der Folsäure einer Mischkost dem Körper zur
Verfügung stehen.
Funktion
Folsäure
ist am Abbau und an der Bildung verschiedener Aminosäuren beteiligt,
wie z.B. an der Umwandlung der Aminosäure Homocystein in die essentielle
Aminosäure Methionin.Wird zuwenig Folsäure über die Nahrung zugeführt, ist
der Abbau von Homocystein gestört und der Homocysteinspiegel im Plasma
steigt an. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen begünstigen erhöhte Homocysteinspiegel
im Blut die Entstehung der Arterienverkalkung und erhöhen somit das
Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Eine gute Folsäureversorgung kann
somit das Risiko für Gefäßerkrankungen senken, da Homocystein
schneller zu ungefährlichen Verbindungen abgebaut werden kann und sich nicht im Blut anstaut.
Darüber hinaus wird Folsäure für die Zellteilung und
Zellneubildung benötigt und ist somit zum Beispiel für die Blutbildung
von Bedeutung.
Mangelerscheinungen
Ein Folsäuremangel äußert sich in
Anämie, entzündlichen Veränderungen der Schleimhäute im Mund und Magen-Darm-Trakt, wobei letztere zu Durchfall und Resorptionsstörungen führen,verminderter Bildung von Antikörpern, d.h., es kommt zur Beeinträchtigung der Immunabwehr.
Eine unzureichende Folsäureversorgung in der Schwangerschaft scheint
die Entstehung neurologischer Schäden beim Fötus sowie Fehlgeburten
zu begünstigen. Ferner kann es bei unzureichender Folsäureversorgung zu Fruchtbarkeitsstörungen
kommen. Frauen mit Kinderwunsch sollten daher 400 µg Folsäure
pro Tag zusätzlich
aufnehmen.
Eine unzureichende Folsäureversorgung oder ein Folatmangel kann bei
einer unzureichenden Folsäurezufuhr über
die Nahrung (einseitige Ernährung, hoher Alkoholkonsum),
einem erhöhten Bedarf (Schwangerschaft,
Stillzeit, Wachstum, Infekten),
der Einnahme bestimmter Medikamente (orale
Kontrazeptiva = Pille, Chemotherapeutika) und bei
Vitamin B12
-Mangel auftreten.
Die deutsche Bevölkerung nimmt im Mittel
nur die Hälfte der täglich empfohlenen Folsäuremenge auf,
so daß die Folsäureversorgung
bundesweit nicht gesichert ist.
Die unbefriedigende Versorgungslage ist häufig
auf den geringen Konsum von frischem Obst und Gemüse zurückzuführen.
Praktische Tips
Die Folsäureverluste bei der Nahrungszubereitung betragen 60 -
95%, da Folsäure sehr empfindlich gegenüber Hitze und Sauerstoff
ist und aufgrund der guten Wasserlöslichkeit leicht ins Kochwasser übergehen kann. Um
die Verluste so gering wie möglich zu halten, sollten lange Garzeiten
und häufiges Wiederaufwärmen von Speisen vermieden werden. Zum Garen sollte nur wenig Flüssigkeit
verwendet, bzw. das Kochwasser weiterverwertet werden.
Folsäure-Mangel
... Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin. Es ist zu beachten,
daß das Vitamin durch Kochen zu 90% zerstört wird. Der Tagesbedarf
beträgt ca. 0.2mg.
Normalerweise kann Folsäure in ausreichender Menge leicht durch
eine ausgewogene Ernährung zugeführt werden. In der Schwangerschaft
ist der Bedarf jedoch doppelt so hoch. Hier ist eine zusätzliche Folsäurezufuhr
sinnvoll.
Folsäure ist enthalten in
- Leber,
- grünem Blattgemüse, z.B. Spinat,
- Hülsenfrüchten,
- Milch und Käse.
Folsäure ist wichtig für
- Zellteilung beim Erwachsenen.
- Entwicklung und Wachstum beim Embryo.
- Bildung der roten Blutkörperchen, wie auch Vitamin
B12.
Überdosierung führt zu
Magen-Darm-Beschwerden.
Warum ist Folsäure wichtig ?
Die Folsäure gehört zur Gruppe der
B-Vitamine. Seinen Namen
bekam das Vitamin 1941: Damals wurde die Substanz aus vier Tonnen Spinatblättern
isoliert und nach dem lateinischen Wort für Blatt folium benannt. Eigentlich
verbergen sich hinter dem Begriff viele Substanzen, die allerdings im Körper
ähnlich wirken. Die Folsäure spielt eine Schlüsselrolle bei lebenswichtigen
Vorgängen in unserem Körper: Folsäure ist für alle
Wachstums- und Entwicklungsprozesse wichtig, denn mit ihrer Hilfe werden Bestandteile der Nucleinsäuren (das sind
die biologischen Informationsspeicher der Zellen) hergestellt.
In Form von Tetrahydrofolsäure (THF) kann das Vitamin außerdem
kleine Kohlenstoff-Moleküle binden und weitergeben. Solche Kohlenstoff-Moleküle
spielen eine wichtige Rolle bei vielen Reaktionen im Stoffwechsel. Sie bestehen
jeweils aus einem Kohlenstoffatom und unterschiedlichen Bindungspartnern.
So überträgt die THF beispielsweise solche 1-Kohlenstoff-Moleküle auf andere Stoffe,
die erst dadurch zu essentiellem Ausgangsmaterial für den Aufbau der
genetischen
Erbinformation und der Eiweißstoffe werden.
Außerdem ist sie zusammen mit dem Vitamin B12
unentbehrlich für
die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark. Ein Mangel von
einem der beiden Vitamine läßt sich daher am Blutbild feststellen.
Eine ausreichende Folsäureaufnahme ist vor allem in der Schwangerschaft
und bei Jugendlichen wichtig, da der wachsende Organismus besonders viele
Eiweißstoffe aufbaut und genetische Informationen für die neuen Zellen kopiert.
Was geschieht bei Folsäuremangel ?
Folsäuremangel ist in Deutschland weit verbreitet: Nur jeder vierte
Deutsche nimmt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
genügend von dem Vitamin auf. Frauen erreichen durchschnittlich gerade 71 Prozent der
empfohlenen Tagesdosis von 0,3 mg.
Männer nehmen durchschnittlich 88 Prozent auf. Dabei liegen die
Werte für Personen mit niedrigem Einkommen zehn Prozent unter denen
von Personen mit Hochschulabschluß. Die Folsäureversorgung muß daher
auch unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet werden.
In Deutschland kommt auf tausend Neugeborene ein Kind mit Neuralrohrdefekt.
In anderen europäischen Ländern liegen diese Zahlen sogar noch
höher, da auch eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Aus diesem Grund sollten
Frauen im gebärfähigen Alter prinzipiell eine optimale Folsäureversorgung
sicherstellen. Die Folsäure scheint außerdem auch eine Rolle bei Artheriosklerose
(Herz-Kreislauf-Krankheiten) zu spielen. Das Risiko für diese Krankheit
steigt, wenn die Werte für die Aminosäure Homocystein im Blut erhöht sind.
Homocystein wird mit Hilfe der Tetrahydrofolsäure in eine andere Aminosäure
umgewandelt. Bei Folsäuremangel steigt der Homocysteinspiegel und damit auch das
Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Welche Lebensmittel enthalten Folsäure?
Folsäure enthalten grüne Gemüse, Hülsenfrüchte,
Kartoffeln, Vollkornprodukte, Zitrusfrüchte und eine ganze Reihe anderer
Nahrungsmittel. Auch Milch enthält Folsäure. Zwar nicht in besonders großen Mengen, dafür
kann der Körper die Folsäure aus Milchprodukten sehr gut aufnehmen.
Leber ist ein besonders guter Folsäurelieferant, kann wegen der Anreicherung von Giftstoffen
in diesem Organ aber nicht mehr empfohlen werden. Die Tabelle gibt einen
Überblick über einige Folsäurelieferanten:
Worauf muß ich achten?
Folsäure ist ein sehr empfindliches Enzym. Deshalb ist es wichtig,
das Essen schonend zuzubereiten. Gemüse, das drei Tage bei Zimmertemperatur
liegt, enthält nur noch ein Drittel der ursprünglichen Folsäuremenge. Das Vitamin
ist auch sehr hitzeempfindlich, so daß nach dem Kochen weniger als
zehn Prozent übrig sind. Auch Gemüse aus Konserven enthält nur noch sehr wenig Folsäure,
zwei Beispiele: 100 g frische Karotten enthalten 0,028 mg Folsäure,
Karotten aus der Konserve nur noch 0,002 mg.
In frischen, rohen Produkten ist die meiste Folsäure. Langes Wässern
von Salat oder Gemüse schadet dem Vitamin: Folsäure ist wasserlöslich,
so daß sie schnell ausgelaugt wird. Besonders Menschen, die an Krankheiten der Verdauungsorgane
leiden, sollten auf ihre Folsäurezufuhr achten, da sie weniger von
dem Vitamin aufnehmen können als Gesunde.
Kann man zuviel Folsäure aufnehmen?
Überschüssige Folsäure wird mit dem Urin ausgeschieden.
Lediglich bei Menschen, die krampflösende Medikamente nehmen (Epileptiker),
ist Vorsicht geboten, da hohe Dosen des Vitamins die Wirkung der Medikamente beeinflussen können.
Folsäure kann außerdem Vitamin B12-Mangel maskieren, da
die ersten Anzeichen eines solchen Mangels (die roten Blutksrperchen verändern
sich) nicht auftreten und der Vitaminmangel erst zu einem Zeitpunkt entdeckt wird, an dem
der Körper schon ernsthaft geschädigt ist. Vitamin B12-Mangel
ist jedoch sehr selten und viele Vitaminpräparate enthalten aus diesem Grund beide Substanzen.
Folsäure
einige Folsäuren
chem. Name Synonyme (bzw. Funktion)
R
Folsäure; Pteroyl-mono-L-glutaminsäure Leber-Lactobacillus-casei-Faktor; -OH
Pteroylglutaminsäure
Norit-Eluatfaktor; Faktor U; Vitamin BC;
Vitamin M; FS
Folsäurekonjugat 2
Pteroyl-hepta-glutaminsäure
PteGlu7; Vitamin-BC-Konjugat -
[Glu]6*
Tetrahydrofolsäure 5,6,7,8-Tetrahydrofolsäure H4PteGlu; FSH4; THFA; THF -OH
Formyl-tetra-
N5-Formyl-
FolinsäureSF; Folininsäure;
-OH
hydrofolsäure
5,6,7,8-tetrahydrofolsäure
Leucovorin; Citrovorumfaktor
Formyl-tetra-
N¹°-Formyl-
aktivierte Ameisensäure
-OH
hydrofolsäure
5,6,7,8-tetrahydrofolsäure
Methylen-tetra-
N5,¹°-Methylen-
aktivierter Formaldehyd
-OH
hydrofolsäure
5,6,7,8-tetrahydrofolsäure
Methyl-tetra-
N5-Methyl-
(inaktive Speicher- u. Transportform;
-OH
hydrofolsäure
5,6,7,8-tetrahydrofolsäure
Freisetzung Vit.-B12-abhängig)
* [Glu] = Glutaminsäurerest
Folsäure und Leukämie
Washington 25.10.99 Reuters: Ein Folsäuredefizit erhöht möglicherweise das
Risiko einer Erkrankung an akuter lymphatischer Leukämie (ALL): US-Forscher
untersuchten die DNA von 300 erwachsenen ALL-Patienten und 491 gesunden.
Menschen
mit der Folsäure-Stoffwechsel-Genmutation MTH-FR litten 4,3 mal häufiger an
ALL und Menschen mit einer zweiten Mutationsversion dreimal
häufiger (Proc Natl Acad Sci).
Folsäure in der
Zahnmedizin als
wichtiger Stoff für die
Zellteilung, besonders beim wachsenden
Organismus.
In Leber, Hefe oder grünen Blättern enthaltener
Wuchsstoff für Mikroorganismen. Die eigentliche Synthese
findet im Darm statt.
Folsäure scheint bei Zahnfleischerkrankungen eine
günstige Wirkung zu haben. Doppelblindversuche
deuten darauf hin , dass
die örtliche Wirkung in Form von
Mundspülungen besser ist als die Einnahme. Verglichen
wurde die Einnahme von 2-5mg Folsäure mit einer 0,1%-igen
Mundspülung.
Dreierkombination Folsäure, Vit. B6 und B12
Um Neuralrohrdefekte( Spina bifida) bei ungeborenen Kindern zu vermeiden ist
die Gabe von Folsäure notwendig. Die Vitamin Dreierkombination Folsäure, Vit.
B6 und B12 kann zudem den Homozysteinspiegel senken und somit
Gefäßerkrankungen vorbeugen. Die Gabe von B12 ist vor allem in Hinblick auf
die Maskierung einer perniziösen Anämie durch Folsäuresupplemente von
Bedeutung.
Seit August 1998 reichert Ungarn daher Brot mit dieser 3-er Kombination an. Auch
in den USA werden seit 1.1.1998 Getreidemehle zur besseren Vitaminversorgung
angereichert (140 mg Folsäure pro 100Gramm). In Deutschland gibt es dies
nicht. Hier muß man sich selbst mit den Präparaten
versorgen. Ceizel et al. Lancet (1998) 352 ; Ernährungsumschau (1998) 45:
178-179
Warum Folsäure vor Fehlbildungen schützt Süddeutsche Zeitung 7.7.98
Bis zu 70 Prozent der Fehlbildungen des Gehirns und des Rückenmarks
von Ungeborenen könnten verhindert werden, wenn die Mtter in der frühen Schwangerschaft bereits ausreichende Mengen des B-Vitamins Folsäure
zu sich nehmen. Warum das so ist, haben die Biologen Angeleen Fleming und Andrew Copp von der Universität London nun mit Experimenten an Mäusen
herausgefunden. Offenbar können mit der Gabe von Folsäure Defizite des Embryos bei der Synthese von Pyrimidin ausgeglichen
werden, dessen chemisches Grundgerüst Bestandteil der Erbsubstanz DNS ist (Science, Bd. 280, S. 2107, 1998). Durch die Gabe von Folsäure oder
Thymidin - eines der aus Pyrimidin abgeleiteten Grundbausteine der DNS - ließen sich bei Mäusen Rückenmarkdefekte verhindern, obwohl
man ihnen eine Veranlagung für dies Schden eingepflanzt hatte. Die Autoren vermuten, daß die Wirkung beim Menschen auf ähnliche
Prozesse zurückgeführt werden kann.
Folsäuremangel
weit verbreitet - wenig bekannt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, teilte im jüngsten
Jahresbericht zur Ernährungslage mit, daß ca. 90% der deutschen Bevölkerung
unter Folsäuremangel leidet. Bei Frauen beträgt dieser Prozentsatz 99%. Die
ist ein erstaunliches Eingeständnis eines antiquierten und restriktiven
Vereins, der immer betonte eine Vitaminunterversorgung in Deutschland sei nicht
vorstellbar. Daß gerade Frauen so drastisch unter Folsäuremangel leiden, ist
umso tragischer, da dieser Mangel direkte Auswirkungen auf die Mißbildungsrate
von Neugeborenen hat. " Wenn der Folsäuremangel behoben werden könnte,
und zwar schon vor der Schwangerschaft, könnten 70% der Mißbildungen
verhindert werden" (Dr. Robert Marger, ehem. Leiter der
Kinderchirurgie, St. Gallen) Doch nicht nur Frauen benötigen Folsäure.
Die Folsäure senkt den Homozysteingehalt im Blut und verringert dadurch die
Ablagerung von Plaque an den Arterieninnenwänden. Zudem ist Folsäure von größter
Bedeutung für die Blutbildung und Blutgerinnung. Nun könnte man empfehlen,
einfach mehr Lebensmittel die Folsäure enthalten, in den Speiseplan
aufzunehmen. Dies gestaltet sich deswegen als schwierig, weil Folsäure in Obst
und Gemüse als Folat vorkommt, welches schlecht bioverfügbar ist. Nur ca. 11%
des vorhandenen Folats werden resorbiert. Erstaunlicherweise werden jedoch von
der synthetischen Form, der reinen Folsäure ca. 45% aufgenommen. Daher werden
in den USA ab 1998 alle Mehle mit Folsäure angereichert Ein erhöhter Bedarf
entsteht in allen Wachstumsphasen, in der Schwangerschaft und Stillzeit, in
Kindheit und Jugend, nach Verletzungen und Operationen. Barbiturate (in
Schlafmitteln) und Antibiotika begünstigen ein Defizit. Die Wissenschaftler
empfehlen eine Mindestaufnahme von 600 -700 mcg Folsäure.
Folsäure-haltige Nahrung für zukünftige Väter fördert die Gesundheit der Kinder
Los Angeles – Männer, die viel Obst und Gemüse essen, fördern die Gesundheit ihrer zukünftigen Kinder. Die in dieser Nahrung reichlich vorhandene Folsäure bewahrt die Erbsubstanz im Sperma vor Schäden, berichtet das Magazin
"Fertility and Sterility" ("Fruchtbarkeit und Sterilität"). Die Ernährungs-Forscherin Lynn Wallock von der Universität Kalifornien in Berkeley hat zusammen mit Kollegen das Sperma von 48 Männern untersucht. Dabei stellte sie fest, dass Männer mit wenig Folsäure in der Samenflüssigkeit auch weniger Samen produzieren. Der Folsäuregehalt in der Samenflüssigkeit hängt dabei direkt von der Menge dieses Vitamins in der Nahrung ab.
Bereits vor vier Jahren stellten Wallock und ihre Kollegen fest, dass ein Mangel an Folsäure Fehler in der Erbsubstanz von Samen verursachen kann. Viele Forscher vermuten, dass vor allem solche Fehler in den Samengenen für Krebs bei Kindern verantwortlich sind. "Es wird Zeit, nicht nur auf Mütter und ihre Ernährung zu achten, sondern auch auf die Väter", sagt
Wallock. 06.03.2001 http://www.wissenschaft.de
Mangel an Folsäure für Leukämie im Kindesalter mitverantwortlich
Genetische Unterschiede im Stoffwechsel des Vitamins
Folsäure sind für die Entstehung von Leukämie in der Kindheit verantwortlich, wie Joseph Wiemels von der
University of California in San Francisco aufdeckte. Zu geringe Mengen des Vitamins führen zu Schäden in der
Erbinformation und können drei bekannte Varianten des Blutkrebs hervorrufen. Die Anfälligkeit für einen Krebstyp hängt
davon ab, welche Form eines beteiligten Enzyms das Kind erbt. Krebsbiologen kennen drei Formen von Leukämie im Kindesalter.
Sie beruhen auf unterschiedliche Abnormitäten der Chromosomen. In einem Fall haben die betroffenen Kinder
zusätzliche Kopien des Chromosoms 21, während sich die beiden anderen Fälle durch abnormale Chromosomen auszeichnen, diesich bei Entwicklung der embryonalen Blutzellen bildeten. Bei
jedem Typ unterscheiden sich Prognose und Behandlungsprotokoll. Die Ursache der unterschiedlichen
Krebsarten war bisher noch ungeklärt. Wie Joseph Wiemels in der Fachzeitschrift Proceedings of the
National Academy of Sciences veröffentlichte, entsteht jeder Krebstyp auf unterschiedliche Weise. Wissenschaftler
untersuchten in der Studie 250 britische junge Leukämiepatienten, ordneten sie einem der drei Krebstypen zu
und bestimmten die Genvarianten eines im Stoffwechsel von Folsäure beteiligten Enzyms.
Je nachdem, welche Variante die Kinder geerbt hatten, entwickelten sie eine der drei Krebsformen. Die Wissenschaftler
fanden zwei unterschiedliche Varianten eines weniger aktiven Enzyms. Jedes stand für einen bestimmten Krebstyp. Die
Forscher folgern daraus, dass eine niedrige Aktivität des Enzyms offensichtlich vor der Entstehung von Leukämie schützt. Denn
der Körper setzt dann mehr Folsäure frei, die den Erbschäden vorbeugt. Die Bevölkerung sollte
ausreichend mit Folsäure versorgt werden, um solche Erkrankungen in Zukunft zu verringern, so
Wiemels. 28.03.2001
Folsäure kann Ebola-Viren in vitro blockieren
SAN FRANCISCO (gwa). Mit einer erhöhten Folsäure-Konzentration kann das Eindringen von Ebola-
und Marburg-Viren in Zellen verhindert werden. Denn diese Filoviren werden über dieselben
Oberflächenproteine in die Zellen eingeschleust wie das Vitamin Folsäure. Dabei wirken die Proteine als
Rezeptoren. Wenn die Menge an Folsäure erhöht wird, können so mehr der Proteinrezeptoren blockiert werden und
die Filoviren können nicht in das Zellinnere eindringen, um sich zu vermehren (Cell, 106, 2001, 117).
Stephen Y. Chan vom Gladstone Institute of Virology and Immunology in San Francisco im
US-Bundesstaat Kalifornien und seine Kollegen haben diese Wirkweise der Folsäure in vitro belegt.
Bevor das Vitamin oder etwa Proteine, die die Rezeptoren ebenfalls blockieren könnten, zur
Behandlung von Patienten genutzt werden könnten, müsse sich dieser Therapieansatz in klinische
Studien bewähren, so die Forscher. Ebola- und Marburg-Viren verursachen ein hämorrhagisches Fieber mit einer hohen Letalität.
Ärzte Zeitung, 19.07.2001
Forscher: Einnahme von Folsäure begünstigt Zwillingsgeburten =
Paris, 26. Juli (AFP) - Ein von vielen Schwangeren zur Verhinderung von
Missbildungen ihres Babys eingenommenes B-Vitamin begünstigt nach Untersuchungen schwedischer Wissenschaftler Zwillingsgeburten. Das zur
Verhinderung der Wirbelsäulendeformation Spina Bifida von vielen schwangeren
Frauen eingenommene B-Vitamin Folsäure sorge für einen deutlichen Anstieg von
Zwillings-Schwangerschaften, meldet die britische Fachzeitschrift "New
Scientist" in ihrer jüngsten Ausgabe. Demnach brachten seit 1994 in Schweden
2,8 Prozent aller Frauen, die Folsäure einnahmen, Zwillinge zur Welt. Damit
lag die Zahl der Zwillingsgeburten bei ihnen fast um das doppelte über dem
statistisch üblichen Wert der Durchschnittsbevölkerung. Das Forscherteam um den Wissenschaftler Bengt Kallen stellt daher die These
auf, die Nachteile einer obligatorischen Einnahme von Folsäure könnten ihre
Vorteile überwiegen. Laut ihrer Modellrechnung würde die Einnahme von Folsäure
durch 30.000 Frauen in Schweden 225 zusätzliche Zwillingspärchen zur Folge
haben. Diese 450 Kinder hätten - wie bei Zwillingen üblich - ein statistisch
wesentlich höheres Risiko, zu früh, mit zu geringem Gewicht oder mit Lähmungen
auf die Welt zu kommen. Gleichzeitig würden durch die Folsäure-Gabe jedoch nur
vier bis fünf Fälle von Spina Bifida verhindert, geben die Forscher zu bedenken.
Schöne Mähne:
Zink, Biotin
und Folsäure gut fürs Haar
Aachen (dpa) - Für schöne Haare spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Zwar ist ein früher Haarausfall in den meisten Fällen genetisch bedingt. Doch mit der richtigen Ernährung, lässt sich einiges dafür tun, dass die Haare möglichst lange schön bleiben, teilt das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik
(DIET) in Aachen mit. Positiv wirkt sich demnach eine Ernährung mit viel Zink, Biotin und Folsäure auf die Haare aus. Das Spurenelement Zink beispielsweise ist an der Bildung von Keratin beteiligt, einem wichtigen Bestandteil von Haut, Haaren und Nägel. Zink ist dem Institut zufolge in größeren Mengen unter anderem in Rind- und Schweinefleisch, Roggen- und Weizenkeimen sowie in Eiern, Käse und Meeresfrüchten enthalten.
18. August 2001
Neuralrohrdefekte und
Folsäuremangel
Eine tägliche Menge von 400µg Folsäure vor und während der frühen
Schwangerschaft vermindert Neuralrohrdefekte bei Kindern dramatisch. Bevor
Lebensmittel in den USA mit Folsäure angereichert wurden nahmen nur 29% aller
Frauen im reproduktiven Alter die erforderliche Menge Folsäure auf. Im März
1996 ermächtigte die US Food and Drug Administration die Anreicherung von
Getreideprodukten und seit Januar 1998 ist dieses Vorgehen für Folsäure
obligatorisch.Eine Studie versuchte, den Effekt der Folsäureanreicherung auf die Prävalenz
von Neuralrohrdefekten (Spina bifida und Anencephalus) zu bestimmen. Dazu
wurden die Daten aus 45 US-Staaten plus Washington DC mit Lebendgeburten
zwischen 1990 und 1999 zusammengetragen. Die Forschergruppe verglich das
Auftreten der Neuralrohrdefekte zwischen Oktober 1995 und Dezember 1996 vor
Einführung der Folsäureanreicherung mit dem Zeitraum obligatorischer
Anreicherung von Oktober 1998 bis Dezember 1999.Die Prävalenz sank von 37.8 pro 100000 (lebend-)Geburten auf 30.5, was eine
Verminderung von Neuralrohrdefekten um 19% entspricht. Im gleichen Zeitraum
verminderte sich die Prävalenz von 53.4 auf 46.5 pro 100000 Geburten bei
Frauen, die Vorsorge nicht oder nur im dritten Drittel der Schwangerschaft
erhielten.Die Autoren schließen aus diesen Ergebnissen, dass zwar die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten um 19% abgenommen hat, seit Lebensmittel in den USA mit
Folsäure obligat angereichert werden, sie geben aber zu bedenken, dass auch
andere Faktoren an diesem Rückgang beteiligt sein können.
29.6.2001 via medici online
Quelle M. A. Honein et al.: "Impact of Folic Acid Fortification of the US Food
Supply on the Occurrence of Neural Tube Defects". JAMA 2001;285:2981-2986
Folsäure
Herzpatienten die Nitrate nehmen sollten Folsäure
einnehmen
Folsäuresubstitution: Erste Erfolge in den USA
BOSTON. Seit Januar 1998 werden in den USA Mehl, Reis, Pasta, Maismehl
und andere Zerealien mit Folsäure angereichert. Erste Untersuchungen zeigen,
dass dies bereits zu einem deutlichen Anstieg der Folsäurekonzentration in den
Erythrozyten geführt hat. Darüber berichten Silvina Choumenkovitch et al. von
der Tufts Universität, Boston, jetzt in der Dezemberausgabe vom Journal of
Nutrition (2001; 131: 3277-3280). Die Querschnittsstudie unter Teilnehmern der "Framingham
Offspring Study" zeigte, dass der Anteil der Erwachsenen mit einer zu niedrigen
Folsäurekonzentration (<160 µg/l) von 4,9% auf 1,9% zurückgegangen ist. Die
Folsäurekonzentration besserte sich auch bei jenen US-Amerikanern, die nebenher
keine Vitaminpräparate einnahmen. Die Autoren zeigen sich über die Entwicklung
befriedigt. "Dies ist mehr als wir ursprünglich erwartet haben", schreiben sie
in einer Pressemitteilung. Ob die Folsäuresubstitution tatsächlich
sinnvoll ist, wird man erst in einigen Jahren wissen. Die Forscher hoffen vor
allem auf günstige Effekte auf das Herzkreislaufsystem. Ein leichter
Folsäuremangel führt zu einem Anstieg der Plasmakonzentration von Homozystein –
einem unabhängigen Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere
arterielle Verschlusskrankheit. Zudem wird ein Folsäuremangel mit
Gedächtnisverlust und leichten kognitiven Störungen in Verbindung gebracht.
Schließlich werde ein Einfluss auf die Krebsentstehung diskutiert. (07.12.01)
http://www.aerzteblatt.de
Dr. Reinhild Prinz-Langenohl
Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn
Folat – ein Vitamin mit großem Präventionspotenzial
Jahrgang 52, Nr. 12 (2001) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
Lange Zeit hat man den antioxidativen Vitaminen E und C und dem
β-Carotin hinsichtlich der Prävention von Erkrankungen große Aufmerksamkeit
geschenkt. Das B-Vitamin Folat blieb im Hintergrund. Anfang der 90er Jahre haben
jedoch große prospektive Interventionsstudien gezeigt, dass dieses Vitamin vor
schwerwiegenden fetalen Fehlbildungen, den sogenannten Neuralrohrdefekten .
Daraufhin beschäftigte man sich näher mit der Wirkung dieses Mikronährstoffes
und erkannte, dass Folat möglicherweise über eine Senkung des
Homocysteinspiegels im Blut Schutzfunktionen im Rahmen der Pathogenese der
Atherosklerose ausüben kann.
Was ist Folat bzw. Folsäure?
Der Begriff Folsäure wurde bisher häufig als Oberbegriff für die zahlreichen
chemisch unterschiedlichen Derivate des Vitamins verwendet. Dies hatte oft
Verwirrungen bei der Interpretation von Zufuhrdaten und Empfehlungen zur Folge.
Daher soll sich die Verwendung des Ausdrucks Folsäure zukünftig ausschließlich
auf eine bestimmte chemische Verbindung, die Pteroylmonoglutaminsäure
beschränken. Sie tritt als solche in der Natur nicht auf, wird aber aufgrund
ihrer hohen Stabilität bei Arzneimitteln und Supplementen bzw. zur Anreicherung
von Lebensmitteln eingesetzt. Folsäure wird im menschlichen Körper zu biologisch
aktiven Verbindungen metabolisiert. Davon abzugrenzen sind die Folate, die
natürlicherweise in Lebensmitteln und im menschlichen Organismus auftretenden
Derivate der Folsäure.
Biochemische Funktionen von Folat
Im Organismus agiert Folat in Form des Tetrahydrofolats als Coenzym bei
Transferreaktionen von Einkohlenstoffeinheiten (z.B. Methyl- oder Formylgruppen).
Somit ist es beteiligt am Aminosäure- und Proteinstoffwechsel und an der Purin-
und Pyrimidinsynthese.
Folat und Herz-Kreislauferkrankungen
In den Zellen entsteht durch die Demethylierung von Methionin ständig die
nichtproteinogene Aminosäure Homocystein. Da Homocystein ein starkes Zellgift
darstellt, wird seine intrazelluläre Konzentration durch Metabolisierung und
Exportmechanismen niedrig gehalten. Mit Hilfe der B-Vitamine B6, B12 und Folat
wird Homocystein abgebaut bzw. zu Methionin remethyliert. Der Homocysteinspiegel
im Plasma steigt, wenn die intrazelluläre Metabolisierung durch eine
unzureichende Versorgung mit den genannten Vitaminen nicht gewährleistet ist.
Erhöhte Plasma-Homocysteinkonzentrationen stehen mit atherosklerotischen und
thrombotischen Erkrankungen im Zusammenhang. Dies konnte recht eindeutig in
zahlreichen retrospektiven Studien gezeigt werden. Die Ergebnisse prospektiv
angelegter Studien sind hingegen zum Teil widersprüchlich. In der Physicians‘
Health Study wiesen Männer mit einem Homocysteinspiegel > 15,8 µmol/l unter
Berücksichtigung anderer Risikofaktoren ein dreifach höheres Risiko für einen
Herzinfarkt auf als Männer mit Homocysteinwerten < 14,1 µmol/l (5). In der
Tromso-Studie konnte ein signifikant erhöhtes Risiko für koronare
Herzerkrankungen mit jedem Anstieg des Homocysteinspiegels um 4 µmol/l
beobachtet werden (2). Die Framingham Heart Study zeigte einen direkten
Zusammenhang zwischen dem Homocysteinspiegel und dem Risiko einer
Carotis-Stenosierung (4). In der British United Provident Association Study
wiesen Männer mittleren Alters mit Homocysteinkonzentrationen> 10,3 µmol/l ein
um 33% erhöhtes Risiko für ischämische Herzkrankheiten auf (6). Im Gegensatz
dazu konnte im Multiple Risk Factor Intervention Trial (3) und in einer
finnischen Studie (1) kein Bezug zwischen Homocystein und koronarer
Herzkrankheit hergestellt werden. Die möglichen Wirkmechanismen des Homocysteins
im Atheroskleroseprozess sind bisher nur unzureichend geklärt. In der Diskussion
stehen unter anderem die oxidative Modifikation des LDL durch Autoxidation des
Homocysteins, eine Beeinträchtigung der NO-Synthese und eine Verschiebung der
Gerinnungshomöostase i n Richtung einer verstärkten Gerinnung. Zur Zeit werden
große multizentrische Interventionsstudien durchgeführt, in denen die Effekte
einer Senkung der Homocysteinkonzentration auf das koronare Risiko untersucht
werden. Erste Ergebnisse sind frühestens in einem Jahr zu erwarten.
Fazit
Der positive Effekt einer perikonzeptionellen Folsäuresupplementierung im
Hinblick auf die Vermeidung von Neuralrohrdefekten ist in Fachkreisen
unstrittig. Unter präventivmedizinischen Aspekten sollten jedoch auch die
vielversprechenden Studienergebnisse im Bereich der Herz-Kreislauferkrankungen
berücksichtigt und auf eine gute Folatversorgung geachtet werden.
Folatreiche Lebensmittel
• Milchprodukte
Weichkäse wie Brie, Edelpilzkäse, Camembert
• Getreideprodukte
Vollkornbrot, Vollkornprodukte, Keimlinge
• Gemüse und Salate
– Kohlsorten wie Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl, Weißkohl
– Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen
– Dunkle Blattsalate und -gemüse wie Spinat, Mangold
– Knollengemüse wie Fenchel, rote Beete
Literatur
1. Alfthan G, Pekkanen J, Jauhiainen M et al: Relation of serum
homocysteine and ipoprotein(a) concentrations to atherosclerotic disease in a
prospective Finnish population based study. Atherosclerosis 106 (1994) 9-19
2. Arnesen E, Refsum H, Bonaa KH et al: Serum total homocysteine and
coronary heart disease. Int J Epidemiol 24 (1995) 704-709
3. Evans RW, Shaten BJ, Hempel JD et al: Homocyst( e)ine and risk of
cardiovascular disease in the Multiple Risk Factor Intervention Trial.
Arterioscler Thromb Vasc Biol 17 (1997) 1947-1953
4. Selhub J, Jaques PF, Bostom AG et al: Association between plasma
homocysteine concentrations and extracranial carotid-artery stenosis. New Engl J
Med 332 (1995) 286-291
5. Stampfer MJ, Malinow MR, Willett WC et al: A prospective study of
plasma homocyst(e)ine and risk of myocardial infarction in US physicians. JAMA
268 (1992) 877-881
6. Wald NJ, Watt HC, Law MR et al: Homocysteine and ischemic heart
disease. Arch Intern Med 158 (1998) 862-867
Vitamin Folsäure senkt das Herz-Kreislaufrisiko
Denn: Regelmäßige Einnahme von Folsäuretabletten reduziert den Homocysteinspiegel Von Dr. med.
Jochen Kubitschek
Schon seit
längerem ist bekannt, daß ein Mangel an dem Vitamin Folsäure eine deutliche
Erhöhung des körpereigenen Stoffwechselprodukts Homocystein nach
sich zieht. Homocystein konnte aber bereits vor Jahren – völlig
unabhängig von allen anderen bekannten Risikofaktoren wie Rauchen oder hoher
Blutdruck - als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislaufkrankheiten identifiziert werden. Obgleich zu diesem Thema viel geforscht
wurde, ist allerdings bis heute so gut wie nichts über die Häufigkeit
erhöhter Homocysteinspiegel bei Frauen bekannt. Die Beurteilung
der Situation wird dadurch erschwert, daß einige Studien zum Teil
widersprüchlichen Ergebnissen geliefert haben. Um mehr Klarheit über die
Zusammenhänge zwischen Folsäure und Homocystein bzw. deren Auswirkungen auf Herz- Kreislaufkrankheiten
zu schaffen, führte ein Wissenschaftlerteam um Dr. Charles H. Hennekens an einer Untergruppe jener 28.263
Frauen eine Studie durch, die seit 1993 an der Womens Health Studie
teilnehmen. Im Verlauf der Untersuchung erlitten 122 Frauen einen Herzinfarkt
bzw. einen Schlaganfall. 244 gleichalte herz- und kreislaufgesunde
Frauen dienten den Wissenschaftlern als Kontrollgruppe. Nach drei Jahren
wurden die Laborergebnisse sorgfältig miteinander verglichen. Dabei
zeigte sich, daß die an einem Herzinfarkt bzw. Schlaganfall erkrankten Frauen
bereits zu Beginn der Studie einen deutlich höheren Homocyseinspiegel
hatten als die Frauen der Kontrollgruppe (14.1 gegenüber 12.4
Mikromol pro Liter Blutserum. Weitere Analysen ergaben, daß die Frauen mit
den höchsten gemessenen Homocysteinspiegeln im Vergleich zu
Frauen mit niedrigen Homocysteinwerten insgesamt ein um 100% erhöhtes
Herz- Kreislaufrisiko hatten. Bereits zu Beginn
der Studie wurden die Frauen gefragt, ob sie Folsäure in Tablettenform
einnehmen. Die Studienteilnehmerinnen, die zu Beginn der Untersuchung
angegeben hatten, daß sie regelmäßig Folsäure einnahmen, hatten
erwartungsgemäß einen niedrigeren Homocysteinspiegel als die Frauen, die keine
Folsäure einnahmen (in Deutschland werden zahlreiche Folsäure-Präparate
unter Namen wie Folarell Ò oder Folsäure Tabletten Dr. Hotz Ò )
angeboten. Da auch in den USA
ein Folsäuremangel häufig ist bzw. viel zu wenige Menschen Folsäure
einnehmen, hatte die Arzneimittelbehörde FDA bereits 1996 den Zusatz
des Vitamins zu bestimmten Lebensmitteln genehmigt. Diese vorbeugende
Maßnahme erwies sich schnell als erfolgreich. Dr. Irwin H.
Rosenberg , Tuffs Universität, Boston, untersuchte 756 Patienten, 350 davon auch
nach Einführung der Anreicherung von Nahrungsmitteln
mit Folsäure. Es zeigte sich, daß sich der durchschnittliche
Folsäure-Blutspiegel aufgrund dieser ursprünglich umstrittenen Maßnahme mehr als
verdoppelt hat. Gleichzeitig sank der Homocystein-Blutspiegel deutlich ab. Die
Verbreitung deutlich erhöhter Homocystein-Blutspiegel sank im Verlauf
der Studie von 18.7 % auf 9.8 %. " Wenn Homocystein ein Risikofaktor für
Herz-Kreislaufkrankheiten ist, dann kann die Zufuhr von Folsäure das
Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch senken", resümierte Dr.
Rosenberg. Dass sich das
Problem auch in Deutschland ähnlich darstellt, zeigte eine an der Schwarzwald
Privatklinik Obertal durchgeführte Untersuchung. Insgesamt wurden
zwischen 1996 und 1999 bei 3036 Patienten die Homocysteinwerte
untersucht. Die Patienten mit erhöhten Homocysteinwerten
wurden mit Folsäure und B-Vitaminen behandelt. Die im Patientenblut durchschnittlichen
Werte bis zur Wiederaufnahme in die Klinik sanken um
32,5 Prozent im Jahr. Dies belegt die hohe Effektivität der sehr preiswerten
Therapie. Bei einer
Sondergruppe von 60 Patienten wurde der Homocysteinspiegel vor und nach der
in der Privatklinik durchgeführten Kombinations-Behandlung bestimmt.Es wurde deutlich, dass sich die durchschnittlichen
Homocysteinwerte nach nur neun Injektionen völlig normalisierten.
Folsäure
zur Reduktion des Darmkrebs-Risikos
Laut einer Studie im ‚International Journal of Cancer’ besteht bei
Frauen einer inverse Assoziation zwischen Folsäure-reicher Ernährung und
Darmkrebs-Risiko.
Ein internationales Wissenschafterteam unter der Leitung von Dr. Paul Terry vom
Albert Einstein College of Medicine in New York werteten hierfür Daten von 295
Frauen mit Kolorektalkarzinomen und 5.334 Kontrollsubjekten aus, die in den 80er
Jahren an der Canadian National Breast Screening Study teilnahmen.
Nach Ausschluss diverser Faktoren konnte eine inverse Assoziation zwischen
Folsäure-reicher Ernährung und Kolorektalkarzinom-Risiko errechnet werden
(IRR=0,6) - wobei bei Frauen, die laut eigenen Angaben bezüglich ihrer
Ernährung, mehr als 367 Mikrogramm Folate und Folsäure pro Tag konsumierten, das
Risiko der Entwicklung eines Kolon- oder Rektumkarzinoms am niedrigsten war.
Während die oben beschriebenen Resultate vermuten lassen, dass eine
Folsäure-reiche Ernährung das Darmkrebsrisiko reduzieren könnte, betonte Dr.
Terry in einem Interview, dass viele nicht evaluierbare Faktoren (z.B. Stress,
Nikotin, Alkohol) das Ergebnis hätten beeinflussen können.
Quelle:
Inter J Cancer; 2001, 97: 864-867
www.medaustria.at 21.2.2002
Zink
plus Folsäure zur
Steigerung der Spermienzahl
Die Einnahme von Zink und Folsäure resultiert in einer signifikanten
Steigerung der Spermienzahl. Dr. Regine P. M. Steegers-Theunissen vom University
Medical Center in Nijmegen, Holland, und Kollegen untersuchten entsprechende
Daten von 108 fertilen und 103 subfertilen Männern, die 26 Wochen lang entweder
Folsäure plus Plazebo, Zinksulfat plus Plazebo, Folsäure plus Zink oder zwei
Plazebos erhielten. Die tägliche Folsäure-Dosis betrug 5mg, die von Zink 66mg.
Bei subfertilen Männern, die Folsäure plus Zinksulfat erhielten, stieg die
durchschnittliche Zahl normal geformter Spermien um 74 Prozent (p<0,05). Die
Zahl der abnorm geformten Spermatozoen stieg um vier Prozent (p<0,01). In allen
anderen Behandlungsgruppen konnte keine signifikante Steigerung der Spermienzahl
registriert werden. Abschließend wird jedoch betont, dass die Erhöhung der
Spermienkonzentration bei Einnahme von Zinksulfat und Folsäure nicht unbedingt
zu einer Steigerung der Empfängnisrate resultieren muss, eine mögliche
diesbezügliche Assoziation sollte in weiteren Studien untersucht werden. 4.4.02
www.medaustria.at Quelle:
Fertil Steril; 2002, 77, 491-498
Folsäure ist bekanntlich nötig für die Teilung und
Neubildung von Zellen. Derzeit ist die Versorgung der Bundesbürger allerdings
nicht zufriedenstellend.
Nach einer Studie der Bonner Universität nehmen die Deutschen nur etwa ein
Drittel der empfohlenen Menge auf. Ideal wäre aber eine Foläureversorgung mit
400 Mikrogramm pro Tag. Natürliche Lieferanten des Vitamins sind vor allem
grünes Blattgemüse, verschiedene Kohlarten, Brokkoli und Hülsenfrüchte. Auch
Weizenkeime, Nüsse und Vollkornprodukte haben einen hohen Folsäureanteil. Leber,
Fleisch, Milchprodukte und Eier sind ebenfalls Folsäurelieferanten. Vor allem
bei Schwangeren und stillenden Frauen ist eine ausreichende Folsäureversorgung
enorm wichtig. Bei ihnen steigt der Bedarf nämlich auf 600 Mikrogramm pro Tag
an. Das Vitamin ist sehr licht- und hitzeempfindlich. Beim Kochen gehen etwa 35
Prozent des Vitamins verloren. Schonendes Garen mit wenig Wasser ist daher
ratsam. Quelle: Ärzte Zeitung; Nr. 35, 23./24.02.01
Folsäure:
Obst und Gemüse schützen Herz
Hamburg (dpa) - Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist nach
Expertenangaben eine ausreichende Aufnahme von Folsäure notwendig. Das in Obst
und Gemüse, aber auch in Rinderleber vorkommende B-Vitamin senke den
Homozysteinspiegel, sagte Professor Klaus F. Pietrzik vom Institut für
Ernährungswissenschaften der Universität Bonn am Mittwoch in einem dpa-Gespräch
in Hamburg. Zu viel Homozystein wiederum begünstige Erkrankungen der
Herzkranzgefäße. Untersuchungen aus den USA, wo seit 1998 Mehl generell mit
Folsäure angereichert werden müsse, zeigten einen Rückgang der
Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als drei Prozent. "Empfehlenswert ist die
Aufnahme von 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag", sagte Pietrzik. Durch eine zu
fett- und zuckerhaltige Ernährung nähmen die Bundesbürger im Durchschnitt jedoch
nur rund die Hälfte dieser Dosis zu sich. "Leider hält sich kaum jemand an die
Empfehlung, fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse zu essen", so Pietrzik. Daher sei
es sinnvoll, die Folsäure in anderer Form zu sich zu nehmen. So werde im
September in Deutschland mit Folsäure angereichertes Salz auf den Markt kommen.
Wichtig sei das Vitamin vor allem für werdende Mütter, so der
Ernährungswissenschaftler: "Schwangere sollten sich so ernähren, dass sie
mindestens 600 Mikrogramm pro Tag zu sich nehmen." Dies sei meistens nur durch
zusätzliche Präparate zu erreichen. Bei einer zu geringen Folsäureversorgung der
Mutter drohe dem Fötus ein so genannter Neuralrohrdefekt: "Das Rückenmark
schließt sich nicht, und es kommt zur Spina bifida, dem offenen Rücken." Auch
das Gehirn des Ungeborenen könne geschädigt werden. In Deutschland kommen diese
Defekte laut Pietrzik bei einer von 1000 Geburten vor. Die Anreicherung von
Lebensmitteln sei in Ländern wie Ungarn, Chile und den Vereinigten Staaten ein
Erfolg: "In den USA haben wir einen Rückgang der Neuralrohrdefekte von 20 bis 30
Prozent beobachtet", so der Experte. In Deutschland sei eine staatliche
Anordnung solcher Anreicherungen gegenwärtig nicht zu erwarten. Um so wichtiger
sei es, dass jeder Einzelne auf die Folsäure-Versorgung achte.
netdoktor 27. Juni 2002
Folsäure: Einnahme schützt vor
Herzinfarkt
Bonn (dpa) - Jedes Jahr könnten in Deutschland nach Expertenangaben 15 000
Todesfälle in Folge von Herz- und Kreislauferkrankungen vermieden werden, wenn
die Folsäure-Aufnahme ausreichend wäre. Darauf machte Professor Klaus Pietrzik
vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Bonn am Montag in
einem dpa-Gespräch aufmerksam. Neben den gängigen Risikofaktoren Cholesterin,
Rauchen und Bluthochdruck, sei ein erhöhter Homocysteinwert Ursache vieler Herz-
und Kreislauferkrankungen. Dieser lasse sich durch mehr Folsäure sehr einfach
senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) habe vor zwei Jahren die
Empfehlungen zur täglichen Folsäurezufuhr auf 400 Mikrogramm erhöht, erläuterte
Pietrzik. Folsäure stecke vor allem in Obst und Gemüse, wovon aber zu wenig
verzehrt werde. "Die mittlere Obst- und Gemüsezufuhr liegt in Deutschland bei
260 Gramm. Um 400 Mikrogramm Folsäure zu sich zu nehmen, müsste jeder 500 bis
700 Gramm Obst und Gemüse am Tag essen." Pietrzik rät daher zu mit Folsäure
angereicherten Lebensmitteln (wie Multivitaminsäften) oder in Apotheken
erhältlichen Ergänzungsmitteln. Pietrzik verweist auf die USA wo zur Prävention
von Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen 1998 eine Zwangsanreicherung von
Grundnahrungsmitteln (z.B. Mehl) mit Folsäure eingeführt worden sei. "Man konnte
nicht nur das Risiko für Neuralrohrdefekte um 19 Prozent senken, sondern hat in
einem Nebeneffekt auch 25 000 weniger Herz- Kreislauf-bedingte Todesfälle
beobachten können." Vegetarier und ältere Menschen sollten zudem auf eine
zusätzliche Versorgung mit Vitamin B12 achten. Vegetariern fehle Vitamin B12, da
es ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorhanden sei.
5. November 2002 netdoktor
Kann
Folsäure die Inzidenz vom
Down-Syndrom reduzieren?
LONDON. In Familien, in denen Neuralrohrdefekte vorkommen, besteht
ein größeres Risiko, dass ein Kind mit einem Down-Syndrom geboren wird.
Ebenfalls scheint ein Down-Syndrom mit einem höheren familiären Risiko für ein
Neuralrohrdefekt assoziiert zu sein.
Gad Barkai und Kollegen von den Universitäten in Tel Aviv, Israel, Leeds,
England und dem Sheba Medical Centre in Donetsk, Ukraine, folgern, dass eine
Zufuhr von Folsäure vor der Empfängnis die Häufigkeit vom Down-Syndrom
reduzieren kann (Lancet 2003; 361: 1316, 1331–1335). Die Autoren untersuchten
493 israelische Familien, in denen Neuralrohrdefekte vorkamen und 516
ukrainische Familien mit Down-Syndrom hinsichtlich der Inzidenz der jeweils
anderen Erkrankung.
In den Familien mit einem Neuralrohrdefekt dokumentierten Barkai et al. bei 1
492 Schwangerschaften elf Schwangerschaften mit einem Down-Syndrom. Ausgehend
von dem Alter der Mutter waren lediglich 1,87 Fälle von Trisomie 21 zu erwarten.
In den Familien mit einem Down-Syndrom hatten bei 1 847 Schwangerschaften sieben
Kinder einen Neuralrohrdefekt, in der Normalbevölkerung wären 1,37 Fälle
aufgetreten.
Die Autoren vermuten, dass bei einem Teil der Mütter, die ein Kind mit einem
Down-Syndrom haben, ein abnormer Folsäure- und Methyl-Metabolismus vorliegt, der
zu einer DNA-Hypomethylierung und so zu chromosomaler Instabilität führt. Dies
wird teilweise auch durch genetische Untersuchungen in den beim
Folsäure-Metabolismus beteiligten Genen Methylentetrahydrofolat-Reduktase und
Methioninsynthase-Reduktase untermauert.
Barkai und Mitarbeiter sind der Auffassung, dass mit dieser Studie ein direkter
Zusammenhang zwischen dem Auftreten vom Down-Syndrom und Neuralrohrdefekten
demonstriert wurde und empfehlen vor der Konzeption eine Supplementierung mit
Folsäure, um auch das Risiko für ein Down-Syndrom zu reduzieren. Um dies zu
untermauern, haben die Autoren eine multizentrische Studie mit Familien
begonnen, die ein hohes Risiko aufweisen, ein Kind mit einem Down-Syndrom zu
bekommen. (22.04.2003) DEUTSCHES ÄRZTEBLATT
Zink,
Folsäure und
Biotin bei Haarausfall
Bei der Behandlung von Haarausfall ist auch eine Ernährungsumstellung
einzubeziehen. Haarausfall kann bei vielen Betroffenen durch eine ausreichende
Zink-, Folsäure- und Biotinzufuhr reduziert werden, wenngleich er überwiegend
genetische Ursachen oder krankheits- und medikamentenbedingt ist. Menschen, die
untergewichtig sind, müssen zunehmen, um dem Haarausfall Einhalt zu gebieten.
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Zink, Folsäure und Biotin trägt dazu
bei, dass schöne Haare möglichst lange erhalten bleiben und Haarausfall gestoppt
werden kann.
Haare erneuern sich unter gewöhnlichen Umständen regelmäßig. Spätestens nach
sechs Jahren macht das alte Haar Platz für ein neues, so dass ein täglicher
Haarausfall von 80 bis 100 Stück ganz normal ist. Unter Haarausfall verstehen
Hautärzte den Ausfall von mehr als 100 Haaren täglich über einen längeren
Zeitraum hinweg. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das essenzielle
Spurenelement Zink. Es ist an der Bildung von Keratin beteiligt, einem
Hauptbestandteil von Haaren, Haut und Nägeln. Zudem ist Zink an der Bildung und
Quervernetzung von Kollagen beteiligt. Kollagen verankert nicht nur das Haar in
der Haut, sondern ist auch für die Haarstruktur von Bedeutung. Zinkmangel, unter
dem in Deutschland viele Menschen leiden, kann sich beispielsweise in Alopecia
areata, dem kreisrunden Haarausfall, manifestieren.
Zinkreiche Lebensmittel sind Rindfleisch, Eier, Käse sowie Austern. Bei starkem
Haarausfall ist es ratsam, täglich 15 Milligramm Zink in einer für den Körper
gut resorbierbaren Form wie beispielsweise Zink-Histidin einzunehmen. Auch
Folsäure ist wichtig, da es eine zentrale Bedeutung für das Zellwachstum und die
Zellerneuerung hat. Die Zufuhr von Folsäure ist in Deutschland kritisch und
entspricht nur in seltenen Fällen den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung (DGE) e.V. Zu den Lebensmitteln, die an der Folsäurezufuhr
beteiligt sind, zählen vor allem grüne Blattgemüse, aber auch Obst,
Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
Das zu den B-Vitaminen zählende Biotin ist am Proteinstoffwechsel beteiligt und
somit für die Bildung der Eiweißstruktur der Haare notwendig. Bei Haarausfall
sollten mindestens 60 bis 90 Mikrogramm Biotin mit der Nahrung aufgenommen
werden. Eine Unterversorgung mit Eisen führt zu brüchigen Haaren, wohingegen
sich ein Defizit an Jod durch trockenes Haar äußern kann. Viele
Nahrungsinhaltsstoffe sind mit dem Haarwuchs verknüpft, so dass es notwendig
ist, dem Körper durch eine haargesunde Ernährung alle benötigten Substanzen zu
liefern. Neben der Ernährungstherapie des Haarausfalls muss jedoch auch die
medizinische Seite beachtet werden. So sollte beispielsweise abgeklärt werden,
ob beispielsweise eine Schilddrüsenfunktionsstörung vorliegt, die sich durch
Haarausfall bemerkbar machen kann.
Zufuhrempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe, die am Haarwuchs beteiligt
sind:
Empfohlene tägliche Zufuhr (D.A.CH. 2000)- Empfohlene tägliche Zufuhr bei
Haarausfall (GfED)
Nährstoff:
Biotin: 30-60 Mikrogramm // 60-90 Mikrogramm
Folsäure: 400 Mikrogramm-Äquivalent // 600 Mikrogramm-Äquivalent
Zink: 7-10 Milligramm // 15-30 Milligramm Zinkhistidin
Jod: 200 Mikrogramm // 200 Mikrogramm
Eisen: 10-15 Milligramm // 15 Milligramm
Protein: 0,8 Gramm // 1,0 bis 1,2 Gramm
Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik, Bad Aachen
Neuroblastom:
Folsäure halbiert Risiko
Nachdem die Bedeutung erhöhter Homocysteinwerte im Blut als kardiovaskulärer
Risikofaktor sowie als Ursache u.a. für die häufigste frühkindliche Missbildung,
die sog. Spina bifida, in den 90er Jahren durch eine wachsende Zahl von Studien
immer offenkundiger wurde, entschlossen sich einige Länder wie die USA, Kanada
und Ungarn, einem besonders weit verbreiteten Grundnahrungsmittel Folsäure
zusetzen zu lassen. Eine Analyse der Entwicklung der Inzidenz anderer
Erkrankungen, die bislang nicht mit Homocystein in Zusammenhang gebracht wurde,
kann bei entsprechendem Verlauf seit Einführung der Fortifikation wichtige
Hinweise darauf geben, dass Homocystein ev. auch bei weiteren Erkrankungen ein
pathogenetisch wichtiger Faktor sein könnte.
Diese Erkenntnis ist nicht zuletzt für die Entwicklung von spezifischen
Präventionsstrategien von Bedeutung, in denen es keine gesetzlichen Regelungen
zur Anreicherung eines Grundnahrungmittels mit B-Vitaminen gibt (dazu zählt auch
Deutschland). Kanadische Forscher untersuchten die Entwicklung der Anzahl der
Neuerkrankungen an einer Reihe von bösartigen Erkrankungen, die typischerweise
bereits bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten wie Neuroblastom,
lymphoblastische Leukämie und Hepatoblastom.
Zusammenfassung: Zugrundegelegt wurden die Daten der “Pediatric Oncology Group
of Ontario” (die etwa 95% aller auftretenden Krebsfälle im Kindesalter im Raum
Ontario in Kanada erfasst) vor und nach der Einführung der
Folsäurefortifikation. Während sich an der Inzidenz von lymphoblastischer
Leukämie und Hepatoblastom keine Veränderungen der Inzidenz beobachten ließen,
sank die Rate der Neuerkrankungen an Neuroblastomen von 1.57 Fällen auf 0.62
Fälle pro 10.000 Geburten im Gefolge der Folsäurefortifikation. Das entspricht
einem Rückgang der Inzidenz um etwa 60%.
Adresse zum Bestellen der Publikation: Dr. G. Koren, Hosp Sick Children, Div
Clin Pharmacol & Toxicol, Motherisk Program, 555 Univ Ave, Toronto, ON M5G 1X8.
(E-mail: gkoren@sickkids.ca)
Quelle: MEDICE
http://www.journalmed.de
Mehr
Folsäure, weniger Kochsalz und Junk
Food
Wie in den meisten anderen europäischen Ländern haben Übergewicht und
Fettleibigkeit in den letzten 20 Jahren auch in Deutschland dramatisch
zugenommen. Zunehmend sind Kinder und Jugendliche betroffen. Vertreter der
nationalen Behörden für Lebensmittelsicherheit sowie der Europäischen Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben deshalb am 13. Januar 2004 in Paris eine
engere Zusammenarbeit in Fragen der Prävention von ernährungsbedingten
Krankheiten vereinbart. Das Treffen erfolgte auf Einladung der Agence Francaise
de Sécurité Sanitaire des Aliments (AFSSA). Zentrale Themen waren die Vermeidung
von Bluthochdruck, Neuralrohrdefekten sowie Übergewicht bei Kindern und
Jugendlichen und der Erfahrungsaustausch über nationale Präventionsmaßnahmen.
Professor Andreas Hensel, Präsident des BfR, wertete das Treffen als wichtigen
Schritt hin zu einer effizienten Vernetzung der nationalen wissenschaftlichen
Einrichtungen. "Ernährungsrisiken", so Hensel, "gehören mit stofflichen und
biologischen Risiken von Lebensmitteln zu den zentralen Themen des
gesundheitlichen Verbraucherschutzes". Die Bewertung all dieser Risiken steht im
Mittelpunkt der Arbeit des Bundesinstituts für Risikobewertung.
Durch gezielte Initiativen wollen die europäischen Behörden und Institutionen
künftig dazu beitragen, dass Übergewicht und die damit assoziierten chronischen
Erkrankungen wie Bluthochdruck, andere Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes
mellitus auf nationaler und europäischer Ebene wirksamer bekämpft werden. Das
geht nicht ohne die Kooperation der Lebensmittelindustrie und die Hersteller von
Gemeinschaftsverpflegung (Caterer). Lösungsvorschläge, etwa zur Verringerung
hoher Kochsalzgehalte von Lebensmitteln und Speisen (einem der Risikofaktoren
für Bluthochdruck) können nur gemeinsam erarbeitet werden.
Erfahrungen liegen aus Deutschland vor: Seit hier 1988 die
Nährwert-Kennzeichnungsverordnung geändert wurde, können Hersteller und Caterer
sowohl für niedrige Kochsalzgehalte von Lebensmitteln als auch für reduzierte
Gehalte in bestimmten Lebensmitteln, wie Brot, Backwaren, Fertiggerichten,
Suppen, Kochwürste, Käse und Käseerzeugnisse, werben. "Neben einer Verringerung
der Salzzufuhr und Normalisierung des Körpergewichts", so Dr. Rolf Großklaus,
Leiter der Fachgruppe Ernährungsmedizin des BfR, der in Paris über die
Erfahrungen in Deutschland berichtete, "kann auch die Veränderung anderer
Lebensstilfaktoren zur Senkung von hohem Blutdruck wirksam beitragen". Mehr
körperliche Aktivität, mäßiger Alkoholkonsum, Verzicht auf Rauchen, Abbau von
Stress und reichlicher Verzehr von kaliumreichem Obst und Gemüse gehören dazu.
In Deutschland werden jährlich 600 bis 800 Kinder mit Neuralrohrdefekten
geboren. Eine hohe Folsäureaufnahme noch vor Beginn der Schwangerschaft kann
diese Zahl verringern. Deshalb sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter auf
eine ausreichende Folsäurezufuhr achten. Dies kann über natürlich folsäurereiche
Lebensmittel wie Obst und Gemüse und die ergänzende Einnahme von
Folsäurepräparaten oder auch über den Verzehr von mit Folsäure angereicherten
Lebensmitteln. Die Möglichkeit der Folsäureanreicherung von Lebensmitteln ist in
Deutschland freiwillig. Um die Wirkung von unterschiedlich hohen Anreicherungen
auf die Folsäureversorgung verschiedener Bevölkerungsgruppen besser abschätzen
zu können, arbeitet das BfR derzeit gemeinsam mit dem Berliner Robert
Koch-Institut und dem Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund, auf der
Basis existierender Verzehrsdaten an einer Risikobewertung. Darüber hinaus
empfiehlt das BfR, die individuelle Zusatzversorgung von Frauen im gebärfähigen
Alter mit Folsäure durch nationale Kampagnen zu fördern, um Neuralrohrdefekten
bei Neugeborenen damit noch gezielter vorzubeugen.
Die nationalen und europäischen Behörden haben die Ergebnisse ihres Treffens in
einer gemeinsamen Stellungnahme zusammengefasst.
http://www.journalmed.de
21.01.2004 Infos für Ärzte
Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Folsäure zur Reduktion des Hypertonierisikos
Folsäure hat einen günstigen Effekt auf die endotheliale Funktion und schient –
speziell bei jungen Frauen – mit einer Reduktion des Hypertonierisikos
assoziiert zu sein.
Dr. John P. Forman und Kollegen von der Harvard Medical School untersuchten den
Einfluss der Folsäureeinnahme auf das Risiko, an einer Hypertonie zu erkranken.
In die Nurses’ Health Study II wurden 93.803 junge Frauen zwischen 27 und 44
Jahren, in die Nurses’ Health Study I 62.260 Frauen zwischen 43 und 70 Jahren
eingeschlossen. Keine der Frauen hatte eine Hypertonieanamnese. Mittels
semiquantitativem Fragebogen erfassten die Autoren unter anderem Informationen
zur ernährungsbedingten Folsäurezufuhr und zur zusätzlichen Einnahme von
Folsäureprodukten, und zwar alle 4 Jahre. Primärer Endpunkt war das
Hypertonierisiko nach 8 Jahren Follow up.
Insgesamt trat bei 7.373 jungen Frauen und bei 12.347 älteren Frauen eine
Hypertonie auf. Junge Frauen, welche mindestens 1.000µg Folsäure pro Tag zu sich
nahmen, hatten im Vergleich zu weniger als 200µg Folsäure konsumierenden Frauen
ein deutlich reduziertes Hypertonierisiko (relatives Risiko 0.54). Bei älteren
Frauen betrug das relative Risiko für den gleichen Vergleich 0.82. Bei Frauen
mit tiefer natürlicher Folsäureeinnahme (<200 ug) war die gesamte Folsäurezufuhr
von > 800µg pro Tag ebenfalls mit einer Reduktion des Hypertonierisikos
assoziiert (RR 0.55 für junge Frauen und 0.61 für ältere Frauen).
Die Wissenschafter fassen zusammen, dass die regelmäßige Zufuhr einer höheren
Dosis Folsäure ist mit einem tieferen Hypertonierisiko assoziiert, insbesondere
bei jungen Frauen. www.medaustria.at 20.1.05
Quelle:
JAMA; 2005, 293: 320-329
Ernährungs-Tips für Schwangere
Sehr wichtig ist die Versorgung mit Mikronährstoffen wie
Jod
und Folsäure
FÜRTH (bib). Schwangere, die sich ausgewogen ernähren und außer reichlich Obst
und Gemüse ausreichend Fisch und Fleisch zu sich nehmen, tun sich und ihrem Kind
etwas Gutes - zumal die Ernährung einer Schwangeren die Gesundheit ihres Kindes
bis ins Erwachsenenalter beeinflussen kann.
Zur Versorgung mit Jod, Kalzium,
Eisen, Folsäure und anderen
Vitaminen, kann dabei auch eine zusätzliche Einnahme entsprechender Präparate
notwendig werden.
Den zusätzlichen Energiebedarf von im Mittel 285 Kilokalorien am Tag zu decken,
ist für Schwangere in Industrieländern meist kein Problem. Denn an
Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß mangelt es nicht. "Gefährdungen des Kindes
entstehen hier eher durch eine Hyperalimentation der Mutter", meint Dr. Bernd
Kleine-Gunk von der Euromed-Klinik in Fürth und verweist auf die oft
schwergewichtigen Neugeborenen von Müttern mit Diabetes (Gynäkologie und
Geburtshilfe 5, 2004, 22).
Bei Mikronährstoffen sieht es anders aus. So gibt es hierzulande etwa die
Empfehlung für alle Schwangere und Stillende, täglich 200 µg Jodid in
Tablettenform einzunehmen - nebst dem Rat, regelmäßig Seefisch zu essen und
jodiertes Speisesalz zu verwenden. Auch Folsäure sollte mit täglich 0,4 mg
substituiert werden.
Der Grund: Neuere Untersuchungen belegen, daß weniger als zehn Prozent aller
Frauen die empfohlene Mindestmenge an Folsäure pro Tag über die Nahrung
tatsächlich erreichen. Folsäure-Präparate sollten möglichst schon vor der
Empfängnis eingenommen werden. Nur so werde die kritische Phase für den
Verschluß des Neuralrohres zwischen dem 15. und 28. postkonzeptionellen Tag
abgedeckt, so Kleine-Gunk.
Ebenfalls wichtig für das sich entwickelnde fetale Nervensystem sind nach
Studien-Ergebnissen
Omega-3-
Fettsäuren. Daher der Rat des Experten: Regelmäßig Seefisch essen oder
Fischölkapseln schlucken!
Weiterhin gehören auf den Speiseplan von Schwangeren reichlich Milch und
Milchprodukte oder alternativ kalziumreiches Mineralwasser. Gibt es zu wenig
davon, besorgt sich der Fetus das für sein Skelett nötige Kalzium aus den
Knochen der Mutter. Die mögliche Folge ist dann eine Osteoporose.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher, ab dem vierten
Schwangerschaftsmonat pro Tag 1000 mg Kalzium zuzuführen. Kann dieser Bedarf
nicht über die Nahrung gedeckt werden, empfiehlt der Gynäkologe aus Fürth die
Einnahme von Kalzium-Präparaten.
Besonders bei Frauen, die sich überwiegend vegetarisch ernähren, kann es in der
Schwangerschaft zu Eisenmangel sowie Mangel an Vitamin B12 kommen. Eine
generelle Einnahme von entsprechenden Präparaten wird jedoch nicht empfohlen.
Indiziert sei eine solche Behandlung nur bei klinisch relevantem
Hämoglobin-Abfall, so Kleine-Gunk. Ärzte Zeitung, 24.01.2005
Erhöhte Zufuhr von Folsäure
ist gut für Herz und Hirn
Daten der Nurses Health Study
BERLIN (urm). Sinnvolle ernährungsmedizinische Maßnahmen zur
Gesundheitsprävention werden nach Ansicht von Professor Klaus Pietrzik in
Deutschland nicht in wünschenswertem Maße genutzt. Der Bonner
Ernährungswissenschaftler rechnet dazu etwa die Supplementierung mit Folsäure.
Denn mit einer Folsäure-Supplementation könne nicht nur Neuralrohrdefekten in
der Schwangerschaft vorgebeugt, sondern auch das kardiovaskuläre Risiko
nachhaltig gesenkt werden, sagte Pietrzik bei der Jahrestagung der Deutschen
Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
e.V. in Berlin.
So senke eine erhöhte Zufuhr von B-Vitaminen
und Folsäure die Homocystein-Spiegel deutlich - und zwar um so stärker, je höher
die Homocystein-Ausgangswerte seien. Das sei von Bedeutung, da eine
Hyperhomocysteinämie bekanntlich als ein unabhängiger kardiovaskulärer
Risikofaktor diskutiert werde.
Ein Indiz dafür, daß sich eine höhere Folsäurezufuhr tatsächlich günstig auf die
Gesundheit auswirkt, ergibt sich nach Angaben von Pietrzik aus der Nurses’
Health Study: Danach wiesen Frauen mit der niedrigsten Aufnahme von Folsäure und
Vitamin B 6 das höchste Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. So hatten
Frauen mit der höchsten Folat- und Vitamin-B-6-Aufnahme im Vergleich zu Frauen
mit der niedrigsten Aufnahme ein um 45 Prozent erniedrigtes Risiko, berichtete
Pietrzik bei einem von Orthomol veranstalteten Satellitensymposium.
Daß eine amerikanische Interventionsstudie zum Nutzen einer
Folsäure-Supplementierung kürzlich ein negatives Ergebnis ergab, kommt für
Pietrzik dennoch nicht unerwartet. Denn in den USA werden bereits seit 1998 die
Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert - und das mit offenbar gutem
Erfolg. Denn fortan sei die Schlaganfall-assoziierte Mortalität um
durchschnittlich 4,5 Prozent jährlich gesunken, so Pietrzik. Eine zusätzliche
Supplementierung bringe daher vermutlich keinen weiteren Nutzen.
Ärzte Zeitung, 21.01.2005
Folsäure
und
Vitamin B12 senken Frakturrisiko nach Schlaganfall
TAGAWA/JAPAN. Nach einem Schlaganfall ist das Risiko von Knochenbrüchen erhöht.
Eine mögliche Ursache ist der Anstieg des Homocysteinspiegels im Blut, der durch
eine Therapie mit Folsäure und Vitamin B12 gesenkt werden könnte. Eine im
amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2005; 293: 1082-1088) publizierte
Doppelblindstudie aus Japan bestätigt diese Hypothese mit einem sehr guten
Ergebnis, wenn auch die Editorialisten zur Zurückhaltung mahnen.
An der Studie, die am Mitate Hospital in Tagawa durchgeführt wurde, nahmen 628
Patienten teil, bei denen der Schlaganfall mindestens ein Jahr zurücklag und
noch eine residuale Hemiplegie bestand. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen
randomisiert. In einem Arm nahmen die Patienten täglich fünf Milligramm Folsäure
plus 1500 µg Vitamin B12 ein. An die Teilnehmer des anderen Studienarms wurden
Placebos verteilt.
Folsäure und Vitamin B12 werden für den Abbau von Homocystein in Methionin
benötigt. Die Therapie sollte deshalb zu einem Abfall des Homocysteinspiegels
führen, was auch der Fall war. Während im Placebo-Arm die Homocysteinspiegel um
31 Prozent anstiegen, fielen sie im Therapie-Arm um 38 Prozent. Das allein würde
noch keinen klinischen Vorteil bedeuten. Doch unter den Patienten, die mit den
beiden Vitaminen behandelt wurden, traten in den zwei Jahren der Nachbeobachtung
deutlich weniger Schenkelhalsfrakturen auf, nämlich sechs gegenüber 27 im
Placebo-Arm. Das ergibt unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den
Patienten eine Risikominderung um 80 Prozent (relatives Risiko 0,20:
95-Konfidenzintervall 0,08-0,50). Das absolute Risiko sank nach der Auswertung
der Gruppe um Yoshihiro Sato vom Mitate Hospital um 7,1 Prozent (3,6 bis 10,8
Prozent). Und die “number needed to treat” (NNT), also die Zahl der Patienten,
die behandelt werden müsste, um eine einzelne Hüftfraktur zu vermeiden, betrug
14 (9 bis 28), durchaus ein beeindruckendes Ergebnis.
Die Autoren ließen die Patienten auch ein Tagebuch führen, in dem diese die
Stürze notierten. Die Zahl war in beiden Gruppen gleich, so dass man vermuten
darf, dass das verminderte Frakturrisiko auf eine Verbesserung der
Knochenstabilität zurückzuführen war.
Für Joyce van Meurs und André Uitterlinden vom Erasmus Medical Center in
Rotterdam ist die Studie der erste Beweis, das durch erhöhte Homocysteinspiegel
das Frakturrisiko ansteigt (JAMA 2005; 293: 1121-1122). Dennoch sind die
Experten zurückhaltend in ihrer Bewertung. Sie fordern weitere klinische Studien
zur Effektivität und zu den biologischen Grundlagen der Wirkung.2. März 2005
http://www.aerzteblatt.de
Links zum Thema
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Abstract der Studie im JAMA
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Pressemitteilung JAMA
Folsäure
verjüngt das Hirn um Jahre - Vitamin verlangsamt
Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit
Senioren, welche die doppelte Menge der empfohlenen Folsäuredosis einnehmen,
bleiben geistig länger fit, so das Ergebnis einer Studie der niederländischen
Wageningen Universität.
Folsäure wirkt wie geistiges Anti-Aging. Sie ist beispielsweise in Erdbeeren
enthalten. Foto: dieBlen.de
Altern ist mit einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit assoziiert.
Forscher fanden nun heraus, dass die Verdopplung der empfohlenen Folsäuredosis
sich positiv auf das Gedächtnis auswirkt. Ihre Ergebnisse stellten die
Wissenschaftler beim derzeit in Washington abgehaltenen Jahreskongress der
Alzheimer Association vor.
Über 800 Personen zwischen 50 und 75 Jahren hatten über drei Jahre lang entweder
800 mg Folsäure oder Plazebo erhalten.
Ein Intelligenztest ergab, dass die Gedächtnisfunktionen mit der
Folsäureeinnahme so gut wie bei 5,5 Jahre jüngeren Personen waren.
Folsäure gehört zur Vitamin-B-Gruppe und ist in Orangen, Erdbeeren, fast allen
dunkelgrün blättrigen Gemüse- und Salatarten sowie in Bohnen enthalten,
allerdings in niedrigeren Dosierungen.
http://www.aerztlichepraxis.de
Folsäuremangel drückt Geburtsgewicht
Leidet die Mama in spe in der Frühschwangerschaft unter Folsäuremangel, läuft
sie Gefahr, ein Baby mit geringem Geburtsgewicht zur Welt zu bringen.
Schwangeren zuliebe sollten Nahrungsmittel mit Folsäure angereichert werden,
fordern britische Wissenschaftler. Foto: Berufsverband der Frauenärzte
Dass das Geburtsgewicht Neugeborener mit dem Folsäure-Spiegel der Mutter in
Zusammenhang steht, fanden Wissenschaftler der University of Newcastle,
Großbritannien, heraus. Sie hatten 1 000 Frauen und ihre neugeborenen Kinder
untersucht.
Besonders niedrige Folsäurespiegel im Blut wiesen rauchende Mütter auf. Dies
erklärt möglicherweise das häufig geringe Geburtsgewicht ihrer Kinder.
Folsäure sei bei jeder Schwangerschaft nicht nur wegen der Prävention von
Krankheiten wichtig, sondern auch für das Erreichen eines gesunden
Geburtsgewichts. Sie plädieren deshalb dafür, eine Reihe von Nahrungsmitteln mit
Folsäure anzureichern.
aerztlichepraxis.de
Folsäure kann Malignomen vorbeugen
Rom – „Folsäure beugt Krebs vor“. Das erklären Wissenschaftler der Unversita
Cattolicà Sacro Cuore in Rom. Sie veröffentlichten Ihre Ergebnisse Mitte Juni in
der Onlineausgabe der Fachzeitschrift „Cancer“. In gedruckter Form wird der
Artikel am 15. Juli in der Zeitschrift erscheinen.
Folsäure ist ein natürlich vorkommendes Vitamin (Vitamin B9). Es findet sich in
frischem Obst und Gemüse. Sie ist essentiell für eine Reihe von Reaktionen das
Nukleinsäure- und Aminosäuremetabolismus. Zu diesen zählen DNA-Synthese,
DNA-Reperatur und die Umsetzung von Homocystein zu Methionin. Hohe
Homocysteinspiegel stehen unter anderem in Verbindung mit Krebs und koronarer
Herzkrankheit.
Die Arbeitsgruppe von Giovanni Almadori am Institut für Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde der Universita Cattolicà Sacro Cuore, Policlinico Gemelli in Rom
untersuchte 43 Patienten mit unbehandelter Leukoplakie, einer Präkanzerose der
Kehlkopfschleimhaut. Die Probanden erhielten über einen Zeitraum von sechs
Monaten dreimal täglich fünf Milligramm Folsäure. Die Untersucher dokumentierten
alle 30 Tage das Ausmaß der Läsionen.
Nach sechsmonatiger Behandlung bestand bei zwölf Patienten (28 Prozent) eine
vollkommene Auflösung der Leukoplakie. Die Läsionen von 19 Patienten (44
Prozent) wiesen eine Reduktion um mindestens 50 Prozent auf. Bei zwölf Patienten
(28 Prozent) zeigte sich keine Reduktion der Läsionen, allerdings auch keine
Ausbreitung. Die durchschnittlichen Homocysteinspiegel der Probanden sanken
signifikant.
„Somit kommt Folsäure eine effektive kanzeropräventive Wirkung zu. Bisher
versprach der Einsatz von Retinoiden in Tests den größten Erfolg, als Medikament
Krebs vorzubeugen. Der Nachteil von Retinoiden ist die hohe Toxizität. Folsäure
hat zwar geringere Effekte, ist aber auch mit weniger Nebenwirkungen
assoziiert“, so die Wissenschaftler. /hil
www.aerzteblatt.de 16. Juni 2006
Deutsches Ärzteblatt
Links zum Thema
Abstract in Cancer
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/112652869/ABSTRACT
Universita Cattolicà Sacro Cuore
http://www.unicatt.it/
Larynxkarzinom: Folsäure bessert Leukoplakie
Dienstag, 13. Juni 2006
http://www.aerzteblatt.de/
Rom - Nach einer sechsmonatigen Folsäure-Substitution kam es in einer
Pilotstudie bei mehr als der Hälfte der Patienten zu einer Verkleinerung der
Leukoplakie, die eine Vorstufe des Larynxkarzinoms ist. Die Studie in Cancer
(2006; doi: 10.1002/cncr.22003) ist der erste Hinweis auf eine chemopräventive
Wirkung des B-Vitamins, als Beweis kann sie hingegen nicht herhalten.
Folsäure ist ein natürlicherweise vorkommendes B-Vitamin. Es ist in frischem
Obst und Gemüse enthalten, dass viele Menschen jedoch nur noch in geringen
Mengen verzehren. Die Bevölkerung in den Industrieländern gilt jedenfalls als
unterversorgt und es gibt Hypothesen, nach denen der Mangel an Folsäure die
Entwicklung von Leukoplakien fördert, deren Hauptverursacher indes das Rauchen
ist. Interessanterweise haben viele Menschen mit einer Leukoplakie einen
niedrigen Folsäurespiegel, was Onkologen der Katholischen Universität in Rom zu
einer offenen Studie veranlasste.
43 Patienten mit Leukoplakie (darunter 40 Raucher) wurden gebeten, täglich 5 mg
Folsäure einzunehmen. Der Erfolg war durchaus beachtlich. Nach einem halben Jahr
war die Leukoplakie bei 12 Patienten (28 Prozent) vollständig verschwunden. Bei
weiteren 19 Patienten (44 Prozent) war es zu einer Rückbildung gekommen. Die
Gesamtremissionsrate von 72 Prozent ist erstaunlich, sie ist indes weder Zeichen
eines Wunders noch belegt sie eine chemopräventive Wirkung der Folsäure.
Leukoplakien haben nämlich eine beachtliche Neigung zur Spontanremission. Um die
Wirkung einer Chemoprävention mit Folsäure zu belegen, die in dieser
Größenordnung wohl einzigartig in der Onkologie wäre, müssen die italienischen
Onkologen jetzt eine randomisierte kontrollierte Studie durchführen. /rme
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Abstract der Studie
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Pressemitteilung des Cedars-Sinai Medical Center
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Pressemitteilung von
Deutsches Ärzteblatt print
Zusammenfassung
Der Großteil der Bevölkerung erreicht mit der üblichen Ernährungsweise nicht die
zur Gesundheitsprävention empfohlene Zufuhr von Folsäure. Eine angemessene
Folatversorgung in der Frühschwangerschaft kann die Häufigkeit angeborener
Neuralrohrdefekte (Inzidenz circa 1,5/1 000 Schwangerschaften) um etwa 70 bis 75
Prozent senken, in etwa gleichem Maße werden auch Schwangerschaftsabbrüche
aufgrund pränatal erkannter Neuralrohrdefekte vermindert. Tatsächlich erhalten
aber nur wenige Frauen im gebärfähigen Alter eine wirksame perikonzeptionelle
Folatzufuhr. Eine Folatsubsupplementierung erst nach Eintritt der
Schwangerschaft, zum Beispiel aufgrund einer Tablettenempfehlung bei der
ärztlichen Schwangerschaftsberatung, ist für eine effektive Prävention meist zu
spät. Deshalb ist auch in Deutschland die gezielte Folsäureanreicherung von
Grundnahrungsmitteln (beispielsweise Mehl, Salz), wie sie in anderen Ländern
bereits praktiziert wird, dringend wünschenswert. Eine solche breitenwirksame
Verbesserung der Folsatversorgung lässt weitere gesundheitspräventive Effekte
für die Allgemeinbevölkerung erwarten, insbesondere auch eine Senkung der
Morbidität und Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Schlüsselwörter: Folsäuretherapie, Demenz, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte,
Prävention, Homocysteinstoffwechsel, Schwangerschaft
Folat ist ein wasserlösliches Vitamin, das in den 40er-Jahren des 20.
Jahrhunderts entdeckt und in seiner Struktur aufgeklärt wurde. Der Name Folat
leitet sich vom lateinischen Begriff „folium“, das Blatt, ab, da das Vitamin
zuerst aus Spinat isoliert wurde. Für die Vitaminwirkung sind verschiedene
Folatverbindungen verantwortlich.
Folsäure/Folat
Natürliche Folate bestehen aus einem Pteridin- und einem
para-Aminobenzoesäurering, an dessen Carboxylende bis zu acht Glutaminsäurereste
gebunden sind (Pteroylpolyglutamate). Neben der Länge der Glutamylkette
unterscheiden sich die natürlichen Folate im Hydrierungsgrad des Pteridinrings
sowie in der Bindung verschiedener C1-Einheiten an N-5 und N-10. Dagegen enthält
die synthetisch hergestellte, in Arzneimitteln und zur Nahrungsergänzung
eingesetzte Folsäure nur einen Glutaminsäurerest und zählt damit zu den
Pteroylmonoglutamaten. Außerdem ist sie die Form des Vitamins mit der höchsten
Oxidationsstufe.
Folatvorkommen in der Nahrung
Folate kommen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Vor allem
Blattgemüse weist einen hohen Gehalt auf. Gute Folatquellen sind Spinat, Salate,
Weißkohl, Tomaten, Orangen, Leber und Getreide. Mit der heute üblichen
Ernährungsweise werden frisches Obst und Gemüse in zu geringen Mengen verzehrt;
die Versorgung der Bevölkerung mit Folat ist unzureichend (25,
26).
Resorption und Stoffwechsel
In der Nahrung liegen Folate zum großen Teil als Pteroylpolyglutamate vor. Diese
müssen zunächst von einer Carboxypeptidase im Bürstensaum der Mukosazellen zu
Pteroylmonoglutamaten hydrolysiert werden, bevor sie im Darm hauptsächlich durch
aktiven Transport resorbiert werden. Die Resorption wird durch Glucose und Na+
stimuliert und folgt einer Sättigungskinetik, wobei ein pH-Wert von 6,0 am
günstigsten ist. Zu einem Teil erfolgt auch passive Diffusion (4).
Nach dem Transport von überwiegend nichtmethylierten Folaten zum
Hauptspeicherorgan Leber kommt es hier zur Umwandlung in die methylierte Form.
Der Weitertransport in die Zellen erfolgt vorwiegend als
5-Methyl-Tetrahydrofolat (THF) an Albumin und a-Makroglobulin gebunden. Nach der
Aufnahme in die Zellen wird 5-Methyl-THF demethyliert und in die
Polyglutamatform umgewandelt. An der Demethylierung sind die Aminosäure
Homocystein sowie ein Enzym, welches Vitamin B12 als Coenzym benötigt,
beteiligt. Die enge Verbindung des Folatstoffwechsels mit dem des Homocysteins
ist präventivmedizinisch sehr bedeutsam.
Täglich werden 10 bis 90 µg Folat von der Galle in den Darm ausgeschieden und
von dort nahezu vollständig rückresorbiert (enterohepatischer Kreislauf). Bei
normaler Folataufnahme werden täglich etwa 1 bis 12 mg in Form verschiedener
folatwirksamer Verbindungen wie 5-Methyl-THF und 10-Methyl-THF sowie inaktiver
Abbauprodukte wie Pteridin renal ausgeschieden. Die Bedeutung der fäkalen
Ausscheidung kann nicht beurteilt werden, da mit den Fäzes auch immer endogen
gebildete Folate aus der im Darm stattfindenden mikrobiellen Folatbiosynthese
ausgeschieden werden (4,
34).
Tetrahydrofolate und ihre Derivate sind Koenzyme für zahlreiche
Stoffwechselvorgänge. Sie fungieren als Akzeptor und Überträger von C1-Resten
wie Hydroxymethyl- und Formylgruppen und werden daher unter anderem bei der
Umwandlung von Serin in Glycin sowie im Histidin- und Tryptophanstoffwechsel
benötigt. Folate sind an der Purin- und Pyrimidinsynthese beteiligt. Sie sind
daher sehr wichtig für die DNA- und RNA-Synthese sowie für die Zellteilung
beziehungsweise Zellneubildung (4).
Auch bei der Methylierung von Homocystein zu Methionin wird eine C1-Gruppe
übertragen. In Form von S-Adenosylmethionin (SAM) ist Methionin selbst ein
wichtiger Methylgruppendonator. Bei SAM-abhängigen Methylierungsreaktionen
entsteht als Zwischenprodukt immer die schwefelhaltige Aminosäure Homocystein.
Homocysteinstoffwechsel – Homocystein kann in Abhängigkeit von Folat und Vitamin
B12 zu Methionin remethyliert oder in zwei Schritten unter Beteiligung von
Vitamin B6 zu Cystein transsulfuriert werden. Bei unzureichender Versorgung mit
Folat und/ oder den Vitaminen B12 und B6 wird der Homocysteinstoffwechsel
behindert, sodass es zum Anstieg der Homocysteinkonzentration im Blut kommen
kann (4).
Von verschiedenen Autoren werden unterschiedliche Grenzwerte für die Definition
erhöhter Homocysteinkonzentrationen angegeben. Die American Heart Association
hat den Zustand der Hyperhomocysteinämie durch folgende Konzentrationen im
Plasma definiert: 16 bis 30 mmol/L (moderat), 31 bis 100 mmol/L (mittel)
beziehungsweise > 100 mmol/L (schwer) (59).
Eine Konzentration von mehr als 10 mmol/L wird bei Personen mit prämaturen
kardiovaskulären Erkrankungen in der persönlichen beziehungsweise familiären
Anamnese bereits als kritisch angesehen (4).
Auch die D-A-CH-Liga (D-A-CH, Deutsche Gesellschaft für Ernährung,
Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für
Ernährungsforschung und Schweizerische Vereinigung für Ernährung) Homocystein
sieht bei Homodysteinwertenzwischen 10 und 12 mmol/L, sofern weitere
Risikofaktoren vorliegen, beziehungsweise allgemein ab 12 mmol/L Handlungsbedarf
(93).
Die Homocysteinkonzentration im Blut kann als ein Indikator für die
Folatversorgung herangezogen werden. Der Zusammenhang zwischen der Folat-/Folsäureversorgung
und dem Homocysteinspiegel wird unter anderem durch die im Folgenden zitierten
Studienergebnisse gestützt.
Ubbink et al. zeigten bereits 1993, dass Studienteilnehmer mit moderat erhöhtem
Homocysteinspiegel signifikant geringere Plasmakonzentrationen an Folat,
Cobalamin und Pyridoxal-5-Phosphat aufwiesen. Die Gabe eines Supplements mit 1
mg Folsäure, 12,2 mg Pyridoxal-HCL und 0,4 mg Cyanocobalamin normalisierte den
Homocysteingehalt des Plasmas (102).
Auch in einer bayerischen Studie von Rauh et al. korrelierte die
Homocysteinkonzentration invers mit der Konzentration von Vitamin B12 sowie
Folat im Blut, sowie positiv mit der fettfreien Körpermasse und der
Konzentration von Serumkreatinin (74).
Eine Meta-Analyse der Ergebnisse von zwölf randomisierten kontrollierten Studien
ergab, dass die tägliche Gabe von 0,5 bis 5 mg Folsäure eine mittlere Reduktion
des Homocysteinspiegels um 25 Prozent bewirkte (46).
Der Effekt konnte durch die zusätzliche Gabe von durchschnittlich 0,5 mg Vitamin
B12 um sieben Prozent verstärkt werden. Außerdem zeigte sich, dass die Reduktion
des Homocysteinspiegels bei hohen Ausgangskonzentrationen effektiver war.
Vitamin B6 hatte in den ausgewerteten Studien keinen Einfluss auf den
Homocysteinspiegel.
Eine gepoolte Analyse von Studien mit jungen Frauen zeigte, dass bei diesem
Kollektiv mit Homocysteinspiegeln von im Mittel 8 µmol/L die kombinierte Gabe
von Folsäure zusammen mit Vitamin B6 und/oder Vitamin B12 zu einer deutlicheren
Senkung des Homocysteinspiegels führte als die Gabe von Folsäure allein (12).
Im Zusammenhang mit erhöhten Homocysteinspiegeln werden aber auch genetische
Ursachen diskutiert: Stark erhöhte Homocysteinspiegel sind die Folge des
Defektes der Cystathionin-b-Synthase (Homocystinurie), während leicht erhöhte
Homocysteinspiegel bei Personen auftreten, die homozygot für die thermolabile
Variante des Enzyms Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) sind. Durch einen
Basenaustausch von C zu T ist die Aktivität des Enzyms bei diesen Genträgern
reduziert. Die homozygote Variante tritt weltweit bei etwa zehn Prozent der
Bevölkerung auf, was leicht erhöhte Homocysteinspiegel zur Folge hat. Circa 40
Prozent sind heterozygote Merkmalsträger und weisen keine erhöhten
Homocysteinspiegel auf.
Bioverfügbarkeit
Die Bioverfügbarkeit der in der Nahrung vorkommenden Folate variiert in
Abhängigkeit vom Mono-/Polyglutamatverhältnis in beachtlichem Umfang (4).
Während die Monoglutamate nahezu quantitativ resorbiert werden (> 90 Prozent),
ist die Bioverfügbarkeit der Polyglutamate mit circa 50 Prozent deutlich
geringer (27).
Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Österreichischen Gesellschaft
für Ernährung, der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährungsforschung und der
Schweizerischen Vereinigung für Ernährung (D-A-CH) wurde aufgrund der
unterschiedlichen Resorption der folatwirksamen Verbindungen der Begriff der
Folat-Äquivalente eingeführt, der in Anlehnung an die neue Praxis in den USA
folgendermaßen definiert wird: 1 mg Folat-Äquivalent wird gleichgesetzt mit 1 mg
Nahrungsfolat und entspricht 0,5 mg synthetischer Folsäure (Pteroylmonoglutaminsäure
[PGA]) (27).
Bedeutung von Folsäure für die Gesundheit
Schwangerschaft
Neuralrohrdefekte – Neuralrohrdefekte sind die häufigsten angeborenen
Fehlbildungen des Zentralnervensystems. Der Verschluss des Neuralrohres erfolgt
bereits vier Wochen nach der Konzeption (zwischen dem 22. und 28.
Schwangerschaftstag) beziehungsweise etwa sechs Wochen nach dem ersten Tag der
letzten Menstruation (52).
Bei Störungen des Neuralrohrschlusses kommt es zu Neuralrohrdefekten (NRD) wie
Spina bifida, teilweise mit Meningozele oder Meningomyelozele (Abbildung), zu
Anenzephalien und Enzephalozelen.
Kinder mit Anenzephalus haben praktisch keine Überlebenschancen. Lebend geborene
Kinder mit einer Spina bifida, Meningozele oder Meningomyelozele haben heute
gute Lebenschancen, wenngleich sie selbst bei optimaler Versorgung aufgrund
neurologischer Beeinträchtigungen häufig lebenslang behindert sind. Das Ausmaß
und die Folgen der neurologischen Störungen sind von der Lokalisation der
spinalen Läsion abhängig. Zwei Drittel der Kinder und Erwachsenen sind aufgrund
von Muskellähmungen rollstuhlabhängig. Sie zeigen Schädigungen der Extremitäten,
der Wirbelsäule sowie des harnableitenden Systems, und in etwa drei Viertel der
Fälle entwickeln sie auch eine Erweiterung der Hirninnenräume (Hydrozephalus).
In Deutschland werden jährlich etwa 470 bis 800 Säuglinge mit NRD lebend
geboren, die Häufigkeit liegt damit bei circa einem Fall pro 1 000 Neugeborenen.
Bei weiteren 500 Schwangerschaften erfolgt nach einer pränatalen Diagnose, die
meist durch Ultraschall gestellt wird, ein Abbruch der Schwangerschaft (4).
Bei Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt hatten, ist die
Wiederholungswahrscheinlichkeit bei einer weiteren Schwangerschaft um das zehn-
bis 20-fache erhöht (4,
79).
Bereits 1965 wurde die Rolle der Folsäure bei der Genese von NRD thematisiert (44).
Seit 1981 verdichten sich die Hinweise dafür, dass eine ausreichende Folat-/Folsäureversorgung
von Schwangeren während der kritischen Phase des Neuralrohrschlusses das Risiko
für Fehlbildungen des Neuralrohrs beim Embryo deutlich vermindern kann (18,
21,
91,
77,
100). Der Mechanismus für den protektiven Einfluss der Folsäure auf die
Entstehung von NRD ist noch nicht geklärt. Möglicherweise spielt das
neurotoxische Homocystein eine entscheidende Rolle (4).
Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gibt die Tatsache, dass der weit
verbreitete Genpolymorphismus C 677 T der Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR)
mit erhöhten Homocysteinspiegeln im Blut einhergeht und bei etwa zehn Prozent
der Normalbevölkerung zu finden ist, bei Müttern von Kindern mit Spina bifida
jedoch häufiger vorkommt (99).
Eine Reihe von Studienergebnissen bestätigen Vermutungen über einen Zusammenhang
zwischen der Zufuhr von Folsäure beziehungsweise der Nahrungsfolatversorgung und
dem NRD-Risiko sowohl für die Primärprävention als auch zur Senkung des
Wiederholungsrisikos.
- Fall-Kontroll-Studien: In vier von fünf Fall-Kontroll-Studien, in denen ein
Multivitaminpräparat mit Folsäure in einer Dosierung von 0,36 bis 0,8 mg pro Tag
perikonzeptionell verabreicht wurde, konnte eine Reduktion des NRD-Risikos um 35
bis 75 Prozent nachgewiesen werden (11,
66,
87,
109). In einer Studie wurde kein Zusammenhang beschrieben (61).
In einer irischen Fall-Kontroll-Studie wurde eine direkte
Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Folatgehalt der Erythrozyten und dem
Risiko für NRD gezeigt. Frauen mit dem niedrigsten Folatgehalt (< 150 mg/L) in
den Erythrozyten hatten ein achtfach höheres Risiko, ein Kind mit NRD zu
gebären, als Frauen in der Gruppe mit den höchsten Folatgehalten (22).
- Prospektive Kohortenstudien: In einer großen prospektiven Kohortenstudie
wurden Frauen in der 16. Schwangerschaftswoche befragt, ob sie Vitaminpräparate
mit oder ohne Folsäure eingenommen hatten. Eine Einnahme von folsäurehaltigen
Präparaten in den ersten sechs Wochen der Schwangerschaft ging mit einer
Risikoreduktion um 70 Prozent einher. Die Einnahme von Folsäure erst ab der
siebten Schwangerschaftswoche zeigte keine Risikoreduktion (62).
In einer anderen Studie mit 23 228 Frauen wurde mittels linearer Regression
berechnet, dass eine zusätzliche Zufuhr von 500 mg Folat-Äquivalenten pro Tag
(Berücksichtigung von Nahrungsfolat und Folsäure aus Supplementen) die Prävalenz
von NRD um 0,78 Fälle pro 1 000 Geburten reduzierte
(95-Prozent-Konfidenzintervall [CI] = 0,47 bis 1,09). Im Vergleich zu der Gruppe
der Frauen mit der geringsten Zufuhr an Folat-Äquivalenten (0 bis 149 mg/d) war
die NRD-Rate in der Gruppe mit der höchsten Zufuhr (> 1 200 mg/d) um 77 Prozent
verringert (p = 0,016 für linearen Trend) (63).
- Interventionsstudien: Czeizel et al. (21,
20) führten im Rahmen des Ungarischen Familienplanungsprogramms eine
randomisierte, placebokontrollierte doppelblinde Studie mit 5 502 schwangeren
Frauen durch. Eine Gruppe (n = 2 819) erhielt mindestens einen Monat vor der
Empfängnis sowie mindestens zwei Monate danach ein Multivitaminpräparat mit 800
mg Folsäure, die Kontrollgruppe bekam ein Präparat, das Kupfer, Mangan, Zink und
Vitamin C in Spuren enthielt. In der mit Folsäure supplementierten Gruppe trat
kein Fall von NRD auf, während in der Kontrollgruppe sechs Fälle beobachtet
wurden (p = 0,014) (21,
20). Die isolierte Gabe einer hohen Dosis an Folsäure (6 mg/d) senkte das
Risiko weniger effektiv als die Kombination von Folsäure mit anderen Nährstoffen
(19).
In Nordchina, einer Gegend mit hoher Inzidenz von NRD, führte bei Frauen im
gebärfähigen Alter die isolierte Gabe von 400 mg Folsäure pro Tag zu einer
Reduktion des NRD-Risikos um 79 Prozent. In Südchina, einer Region mit einer
deutlich niedrigeren Inzidenz von NRD, wurde durch diese Maßnahme eine Abnahme
um 41 Prozent beobachtet (7).
- Wiederholungsrisiko: An der multizentrischen Medical Research Council Vitamin
Study, die randomisiert und doppelblind durchgeführt wurde, nahmen 1 817 Frauen
teil, bei denen in einer früheren Schwangerschaft bereits ein NRD aufgetreten
war. Die Teilnehmerinnen erhielten täglich 4 mg Folsäure ohne oder mit anderen
Vitaminen und behielten dies im Falle einer Schwangerschaft in den ersten zwölf
Wochen bei. In der Gruppe der Frauen, die Folsäure isoliert oder mit anderen
Vitaminen erhalten hatten, war die Rate eines erneuten NRD um 72 Prozent
niedriger als in den Gruppen ohne Folsäurezufuhr (Placebo beziehungsweise
Multivitamine ohne Folsäure). Andere Vitamine als Folsäure zeigten keinen
protektiven Effekt (65).
In einer weiteren, nicht randomisierten Interventionsstudie hatten Frauen, die
bereits ein Kind mit NRD geboren hatten, ein um 86 Prozent geringeres Risiko
erneut ein Kind mit NRD zu bekommen, wenn sie in der Frühschwangerschaft ein
Multivitaminpräparat mit 360 mg Folsäure eingenommen hatten (90).
Laurence et al. und Vergel et al. konnten in zwei weiteren, jedoch kleineren
Interventionsstudien zur Sekundärprophylaxe mit 4 beziehungsweise 5 mg Folsäure
täglich (perikonzeptionelle Einnahme) Risikoreduktionen von 60 beziehungsweise
100 Prozent erzielen (54,
106).
Da nur etwa fünf Prozent aller NRD-Fälle Wiederholungsfälle sind (98)
und viele Frauen ihre Schwangerschaft erst feststellen, wenn die kritische Phase
der Neuralrohrentstehung bereits abgeschlossen ist, ist eine NRD-Prävention für
alle Frauen im gebärfähigen Alter, die eine Schwangerschaft planen oder nicht
sicher ausschließen können, wichtig.
Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten – Einige Untersuchungen weisen darauf hin,
dass durch eine perikonzeptionelle Folsäuresupplementierung möglicherweise auch
das Risiko für Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten reduziert werden kann. Als
mögliche Mechanismen werden eine gestörte Methylierung der DNA sowie teratogene
Wirkungen durch erhöhte Homocysteinspiegel diskutiert (105).
- Fall-Kontroll-Studien: In einer Fall-Kontroll-Studie wurde bei Frauen, die
perikonzeptionell ein folsäurehaltiges Multivitaminpräparat einnahmen, ein um 50
Prozent geringeres Risiko festgestellt, ein Kind mit Lippenspalte und/oder
Gaumenspalte zu gebären, wenn diese die einzige Fehlbildung war (88).
Der Zusammenhang zwischen Polymorphismen der Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR)
und dem Auftreten oraler Spalten wurde in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht.
Trägerinnen des Genotyps MTHFR 677 TT, die perikonzeptionell keine Folsäure
aufgenommen hatten oder eine geringe Folataufnahme über die Nahrung zeigten oder
auf die beides zutraf, hatten ein erhöhtes Risiko, ein Kind mit Lippen- und/oder
Gaumenspalte zu gebären (odds ratios [OR] = 5,9; 2,8 beziehungsweise 10,0). Fast
siebenfach erhöht war dieses Risiko für Mütter mit dem Genotyp MTHFR 1298 CC,
die keine Supplemente eingenommen hatten und wenig Folat über die Nahrung
aufnahmen (OR = 6,5) (105).
Bei dem Polymorphismus MTHFR A 1298 C ist die Aktivität des Enzyms ebenfalls
verringert, jedoch treten keine erhöhten Homocysteinkonzentrationen
beziehungsweise erniedrigte Folatspiegel im Plasma auf.
Hayes et al. konnten in einer weiteren Fall-Kontroll-Studie keinen Zusammenhang
zwischen einer perikonzeptionellen Supplementierung mit Folsäure und dem
Auftreten oraler Spaltbildungen demonstrieren (41).
- Interventionsstudien: Die Ergebnisse einer Interventionsstudie zeigen, dass
die tägliche Einnahme von 10 mg Folsäure plus einem nicht folsäurehaltigen
Multivitaminpräparat (Dosierung etwa in Höhe der empfohlenen Nährstoffzufuhr)
über mindestens zwei Monate vor sowie drei Monate nach der Konzeption das Risiko
der Wiederholung von Lippenspalten mit oder ohne Gaumenspalte um 65 Prozent
reduzierte (97).
Untersucht wurden 221 Mütter, die entweder bereits ein betroffenes Kind hatten
oder bei denen Mutter oder Vater selbst eine solche Fehlbildung aufwiesen. Die
Vergleichsgruppe bestand aus 1 901 Frauen mit einem erhöhten Risiko für ein Kind
mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte, die kein Supplement erhielten.
In einer Übersichtsarbeit zu den bisherigen Daten halten Hartridge et al. fest,
dass aussagekräftigere Untersuchungen nötig seien, um einen solchen Zusammenhang
zu beweisen (40).
Angeborene Herzfehler – Durch die Gabe von Folsäure beziehungsweise
folsäurehaltigen Multivitaminpräparaten scheint auch die Vermeidung angeborener
Herzfehler möglich. In der randomisierten Ungarn-Studie fanden Czeizel und Dudas
eine 52-prozentige Reduktion im Auftreten angeborener kardiovaskulärer Defekte
bei Kindern von Müttern, die perikonzeptionell folsäurehaltige
Multivitaminpräparate eingenommen hatten, im Vergleich zu denen, die ein Placebo
bekommen hatten (20).
In einer späteren Studie, die ebenfalls von Czeizel durchgeführt wurde, war die
Reduktion der Herzfehler signifikant; deutlicher sogar als für NRD (zitiert bei
64).
Eine im Vergleich zur Placebogruppe signifikante Reduktion des Risikos um 35
Prozent für Fehlbildungen der großen Gefäße zeigte sich in einer
Fall-Kontroll-Studie bei Kindern, deren Mütter perikonzeptionell folsäurehaltige
Multivitaminpräparate eingenommen hatten (86).
In einer bevölkerungsweiten Fall-Kontroll-Studie der Centers for Disease Control
(CDC) in Atlanta (USA) aus Daten von 1968 bis 1980 wurde eine signifikante
Risikoreduktion um 43 Prozent für Fehlbildungen der großen Gefäße festgestellt,
wenn ein (folsäurehaltiges) Multivitaminpräparat in der perikonzeptionellen
Phase eingenommen worden war. Die Autoren weisen darauf hin, dass sie die
Wirkung einzelner Komponenten des Präparates nicht untersuchen konnten (9).
Angeborene Fehlbildungen der Harnwege – Bei Müttern, die perikonzeptionell
Multivitaminpräparate nahmen, war das Risiko für Harnwegsfehlbildungen des
Kindes um 85 Prozent reduziert. Dafür wurden 118 Fälle des Washington State
Birth Defect Registers (1990 bis 1991) mit 369 Kontrollen ohne Fehlbildungen
verglichen (56).
Da die Entwicklung der Harnwege im Gegensatz zum Neuralrohr erst in der 16.
bis 20. Schwangerschaftswoche abgeschlossen ist, konnten Li et al. auch dann
noch einen Trend für die Reduktion von Fehlbildungen feststellen, wenn
folsäurehaltige Multivitaminpräparate erst im zweiten Trimester der
Schwangerschaft verabreicht worden waren.
Akute lymphoblastische Leukämie – Eine australische Studie erbrachte im Jahr
2001 das Ergebnis, dass eine Folsäuresupplementierung während der
Schwangerschaft möglicherweise das Risiko einer akuten lymphoblastischen
Leukämie des Kindes reduzieren kann. 83 Kinder mit lymphoblastischer Leukämie
und 166 Kontrollen wurden in die Untersuchung aufgenommen. Es zeigte sich, dass
die Einnahme von Eisen- und Folsäuresupplementen zur Anämieprävention von
Schwangeren das Risiko einer Erkrankung des Kindes an lymphoblastischer Leukämie
signifikant reduzierte (p = 0,0042). Nach Ansicht der Autoren scheint eher die
Folsäure als das Eisen protektiv zu wirken, da eine alleinige Eisengabe keine
positive Wirkung auf die Erkrankungshäufigkeit zeigte (96).
Trisomie 21 – Eine Hypomethylierung der DNA in der zentromeren Region begünstigt
eine Non-Disjunction und kann somit zu Trisomie 21 führen (64).
In der Ungarn-Studie von Czeizel et al. zeigten fünf Kinder der Kontrollgruppe,
aber nur zwei in der Vitamingruppe ein Down-Syndrom (wegen kleiner Fallzahl
nicht signifikant) (17).
Messungen des Homocysteinspiegels bei Müttern von Kindern mit Trisomie 21
ergaben durchschnittlich höhere Werte, und Mütter mit der MTHFR-Mutante C 677 T
auf einem oder beiden Genen zeigten eine 2,6-fach höhere Prävalenz von Kindern
mit Down Syndrom (95-Prozent-CI: 1,2 bis 5,8) (50).
Folsäureantagonisten und Schwangerschaft – Die Kausalität der Assoziation von
Folat/Folsäure und embryonalen Fehlbildungen wurde indirekt durch die
Beobachtung bestätigt, dass während der Frühschwangerschaft eingenommene
Folsäureantagonisten zum gleichen Fehlbildungsmuster führen, wie durch
Folsäuresupplementierung beziehungsweise ausreichenden Folatstatus verhindert
werden kann: Herzfehler, orale Spalten, Harnwegsfehlbildungen, Neuralrohrdefekte
(42,
43). Wie die Autoren in einer großen, multizentrischen Fall-Kontroll-Studie
gezeigt haben, beläuft sich das relative Risiko für die diversen Fehlbildungen
auf das vier- bis mehr als siebenfache der Kontrollgruppe.
Diese Beobachtungen müssten zur Konsequenz führen, dass Folsäureantagonisten
während der ersten drei Schwangerschaftsmonate nach Möglichkeit vermieden
werden. Ist die Einnahme zwingend nötig, sollte sie nur unter gleichzeitiger
Verabreichung von 5 mg Folsäure täglich erfolgen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Neben den gefäßschädigenden Einflüssen durch Hypertonie, Hyperlipidämie,
Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung und Stress wurde lange Zeit das
Cholesterin als Haupt-Risikofaktor der Atherosklerose diskutiert.
Auf diese altbekannten Faktoren können nach neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen aber nur 50 Prozent aller atherosklerotischen Erkrankungen
zurückgeführt werden. Inzwischen ist auch die Hyperhomocysteinämie als
unabhängiger Risikofaktor atherosklerotischer Erkrankungen anerkannt.
Homocystein als Risikofaktor – Erste Hinweise für einen Zusammenhang zwischen
erhöhten Homocysteinkonzentrationen im Blut und dem Auftreten von
Gefäßerkrankungen haben Patienten mit der angeborenen Stoffwechselerkrankung
Homocystinurie gegeben. Die dabei auftretenden hohen Homocysteinwerte können
schon in jungen Jahren zu atherosklerotischen Gefäßwandveränderungen und zu
Thrombosen führen, wodurch bereits im Vorschulalter Schlaganfälle auftreten
können (35,
59).
Aufgrund dieser Beobachtungen wurde die Bedeutung des Homocysteinspiegels als
Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung
untersucht.
Inzwischen ist dieser Zusammenhang durch die Ergebnisse von mehr als 20
Fall-Kontroll-Studien erwiesen. Das erhöhte Risiko einer koronaren Herzkrankheit
bei Personen mit Hyperhomocysteinämie ist in großen prospektiven Studien
untersucht worden.
So wurde in der Physicians´ Health Study aufgrund der Beobachtungen bei 14 916
Männern geschätzt, dass sieben Prozent der im Laufe von fünf Jahren
aufgetretenen 271 Herzinfarkte auf erhöhte Homocysteinspiegel zurückgeführt
werden konnten (92).
In der Framingham Heart Study wurde außerdem ein direkter Zusammenhang zwischen
erhöhten Homocysteinspiegeln und einer Karotisstenosierung gezeigt (84).
Eine von Boushey et al. 1995 veröffentlichte Metaanalyse von 38 zwischen 1988
und 1994 durchgeführten epidemiologischen Studien ergab, dass etwa zehn Prozent
des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen in der Bevölkerung auf einen
erhöhten Homocysteinspiegel zurückzuführen ist (10):
Eine Erhöhung des Homocysteinspiegels um 5 mmol/L ging mit einer
Risikosteigerung um 60 Prozent bei Männern und um 80 Prozent bei Frauen einher.
Das ist vergleichbar mit der risikosteigernden Wirkung einer um 0,5 mmol/L
erhöhten Cholesterinkonzentration. !
Auch die Auswertung des European Union Concerted Action Projects, einer Studie
mit 750 Fällen kardialer, zerebraler und peripherer Gefäßkrankheiten sowie 800
Kontrollen, führte zu vergleichbaren Ergebnissen (39).
Aufgrund der Resultate einer holländischen Studie mit 269 Thrombosepatienten und
gleicher Anzahl gesunder Kontrollen wird vermutet, dass erhöhte
Homocysteinspiegel auch einen Risikofaktor für venöse oder arterielle Thrombosen
darstellen. Diese Assoziation war bei Frauen stärker als bei Männern und stieg
mit dem Alter an (23,
70).
Der Mechanismus für die gefäßschädigenden Effekte hoher Konzentrationen an
Homocystein ist noch nicht geklärt. Diskutiert wird eine chemische Modifikation
von Lipoproteinen niedriger Dichte (LDL), die die Bildung von so genannten
Schaumzellen begünstigen kann. Außerdem trägt Homocystein vermutlich zur
Endothelzelldesquamation sowie zur Steigerung von Blutgerinnungsprozessen und
zur Verminderung der Fibrinolyse durch erhöhte Bindung von Lipoprotein(a) an
Fibrin bei (35,
72).
Zur Prävalenz erhöhter Homocysteinwerte in Deutschland liegen bisher keine Daten
vor. Im Rahmen eines Bayerischen Gesundheits- und Ernährungssurveys wurden eine
Gruppe von 257 Schulkindern sowie ihre Eltern untersucht. Eine moderate
Hyperhomocysteinämie (Hcy > 15 mmol/L) wurde bei sieben Prozent der Erwachsenen,
aber bei keinem der Kinder festgestellt. Männer wiesen signifikant höhere
Homocysteinspiegel auf als Frauen (p < 0,0001) (74).
Einfluss von Folsäure/Folat auf den Homocysteinspiegel und kardiovaskuläre
Erkrankungen – Ursachen einer erhöhten Homocysteinkonzentration können sowohl
Enzymdefekte als auch ein Mangel an den Vitaminen B6, B12 oder Folat sein.
In der Nurses’ Health Study, in der Amerikanerinnen 14 Jahre lang regelmäßig zu
ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem Gesundheitsstatus befragt wurden, zeigte
die Auswertung der Daten von mehr als 80 000 Teilnehmerinnen, dass Frauen mit
der niedrigsten Aufnahme an Folat und Vitamin B6 das höchste Risiko für eine
Herz-Kreislauf-Erkrankung aufwiesen. Frauen in der höchsten Quintile der Folat-
und Vitamin-B6-Aufnahme zeigten ein um 45 Prozent reduziertes Risiko für eine
Herz-Kreislauf-Erkrankung im Vergleich zu Frauen in der niedrigsten Quintile (78).
In einer weiteren großen epidemiologischen Studie aus den USA, der NHANES I
Epidemiologic Follow-Up Study mit 9 764 zu Studienbeginn gesunden Teilnehmern,
stand die Aufnahme von Folat mit der Nahrung signifikant invers in Beziehung zum
Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen sowie Schlaganfällen. Eine Zufuhr von
mindestens 300 mg Folat täglich bedeutete hier ein um 20 Prozent geringeres
Risiko für Schlaganfälle beziehungsweise ein um 13 Prozent niedrigeres Risiko
für kardiovaskuläre Erkrankungen im Vergleich zu Personen, die weniger als 136
mg Folat täglich aufnahmen (5).
Im Busselton Health Survey, einer Kohortenstudie des Jahres 1969 mit einem
Follow-up über ein Zeitraum von 29 Jahren, konnten die Daten von 1 419 Männern
und 1 531 Frauen keinen unabhängigen Zusammenhang zwischen Serum-
beziehungsweise Erythrozytenfolatkonzentration, Vitamin B12 im Serum und der
Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankungen liefern (48).
Neben methodischen Schwächen der Studie ist festzuhalten, dass Folat
beziehungsweise der direkte inverse Zusammenhang von Folatstatus und Mortalität
durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Vordergrund gestellt wurden; nicht die
mögliche Reduktion des Risikos für diese Krankheiten über die Senkung erhöhter
Homocysteinspiegel. Auch führt ein Folatmangel nicht zwangsläufig zu erhöhten
Homocysteinspiegeln.
Erste therapeutische Interventionsstudien mit Patienten nach operativen
Eingriffen an den Herzkranzgefäßen zeigten, dass die Senkung des
Homocysteinspiegels mit Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 die Restenose-Rate
sowie weitere Komplikationen verringerte (81,
82).
Wald et al. kamen in einer Metaanalyse aufgrund der Vergleichbarkeit der
hochsignifikanten Ergebnisse von genetischen Studien, in denen das Auftreten der
Mutation MTHFR C 677 T miteinbezogen wurde, und prospektiven Studien mit
unterschiedlichen Einfluss- und Fehlermöglichkeiten sowie den Resultaten erster
Interventionsstudien zu dem Schluss, dass die Beziehung zwischen Homocystein und
kardiovaskulären Erkrankungen kausal ist. Für eine Absenkung des
Homocysteinspiegels um 3 mmol/L durch Folsäuregaben errechneten die Autoren eine
Risikominderung für eine koronare Herzkrankheit um 16 Prozent (95-Prozent-CI: 11
bis 20 Prozent), für tiefe Venenthrombosen um 25 Prozent (95-Prozent-CI: 8 bis
38 Prozent) und für einen Hirnschlag um 24 Prozent (95-Prozent-CI: 15 bis 33
Prozent) (108).
Bereits 1995 berechnete man in den USA anhand der bis dato vorliegenden
Ergebnisse, dass durch eine verbesserte Folat-/Folsäurezufuhr die Zahl der
Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Personen über 45 Jahren um bis
zu 50 000 Fälle pro Jahr reduziert werden könnte (10).
Für Deutschland wurde auf der Grundlage dieser Zahl eine mögliche Reduktion um
bis zu 15 000 Todesfälle jährlich geschätzt, wobei einzelne
Interventionsmaßnahmen als unterschiedlich effektiv angesehen wurden (13).
Bei den Berechnungen wird von einem Nutzen einer Supplementierung mit Folsäure
bei einem Homocysteinspiegel > 10 mmol/L ausgegangen.
Anhand der dargelegten Studienergebnisse und der Tatsache, dass in Deutschland
im Jahr 2001 Kreislauferkrankungen für 47,2 Prozent aller Todesfälle
verantwortlich waren und damit Todesursache Nummer eins sind (94),
wird die mögliche Relevanz einer adäquaten Folat- beziehungsweise
Folsäureaufnahme deutlich, auch wenn die Ergebnisse großer Interventionsstudien
zu deren kardioprotektiver Wirkung noch ausstehen. Aufgrund des Mangels an
evidenzbasierten Daten sind bisher nur Analogschlüsse zu einem möglichen
präventiven Potenzial möglich. Die Ergebnisse von derzeit laufenden
Interventionsstudien bleiben abzuwarten.
Maligne Erkrankungen
Es wird diskutiert, ob Folat aufgrund seiner Bedeutung für die DNA-Methylierung
und die DNA-Strangstabilität über die Reparatur von DNA-Strangbrüchen vor
Krebserkrankungen schützen kann (4,
14). Die Bedeutung dieser Mechanismen wird durch die auf epidemiologischen
Untersuchungen beruhende Beobachtung gestützt, dass bei dem weit verbreiteten
Polymorphismus des Enzyms Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) das relative
Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken, erhöht ist. Ein inadäquater
Folatstatus spielt dabei eine entscheidende Rolle. MTHFR katalysiert die
Reaktion, die dafür entscheidend ist, ob Folat für die biologische Methylierung
oder für die Nukleotidsynthese verwendet wird (14).
Die Auswertung von 32 epidemiologischen Studien zum Thema Folat und
Krebserkrankungen zeigte einen inversen Zusammenhang zwischen der Folataufnahme
beziehungsweise dem Folatstatus und dem Risiko für kolorektale Karzinome und
(obwohl weniger eindeutig) Adenome (29).
Neben der Folatversorgung spielen offenbar auch der Alkoholkonsum und die
Methioninaufnahme eine Rolle, denn in einigen der ausgewerteten Studien stellte
eine niedrige Folataufnahme nur dann ein erhöhtes Risiko dar, wenn viel Alkohol
konsumiert wurde beziehungsweise die Methioninaufnahme gering war: So wurde
beispielsweise in der Nurses’ Health Study ein Zusammenhang zwischen niedriger
Folataufnahme und höherem Brustkrebsrisiko nur bei den Frauen beobachtet, die
täglich mindestens 15 g Alkohol aufnahmen (112).
In der Nurses’ Health Study, an der mehr als 88 000 Frauen teilnahmen, war die
Einnahme von Multivitaminpräparaten mit mehr als 400 mg Folsäure über einen
Zeitraum von mehr als 15 Jahren mit einer 75-prozentigen Risikoreduktion für
Dickdarmkrebs assoziiert (38).
In einer prospektiven Kohortenstudie wurde der Zusammenhang zwischen dem
Folatstatus und Pankreaskrebs bei 29 133 finnischen Rauchern im Alter von 50 bis
69 Jahren untersucht (95).
Einbezogen wurden 126 Personen, die während der Beobachtungszeit Krebs des
exokrinen Pankreas entwickelten, sowie 247 Kontrollen. Es wurde ein
signifikanter inverser Zusammenhang zwischen der Serumfolatkonzentration und dem
Risiko für Pankreaskrebs beobachtet.
Depressionen und Demenzzustände im Alter
In Deutschland leben gegenwärtig fast eine Million Demenzkranke; zwei Drittel
von ihnen sind von der Alzheimer Krankheit betroffen. Jährlich treten mehr als
200 000 Neuerkrankungen auf. Basierend auf Vorausberechnungen der
Bevölkerungsentwicklung (zunehmende Zahl älterer Menschen) wird davon
ausgegangen, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 auf mehr als
zwei Millionen Krankheitsfälle erhöht, sofern kein Durchbruch in der Prävention
und Therapie gelingt (24).
Hinweise einer möglichen präventiven Bedeutung von Folatverbindungen findet man
sowohl für kognitive Beeinträchtigungen im Alter, wie die Altersdemenz, als auch
für depressive Störungen. Studien weisen darauf hin, dass auch hier erhöhte
Homocysteinspiegel in der Pathogenese eine Rolle spielen könnten, sodass ein
Mangel an den Vitaminen B6, B12 und Folat mögliche Risikofaktoren darstellen (4).
Auch wenn Interventionsstudien noch fehlen, weisen epidemiologische Studien auf
Zusammenhänge zwischen der Folatversorgung und kognitiven Erkrankungen hin. In
der Framingham-Studie entwickelten von 1 092 Teilnehmern 111 eine Demenz. Eine
Hyperhomocysteinämie (Homocysteinspiegel > 14 mmol/L) war mit einem zweifach
erhöhten Alzheimerrisiko verbunden. Ein Anstieg der Konzentration um 5 mmol/L
führte zu einem signifikanten 40-prozentigen Anstieg des Demenzrisikos, während
das Alzheimerrisiko um 80 Prozent erhöht war (85).
Des Weiteren zeigte eine Studie mit 213 Patienten, die wegen depressiver
Störungen in medikamentöser Behandlung waren, einen signifikanten Zusammenhang
zwischen niedrigen Folatspiegeln und dem Auftreten melancholischer Depressionen.
Ein niedriger Folatstatus bedeutete hier außerdem eine verminderte Reaktion auf
das Antidepressivum. Ursache sind möglicherweise Störungen im
Einkohlenstofftransfer, die die Pathogenese depressiver Zustände beeinflussen (2,
32).
Folatversorgung in Deutschland
Empfohlene Zufuhr
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die verantwortlichen
Institutionen in Österreich und der Schweiz empfehlen gesunden Erwachsenen eine
tägliche Nahrungsfolatzufuhr von 400 mg (27).
In der Schwangerschaft wird eine höhere Zufuhr (600 mg/d) empfohlen, da der
Bedarf durch besondere physiologische Umstände, wie Wachstum von Uterus und
Embryo, erhöht ist. Dieser Wert stimmt mit den in den USA und Kanada gültigen
Empfehlungen überrein.
Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zur Senkung des
NRD-Risikos zusätzlich täglich 400 mg synthetische Folsäure aufnehmen, und zwar
mindestens vier Wochen vor dem Zeitpunkt der Empfängnis sowie im ersten Drittel
der Schwangerschaft. Hat eine Frau bereits ein Kind mit NRD geboren, wird die
zusätzliche Einnahme von 4 mg synthetischer Folsäure pro Tag empfohlen (27,
52)
Auch Kinder in der Wachstumsphase könnten aufgrund der Funktion der Folate einen
höheren Bedarf aufweisen. Wegen fehlender Untersuchungen zum Folatbedarf von
Kindern wurde die empfohlene Zufuhr allerdings auf Basis der für Erwachsene
erhobenen Befunde und Berücksichtigung weiterer Faktoren geschätzt.
Versorgungslage der Bevölkerung
Eine den Empfehlungen entsprechende Folatzufuhr wird durch die heute in
Deutschland übliche Kost kaum erreicht. Durch ausreichenden Verzehr von frischem
Gemüse und Obst (folatreich sind insbesondere Orangen beziehungsweise
Orangensaft) gemäß den Empfehlungen der Kampagne „Fünf am Tag“ ließe sich die
Folatversorgung für einen großen Teil der Bevölkerung deutlich verbessern.
Jedoch scheint die Mehrheit diesen Empfehlungen nicht nachzukommen. Hinzu kommen
mögliche Verluste des Folatgehaltes von Lebensmitteln zwischen 30 und 90 Prozent
durch Zubereitung (beispielsweise Kochen) sowie Lagerung (4).
Insgesamt stammt aber mehr als 60 Prozent der gesamten Folataufnahme aus
Lebensmitteln, die ohne weitere Zubereitung verzehrt werden, sodass der
Mittelwert der Zubereitungsverluste bei 35 Prozent liegt (27).
Nach Angaben des Ernährungsberichts 2000 beträgt die mittlere tägliche
Folatzufuhr bei männlichen Personen 235 mg und bei weiblichen Personen
214 mg. Dies entspricht 61 beziehungsweise 55 Prozent der empfohlenen Zufuhr.
Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen liegen die
mittleren Aufnahmemengen deutlich unter den Referenzwerten für eine
bedarfsgerechte Zufuhr. Bei den unter 19-Jährigen wird in allen Altersgruppen im
Schnitt nur circa die Hälfte der empfohlenen Werte erreicht (25,
26).
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Ernährungssurvey 1998, der als Teil des
Bundesgesundheitssurveys 1998 die Nährstoffversorgung der deutschen Bevölkerung
untersuchte und dabei auch die Folsäurezufuhr durch Nahrungsergänzungsmittel mit
einbezog, nicht aber die Aufnahme über angereicherte Lebensmittel. Unter
Berücksichtigung eingenommener Supplemente liegt der Median der Folataufnahme
mit 283 mg/d bei Männern beziehungsweise 238 mg/d bei Frauen immer noch deutlich
unter der empfohlenen Zufuhr. Nach dieser Studie nehmen 18 Prozent der Männer
sowie 25 Prozent der Frauen mindestens einmal pro Woche
Nahrungsergänzungsmittel. 24 Prozent der Männer sowie 27 Prozent der Frauen
erreichten aufgrund der regelmäßigen Einnahme von Supplementen durchschnittlich
die von der DGE empfohlene Zufuhrhöhe für Folat. Sofern spezielle
Folsäuresupplemente eingenommen wurden, erzielten 48 Prozent dieser Männer und
66 Prozent dieser Frauen die Zufuhrempfehlungen (6).
Häufig beschrieben wird ein Folatmangel bei Alkoholikern. Als Ursachen kommen
neben Fehlernährung vor allem verminderte Resorption und vermehrte Ausscheidung
infrage. Auch ein direkter toxischer Effekt des Alkohols auf den
Folatmetabolismus wird diskutiert (4).
Verschiedene Erkrankungen wirken sich ebenfalls auf die Bedarfsdeckung mit Folat
aus. Eine ungenügende Folataufnahme kann bei Patienten mit chronischer
Hämodialyse aufgrund besonderer Diäten mit folatarmen Nahrungsmitteln auftreten.
Auch kann es zur Abdiffusion während der wiederholten Hämodialyse kommen.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa,
Zöliakie) können eine gestörte Folatresorption zur Folge haben. Ein gesteigerter
Folatbedarf besteht daneben in verschiedenen (patho-) physiologischen
Situationen wie erhöhter Umsatz im Knochenmark bei chronischen Hämolysen.
Schließlich wird die Folatversorgung durch Interferenzen mit verschiedenen
Pharmaka beeinflusst, sodass die Bioverfügbarkeit beziehungsweise die Resorption
von Folat beeinträchtigt sein können (4).
Die häufig unzureichende Versorgungslage (unter anderem von jungen Frauen) wird
auch dadurch deutlich, dass eine Substitution mit Folsäure regelmäßig zu einer
signifikanten Senkung des Homocysteinspiegels führte (15,
16). Zur Diagnostik eines Folsäuremangels sind prinzipiell auch
Vitaminbestimmungen im Serum geeignet, wobei man sich bisher jedoch immer noch
an den klassischen Grenzwerten von 7 bis 8 nmol/L orientiert. Niedrige
Homocysteinspiegel (< 10 mmol/L) werden jedoch erst erreicht, wenn die
bisherigen Normwerte in etwa verdoppelt würden (circa 15 nmol/L) (55).
Für die Routinediagnose stehen unter ande-
rem Radioimmuno-, Chemilumineszenz- und Enzymimmunoassays zur Verfügung, die
vergleichbare Ergebnisse liefern.
Empfehlungen zur Supplementierung
In Anbetracht der Bedeutung einer ausreichenden Folatversorgung für Schwangere
zur Prävention von Neuralrohrdefekten und aufgrund der Tatsache, dass die
Zufuhrempfehlungen oft nicht erreicht werden, sprachen sich zahlreiche nationale
und internationale Gremien für eine Folsäuresupplementierung bei Schwangeren
beziehungsweise bei Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, aus.
Bereits 1995 empfahlen fünf wissenschaftliche Fachgesellschaften (Deutsche
Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe, Deutsche Gesellschaft für Humangenetik, Deutsche Gesellschaft für
Kinderheilkunde, Gesellschaft für Neuropädiatrie) in Deutschland die zusätzliche
Zufuhr von 400 mg Folsäure täglich für den Zeitraum von mindestens vier Wochen
vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft (52).
Obwohl die Autoren damals ausdrücklich die Notwendigkeit der Verordnung von
folsäurehaltigen Supplementen für Frauen im gebärfähigen Alter unterstrichen,
wurde auch auf die Möglichkeit der Anreicherung ausgewählter Grundnahrungsmittel
(wie zum Beispiel Brot) hingewiesen. Es wurde angeregt, neben der Bereitstellung
geeigneter Präparate verstärkt Informationskampagnen durchzuführen, um die
Bevölkerung über die für gebärfähige Frauen empfohlene zusätzliche
Folsäureeinnahme zu informieren (52).
Nur ein kleiner Teil der Frauen kommt der empfohlenen Supplementierung mit
Folsäure vor beziehungsweise zu Beginn der Schwangerschaft nach. Erschwerend ist
ferner, dass zum Zeitpunkt des Neuralrohrverschlusses viele Frauen noch gar
nicht wissen, dass sie schwanger sind. Doch auch bei gezielter Planung einer
Empfängnis wird die Empfehlung zur Supplementierung mit Folsäure nicht
ausreichend befolgt.
Zwei Jahre nach der Bekanntmachung der Empfehlung, perikonzeptionell zusätzlich
Folsäure aufzunehmen, gaben in einer Befragung von 253 Wöchnerinnen in München
nur 4,3 Prozent an, dieser Empfehlung in der Frühschwangerschaft nachgekommen zu
sein. Unter Berücksichtigung des Verzehrs folsäurehaltiger Multivitamingetränke
hatten insgesamt nur 8,6 Prozent perikonzeptionell ausreichend Folsäure erhalten
(37).
Auch andere Autoren bestätigen die mangelhafte Prophylaxepraxis, wonach nur sehr
wenige Frauen bereits vor der Empfängnis Folsäure zu sich nehmen (36,
80). Von 234 befragten Gynäkologen empfahlen 23 Prozent auch bei Feststellen
einer Schwangerschaft keine folsäurehaltigen Präparate (80).
Ausgehend von dieser unbefriedigenden Situation untersuchten Egen und Hasford
die Effektivität einer Intervention zur Information der Zielgruppen. In zwei
Querschnittsstudien wurden niedergelassene Gynäkologen (n = 24/27), Pharmazeuten
(n = 21/21) und Wöchnerinnen (n = 131/118) befragt. Zwischen beiden Erhebungen
erfolgte die Intervention, wobei die Gynäkologen einzeln angeschrieben, die
Apotheken persönlich besucht und die Öffentlichkeit durch Medienarbeit über das
Thema Folsäure und Schwangerschaft informiert wurde. Durch diese Maßnahmen
konnte die Zahl der Gynäkologen, die zur Supplementation rieten, signifikant
gesteigert werden (74 Prozent gegenüber 38 Prozent vorher, p < 0,05), dies galt
jedoch nicht für die Apotheker. Die perikonzeptionelle Folsäureaufnahme der
Frauen stieg von 3,8 Prozent auf 9,3 Prozent (p = nicht signifikant). Die
Kenntnis der Prophylaxe vor der Schwangerschaft war mit dem sozioökonomischen
Status korreliert und stieg durch die Intervention signifikant von 28 Prozent
auf 42 Prozent an. Gründe, dieses Wissen nicht umzusetzen, waren unter anderem
Ungeplantheit der Schwangerschaft, geringer Glauben an die Wirksamkeit und
mangelndes Erinnern (28).
Anreicherung von Lebensmitteln
Da ein großer Teil der Bevölkerung die Zufuhrempfehlungen für Folat nicht
erreicht und nur wenige Frauen im gebärfähigen Alter die Empfehlungen zur
Supplementierung von 400 mg Folsäure pro Tag befolgen, befürwortet die Deutsche
Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, zur Verringerung des
NRD-Risikos Lebensmittel gezielt mit Folsäure anzureichern (53).
In einigen Ländern wurden in den vergangenen Jahren bereits
Anreicherungsprogramme zur Verbesserung der Folatversorgung gestartet, um das
Auftreten von NRD zu reduzieren:
- In den USA sind seit 1998 alle Hersteller verpflichtet, standardisierte – also
bereits mit Mikronährstoffen angereicherte – Mehle, Brote, Brötchen,
Stärkemehle, Maisgrütze, Maismehle, Reis und Nudelprodukte zusätzlich mit
Folsäure anzureichern. Die Menge der zugesetzten Folsäure soll gewährleisten,
dass durch eine Portion des jeweiligen Lebensmittels zehn Prozent des
Tagesbedarfs an Folat gedeckt werden können. Darüber hinaus dürfen
Frühstückszerealien mit 400 mg Folsäure pro Portion angereichert werden.
Vollkornprodukte sind von der Anreicherung ausgenommen, da sie natürlicherweise
Folat enthalten (104).
Durch diese Maßnahme versprach man sich eine tägliche Mehraufnahme von im Mittel
100 mg Folsäure. Die tatsächliche Steigerung der Folsäurezufuhr lag jedoch bei
mehr als 200 mg/d (73).
Seit dem Zeitpunkt der Folsäureanreicherung wurde ein Absinken der NRD um 19 bis
23 Prozent berichtet (47,
60).
Die Auswertung von 24 populationsbasierten Erfassungssystemen für angeborene
Fehlbildungen in den USA ergab einen 31-prozentigen Rückgang bezüglich Spina
bifida (vor der Anreicherung versus obligatorische Anreicherung). Im gleichen
Zeitraum sank die Zahl von Anenzephalien um 16 Prozent, jedoch war nur bei Spina
bifida ein klarer zeitlicher Bezug zur Anreicherung gegeben (110).
Bei einem Teil der amerikanischen Bevölkerung wurden inzwischen sowohl höhere
Folat- als auch niedrigere Homocysteinspiegel beobachtet (49).
Die Zahl der tödlichen Herzinfarkte und Schlaganfälle sank 1998, dem Jahr der
flächendeckenden Anreicherung von Mehl, um circa 25 000 Fälle (3,4 Prozent)
gegenüber 1997 (68).
Hierbei ist anzumerken, dass aufgrund technischer Ursachen eine zweijährige
Vorlaufzeit bis zur Umsetzung der obligatorischen Maßnahme bestand, sodass
bereits vor 1998 angereicherte Produkte erhältlich waren.
- In Kanada gelten die gleichen Bestimmungen wie in den USA. In Nova Scotia
wurde seit Beginn der obligatorischen Anreicherung mit Folsäure ein Rückgang von
54 Prozent bei offenen NRD festgestellt, während zuvor die Empfehlungen zur
perikonzeptionellen Supplementierung keine signifikanten Auswirkungen hatten (Persad
et al. 2002). In der Provinz Ontario ging die Häufigkeit offener NRD seit der
Anreicherung von 1,13 auf 0,58 Fälle pro 1 000 Geburten zurück (p < 0,0001) (75).
- In Ungarn werden seit 1998 neben Folsäure (160 mg) auch 0,8 mg Vitamin B12 und
880 mg Vitamin B6 pro 100 g des zur Brotherstellung verwendeten Mehls zugesetzt.
Bei einem Verzehr von 200 g Brot wird so die tägliche Zufuhr um etwa 200 mg
Folsäure, 1 mg Vitamin B12 und 1,08 mg Vitamin B6 erhöht.
- In Chile wird seit Beginn des Jahres 2000 Weizenmehl mit 220 mg Folsäure pro
100 g angereichert, was bei einem Konsum von 200 g Brot pro Tag zu einer
zusätzlichen Aufnahme von 360 mg Folsäure führt.
In einer prospektiven Studie mit 108 Chilenen, die mindestens 70 Jahre alt
waren, wurde gezeigt, dass sechs Monate nach Beginn der Anreicherung die
Serumfolatspiegel im Vergleich zu vor der Anreicherung erhöht (p < 0,001) und
die Homocysteinspiegel um 11,7 Prozent erniedrigt (p < 0,001) waren. Die
Vitamin-B12-Spiegel im Serum hatten sich nicht geändert. Da zu Beginn der Studie
(vor der Anreicherung) etwa ein Drittel der Probanden einen subklinischen
Vitamin-B12-Mangel (< 165 pmol/L) aufwies, wird auf die Möglichkeit der
Maskierung eines Vitamin-B12-Mangels durch das Anreicherungsprogramm bei älteren
Menschen hingewiesen (45).
Die Folsäuremenge, die pro 100 g Mehl zugesetzt wird, ist in Chile höher als in
anderen Ländern. Wright et al. errechneten auf der Grundlage von Daten des
britischen Department of Health Committee on Medical Aspects of Food and
Nutrition Policy (COMA), dass bei einer Anreicherung mit 140 mg Folsäure/100g
Mehl 0,1 Prozent, bei 240 mg/100g bereits 0,6 Prozent und bei 280 mg/100g 1,5
Prozent der über 50-Jährigen mehr als 1 mg Folsäure/d aufnehmen würde.
Entsprechend würde auch die Zahl der Personen über 60 Jahren steigen, die diese
Menge bei bestehender undiagnostizierter makrozytärer Anämie durch
Vitamin-B12-Mangel erreicht (111).
1 mg entspricht der tolerablen Zufuhrmenge synthetischer Folsäure, bis zu der
das Risiko eines maskierten Vitamin-B12-Mangels vernachlässigbar ist.
- In der romanischen Schweiz reichert ein großer Müllereibetrieb das Brotmehl
aus eigener Initiative mit 300 mg Folsäure pro 100 g an. Um die gesamte
Bevölkerung zu erreichen, spricht sich die Arbeitsgruppe „Folsäure-Prophylaxe“
der Eidgenössischen Ernährungskommission der Schweiz für die Anreicherung eines
Grundnahrungsmittels als effektivster Form der Prophylaxe aus. Es wird
empfohlen, 3 mg Folsäure sowie 10 mg Vitamin B12 pro kg Mehl zuzusetzen, um bei
einem täglichen Mehlkonsum von 140 g unter Berücksichtigung möglicher Verluste
eine zusätzliche Zufuhr von 275 mg Folsäure sowie 1 mg Vitamin B12 zu erzielen (3).
- In Australien und Großbritannien wird die Maßnahme der Mehlanreicherung auf
freiwilliger Basis propagiert (3).
In Deutschland sind bisher viele Lebensmittel mit unterschiedlichsten Mengen
Folsäure angereichert. Dabei handelt es sich vor allem um Multivitamingetränke,
Milchprodukte, Frühstückszerealien und Brotbackmischungen sowie Speisesalz.
Mittlerweile steht eine Datenbank über angereicherte Lebensmittel zur Verfügung,
die Neuberechnungen zur Folatversorgung sowie eine Abschätzung des Beitrags
angereicherter Lebensmittel möglich macht. Ein entsprechendes Projekt wird
derzeit im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt. Da die Verzehrmuster der
genannten angereicherten Lebensmittel in der Bevölkerung unterschiedlich sind
(außer Salz), wird eine zielgruppengerechte Verbesserung der Folatversorgung
hiermit kaum erreicht. Auch hier würde eine fakultative Anreicherung
ausgewählter Grundnahrungsmittel (wie Mehl, Backwaren und Salz), die aufgrund
ihres in etwa gleich bleibenden Verzehrs eine regelmäßige ergänzende
Folsäurezufuhr sicherstellen würden, eher zielführend sein.
Anmerkungen zur Sicherheit
Bedenken in Bezug auf eine Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure
betreffen die mögliche Maskierung eines Vitamin-B12-Mangels, der in
subklinischer Form vor allem bei älteren Menschen auftritt. Die Beteiligung von
Vitamin B12 an der Remethylierung von Homocystein führt dazu, dass bei einem
Mangel an diesem Vitamin das Blutbild identische Veränderungen aufweist wie bei
Folatmangel. THF wird nämlich nicht mehr aus 5-Methyl-THF regeneriert und
entsprechend wird die Übertragung von Einkohlenstoffgruppen (Formylgruppe)
unterbunden. Es kommt zunächst zu hämatologischen Veränderungen, die durch hohe
Gaben synthetischer Folsäure (> 1 mg) kompensiert werden können. Zu den
hämatologischen Symptomen zählen zunächst übersegmentierte Granulozyten, später
makrozytäre, hyperchrome Erythrozyten. Nach länger bestehendem Mangel an Folat
oder Vitamin B12 entwickelt sich schließlich die so genannte megaloblastische
Anämie (4).
Die neurologische Komponente des Vitamin-B12-Mangels ist jedoch durch Folsäure
nicht beeinflussbar. Aufgrund dieser Zusammenhänge spricht man von der Gefahr
eines durch Folsäure maskierten Vitamin-B12-Mangels.
Daher setzte man in den USA den „tolerable upper intake level“ für die Aufnahme
synthetischer Folsäure auf 1 mg/d, da bis zu dieser Höhe die Gefahr der
Maskierung eines Vitamin-B12-Mangels vernachlässigbar ist (34,
71). Auch das Scientific Committee on Food der Europäischen Kommission (SCF)
hat für Folsäure einen „upper safe level of intake“ von 1 mg/d definiert (83).
Dagegen unterliegt die Zufuhr von Nahrungsfolat keiner Begrenzung (27).
Die britische Expert Group on Vitamins and Minerals (EVM) geht davon aus, dass
eine tägliche Zufuhr von 1,55 mg Gesamtfolat aus Supplementen (Folsäure) und
Nahrung (Folat) keine negativen Effekte hervorruft (31).
Davon abgesehen wurde bereits 1996 postuliert, dass auch bei älteren Menschen
der Nutzen einer Anreicherung von Lebensmitteln größer ist als das Risiko (101).
Eine mögliche zusätzliche Option würde in diesem Zusammenhang die Anreicherung
ausgewählter Grundnahrungsmittel mit Folsäure und Vitamin B12 darstellen.
Ein weiterer Punkt betrifft eine mögliche Interferenz mit antiepileptisch
wirkenden Medikamenten. Erhöhte Folsäuregaben (> 1 mg) können bei Epileptikern
epileptogen wirken und die Wirkung von Antiepileptika abschwächen (4).
Mögliche, hieraus resultierende Gefahren einer Anreicherung mit einer sinnvollen
Folsäuredosis werden aber als unwahrscheinlich eingestuft (71,
76).
In einer 2001 erschienenen Publikation wurde, unter anderem auf der
Basis einer Fall-Kontroll-Studie, der Verdacht geäußert, dass die
perikonzeptionelle Anwendung von Multivitaminen und Folsäure die Häufigkeit von
Mehrlingsgeburten erhöht (30).
Eine Untersuchung aus Norwegen zeigte, dass Frauen, die sich einer
In-vitro-Fertilisation unterziehen, häufiger Folsäurepräparate einnehmen und
auch häufiger von Mehrlingsschwangerschaften betroffen sind. Die Autoren warnen
davor, die Verwendung von Folsäurepräparaten mit dem Auftreten von
Mehrlingsschwangerschaften in Beziehung zu setzen, ohne die Rate von
In-vitro-Fertilisationen zu berücksichtigen. Nach dem Ausschluss von
Schwangerschaften durch In-vitro-Fertilisation zeigte sich nämlich, dass die
präkonzeptionelle Folsäureeinnahme mit keinem signifikant erhöhten Risiko von
Zwillingsgeburten einherging (107).
Eine ungarische randomisierte Studie zur Primärprävention von NRD, die ein
Multivitaminpräparat mit 800 mg Folsäure einsetzte, zeigte einen Anstieg der
Mehrlingsschwangerschaften von 1,38 Prozent auf 1,93 Prozent. Der Unterschied
war statistisch nicht signifikant (20).
In einer Kohortenstudie von Li et al. hatte die perikonzeptionelle Gabe von 400
mg Folsäure keinen erkennbaren Einfluss auf die Häufigkeit von
Mehrlingsschwangerschaften. Insgesamt gingen in die Auswertung die Daten von
etwa 127 000 Chinesinnen, die Folsäure eingenommen hatten, sowie die Angaben von
etwa 115 000 Chinesinnen ein, die keine Folsäure eingenommen hatten. Die
Häufigkeit der Mehrlingsschwangerschaften betrug in dieser Kohortenstudie 0,59
Prozent bei Folsäureeinnahme und 0,65 Prozent ohne Folsäureeinnahme (57).
Shaw et al. prüften, ob die Einführung folsäureangereicherten Mehls in den USA
im Januar 1998 zu einem Anstieg der Mehrlingsschwangerschaften geführt hat. Sie
analysierten mehr als 2 500 000 Geburten und kamen zu einem negativen Ergebnis (89).
Auch die Food and Drug Administration (FDA) verneint in einer Stellungnahme
einen Zusammenhang zwischen der perikonzeptionellen Gabe von Folsäure und
Mehrlingsschwangerschaften (33).
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es daher keine überzeugenden Hinweise, dass die
perikonzeptionelle Gabe von Folsäure oder Multivitaminen zu einer Zunahme von
Mehrlingsschwangerschaften führt.
Eine fakultative Anreicherung der Grundnahrungsmittel Mehl (100 mg Folsäure pro
100 g Brot) und Salz (100 mg Folsäure pro 1 g Salz) würde bei dem in Deutschland
üblichen durchschnittlichen täglichen Verzehr zu einer Mehraufnahme von Folsäure
von etwa 225 mg/d führen. Dies berech-
net sich folgendermaßen: Von einer durchschnittlichen Zusatzmenge im eigenen
Haushalt von 2 g Salz pro Tag geht etwa die Hälfte durch beispielsweise
Kochwasser verloren. Bei einer Resorption von 100 Prozent bedeutet dies für 1 g
Salz 100 mg Folsäure zusätzlich. Von 250 g Brot pro Tag, der in Deutschland
üblichen Verzehrmenge, wird etwa die Hälfte der Folsäure resorbiert, das heißt
etwa 125 mg. Für den Großteil der Bevölkerung kann die zusätzliche Aufnahme von
Folsäure in dieser Größenordnung durch Mehl und Salz als gesundheitlich
unbedenklich eingeschätzt werden.
Ob es bestimmte Bevölkerungsgruppen gibt, die aufgrund ihrer Verzehrmuster sehr
hohe Mengen synthetischer Folsäure aufnehmen würden und bei denen wegen des
gleichzeitigen Vorliegens weiterer Faktoren (zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel)
unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können, ist derzeit
Gegenstand einer Risikoabschätzung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR).
Fazit
- Die empfohlene Folatzufuhr wird in Deutschland mit der heute üblichen
Ernährungsweise von einem großen Teil der Bevölkerung nicht erreicht.
- Eine ausreichende Folat-/Folsäureversorgung kann die Häufigkeit von
Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen um 70 bis 75 Prozent senken (58).
Zudem könnten Schwangerschaftsabbrüche aufgrund pränatal diagnostizierter
Neuralrohrdefekte (0,5 auf 1 000 Schwangerschaften) um bis zu 70 bis 80 Prozent
vermieden werden.
- Die Zahl der Neuralrohrdefekte, die mit einer Häufigkeit von circa 1,5 pro 1
000 Schwangerschaften auftreten, ließe sich durch eine ausreichen-
de Folat-/Folsäureversorgung reduzieren.
- Nur wenige Frauen im gebärfähigen Alter folgen den Empfehlungen zur
perikonzeptionellen Folsäuresupplementierung zur Verringerung des NRD-Risikos.
Vor diesem Hintergrund ist eine gezielte Folsäureanreicherung ausgewählter
Grundnahrungsmittel (Mehl, Salz) – statt einer unkritischen Anreicherung einer
Vielzahl von Lebensmittelgruppen – auch für Deutschland wünschenswert. Sie wird
bereits von einer steigenden Zahl von Fachleuten gefordert, unter anderem von
der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und
Jugendmedizin (53,
51,
68,
99). Dabei ergeht diese Aufforderung an die Bundesregierung sowie Hersteller
von Lebensmitteln, angemessen zu reagieren. Einen entsprechenden
Forderungskatalog wird der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit erstellen.
Weitere positive Auswirkungen (Prävention angeborener Fehlbildungen, weniger
Schwangerschaftsabbrüche, wahrscheinlich geringere Mortalität durch
Herz-Kreislauf-Erkrankungen) könnten sich durch den breiten Einsatz ausgewählter
angereicherter Grundnahrungsmittel auch für die Allgemeinbevölkerung ergeben.
Im Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit sind die folgenden wissenschaftlichen
Fachgesellschaften und Institutionen vertreten:
Mitglieder:
– Bundesinstitut für Risikobewertung (vertreten durch Prof. Dr. H. Przyrembel
und A. Weißenborn)
– Deutsche Gesellschaft für Ernährung (vertreten durch Dr. A. Brönstrup)
– Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (vertreten durch Prof. Dr. A.
Weimann)
– Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (vertreten durch
Priv.-Doz. Dr. U. Hasbargen)
– Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (vertreten durch Prof. Dr. E.
Schwinger)
– Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (vertreten durch Prof. Dr. J. Stein)
– Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Ernährungskommission
(vertreten durch Prof. Dr. M. Lentze und Prof. Dr. B. Koletzko)
– Deutsche Physiologische Gesellschaft e.V. (vertreten durch Prof. Dr. F. Lang)
– Eidgenössische Ernährungskommission (CH) (vertreten durch Prof. Dr. K.
Baerlocher)
– Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt (vertreten durch Prof. Dr. V.
Steinbicker und Dr. C. Rösch)
– Geburtenregister Mainzer Modell (vertreten durch Priv.-Doz. Dr. A.
Queißer-Luft)
– Folsäure-Initiative Rheinland-Pfalz/ASbH (vertreten durch Dr. J. A. Ermert)
– Forschungsprojekt Pegasus (vertreten durch Prof. Dr. J. Hasford)
– Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung e.V. (vertreten durch Prof. Dr.
K. Pietrzik)
– Institut für soziale Pädiatrie und Jugendmedizin, Abteilung Pädiatrische
Epidemiologie (vertreten durch Prof. Dr. R. von Kries)
– Robert Koch-Institut (vertreten durch M. Thamm)
– Stiftung Kindergesundheit (vertreten durch Prof. Dr. B. Koletzko)
Gäste:
– Bundesministerium für Gesundheit (vertreten durch S. Sandring)
– Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
(vertreten durch Dr. A. Potz)
Manuskript eingereicht: 3. 12. 2003; revidierte Fassung angenommen: 4. 3. 2004
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im inne der Richtlinien des
International Committee of Medical Journal Editors vorliegt.
zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2004; 101: A 1670–1681 [Heft 23]
Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das beim
Verfasser erhältlich oder im Internet unter www.aerzteblatt.de/lit2304 abrufbar
ist.
Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Berthold Koletzko
Dr. von Haunersches Kinderspital
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
Lindwurmstraße 4
80336 München
E-Mail: Claudia.Wellbrock@med.uni-muenchen.de
Folsäure verbessert kognitive Leistungen im Alter
Wageningen - Die Gabe von Folsäure als Nahrungsergänzung verbessert bei älteren
Menschen mit dokumentiertem Folsäuremangel die kognitiven Leistungen. Dies geht
aus den jetzt im Lancet (2007; 369: 208-16) publizierten Ergebnissen einer
randomisierten kontrollierten Studie hervor. Sie wirft die Frage auf, ob eine
Anreicherung von Nahrungsmitteln wie in den USA oder Kanada sinnvoll wäre. Die
Editorialisten fordern weitere Studien.
In den USA wird seit 1988 dem Mehl Folsäure zugesetzt. Da fast alle Menschen
Mehlspeisen zu sich nehmen, ist der Anteil der Menschen mit einem Folsäuremangel
von 26 Prozent auf unter ein Prozent zurückgegangen. Auch die Rate der
Neuraldefekte bei Neugeborenen, deretwegen die Folsäure-Anreicherung eingeführt
wurde, ist rückläufig (um etwa ein Viertel nach einem Bericht in MMWR 2004; 53:
362-5). Dennoch ist bislang kein europäisches Land dem nordamerikanischen
Beispiel gefolgt. Auch in Deutschland ist die Idee nicht populär, obwohl
beispielsweise Experten des Robert-Koch-Instituts sie positiv bewerten. Zurzeit
wird nur Schwangeren oder Frauen mit Kinderwunsch dazu geraten, das
„Schwangerschaftsvitamin“ Folsäure einzunehmen.
Jetzt gibt es ein weiteres Argument für eine Mehlanreicherung mit Folsäure: In
der Folic Acid and Carotid Intima-media Thickness oder FACIT-Studie waren 818
Männer und Frauen im Alter von 50 bis 70 über 3 Jahre mit Folsäure (800
Mikrogramm pro Tag) oder Placebo behandelt worden. Eingeschlossen waren
Probanden mit erhöhten Homocystein-Konzentrationen im Blut, was ein Marker für
niedrige Folsäurespiegel ist. Homocystein ist auch ein Marker für die
Atherosklerose.
Das primäre Ziel der FACIT-Studie war, den Einfluss von Folsäure auf die
Atherosklerose an den Karotiden zu untersuchen. Die zerebrale Atherosklerose ist
aber ein Risikofaktor für Demenzerkrankungen, weshalb die Gruppe um Jane Durga
von der Universität Wageningen in den Niederlanden untersuchte, ob die Einnahme
von Folsäure sich auf die kognitive Funktionen auswirkt. Durga ist beim
Nestlé-Forschungszentrum in Lausanne beschäftigt, dem Sponsor der Studie.
Ein Abfall kognitiver Leistungen im Alter wird gewöhnlich mit der
Mini-Mental-State Examination gemessen. Dieses Instrument erwies sich allerdings
in früheren Studien als nicht geeignet, um eine positive Wirkung der
Folsäure-Supplementierung zu belegen. Eine Negativstudie wurde erst im letzten
Jahr publiziert (McMahon et al NEJM 2006; 354: 2764-2772). Dort zeigte sich auch
in einer Reihe weiterer Tests nach 2 Jahren kein Vorteil. In der FACIT-Studie
wurden hingegen signifikante bessere Leistungen in der
Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und im Gedächtnis gefunden.
Ob die günstigeren Ergebnisse durch die Verwendung anderer, vielleicht genauerer
Messinstrumente zustande kamen, dürfte Gegenstand von Diskussionen unter den
Fachleuten sein. Deren Ergebnis wird zeigen, ob die Idee der
Folsäure-Anreicherung neue Unterstützung erfährt. Die Editorialisten Martha
Clara Morris und Christine Tangney von der Rush Universität in Chicago bleiben
zurückhaltend. Sie fordern eine weitere Studie, in der die Patienten gezielter
nach ihrem Folsäuremangel und nicht dem Substitut Homocysteinämie ausgewählt
werden sollten. Interessant wären sicherlich auch Studien an Personen mit
erhöhtem Demenzrisiko, etwa Personen mit milder kognitiver Einschränkung (MCI
mild cognitive impairment), einem Frühstadium des Morbus Alzheimer.
www.aerzteblatt.de Deutsches
Ärzteblatt Links zum Thema
Pressemitteilung Lancet
http://www.thelancet.de/artikel/862779
Abstract in MMWR
http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm5317a3.htm
Abstract der Studie (nach kostenloser Registrierung)
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673607601093/abstract
Pressemitteilung des Robert-Koch-Instituts aus 2005
http://www.rki.de/cln_006/nn_527010/sid_1E07956AB53CCABD47AA2693EBCCF4DE/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2005/07__05.html__nnn=true
Abstract der Negativstudie
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/354/26/2764
DÄ-Archiv zum Thema Folsäure
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/treffer.asp?archivSchlagwort1=Fols%E4ure
22. Januar 2007
Genveränderte Tomaten mit viel Folsäure
WASHINGTON (dpa). Eine gentechnisch veränderte Tomate mit bis zu 25 Mal mehr
Folsäure als im herkömmlichen Gemüse haben US-Forscher produziert. Mit ein bis
zwei dieser Tomaten könne der Tagesbedarf eines Erwachsenen gedeckt werden, so
die Forscher.
Folsäure besteht aus Pteridin, para-Aminobenzoesäure und Glutaminsäure.
US-Forscher aus Gainesville in Florida veränderten zunächst eine Erbinformation
der Tomate so, dass in den Zellen 140 Mal so viel Pteridin gebildet wurde. Die
Folsäure-Menge verdoppelte sich in der Folge jedoch nur (PNAS-Online).
In einem zweiten Schritt veränderten die Forscher Erbmaterial, das für die
Synthese der para-Aminobenzoesäure wichtig ist. Die so entstandene Tomate
bildete bis zu 19 Mal mehr Folsäure. Dann kombinierten die Forscher die beiden
veränderten Tomaten-Linien - die Früchte enthielten daraufhin bis zu 25-fach
höhere Folsäure-Mengen, im Durchschnitt waren es 840 Mikrogramm je 100 Gramm
Fruchtfleisch. Aussehen und Größe der Tomaten veränderten sich nicht.
Ärzte Zeitung, 06.03.2007
Meta-Analyse: Folsaeure senkt
Schlaganfallrisiko
Chicago – Die Einnahme von Folsaeure senkt im Koerper
die Konzentration von Homocystein, einem
kardiovaskulaeren Risikofaktor. Nach einer
Meta-Analyse im Lancet (2007; 369: 1876-1882) koennte
Folsaeure deshalb Schlaganfaellen vorbeugen. Eine
Kommentatorin weist jedoch auf moegliche Risiken hin.
Die Idee, kardiovaskulaere Erkrankungen durch
Folsaeure vorzubeugen, hat in den letzten Jahren
verschiedene Rueckschlaege erlebt. Obwohl die
negativen Folgen erhoehter Homocysteinwerte in
Beobachtungsstudien immer wieder zutage traten und
Folsaeure zweifelsfrei in der Lage ist, die Homocysteinwerte zu senken, konnte in randomisierten
kontrollierten Studie niemals eine praeventive
Wirkung belegt werden. Im Gegenteil: Es gab sogar
Hinweise, dass die Rate der kardiovaskulaeren
Ereignisse ansteigen kann, wenn Folsaeure mit anderen
B-Vitaminen kombiniert wurde, wie Cynthia Carlsson
von der Wisconsin School of Medicine in Madison in
einem Kommentar (Lancet 2007; 369: 1841-1842)
schreibt.
Vor diesem Hintergrund muessen die Ergebnisse der
Meta-Analyse von Xiaobin Wang von der Feinberg
School of Medicine in Chicago mit Vorsicht
interpretiert werden. Wang geht davon aus, dass
Folsaeure eine spezifische praeventive Wirkung auf
Schlaganfaelle hat und fuehrt dazu die Ergebnisse
einer Meta-Analyse aus acht randomisierten
kontrollierten Studien an. Sie ergeben eine
grenzwertig signifikante Reduktion der
Schlaganfallfrequenz um 18 Prozent (relatives Risiko
RR 0,82; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68-1,00),
die in einigen Subgruppen deutlich hoeher war.
Am meisten wuerden danach Menschen profitieren,
welche die Supplemente laenger als 36 Monate
einnehmen (RR 0,71; 0,5-0,87), bei denen der Homocysteinspiegel um mehr als 20 Prozent gesenkt
wird (RR 0,77: 0,63–0,94) und die in Laendern leben,
in denen das Mehl nicht mit Folsaeure angereichert
ist (RR 0,75; 0,62-0,91). Eine guenstige Wirkung
wurde auch in der Primaerpraevention erzielt, also bei
Personen ohne Schlaganfall in der Vorgeschichte (RR
0,75; 0,62-0,90).
Diese Daten moegen in sich ein plausibles Bild
ergeben, doch angesichts der moeglichen Risiken
fordert die Kommentatorin Carlsson eine erneute randomisierte kontrollierte Studie, bevor zur
langfristigen Einnahme “von vormals als sicher
eingestuften” Vitaminsupplementen geraten werden
koenne.
www.aerzteblatt.de 1. Juni 2007
Links zum Thema
Abstract der Studie im Lancet
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS014067360760854X/abstract