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Vitamin B Gruppe - Homocystein

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Hochleistung für den Körper   Übersicht über die B-Vitamine
Die große Gruppe der B-Vitamine gehört zusammen mit Vitamin C zu den wasserlöslichen Vitaminen. Ohne die Faktoren der Vitamin-B-Gruppe läuft so gut wie nichts in unserem biochemischen Stoffwechselbetrieb. Die Vitamine des B-Komplexes stellen keine einheitliche Klasse dar, sie sind vielmehr chemisch und pharmakologisch völlig verschiedene Substanzen. Dagegen entstammen die meisten B-Vitamine den gleichen Nahrungsquellen: Leber, Vollkorn, Milchprodukte, Bierhefe, Melasse. B-Vitamine aus Bierhefe und Melasse sind nur gut für Menschen, bei denen nachgewiesenermaßen keine übermäßige Pilzbesiedlung im Darm herrscht. In der Natur tauchen einzelne B-Vitamine niemals isoliert in der Nahrung auf: Im Feldsalat sind neben der Folsäure auch andere Mitglieder des B-Komplexes vertreten. Wohl aus diesem Grund wirken B-Vitamine auch im Verbund. Es macht also keinen Sinn, sich mit einem einzigen B-Vitamin aus der Apotheke zu versorgen. In den 70 Billionen Körperzellen, aus denen der Mensch besteht, brauchen alle Stoffwechselfunktionen B-Vitamine zum Ab- und Umbau von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten.Wenn B-Vitamine fehlen, entsteht Streß, Reizbarkeit, Nervosität und Konzentrationsmangel. Die Nervenzellen sind betroffen, aber auch die von der Arbeit der Nervenzellen abhängigen Muskeln, die Organe des Verdauungsapparates, Leber, Augen, Mund, Haut und Haare. In einer gesunden Darmschleimhaut kann ein Teil der B-Vitamine hergestellt werden. Daher schadet alles, was die Darmschleimhaut angreift: Zucker, Coffein, Alkohol, Nikotin, Durchfälle oder chronische Entzündungen im Darm.Wie wichtig eine gesunde Darmschleimhaut ist, zeigt auch ihre Größe: Wenn alle Windungen und Verästelungen des Dünn- und Dickdarmes ausgebreitet werden könnten, würden sie die Fläche eines Tennisplatzes abdecken. Über diese Fläche werden alle Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aus der Nahrung aufgenommen und dem Stoffwechsel zugeführt. Der Bedarf an B-Vitaminen ist demnach bei Menschen gesteigert, die viel Süßes essen, Kaffee und Alkohol trinken, Sport treiben, von Muskel- oder Nervenschmerzen gequält sind oder unter starkem seelischem Streß stehen. Bei diesen Belastungen sollten B-Vitamine zusätzlich zur Nahrung eingenommen werden.

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Katarakt und Vitamine Canberra 11-03-2000(Xinhua): Eine australische Studie mit 3000 Teilnehmer zeigte, dass Vitamin B
vor altersbedingtem Katarakt schützen, da der Linsenkern offensichtlich empfindlich auf Nährstoffdefizite reagiert. Die Vitamine B1, B2, B3 wie auch Eiweiß und Antioxidantien inkl. Vitamin A sind wichtige augenschützende Nährstoffe. In der Gruppe der besten Nährstoffversorgung halbierte sich die Kataraktrate
gegenüber der mit Nährstoffdefizit.



Wechselwirkungen :
( - ) beeinträchtigen die Aufnahme
( + ) fördern die Aufnahme

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Vitamin B1
Syn.: Thiamin, Aneurin
wasserlösliches, hitze-, alkali- u. O2-labiles Vit. (Formel); unentbehrlich für den Kohlenhydratstoffwechsel (als »Cocarboxylase«
prosthet. Gruppe in Enzymen für Pyruvatdecarboxylierung, Bildung von Acetyl-CoA, von Bernsteinsäure im Krebs* Zyklus; s.a. Thiamin…), beteiligt an Acetylcholin-Bildung. Wird weder gespeichert noch als Überangebot resorbiert; v.a. in der Leber in Pyrophosphatform (Coenzym) übergeführt u. in der Niere dephosphoryliert (Harnexkretion 50 <my>g/24 Std. als freies u. als Sulfatester). Bei Mangel infolge Minderangebots oder Resorptionsstörung Blockade der Transketolasereaktion in Erythrozyten mit Anstieg der Pentosephosphate auf 3fache Normwerte, erhöhter Pyruvat- u. Lactatblutspiegel, vermind. Harnexkretion:
Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Tachykardie (im EKG: kleines T), Wasserhaushaltsstörung, neurol. Symptome (periphere Lähmungen, Hypo- bis Atonien; Konzentrationsschwäche, evtl. Depression), bei schwerer Ausprägung Beriberi, beim Alkoholiker Wernicke* Pseudoenzephalitis, Korsakow* Syndrom, Delir; Therapie: orale Tagesgaben von 20-30 mg B1. - Natürliches Vork. in Getreide (Keimling, Hülle), Hülsenfrüchten, tier. Leber, Muskelfleisch, Hefe; wird auch ernährungsabhängig im Darm mikrobiell synthetisiert. - Als B1-Antagonisten die »Antivitamine« Amprolium, 2-Methylthio- u. Oxypyrithiamin sowie natürl. »Thiaminasen«, Zimtsäure-Derivate etc. Ohne Vitamin B1 können Kohlenhydrate nicht abgebaut werden - es ist also wichtig für die Energieversorgung des Körpers. Thiamin ist wichtig für:

       Nerven
       Herz
       Muskeln
Ein Mangel führt zu:                  Konzentrationsschwäche
                                                Müdigkeit
                                                Beri-Beri (Störungen der Muskel- und
                                                Nervenerregbarkeit, Lähmungen, Krämpfe)
Spuren von Vitamin B1 sind praktisch in allen Lebensmittel enthalten. Um den Tagesbedarf von 1,4 - 1,6 mg zu decken,
reicht das jedoch nicht aus. Gute Vitamin B1-Lieferanten sind Vollkornprodukte, Hülsefrüchte, Schweinefleisch, Nüsse,
Kleie und Sonnenblumenkerne.
Beriberi, eine Nervenkrankheit, basiert auf akutem Thiamin Mangel. Thiamin fördert den Kreislauf, hilft bei der Blutbildung, dem Kohlenhydrat-Stoffwechsel und der Produktion von Salzsäure für die Verdauung. Wichtig für Haut, Mund, Augen, Haare, Herz, Nervengewebe, Muskeln, Lernfähigkeit, Wachstum. Stabilisiert den Appetit. Delirium hängt mit B1 Mangel zusammen, bei Kindern kann B1 Mangel Infektionen vortäuschen.
( - ) Tabak, Stress, Fieber, Kaffee, Alkohol, rohe Muscheln, Operationen, Antibiotika, "Sulfa"-Medikamente,
       Entwässerungspillen und Anti-Babypillen.
( + ) B- Komplex, Schwefel, Mangan, Niacin, B2, Folsäure, C, E.
Als Nahrungsergänzung werden täglich 100 -200mg empfohlen

Vitamin B1Vitamin B1 (Thiamin) dient Nerven, Herz, Muskeln und dem Stoffwechsel der Kohlenhydrate. Bei Mangel: Leistungsabfall, Nervosität, Kopfweh, Herzstörungen, Verdauungsstörungen, Krämpfe, Lähmungen.
Vitamin B1 ist vorwiegend enthalten in: Vollkomprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Schweinefleisch, Geflügel. Thiamin kann im Körper nicht gespeichert werden. Deshalb sollte die tägliche Zufuhr an Vitamin B1 auch 1,3 bis
1,6 mg betragen (1,2 mg = 250 Gramm Haferflocken).

     

Die heitere Seite des Vitamin B1: extrovertiert durch Mangel
Heseker, H et al: Psychische Veränderungen als Frühzeichen einer suboptimalen Vitaminversorgung.  Ernährungs-Umschau 1990/37/S.87-94
Die Autoren rekrutierten gut 1.000 junge Erwachsene, weil diese als schlecht mit Vitaminen versorgt gelten, unterzogen sie  etwa einstündigen psychologischen Tests und korrelierten die Ergebnisse mit denen der Blutuntersuchungen (Vitamine A, E,  B1, B2, B6, B12, C, Folsäure). In die "Mangelgruppe" kam, wessen Blutwerte unterhalb der 5er Perzentile aller Meßwerte  lagen. Es folgte eine achtwöchige Supplementierung, bei der etwa die Hälfte der Probanden ein Placebo, die anderen ein  Multivitaminpräparat erhielten. Danach wurden die Blutuntersuchung und die psychologischen Tests wiederholt.  Etwas enttäuscht vermelden die Autoren, daß "für die Mangelgruppe nur auf einer geringen Anzahl psychometrischer Skalen  signifikant ungünstigere Befunde" zu verzeichnen waren. Dennoch schließen sie, daß eine unzureichende Vitaminbedarfsdeckung  unmittelbar "mit einem verminderten Wohlbefinden ... einer erhöhten emotionalen Gereiztheit ... und einem gesteigerten  Angstempfinden" einhergeht. Langfristig werde ein Vitamindefizit "von erhöhter Nervosität und Depressivität sowie größerer  Extraversion begleitet". Die Tests im Anschluß an die Supplementierung zeigten bei keinem der psychometrischen Befunde  eine Verbesserung. Unter Einbeziehung der Ausgangsversorgungslage habe man dann aber doch Effekte gefunden, bei  Folsäure, Vitamin C "und in eingeschränktem Maße bei Thiamin". Die Daten dazu werden leider nicht mitgeteilt.

Futter fürs Hirn: Mit der richtigen Ernährung lassen sich Intelligenz, Leistungsfähigkeit und Ausgeglichenheit steigern. Das haben amerikanische Wissenschaftler bei einer neuen Studie herausgefunden, berichtet die Zeitschrift «FAMILIE&CO» in ihrer neuen Ausgabe. Wissenschaftler der Stanford-Universität haben zum Beispiel herausgefunden, so die Zeitschrift, dass ein Mangel an Thyamin (eines der B-Vitamine) gezielt graue Zellen absterben und das Gehirn schrumpfen lassen. Andere Studien belegten, dass Zink das Hirn wachsen lassen könne, wie etwa auch die Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Fisch zu finden sind. Kohlenhydrate machten ruhig und gelassen, Proteine wach  und aufmerksam. (dpa, 19.06.2000)



Vitamin B2
Syn.: Riboflavin, Lactoflavin
alkali- u. lichtempfindliches Vit., in Lsg. gelbgrün fluoreszierend (Formel); wichtig als Wirkgruppe (FMN, FAD) der Flavinenzyme. Nahrungs-B2 wird nach Phosphorylierung in der Darmwand resorbiert; bei Mangel Ektodermschäden (u.a. Linsentrübung, Keratitis, Korneavaskularisation), neuroveget. u. urogenitale Störungen (s.a. Ariboflavinose). Hemmung durch strukturähnl. B2-Antagonisten (mit ersetzten Methylgruppen z.B. Dichlorriboflavin, mit an N10 veränderter Ribityl-Seitenkette z.B. Galaktoflavin, mit verändertem Pyrimidinring z.B. Dichlorsorboflavin).
Vitamin B2 (Riboflavin) wird v.a. in der Atmungskette benötigt, d.h. beim Verbrennen der Nährstoffen zu Energie. Es wird also von jeder Zelle im  Körper benötigt.
Weitere wichtige Aufgaben sind:

       Auf- und Abbau der roten
       Blutkörperchen
       Entgiftung in der Leber
       wichtig für Myelinschicht, der
       "Schutzschicht" der Nerven
Ein Mangel führt zu:                  Schädigung von Haut und Schleimhäuten
                                                (Dermatitis)
                                                Wachstumsstörungen
                                                Nervenstörungen
Gute Quellen sind: Milch und Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch,  Vollkornprodukte, Spinat und Broccoli. Die DEG schätzt den täglichen Bedarf
eines Erwachsenen auf 1,8 mg.  Riboflavin ist wichtig für die Bildung roter Blutkörperchen und Antikörper, für Wachstum und Zellatmung. Es hilft
den Mitochondrien, Energie zu produzieren. Besonders wichtig in der Schwangerschaft für die Entwicklung des  Fötus, der Schaden erleiden kann, obwohl die Mutter keine Mangelerscheinung zeigt. Auch Sportler brauchen sehr  viel B2. In europäischen Studien verbesserten sich Ausdauer und Kraft solcher Menschen, die unter genetisch  bedingter Müdigkeit litten, wenn B2 supplementiert wurde. Der Urin färbt sich leicht gelb, dies ist aber kein Grund  zur Sorge. Gut für Augen, Haare, Haut und Nägel.
( - ) Alkohol, Tabak, übermäßig viel Zucker, Kaffee.
( +) Phosphor, Niacin, C, B-Komplex, B6.
Supplementierung von 25 - 200mg täglich sind effektiv.
Vitamin B2 (Riboflavin) dient der Verwertung von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten, dem Sauerstofftransport, Wachstum  und der Haut. Bei Mangel: Wachstumsstörungen, rissige Lippen und Mundwinkel, Sehstörungen, in schweren Fällen  Blutarmut (Anämie). Vitamin B2 ist vorwiegend enthalten in: Milch (16 mg = 1 Liter Milch), Käse, Geflügel, Fleisch,
Getreide, Hefe, Fisch. Die tägliche Zufuhr liegt bei 1,5 bis 1,7 mg Riboflavin.



Vitamin B6
Syn.: Pyridoxin, Adermin
die Pyridoxine: Pyridoxal, Pyridoxamin, Pyridoxol; bei Mensch u. Tier als Phosphat wirksam, als Coenzym zahlreicher Enzyme (z.B. Transaminasen, Dehydratasen, Sulfhydrasen, Carboxylasen) beteiligt am Aminosäurenaufbau u. -umsatz, an Porphyrin- u. Lipidsynthese (?). Natürliches Vork. (alkali- u. thermostabil, aber photosensibel) v.a. in Reis, Mais, grünem Gemüse, Eigelb, Hefe, tier. Leber u. Muskelfleisch; tgl. Bedarf ca. 2 mg. Bei Hypovitaminose (nutritiv; ferner B6-inaktivierendes Hydrazon bei INH-Langzeitmedikation) Pellagra-ähnl. Bild: Pigmentstörungen, seborrhoische Dermatitis, normo- bis hypochrome Anämie (sideroachrestisch infolge Hemmung der B6-Phosphat-abhängigen <delta>-Aminolävulinsäuresynthetase, dem »Schrittmacherenzym« der Hämsynthese); beim künstl. ernährten Säugling als B6-Mangelsyndrom die Limer* Krankheit, v.a. bei Verw. stark erhitzter Pulvermilch: gesteigerte Erregbarkeit, Schreckhaftigkeit, Krampfanfälle, vermehrte Xanthurensäure-Ausscheidung im Harn (durch Tryptophan-Gabe provozierbar); beim Neugeb. generalisierte, nur auf Vit. B6, nicht aber auf Antikonvulsiva ansprechende Krämpfe (ein autosomal-rezessiv vererbter Pyridoxin-Stoffwechseldefekt). Nachweis des Mangels anhand vermehrter Xanthurensäure im Harn u. Ausscheidung von 3-Hydroxykynurenin (Abbau zu Nicotinsäure blockiert). Vitamin B6 (Pyridoxin) ist verantwortlich für den Eiweiß- und Aminosäurenstoffwechsel. Nur so ist es möglich, daß Körpersubstanz ständig erneuert werden kann.
Weitere wichtige Aufgaben sind:
       beeinflußt die Funktion des Nervensystems
       Immunwehr
       Synthese des Hämoglobins (Hb - Träger von
       Eisen, Vitamin C und der roten Blutkörperchen)
Ein Mangel führt zu:                        Störung des Eiweiß-Stoffwechsels
                                                      Entzündungen der Schleimhäute (Mund,
                                                      Augen und  Magen-Darm-Trakt)
                                                      Störungen des Nervensystems (Krämpfe)
                                                      Appetitlosigkeit, Durchfälle, Erbrechen
                                                      Blutarmut (Anämie)
Einen besonders hohen Vitamin B6-Gehalt hat v.a. Fleisch. Aber auch in Bananen, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln,  Möhren und Getreideprodukten ist reichlich Vitamin B6 enthalten. Der Tagesbedarf liegt laut DEG bei 1,6 - 1,8 mg.  Die Pille ist der wichtigste Vitamin-B6-Widersacher. Frauen, die die Pille nehmen sollten also mehr Vitamin B6  aufnehmen als von der DEgefordert.  Pyridoxin ist notwendig für alle Stufen im Protein- und Aminosäurenstoffwechsel, sowie die Bildung von Hämoglobin,  dem Sauerstoffträger des Blutes. Ohne B6 kein Gramm mehr Muskel und kein Gramm weniger Fett. Kaum ein  anderer einzelner Nährstoff ist in mehr körperliche und mentale Funktionen involviert.  Karpaltunnelsyndrom oder genuine Daumenballenatrophie wird mit B6 Mangel in Verbindung gebracht.
( - ) Alkohol, Antibabypillen, Antidepressiva, Östrogentherapie.
( +) Linolsäure, Natrium, B1, B2, C, Pantothensäure, B-Komplex, Magnesium.
Supplementierung von 25 - 100mg täglich sind effektiv.
Vitamin B6 dient den Nerven, dem Eiweißstoffwechsel und der Blutbildung. Bei Mangel: Übelkeit, Appetitlosigkeit,  Haarausfall, Muskelschwund, Blutarmut, Nervosität, erhöhte Reizbarkeit und Schlaflosigkeit. Vitamin B6 ist vorwiegend  enthalten in: Fisch, Fleisch, Vollkornprodukten, Kartoffeln, Soja, Bananen. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 1,6 bis 1,8 mg.  Schon in einer Banane stecken 30 Prozent der empfohlenen Tagesdosis.

Vitamin B12    im Alterungsprozeß
Syn.: (Cyano-)Cobalamin, Antiperniziosa-, Extrinsic-Faktor
(1948) zu den Corrinoiden zählendes wasserlösl. Vit. (> 60 C-Atome, zentrales Co; Formel); früher aus tier. Leber  isoliert, jetzt mikrobiol.-technisch (z.B. mittels Streptomyces-Kulturen) produzierbar. Natürliches Vork. - aber keine  Biosynthese - bei Mensch u. Tier v.a. in Leber (als physiol., speicherfäh. Aquocobalamin) u., bakteriell gebildet, im  Darm (schlecht resorbierbar); Resorption v.a. nach Bindung an Intrinsic-Faktor (als Komplex geschützt gegen  Darmbakterien); Speicherung v.a. in der Leber (bis zu 1 mg von insges. 2-5 mg B12-Körperbestand); im Plasma  an 3 Glykoproteine (Transcobalamin I-III) gebunden. Als Coenzym, z.T. unter Folsäure-Beteiligung, am Fett-,  Kohlenhydrat- u. Nucleinsäure-Stoffwechsel wesentlich beteiligt, unentbehrlich für normale Erythropoese u.  Nervenzellfunktion; essentieller Wachstumsfaktor für best. Mikroorganismen. Mangelzustände v.a. bei Intrinsic-  Faktor-Mangel (Magenschleimhautatrophie, Gastrektomie), nach ausgedehnter Dünndarmresektion u. bei  Dünndarmirritation (Verkleinerung bzw. Blockade des Resorptionsareals; u.a. bei Divertikulose, Syndrom der  blinden Schlinge), nach Neomycin-, Colchicin-, PAS-Medikation, bei Bandwurm-Befall (vermehrter Verbrauch)  u. als fam. B12-Malabsorption (Imerslund*-Gräsbeck* Syndrom); Symptome: nach Erschöpfung der Leberreserven perniziöse Anämie u. funikuläre Spinalerkrankung, selten symptomat. Psychose (z.B. depressiv, paranoid- oder  einfach-halluzinator.). Verifizierung der Störung bzw. des Mangels mit Schilling* Test, anhand erniedrigter Werte  im Blut (Norm 200-640 pg/ml) u. Harn (Norm 150 mg/24 Std.), Nachweis von Methylmalonat im Harn.  Vitamin B12 (Cobalamin) ist an wichtigen Reaktionen des Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel beteiligt.  Es wird vor allem zur Bildung der roten Blutkörperchen benötigt.  Ein Mangel ist selten, da die Leber Vitamin B12 gut speichern kann.  Er kann auftreten bei: Veganern, Menschen mit Resorptionsstörungen  und/oder Magen-Darm-Erkrankungen und bei starkem Alkoholkonsum.
Weitere wichtige Aufgaben sind:
       Aufbau von Nucleinsäuren
       Aminosäuren- und Fettstoffwechsel
 Ein Mangel führt zu:                 Mangel an Roten Blutkörperchen
                                                Schädigung der Mund- und
                                                Rachenschleimhäute
                                                Wachstumsstörungen
Die Deckung des Tagesbedarfs von 3 µg ist unproblembatisch, da Vitamin B12 in allen tiereischen Lebensmitteln enthalten ist. Wahrscheinlich das bekannteste B-Vitamin. Lebensnotwendig für jede Zelle, besonders für Zellen, die schnell  reproduziert werden wie rote Blutkörperchen oder Zellen der inneren Darmwand. Wichtig für Eisenverwertung,  Kohlenhydrat/Proteinstoffwechsel, Nervensystem (pflegt die Fettschutzschicht der Nervenenden ) und guten  Appetit. Wirkt mit bei der Gewinnung des Neurotransmitters Acetylcholine. Hohe Dosen haben einen drogenähnlichen  Energieschub, daher beliebt bei Athleten. B12 kommt praktisch nur in tierischer Nahrung vor (in kleinen Mengen auch  in Meeresgemüse ( z.B. Kelp, Alfalfa, Soja ). Da der Körper B12 bis zu 5 Jahren bevorraten kann, tauchen die
Mangelerscheinungen bei strikten Vegetariern oft später auf. Senilität wird mit B12 Mangel in Verbindung gebracht,  hohe Dosen können bei multipler Sklerose helfen, förderlich für die Wirkung von Impfungen ( wahrscheinlich wegen  seiner Immunwirkung ).
( - ) Alkohol, Antibabypillen, Tabak, radioaktive Strahlung, Kaffee.
( +) Linolsäure, Natrium, B1, B2, C, Pantothensäure, B-Komplex, Magnesium.
500 - 1500mcg täglich sind effektiv.
Vitamin B12 (Cobalamin) dient der Blutbildung, dem Zellaufbau und dem Wachstum. Bei Mangel: Blutarmut, Müdigkeit,  nervöse Störungen. Bei einer ausschließlich pflanzlichen Ernährung sind Mangelerscheinungen möglich. Vitamin B12 ist  enthalten in: Fleisch, Fisch, Eiern, Milch, Käse, Quark und Lebensmitteln, die bakteriell gegärt wurden (Joghurt, Sauerkraut).  Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 5 Mikrogramm. Diese Menge ist zum Beispiel in 150 Gramm Camembert enthalten.

 



Vitamin Bc
Folsäure.
E: vitamin Bc; folic acid.
Vitamin-B-Komplex
gegen Beriberi wirksames Gemisch aus Vit. B1, B2, B6 u. B12, Biotin, Nicotinsäureamid, Pantothensäure.
E: vitamin B complex.
Niacin ( Vitamin B3 ) :
Niacin oder Nikotinsäure arbeitet im Blut- und Energiekreislauf, in der Haut, hilft bei der Gewebereparatur. Wichtig  für Wachstum, Nervensystem, Zunge, Verdauung. Niacin ( flushing = stark hautrötend ) kann den Cholesterinspiegel  senken. Niacin und Niacinamide ( non flushing ) gegen Formen der Schizophrenie. Bei täglichem Gebrauch  verschwindet der Flush.Niacin soll den körpereigenen Testosteronspiegel erhöhen.
( - ) übermäßig viel Zucker, Mais, Kaffee, Alkohol.
( +) B1, B2, C, B-Komplex, Phosphor.
500 - 3000mg täglich sind effektiv.
Niacin muß nicht unbedingt in ausreichender Menge über die Nahrung zugeführt werden. Der Körper ist in der Lage,  dieses Vitamin aus der Aminosäure Tryptophan selbst herzustellen. Ein Mangel ist deshalb selten. Er entsteht  praktisch nur bei einseitiger Ernährung mit Mais.  Wichtige Aufgaben sind:
Wasserstoffüberträger bei der Energiegewinnung
Ein Mangel führt zu:                    Appetitlosigkeit
                                                  Schleimhautschäden
                                                  Pellagra (Verfärbung der Haut,
                                                  Entzündung der Schleimhäute, Störungen
                                                  im zentralen Nervensystem)

Die empfohlene Menge von 9 - 15 mg/Tag kann leicht über die Nahrung zugeführt werden. Es ist eigentlich in allen Lebensmitteln  enthalten.Besonders hoch ist der Niacin-Gehalt in Leber, Muskelfleisch und Champignons. Da Niacin aus Tryptophan hergestellt  werdenkann, eignen sich auch tryptophanreiche Lebensmittel, den Niacin-Bedarf zu decken, z.B. Milch und Eier.  Niacin (Nicotinsäure) ist beim Auf- und Abbau von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten beteiligt, dem Schutz der Haut und  des Nervensystems. Bei Mangel kommt es zu den drei "DS": Dermatitis (Hauterkrankung), Diarrhoe (Durchfall) und Dementia  (nervöse Störungen) - in Europa sehr selten. Niacin findet sich in: Vollkorn, Mais, Erbsen, Fleisch, Fisch, Pilzen, Erdnüssen,  Kaffee. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 16,5 mg, was etwa 150 Gramm  Hühnerbrust entspricht.



Vitamin B12 -Struktur  und  Vitamin-B12-Derivate
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R—          Präfix           Vitamine (*internationale Bezeichnung)
N=C—    Cyano-         B12           Cyanocobalamin*
HO—      Hydroxo-      B12a         Hydroxocobalamin*
[H2O]—  Aquo-          B12b         Aquocobalamin*
ONO—   Nitrito-         B12c         Nitrosocobalamin*
H3C—    Methyl-  Methylcobalamin
5'-Desoxyadenosyl-     CoB12      Coenzym B12

Effektive Migräneprävention mit hochdosiertem Riboflavin---Vitamin B2 schützt vor Migräneattaken
In einer Doppelblindstudie  mit 400 mg Vitamin B2 hatte sich die Anzahl der Migräneattaken signifikant abgenommen und die Patienten waren auch an weniger Tagen geplagt.Die Riboflavinwirkung setzte nach enem Monat ein und erreichte ihr Maximum nach 3 Monaten.
Schoenen J. et al. Neurology(1998) 50:466-470


Homocystein-Spiegel im Blut wichtiger Marker für Atherosklerose-Risiko Experte fordert: Grundnahrungsmittel mit B-Vitaminen anreichern!
Von Thomas Meißner 
Ein hoher Homocystein-Spiegel im Blut ist als Risikofaktor für die Ausbildung kardiovaskulärer Erkrankungen mindestens ebenso bedeutsam wie der Cholesterin-Spiegel. Obwohl dieser Zusammenhang mittlerweile durch viele Untersuchungen belegt worden sei, sei er gerade mal ein paar Fachleuten bekannt, beklagt Professor Klaus Pietrzik vom Institut für Ernährungswissenschaft in Bonn. Ganz zu schweigen davon, daß ebenso große Anstrengungen unternommen würden, den Homocystein-Spiegel zu senken wie die Blutfette unter Kontrolle zu halten. Dabei sei eine adäquate Zufuhr von Folsäure, Vitamin B6 und B12 ausreichend.  Das Zelltoxin Homocystein (Hc) ist als Transportmolekül für Methylgruppen im Stoffwechsel des Menschen von zentraler Bedeutung. In chemischer Partnerschaft mit den B-Vitaminen mache Hc jedwede Zellteilungsprozesse erst möglich, so Pietrzik beim Medica-Kongreß in Düsseldorf. Mittlerweile wird von der American Heart Association (AHA) bei Personen mit frühen kardiovaskulären Erkrankungen bereits eine Hc-Konzentration im Serum von mehr als 10 µmol/l als kritisch angesehen - ein Wert der sich bei 50 Prozent der über 50jährigen findet! Bislang galten Werte von bis zu 13 µmol/l bei Frauen und 15 µmol/l bei Männern als normal. Pietrzik zitierte eine Meta-Analyse epidemiologischer Studien von 1988 bis 1994: "Jede Erhöhung der Nüchtern-Hc-Konzentrationen um 5 µmol/l oberhalb eines Schwellenwertes von 10 µmol/l ist mit einem Anstieg des Risikos für koronare Herzerkrankungen um 60 Prozent bei Männern und um 80 Prozent bei Frauen verbunden."  
Wie kommt das?
Offenbar werden die Gerinnungsfaktoren so beeinflußt, daß die Blutplättchen vermehrt aggregieren. Plättchenfaktoren werden freigesetzt, Makrophagen nehmen verstärkt von Hc oxidiertes LDL-Cholesterin auf, die Fibrinolyse wird vermindert - kurz, die Pathogenese der Atherosklerose wird eingeleitet. Die zentrale Stellung der Aminosäure macht plausibel, daß Homocystein nicht nur für die Entwicklung kardiovaskulärer, sondern auch anderer Erkrankungen bedeutsam ist. So mehren sich nach Angaben von Professor Karl-Ludwig Resch vom Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft in Bad Elster die Indizien dafür, daß hohe Homocystein-Spiegel auch mit folgenden Krankheiten assoziiert sind: Diabetes mellitus,  chronisch entzündliche Darmerkrankungen,  chronische Niereninsuffizienz,  neurodegenerative Erkrankungen.  Frauenärzte wissen, daß hohe Homocysteinwerte mit Schwangerschaftskomplikationen wie Eklampsie und Frühgeburten sowie frühkindlichen Mißbildungen, etwa Neuralrohrdefekten, assoziiert sind. Man vermutet, daß vom Homocystein fruchtschädigende Wirkungen in der Frühschwangerschaft ausgehen. Daher werde Frauen, die schwanger werden wollen, empfohlen, bereits vier Wochen vor der Konzeption 400 µg Folsäure täglich zusätzlich zur normalen Ernährung zu sich zu nehmen, so Pietrzik. Die Dosis sollte während der gesamten Schwangerschaft beibehalten werden.
Müssen wir nun täglich Vitaminpillen schlucken?
"Die Natur hat es nicht darauf abgesehen, daß wir in der Apotheke landen", meint Pietrzik. Wer täglich etwa 250 g Obst und Gemüse zu sich nehme, dessen Bedarf an B-Vitaminen sei normalerweise gedeckt. Leber sei zwar auch Folsäure-reich, jedoch wegen der Belastung mit anderen Substanzen nicht zu empfehlen. Die AHA empfiehlt den Verzehr von Lebensmitteln, die mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 angereichert sind. Sollte der Hc-Spiegel damit nicht unter 10 µmol/l fallen, sollten Multivitaminpräparate eingenommen werden, die 400 µg Folsäure, 2 mg Vitamin B6 und 6 µg B12 enthalten. Zu beachten sei  auch, daß Personen mit Vorerkrankungen, etwa der Niere, wesentlich höhere Vitamindosen zu sich nehmen müssen, so Pietrzik. Einen Schritt weiter ist man in Ungarn gegangen. Dort werden nach Angaben von Pietrzik bereits seit Jahren die Grundnahrungsmittel mit den drei Vitaminen angereichert. "Ich denke, hier hat eine Regierung Verantwortung gezeigt", betonte der Ernährungswissenschaftler. Auch in Deutschland müsse man endlich den Erkenntnissen Rechnung tragen. Zwar fehlten noch Interventionsstudien, die den endgültigen Beweis des Zusammenhangs zwischen hohen Hc-Spiegeln und verschiedenen Erkrankungen bringen würden. Aber die Datenlage sei so klar, daß man einen Indizienbeweis führen könne, so Pietrzik. "Mit einer optimierten Vitaminversorgung schaden wir niemandem. Daher sollten wir dies der Allgemeinheit auch nicht vorenthalten. Dies ist eine präventive Maßnahme, für die es höchste Zeit wird."  Ärzte Zeitung, 30.11.200
Homocystein
ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die normalerweise nur intrazellulär vorkommt. Die zelltoxische Substanz entsteht als metabolischer Zwischenschritt bei der Übertragung von Kohlenstoffresten, den Methylgruppen. Diese Methylgruppen sind ein Grundbaustein aller organischen Substanzen. Abgebaut werden kann Homocystein nur dann, wenn außer dem erforderlichen Enzym Cystathionin-Synthase auch die Koenzyme Vitamin B12, Folsäure und Vitamin B6 in ausreichender Konzentration in der Zelle vorhanden sind.  Bei der Bestimmung von Homocystein im Serum ist unter anderem zu beachten, daß das Blut nach Abnahme mit speziellen Röhrchen sofort zentrifugiert werden muß. Ansonsten diffundiert die Aminosäure aus den Erythrozyten heraus und es kommt zur Verfälschung der Werte. Alternativ kann man das Frischblut eine halbe bis eine Stunde auf Eis lagern, bevor zentrifugiert werden muß. (ner) Ärztezeitung 30.11.2000


Hoher Homocysteinspiegel als kardiovaskulärer Risikofaktor bestätigt
LONDON. David Wald vom Southampton General Hospital und Mitarbeiter gelangen durch eine systematische Metaanalyse von 92 Studien mit mehr als 20 000 Probanden zu dem Ergebnis, dass erhöhte Homocysteinspiegel kausal mit ischämischen Herzerkrankungen assoziiert sind (BMJ 2002; 325: 1202-1206). Die Autoren haben prospektive Studien untersucht, in denen die Serumkonzentration von Homocystein mit der Inzidenz von KHK verglichen wurde. Darüber hinaus wurde hinsichtlich einer möglichen Korrelation von Genträgern, die einen Defekt im Folsäuremetabolismus besitzen (Mutation im Gen für Methylentetrahydrofolat-Reduktase; MTHFR), und dem kardiovaskulären Erkrankungsrisiko untersucht. Personen mit zwei defekten Allelen hatten im Vergleich zu jenen mit zwei intakten MTHFR-Genen um 2,7 μmol/L erhöhte Homocysterinwerte. Dies entspricht einer Erhöhung um etwa 20 Prozent. Mutationsträger wiesen ein signifikant erhöhtes Risiko auf, an einer ischämischen Herzerkrankung oder einer tiefen Beinvenenthrombose zu erkranken. In den prospektiven Untersuchungen wurde ein vergleichbares kardiovaskuläres Risiko ermittelt. Nach Extrapolation gehen Wald und Mitarbeiter davon aus, dass eine Absenkung des Homocysteinspiegels um 3 μmol/L das kardiovaskuläre Risiko um 16 Prozent, das Thromboserisiko um 25 Prozent und das Schlaganfallrisiko um 24 Prozent vermindern kann. Dies könnte durch die Einnahme von 0,8 mg Folsäure pro Tag erreicht werden. (21.11.2002) DEUTSCHES ÄRZTEBLATT


Vitamine bauen erhöhte Homocystein-Spiegel ab
Plasmawerte unter 10 µmol / l gelten noch als unbedenklich / Risikogruppen sollten jährlich kontrolliert werden
MAINZ (ner). Erhöhte Homocystein-Werte im Plasma haben für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen eine ebenso große Bedeutung wie die Hyperlipidämie, meinen Wissenschaftler. Daher sei bei Risikopersonen eine jährliche Kontrolle sinnvoll, bei Männern ab 30 und Frauen ab 40 Jahren.
Ein echter Schwellenwert, ab dem Homocystein schädlich ist, existiere nicht, so der Pathobiochemiker Professor Uwe Till aus Jena bei einer Tagung der Stiftung Allgemeinmedizin in Mainz. "Je niedriger er ist, desto besser", sagte Till auf einer Veranstaltung des Unternehmens Medice, zumal Homocystein (HC) keine physiologische Funktion im Plasma habe. Der prädiktive Wert des HC für Atherosklerose entspreche anderen Hauptrisikofaktoren wie dem Gesamt-Cholesterin. Derzeit könne man HC-Werte von unter 10 µmol / l als unbedenklich betrachten, obwohl auch bei zunehmenden Werten ab 5 µmol / l ein stetig steigendes Risiko für Koronarerkrankungen ermittelt worden ist.
Regelmäßig kontrolliert werden sollten etwa Personen mit Atherosklerose oder Thrombosen in der Familienanamnese, Frauen in den Wechseljahren, aber auch Frauen, die Ovulationshemmer einnehmen und gleichzeitig rauchen oder andere kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen. Hinzu kommen alte Menschen, die sehr oft nicht nur zu wenig Obst und Gemüse essen, sondern zusätzliche Vitamin-Resorptionsstörungen haben, was die HC-Werte in die Höhe treibt.
Bei HC-Werten über 10 µmol / l empfiehlt Till außer der Ernährungsumstellung die Vitamin-Substitution mit einer Kombination aus Folsäure, Vitamin B6 und B12, die vom Unternehmen als Medyn® angeboten wird. Bei sehr hohen HC-Werten könne vorher auch Medivitan® als Booster injiziert werden.
Homocystein ist ein Zwischenprodukt des Proteinstoffwechsels. Durch kovalente Bindung an Gefäßproteine, Bildung von H2O2 und Bindung von Stickoxid schädigt es das vaskuläre System. Zum Abbau werden Folsäure, B6 und B12 benötigt. Ärzte Zeitung, 21.01.2003


B-Vitamine - Schützen vor Alzheimer

Die Ergebnisse mehrerer Studien geben Anlass zur Vermutung, dass niedrige Konzentrationen an B-Vitaminen, vor allem Folsäure, in Zusammenhang mit einer Verminderung kognitiver Leistungen stehen. In einer Langzeitstudie sollte die Rolle des Folsäurespiegels im Serum auf einen möglichen Zusammenhang mit neurodegenerativen Prozessen im Gehirn untersucht werden. Derartige neurodegenerative Prozesse, wie sie z.B. bei Morbus Alzheimer beobachtet werden, lassen sich an einer durch Ernährungsmangel bedingten Rückbildung des Großhirns (Atrophie ) erkennen. An der Studie nahmen 30 Nonnen eines Konvents teil. Ihr Blut wurde auf eine Reihe von Variablen untersucht, die mit der Ernährung in Zusammenhang stehen, unter anderem der Folsäure- und der Homocysteispiegel. Nach ihrem Tod wurde jeweils eine Autopsie durchgeführt, bei der nach verschiedenen Indikatoren für eine Alzheimer-Krankheit gesucht wurde, unter anderem das Ausmaß der ernährungsbedingten Rückbildung des Großhirns. Bei 15 der Nonnen lagen derartige Anzeichen vor. Von den 15 Nonnen, bei denen eindeutige Zeichen für eine Alzheimer-Krankheit gefunden wurden, hatten zwei Drittel einen deutlich niedrigeren Folsäurespiegel gehabt. Aufgrund dieses Ergebnisses gehen die Forscher davon aus, dass ein Mangel an B-Vitamine, insbesondere an Folsäure, die Entstehung von Alzheimer begünstigt.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 38 vom 21.09.2000


 Erythrozytenzahl und Vitamin B2-Serumspiegel korrelieren bei Alkoholikern                                                    6.9.02
Vitamin B2-Mangel könnte bei alkoholkranken Patienten zu Anämie führen.

Wissenschafter vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (Himmerich H., Müller M.J., Anghelescu I., Klawe C. et al.) untersuchten in einer rezenten Studie die Zusammenhänge zwischen Erythrozytenzahl und Vitamin B2-Serumspiegel bei männlichen alkoholkranken Patienten.
Bei 50 männlichen Patienten mit Alkoholabhängigkeit oder Alkoholabusus wurden Erythrozytenzahl (Ery) und Hämoglobin (Hb), Vitamin (Vit) B1-, B2-, B6-, B12- und Folsäurekonzentrationen, die biologischen Marker für Alkoholkonsum: Kohlenhydrat-defizientes Transferrin (CDT), Gamma-glutamyltranspeptidase (GGT) und das mittlere Erythrozytenvolumen (MCV) bestimmt.
Es wurde eine hochsignifikante positive Korrelation zwischen Vit B2-Werten und der Erythrozytenzahl gefunden. Patienten mit zu niedriger Erythrozytenzahl (< 4,4 /pl) zeigten signifikant geringere Vit B2-Werte. Außerdem zeigten sich signifikante negative Korrelationen von GGT und von MCV mit der Erythrozytenzahl, aber keine signifikanten Korrelationen von MCV oder GGT mit den Vit B2-Werten.
Die deutschen Forscher schließen aus diesen Ergebnissen, dass Vit B2-Mangel bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit oder Alkoholabusus eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer Anämie spielen kann.
 www.medaustria.at 9.9.2002


Studie: Vegetarische Ernährung verringert Herzinfarkt-Risiko

Leipzig, 30. September (AFP) - Eine vegetarische Ernährung vermindert das Herzinfarkt-Risiko. Dies bestätigte eine Vegetarierstudie an der Universität  Leipzig, die am Montag vorgestellt wurde. Im Vergleich zur  Allgemeinbevölkerung haben Vegetarier danach unabhängig vom Lebensalter unter  anderem günstigere Werte beim Bluthochdruck und beim Cholesterin. Das geringere Risiko für Herzinfarkt resultiere auch aus der allgemein gesundheitsbewussten Lebensführung von Vegetariern, die auf Fleisch, Fisch und teilweise auch Eier verzichten.Eine Ausnahme bilden demnach die Veganer, die sich von streng pflanzlicher Kost ernähren und im Gegensatz zu den so genannten Lacto-Vegetariern und  Lacto-Ovo-Vegetariern jegliche tierische Produkte, also auch Eier, Milch, Milchprodukte und Honig ablehnen. Vor allem bei Veganern wurden laut Studie
hohe Werte von Homocystein im Blutspiegel festgestellt. Eine erhöhte  Konzentration der Aminosäure gilt als möglicher Risikofaktor für  atherosklerotische Erkrankungen. Hohe Homocysteinspiegel entstehen durch einen  Mangel an Vitamin-B12-Mangel. Für die Studie wurden Risikofaktoren für  Herz-Kreislauferkrankungen und andere Faktoren des Lebensstils bei hunderten  Vegetariern gemessen und mit denen der Allgemeinbevölkerung verglichen.


M. Weiß
Homocystein - ein kardiovaskulärer Risikofaktor? - betrachtet unter sportmedizinischen Aspekten
Sportmedizinisches Institut, Universität Paderborn
Jahrgang 54, Nr. 4 (2003) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
 

Zusammenfassung
Homocystein (Hcy) ist ein Zwischenprodukt im Methionin-Homocystein- Glutathion-Stoffwechselsystem. Sechs verschiedene Enzymdefekte oder mangelnde Verfügbarkeit von Folsäure, Vitaminen B 6 und B 12 sowie Serin können zur Hyperhomocysteinämie (HyperHcyämie) führen, die als unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor gilt. Retrospektive Studien kommen zu einer höheren Risikoeinschätzung bezüglich des arteriosklerotischen Risikopotentials als prospektive mit langem follow up und Interventionsstudien können nicht durchweg diese Einschätzung bestätigen. Die Ursache für thromboembolische Komplikationen bei HyperHcyämie werden mit der direkten oder indirekten oxidativen Zelltoxizität und der prokoagulatorischen Wirkung auf Thrombomodulin und Protein C gesehen. Kurze hochintensive und konsumierende extensive Belastungen wie hochintensives Training
können zum PlasmaHcy-Anstieg führen, moderate Ausdauerbelastung und entsprechendes Training können den PlasmaHcy-Spiegel geringfügig senken. Sportmedizinisch sollte die Hcy-Forschung sowohl unter präventiven Aspekten wie im Hinblick auf die Trainingssteuerung zur Erkennung kataboler Situationen interessant sein. Symptome von Ermüdung und Übertraining lassen sich aus diesen Stoffwechselzusammenhängen erklären.

Training
Biochemie
Homocystein (Hcy) ist ein Zwischenprodukt im Stoffwechsel der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin und eine Vorstufe der schwefelhaltigen Aminosäure Cystein. Letztere hat selbst Redox-Eigenschaften und ist gleichzeitig der limitierende Schritt in der Synthese des wichtigsten antioxidativen Systems Glutathion (). Neben den Redox- und Entgiftungs- Funktionen durch Glutathion hat das Methionin-Homocystein- Glutathion-(MHG-)System Stoffwechsel-Bedeutung durch die Rolle des Methionins nach Aktivierung zum S-Adenosyl-Methionin (SAM) als Methylgruppendonator in der Synthese einer ganzen Reihe vital bedeutender Verbindungen wie Kreatin, Karnitin, Adrenalin/Noradrenalin, Cholin/ Acetylcholin, Phosphatidylcholin, Thymin. Etwa 75% des Plasma-Hcy stammen aus der Kreatin-Synthese in der Leber Biochemie (30), und die Korrelation mit Kreatinin gilt als Indiz für die Verknüpfung des MHG-Systems mit dem Kreatin-Stoffwechsel (28). Der Abbau von Hcy erfolgt entweder über Cystathionin zu Cystein mittels des Vitamin B6 - abhängigen Enzyms Cystathionin- Synthetase unter Verbrauch von Serin oder durch Rückmethylierung zu Methionin mittels des Vitamin B12 - abhängigen Methylgruppen - übertragenden Systems der Tetrahydrofolsäure ebenfalls unter Verbrauch von Serin (Abb.1). Der Hcy-Stoffwechsel ist also abhängig von den Vitaminen B6 und B12 sowie von der Verfügbarkeit von Folsäure und Serin. Alternativ zu Serin kann bei der Rückmethylierung auch Betain eingesetzt werden. Enzym-Defekte oder mangelnde Verfügbarkeit von Folat oder Serin können zur Hyperhomocysteinämie (HyperHcyämie) führen (Werte > 14 µmol/l, 4).

 

Zur klinischen Diagnostik reicht oft die Spontanmessung des PlasmaHcy-Spiegels, bei wissenschaftlichen Fragestellungen und zur Aufdeckung subklinischer Enzymdefekte erfolgt der Methioninbelastungstest. Die PlasmaHcy-Spiegel sind im wesentlichen nahrungsabhängig (Vitamine B6, B12 und Folsäure), außerdem vor allem bei Männern altersabhängig.Durch den Einfluss von Geschlechtshormonen variieren die Werte mit dem Menstruationszyklus, bei Schwangerschaft und bei Hormonersatztherapie (9, 12). Im Plasma liegt Hcy zu 65% protein-gebunden vor und zu ca. 35% als freies Hcy in reduzierter oder oxidierter Form oder als gemischtes Disulfid zum Beispiel mit Cystein.
Klinische Bedeutung
Das Krankheitsbild der Homocysteinurie (Plasmaspiegel weit über 50 µmol/l), beruhend auf einem homozygoten Cystathionin- Synthetase-Mangel, wurde 1962 erstmals beschrieben. Die Prävalenz beträgt je nach Bevölkerungsgruppe 1 : 40.000 und 1 : 330.000. Kennzeichen sind Bindegewebsschwäche, Skelettdeformitäten - in erster Linie an der Augenlinse und als Osteoporose der Wirbelkörper - , ein marfanoider
Habitus und zentralnervöse Defekte mit verzögerter motorischer und intellektueller Entwicklung. Neben psychiatrischen Auffälligkeiten imponieren thrombo-embolische Komplikationen schon in jugendlichem Alter (Übersicht z. B. bei 11). Mildere HyperHcyämien sind bei der heterozygoten Form bekannt. Sechs weitere Enzymdefekte bzw. -Funktionsstörungen sind noch bekannt, die zur HyperHcyämie führen können. Deren häufigste, ein Defekt der thermolabilen Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), kommt in ca. 5% (in bestimmten Gegenden, z.B. Italien bis zu 15%) der Bevölkerung vor. In zahlreichen epidemiologische Untersuchungen wurde die HyperHcyämie als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen identifiziert, vor allem bei solchen „Fällen“ von Herzinfarkt und Schlaganfall, bei denen das „klassische“ Risikofaktorenmodell nicht zutrifft (Reviews bei 16, 32, 39). Die europäische Multicenter-Studie schätzt das kardiovaskuläre Erkrankungsrisiko durch die ausgeprägte HyperHcyämie gleich hoch ein wie das durch Rauchen oder durch die Hyperlipidämie mit einer angedeuteten „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ (13). In der Meta-Analyse von Boushey et al wurde eine Zunahme des KHK – Risikos mit einer Odd’s-Ratio von 1,3 bis zu 1,7 bei einer Zunahme des Plasmaspiegels um 5 µmol/l errechnet (5) und die Meta- Analyse von Moller et al (23) bestätigt dies auch für die cerebrovaskulären Erkrankungen auf der Basis epidemiologischer, prospektiver und retrospektiver Studien. Stampfer errechnete 1992 in einer prospektiven Untersuchung von 14.900 Ärzten im Alter von 40 bis 84 Jahren mit einem follow- up von fünf Jahren durch eine HyperHcyämie einen Anstieg des relativen Risikos auf 3,1, unter Berücksichtigung anderer Risiko-Konstellationen sogar auf 3,4 (31). Bei längerem follow-up konnten allerdings diese Ergebnisse nicht bestätigen werden. Auch ist die Theorie des Risikofaktors Hcy ist nicht ganz unwidersprochen geblieben (z.B. 6). So fehlt u.a. in einer 17-jährigen prospektiven Studie der Zusammenhang zwischen PlasmaHcy-Konzentration und plötzlichem Herztod (1) bzw. die Manifestation einer KHK bis zur Notwendigkeit einer Bypass-Operation (38). Auch erwies sich die Restenosierungsrate nach Coronardilatation unabhängig von erhöhten Hcy-Werten (15). Auch in Bezug auf die periphere arterielle Verschlusskrankheit gibt es keine volle Übereinstimmung. Zwar wurde ein Zusammenhang zwischen PlasmaHcy-Spiegel und Schwere der Erkrankung gesehen (36), andererseits wurde die endothelial vermittelte Vasodilatation durch Hcy-senkende Intervention nicht, aber wohl die Zahl pathologischer EKG-Befunde beeinflusst (32) mit einer Senkung der Odd’s- Ratio auf 0,4 (39). Auch Pullin et al (26) fanden keinen Zusammenhang zwischen Endothelfunktion gemessen an der flussabhängigen Vasodilatation und Hcy-Spiegeln bei Polymorphismen des Methylentetrahydrofolatreduktase-Gens.Die HyperHcyämie bei Nierenerkrankungen kann teilweise mit Serin-Mangel erklärt werden, da im urämischen Stadium die renale Serin-Synthese eingeschränkt ist (34) und Serin dann zur semiessenziellen Aminosäure wird. Die selbe Ursache - mangelnde Verfügbarkeit von Serin - wurde auch für den Hcy-Anstieg bei körperlicher Belastung verantwortlich gemacht (41, siehe unten). Im Vergleich aller Studien ist grundsätzlich der Schätzwert des relativen Risikos für arteriosklerotische Folgekrankheiten durch HyperHcyämie in retrospektiven Studien größer als bei prospektiven und bei letzteren nimmt er mit der Beobachtungsdauer ab. Eine mögliche Erklärung dafür wurde darin gesehen, dass wie z.B. bei Schlaganfall-Patienten in der post-akuten Krankheitsphase bzw. in der Rekonvaleszenz
die möglicherweise ursprünglich normalen Werte ansteigen (20).
 

Pathophysiologie

Obwohl Hcy den lokalen Vasodilatator NO destabilisieren kann (19), wurde bei Interventionsstudien die Beeinflussung der endothelialen Dysfunktion (Review bei 4) nicht eindeutig bestätigt, zum Beispiel bei jungen Erwachsenen mit MTHFR- Genpolymorphismus (26). Andererseits sind nicht nur bei chronischer sondern auch durch akute Hcy-Exposition – wenn auch teilweise reversible - Endothelschädigungen beschrieben, weswegen die Vitamin- Supplementation als vasoprotektiv bezeichnet wird
(32). Zwei Schädigungsarten werden im Wesentlichen diskutiert (43):
1. direkte Zelltoxizität
2. Einfluss auf die Blutgerinnung/Hämostase
Ad 1.: Das System Homocystein/Homocystin (Hcy/Hcy-S-SHcy) ist zwar ein Redoxsystem, jedoch mit überwiegend oxidativer Komponente. Davon ausgehende oxidative Schädigung von Membranen und Zellproteinen, unter anderem auch ox-LDL-Bildung, wird teilweise durch Metall-Ionenkatalysierte (Kupfer) Radikalbildung vermittelt (Literatur bei 22). Vor allem werden die hochtoxischen Hydroxylradikale (OH·) verantwortlich gemacht (4). Die Interaktion mit dem Endothel-Faktor NO ist nicht unwidersprochen, da keine Korrelationen zum Gesamt-Nitrat bzw. -Nitrit gefunden wurden (9). Auch ein indirekter Zusammenhang zwischen HyperHcyämie und oxidativer Gewebschädigung ist denkbar, wenn die HyperHcyämie das Resultat eines „Staus“ durch ungenügende Weiterverstoffwechslung des Hcy ist mit der Folge einer reduzierten Synthese des wichtigsten antioxidativen Systems Glutathion-Glutathiondisulfid (GSH/GSSG). Eine Reduktion der antioxidativenKapazität de Redox-System GSH/GSSG kann auch durch direkte Hemmung der Glutathion-Peroxidase durch Hcy erklärt werden (7, 35). Pathophysiologie Ebenso kann durch die Schwefelgruppe des Hcy im endoplasmatischen Retikulum die Protein-Faltung durch „falsche“ Disulfid-Brückenbildung beeinflusst sein, wodurch vor allem die funktionellen Proteine geschädigt sein können (Lit. bei 16). Dies und/oder die Einflussnahme auf Transportsysteme sowohl an den Membranen des endoplasmatischen Retikulums wie an der Endothel-Oberfläche können auch im Gerinnungssystem eine Rolle spielen.
Ad 2.: Im Zusammenhang mit o. g. Mechanismus wurde die fehlende Externalisation von Thrombomodulin auf die Endothel-Oberfläche vermutet und zum Teil darin die prokoagulatorische Wirkung als Auslösefaktor für die thromboembolischen Komplikationen bei HyperHcyämie gesehen (18). Außerdem scheint eine Inaktivierung des Protein C vorzuliegen sowie ein Einfluss auf den Von-Willebrandt-Faktor. Möglicherweise ist die Toxizität von Hcy additiv zu anderen Risikofaktoren der Arteriosklerose, worauf sich die Aussage von Graham begründet, dass Hcy „powerfully increases the risk associated with smoking and hypertension“ (13).

Einfluss von physischer Belastung und Training
Angesichts der Fülle von Mitteilungen über den Zusammenhang von Hcy und kardiovaskulärem Risikoprofil sowie den deswegen durchgeführten ernährungsphysiologischen Interventionsstudien gibt es erstaunlich wenige Studien über die Beeinflussung des Hcy-Stoffwechsels, obwohl doch der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Arteriosklerose wiederum Bibliotheken füllt.
Akute Belastung
Bei akuter hoher Belastung von jungen Frauen wurde ein Anstieg der Hcy-Plasmaspiegel gefunden mit leichten Unterschieden zwischen Luteal- und Follikel-Phase (9). Submaximale Belastungen von 30 Minuten mit 70% VO2 max oder 60 Minuten mit 60 % VO2 max führten unter Berücksichtigung der Hämokonzentration nicht zu Plasmaspiegelveränderungen (11, 42). Erst extensive Dauerbelastung induzierte bei absinkenden Plasmaspiegeln zahlreicher Aminosäuren, insbesondere von Serin und Glycin, einen Hcy-Anstieg (41). Obwohl Hcy- und Kreatin-Stoffwechsel eng verknüpft sind (s.o., 28, 30) ergab in einer Kraft-Studie zwar das Training aber nicht die Kreatin-Supplementationen einen senkenden Effekt auf die Hcy-Plasmaspiegel (33). Zur Hormonabhängigkeit bzw. zum Einfluss von anabolen Steroiden siehe oben und bei Ebenbichler et al (12), die bei Bodybuildern einen Anstieg der Hcy-Mittelwerte von 8,3 auf 11,9 µmol/l in der Einnahmephase von anabolen Steroiden fanden.
Training
Erste Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und Hcy wurden von Nygard et al (24) publiziert, die bei körperlich aktiven Menschen niedrigere Spiegel fanden als bei gleichaltrigen inaktiven. Dies wurde unlängst für Männer aber nicht für Frauen bestätigt: Mennen et al berechneten bei ihnen eine inverse Beziehung zwischen der Höhe der Hcy- Spiegel und der körperlichen Aktivität (21). Dagegen fanden Rinder et al (29) bei ausdauertrainierten Alterssportlern höhere Hcy-Werte als im altersgleichen Kontrollkollektiv und Wright et al fanden in ihrem Kollektiv keine Korrelationen zur maximalen aeroben Kapazität (42). Auch Trainingsinterventionsstudien oder trainingsbegleitende Untersuchungen sind rar. In einer eigenen Untersuchung (unpubliziert) führte ein 8-wöchiges nach Laktat-Test pulsgesteuertes Training von Freizeitläufern nur im Zusammenhang mit niedrig dosierter Folsäure-B12-Substitution zur Senkung der Hcy-Spiegel. Im Jahreszyklus einer Schwimm-Mannschaft fanden wir keinen Unterschied zwischen der Regenerationsphase und der trainingsintensivsten Phase trotz erheblicher Veränderungen im Plasma-Aminosäuren- Muster (17), in den intensiven Trainingsphasen von Schnellkraftsportlern jedoch ansteigende Werte (14). In einem 4-wöchigen Trainingsprogramm, dreimal pro Woche 20 bis 30 Minuten mit 70 bis 85 % der maximalen Herzfrequenz, unter hypoxischen oder normoxischen Bedingungen, beobachteten Bailey et al einen Anstieg der PlasmaHcy- Spiegel um 10 % nach dem normoxischen Training, einen Abfall um 11 % nach dem hypoxischen Training, wobei die übrigen Risikofaktoren unter beiden Trainingsformen verringert wurden (3). Geringe Abnahme wurde auch durch Krafttraining dokumentiert (33). Im Rahmen der kardialen Rehabilitation konnten ebenso Senkungen der PlasmaHcy- Konzentrationen nachgewiesen werden (2) wie in einem 6- monatigen Programm zur Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Frauen mit polycystischen Ovarien (27). In einem nur 8 Wochen dauernden ähnlichen Ansatz bei Männern und Frauen ergaben sich zwar Effekte auf andere Risikofaktoren und eine Abnahme der Leptinspiegel, die Hcy-Werte blieben jedoch unverändert (40). Bei älteren Menschen konnten innerhalb von 17 Wochen nur durch Ernährungsintervention mit Anheben der Vitaminspiegel aber nicht durch ein Trainingsprogramm eine Absenkung des Plasma-Hcy bewirkt werden (10).
Zusammengefasst ergibt sich aus den mehr oder weniger kontrollierten Feldbeobachtungen kein ganz einheitliches Bild zur Beeinflussung des Hcy durch Belastung und Training. Moderate Belastungen von 30 bis 60 Minuten Dauer führen akut offenbar nicht zur Beeinflussung des Methionin- Homocystein-Zyklus, was angesichts der auch sonst metabolisch und hormonell geringen Konsequenzen kaum zu erwarten ist. Sehr intensive kurze oder zu extensive Belastungen und Trainingsformen scheinen aber zum Anstieg der Plasma-Hcy-Spiegel zu führen, wobei jedoch die Risikobereiche von > 14 µmol/l nicht erreicht werden. Die Auswirkungen akuter intensiver oder extensiver BeIastungen haben ihren Grund im Einfluss auf den Aminostoffwechsel. Bei hochintensiver Belastung wird die Ammoniakproduktion infolge der Myokinase-Reaktion gefolgt von der Aktivierung des Purin-Nukleotid-Zyklus und es dürften auch die Kreatin- Synthese und der Harnstoffzyklus verstärkt aktiviert werden, während bei konsumierenden Ausdauerbelastungen mit dem Verlust des glukoplastischen Serins der Homocystein-Stoffwechsel direkt beeinträchtigt wird (35, siehe ). Moderates Ausdauer- oder Kraft-Training beeinflussen offenbar das PlasmaHcy nicht oder wirken senkend, wobei anscheinend eine adäquate Zufuhr von Folsäure und B-Vitaminen erforderlich ist. Die unterschiedlichen Befunde der einzelnen Studien dürften begründet sein in zu hoher Trainingsintensität (bei 29) oder in der Trainingsdauer, wobei es vorübergehend auch zu Anstiegen kommen kann (4), nach 8 Wochen (Paderborn unpubliziert, 40) oder 17 Wochen noch kein Effekt (10) und erst nach 6 Monaten ein absenkender Effekt auf die Hcy-Plasmaspiegel eintritt (27). Erst längerfristige permanente Beanspruchungen der Stoffwechselwege sind offenbar in der Lage, die notwendigen Anpassungen der vielen am Homocysteinstoffwechsel beteiligten Enzyme in allen daran beteiligten Organen herbeizuführen, um die Befunde niedrigerer Homocysteinspiegel bei aktiveren Menschen zu erklären (21, 24). Ob die Hypoxie in oben zitierter Untersuchung von Bailey et al (3) hierbei verstärkend wirkt, bleibt spekulativ.

Sportmedizinischer Ausblick
Angesichts der sowohl akuten wie chronisch-toxischen Schädigungsmöglichkeit von Geweben durch Hcy wie auch wegen dessen Einflussnahme auf das Gerinnungssystem mit prokoagulatorischer Wirkung sollte die Auswirkung von Belastung und Training unter präventiv-medizinischen Aspekte in der Zukunft intensiver untersucht werden. Aufmerksamkeit sollte das MHG-System aber auch in Bezug auf die sportmedizinische Trainingskontrolle insofern erfahren, als dass sich in diesem System Hinweise auf die metabolische Belastungsverarbeitung ergeben. Zahlreiche Trainings-„Begleiterscheinungen“ könnten ausgelöst werden durch einen S-Adenosyl-Methionin-Mangelzustand infolge von Überbelastung oder nach Verbrauch glukoplastischer Aminosäuren. Vor allem ein Serin-Mangel führt zu einem Hcy-Anstieg durch die verminderte Remethylierung zu Methionin (Abb.1), wodurch pathobiochemisch durch verminderte Verfügbarkeit von S-Adenosyl-Methionin sowohl Ermüdung ausgelöst wie der Wiederherstellungsprozess verzögert werden kann durch Beeinträchtigung der Synthesen von
• Kreatin (Symptom: Kraftlosigkeit),
• Stresshormonen (mögliches Symptom: mangelnde Aktivierbarkeit, „parasympathikotones“ Übertraining),
• Neurotransmittern, z.B. Acetylcholin (mögliche Symptome: „zentrale Ermüdung“, Antriebsschwäche, schlechte koordinative Kontrolle),
• organischen Basen wie Thymin (mögliche Symptome: mangelnde Anpassung, unzureichende Erneuerung überbelasteter Strukturen).
Damit ergeben sich weitere und neue Aspekte in Bezug auf die akute Ermüdung und das Übertrainingssyndrom. Sportmedizinischer Ausblick
 

Diagnostik

Obwohl Homocystein im Blut in verschiedenen gebundenen und nur zu einem geringen Teil in freier Form vorkommt, genügt wegen der engen Korrelation aller Formen mit den toxischen pathophysiologischen Vorgängen (s.o.) die Bestimmung des Gesamt-Hcy. Wichtig ist die sofortige Kühlung und Zentrifugation der gewonnenen Blutproben, da durch den Zellstoffwechsel der Blutzellen ansteigende Werte fälschlicherweise vorgetäuscht werden können. Auch der Zusatz von Fluorid kann dies nur begrenzt unterdrücken. Eine Übersicht zur Klassifizierung der HyperHcyämie und der neueren Bestimmungsverfahren ist erst unlängst erschienen (25, j.pietzsch@fz-rossendorf.de). Die momentan gängigen Bestimmungen des PlasmaHcy erfolgen mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) (14, 25). Mittels Gaschromatographie und anschließender massenspektroskopischer Detektion können noch weitere am Hcy-Stoffwechsel beteiligten Substrate erfasst werden, so dass der evtl. einer HyperHcyämie zugrunde liegende Defekt in einem Schritt aufgeklärt werden kann. Interessanter für den zukünftigen einfachen Einsatz in der Sportmedizin könnten seit kurzem verfügbare Immunoassays sein (Erläuterung und Literatur bei 25). Damit sollte künftig untersucht werden, ob sich mit Hcy eine Art Überblicksparameter ergibt, der neue Aspekte auf die Trainingssteuerung im Hinblick auf das Übertrainingssyndrom und den präventiven Sport werfen könnte.
Jahrgang 54, Nr. 4 (2003) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN


Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft informiert:
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HOMOCYSTEIN-REDUKTION DURCH VITAMINE B6, B12 UND FOLAT UND RESTENOSERATE VON KORONARSTENTS - ÜBERRASCHENDE RESULTATE DER FACIT-STUDIE (Vorabdruck aus AVP)

Über 100 Fallkontroll- und prospektive Kohorten-Studien der letzten Jahre haben ergeben, dass bereits milde Erhöhungen des Homocysteinspiegels im Plasma einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung und Progression der Atherosklerose darstellen (1). In der 2002 veröffentlichten Swiss Heart Studie (SHS) wurde prospektiv und doppelblind an 553 Patienten gezeigt, dass die orale Gabe der Vitamine B6, B12 und Folat die Restenoserate der Zielläsionen senken sowie einen kombinierten klinischen Endpunkt sechs und zwölf Monate nach PTCA signifikant positiv beeinflussen konnte (2).

In der nun Ende März 2003 auf dem 52. Kongress des American College of Cardiology in Chicago vorgestellten FACIT-Studie (Folate After Coronary Intervention Trial) erhielten 636 Patienten (Deutschland und Niederlande) mit moderat erhöhten Homocystein-Blutwerten (Mittel: 12,2 µmol/l) entweder direkt nach Stentimplantation 1 mg Folat, 5 mg Vitamin B6 sowie 1 mg Vitamin B12 intravenös und danach für sechs Monate täglich oral 1,2 mg Folat, 48 mg B6 und 0,06 mg Vitamin B12 oder jeweils Placebo. Zwar waren nach sechs Monaten die Homocysteinspiegel in der Verumgruppe auf 9,0 µmol/l abgefallen und in der Placebogruppe unverändert geblieben; die Restenoserate lag jedoch mit 35 % höher als in der Placebogruppe (27 %). Zudem war das minimale Stentlumen geringer als in der Placebogruppe. Schließlich war auch noch die Rate der major adverse cardiac events (MACE) in der Vitamin B-Gruppe mit 16 % höher als in der Placebogruppe (11 %). Alle Unterschiede waren statistisch signifikant.

Prima vista sind diese Ergebnisse überraschend diskonkordant mit der bisherigen Datenlage. Möglicherweise haben die "luxuriösen" Folat- und Vitamin B6-Spiegel einen zu starken Wachstumsreiz auf die die Neointima bildenden Endothel- und glatten Muskelzellen ausgeübt. Dies ist auch eine der Hypothesen, die Dr. Helmut Lange, Bremen, der die Ergebnisse in Chicago präsentierte, gegenwärtig favorisiert.

Abgesehen von Dosierungen der B-Vitamine ist der Hauptunterschied zwischen beiden Interventionsstudien der, dass in der FACIT-Studie ausschließlich Stents (nota bene unbeschichtete) platziert wurden, während dies in der SHS nur in etwa zur Hälfte der Fall war. Des Weiteren wurden die SHS-Daten multivariant analysiert und die Publikation erfolgte nach peer review in einer Zeitschrift mit hohem Impact-Faktor. Die FACIT-Daten wurden offensichtlich bisher nur in univariater Analyse als Tagungsbeitrag präsentiert.

Es bleiben viele offene Fragen: Wäre dieses Resultat auch bei Sirolimus-beschichteten Stents beobachtet worden? Kommt gar eine Therapie mit Methotrexat in der ersten Phase nach Stentinsertion in Betracht? Kann den Patienten vier bis sechs Monaten nach Stentinsertion wieder eine Folat-enthaltende Vitamingabe verabreicht werden? Wie sollte man sich bei Stentanlagen verhalten, falls die nun mit um so mehr Spannung erwarteten Ergebnisse großer Interventionsstudien, zum Beispiel NORVIT, WENBIT (Norwegen), VISP (USA), PACIFIC (Australien) SEARCH (Großbritannien) positiv für Homocystein-senkende Kombinationen mit B-Vitaminen in der Primär- und Sekundärprävention ausgehen?

Die hochinteressante Diskussion zwischen Ueland und Brattstrom unter dem Stichwort der so genannten "reversed-cause-Hypothese" der Pathophysiologie der Hyperhomocysteinämie sei interessierten Lesern zur Lektüre empfohlen (3, 4).

Fazit: Im Gegensatz zur bisherigen Datenlage ergab die vorliegende Studie zur Homocysteinsenkung durch Vitamine B6, B12 und Folat kein positives Resultat. Vergleicht man diese Ergebnisse mit der publizierten SHS, könnte die Dosierung sowie die Art der Intervention (Stent vs. PTCA/Stent) eine Rolle spielen. Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen, die bereits laufen, müssen abgewartet werden.
 

Dr. med. M. Look (Bonn)

Literatur
1. Wald DS, Law M, Morris JK: Homocysteine and cardiovascular disease: evidence on causality from a meta analysis. BMJ 2002; 325: 1202.
2. Schnyder G, Roffi M, Flammer Y et al.: Effect of homocysteine-lowering therapy with folic acid, vitamin B12, and vitamin B6 on clinical outcome after percutaneous coronary intervention. The Swiss Heart study: a randomized controlled trial. JAMA 2002; 288: 973-979.
3. Brattstrom L, Wilcken DE.: Homocysteine and cardiovascular disease: cause or effect? Am J Clin Nutr 2000; 72: 315-323.
4. Ueland PM, Refsum H, Beresford SA, Vollset SE: The controversy over homocysteine and cardiovascular risk. Am J Clin Nutr 2000; 72: 324-332.

Tabelle: SWISS HEART vs. FACIT
 

Parameter SWISS HEART 2002 (JAMA) CIT 2003 (ACC-Abstract)
Teilnehmerzahl 553 636 (weniger Diabetiker)
Design placebokontrolliert, doppelblind, randomisiert placebokontrolliert, doppelblind, randomisiert
Dauer (Messpunkte) 6 Monate (+ follow up: 12 Monate) 6 Monate
Katheter Intervention Angioplastie (PTCA)46,5% Unbeschichtete Stents 53,5% Unbeschichtete Stents
Dosis Vitamin B12 0,4 mg 0,06 mg
Dosis Vitamin B6 10 mg 48 mg
Dosis Folat 1,0 mg 1,2 mg
Homocystein; vorher/nachher (prozentuale Änderung) 11,4 auf 7,5 µmol/l
(- 34,2%)
12,2 auf 9,0 µmol/l
(- 26,2 %)
Overall-Outcome Positiv Negativ*
 
*Offensichtlich ergaben sich im FACIT geschlechtsspezifische Unterschiede, ie, besseres Ansprechen von Frauen und auch von Diabetikern. Hier muss die abschließende Publikation abgewartet werden.

B-Vitaminstatus als Marker für kardiovaskuläre Erkrankungen

Homocystein wird als Risikofaktor in der deutschen Ärzteschaft noch nicht in dem Maße wahrgenommen, wie es seiner Bedeutung für die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen, Apoplexie und peripherer arterieller Verschlusskrankheit entspricht. Die Ergebnisse der großen Endpunktstudien, die klären sollen, ob die Supplementierung mit B-Vitaminen die Sterblichkeit an Atherosklerose-bedingten Gefäßerkrankungen zu senken vermag, stehen noch aus. Zahlreiche epidemiologische Studien sprechen jedoch eindeutig dafür, dass B-Vitamine nicht nur den Homocysteinspiegel senken, sondern auch vor kardiovaskulären Erkrankungen schützen können.
Prof. Dr. Klaus Pietrzik von der Universität Bonn belegte anhand von Studien, dass die Empfehlungen für die bestehenden Normalwerte zur Beurteilung der Vitaminversorgungssituation dringend dem Stand der aktuellen Vitaminforschung angepasst werden müssten. So geht man bisher von einem Serumfolatspiegel von 8 nmol/L als unterem Normalwert aus. Bei der Definition von Mangel orientiert man sich dabei noch immer am Auftreten von klassischen Mangelerscheinungen (Macrocytose) ohne dass frühzeitig auftretende biochemische Veränderungen (Homocysteinanstieg) Beachtung finden. Ein Routine-Differentialblutbild kann auf B-Vitaminmangel hinweisen, wenn man sich an der Übersegmentierung des Zellkerns von neutrophilen Granulozyten orientiert. Bei ausreichender Vitaminversorgung treten in maximal 5% dieser Zellen bis zu fünf Kernsegmente auf. Bereits bei leichtem B-Vitaminmangel konnte Pietrzik in bis zu 20% der Zellen sieben bis zehn Segmente nachweisen. Nach Vitaminsupplementation normalisierte sich das Blutbild.
In einem Experiment mit Studenten, die definierte Mengen an B-Vitaminen einnahmen, hat der Wissenschaftler Übersegmentierungen bereits bei Folatspiegeln von 7 bis 8 nmol/L nachgewiesen, was ebenfalls darauf hindeutet, dass die bisherigen Grenzwerte zu niedrig angesetzt sind. Ein besonders sensitiver Marker für B-Vitaminmangel ist der Plasma-Homocysteinspiegel. Dieser steigt bereits bei Folsäurespiegeln unter 15 bis 20 nmol/L an. In diesem Bereich sollte deshalb nach Auffassung von Pietrzik der untere Grenzwert für den Serumfolatspiegel liegen.


Reicht eine Ernährungsumstellung aus?

Innerhalb von zehn Jahren ist es durch Aufklärungskampagnen gelungen, den durchschnittlichen Verzehr von Obst und Gemüse pro Kopf von 230 g auf 260 g täglich zu steigern. 500-700 g täglich werden zur Deckung des Bedarfs an Vitaminen und Antioxidantien empfohlen. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass sich die Ernährungsgewohnheiten mittelfristig den Empfehlungen anpassen werden. Vitamin B12, das neben Folsäure und Vitamin B6 essenziell für die Kontrolle des Homocysteinspiegels ist, kann nur aus tierischer Nahrung aufgenommen werden. Im Allgemeinen enthält unsere Nahrung ausreichend Vitamin B12. Allerdings ist es dort, anders als in Tabletten, an Eiweiß gebunden. Darum wird bei älteren Menschen die Resorption des Vitamins häufig zum Problem. Bei leichteren Gastritiden wird der „Intrinsic Factor“ zwar in ausreichenden Mengen gebildet, jedoch kann bei Patienten mit Gastritis und in deren Folge einem erhöhten pH-Wert im Magen Vitamin B12 nicht aus der Nahrungseiweißbindung gelöst werden. Folgerichtig weisen Untersuchungen, die Pietrzik mit spanischen Kollegen in Altenheimen durchführte, auf eine Unterversorgung mit B-Vitaminen hin, insbesondere von Folsäure und Vitamin B12. In einer Studie fand man bei 3% der Altenheimbewohner eine megaloblastische Anämie, bei 11% eine Übersegmentierung der neutrophilen Granulozyten und bei 50% erhöhte Methylmalonsäurespiegel, einen für B12-Mangel spezifischen Marker. Der Homocysteinwert war bei 70% der Senioren erhöht [1].

Prophylaxe von Herz-Kreislauferkrankungen

Auch Dr. Riezler aus Münster ist nicht sehr optimistisch, dass es gelingt, breite Bevölkerungskreise über die normale Ernährung mit ausreichend B-Vitaminen zu versorgen. Er empfiehlt daher, zusätzlich zu den Risikopatienten mit Hyperlipidämie, Bluthochdruck und Diabetes auch Patienten mit Gefäßerkrankungen im Frühstadium und Gesunde über 50 Jahren mit den für die Kontrolle des Homocysteinspiegels notwendigen B-Vitaminen zu versorgen. „Es gibt kaum eine Prophylaxe ohne Nebenwirkungen, die so preiswert ist. Die Kosten der Vitaminbehandlung stehen in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, der durch das verminderte Risiko für Gefäßerkrankungen und Hirnleistungsstörungen gewonnen wird.“ Nach Riezler können zur Prophylaxe von Alterskrankheiten und bei leicht erhöhten Plasma-Homocysteinwerten ab 10 bis 12 Mikromol/L orale Vitamin-B-Präparate eingesetzt werden. Wenn der Homocysteinwert nach vier bis sechs Wochen nicht gefallen ist, sollte eine Dosissteigerung erfolgen. Eine parenterale Behandlung mit Medivitan®N hat dabei große Vorteile: Erstens können hohe Dosen des schwer resorbierbaren Vitamin B12 appliziert werden und zweitens kann diese Therapie den Homocysteinwert nachweislich schon innerhalb von 21 Tagen in den Normbereich unter 10 µmol/l senken [2]. Empfohlen werden sechs Injektionen innerhalb von drei Wochen. Ist der Homocysteinwert dann unter 10 Mikromol gefallen, sollte eine orale Erhaltungstherapie angeschlossen werden.

[1] R. Sola, M. Gonzalez-Gross, V. Lemmen, D. Janke, M.J. Castillo, K. Pietrzik (2003): Pattern of morphological and biochemical markers in vitamin B12 deficiency. 8th Congress of the European Hematology Association, Abstract Nr. 178].
[2] Naurath HJ, Joosten E, Riezler R, Stabler SP, Allen RH, Lindenbaum J. (1995): Effects of vitamin B12, folate, and vitamin B6 supplements in elderly people with normal serum vitamin concentrations. Lancet 346:85-9.

Quelle: Ärzte-Workshop zur Bedeutung des Risikofaktors Homocystein anlässlich der „4th International Conference on Homocysteine Metabolism“ vom 29. Juni bis zum 3. Juli 2003 in Basel; Medice
Nach Informationen der Charité Berlin
BSMO , 02.10.2003


 Hoher Homozystein-Spiegel als Prädiktor für MI-Rezidiv und gesteigerte Mortalität

Laut Resultaten einer israelischen Studie sind bei Infarkt-Patienten mit hohem Homozystein-Spiegel Rezidivrisiko und Mortalitätsrisiko deutlich gesteigert.
Dr. Shlomo Matetzky von der Universitätsklinik in Tel Aviv und Kollegen analysierten diesbezügliche Daten von 157 Myokardinfarkt-Patienten, bei 22 (14%) konnte ein Homozystein-Spiegel von über 2,7mg/l diagnostiziert werden.
Frauen und Diabetiker hatten einen signifikant niedrigeren Homozystein-Spiegel als Männer (p<0,01) und Nicht-Diabetiker (p=0,005). Das Alter hatte keinen Einfluss auf die Homozystein-Konzentration.
Nach einem durchschnittlichen Follow-up von 30±10 Monaten konnte für Patienten mit Homozystein-Konzentrationen von über 2,7mg/l eine signifikant höhere Inzidenz eines koronaren Rezidivs (36% vs. 17%; p=0,04) und ein gesteigertes Mortalitätsrisiko (18% v. 5%; p<0,05) registriert werden. Nach Adjustierung auf diverse Risikofaktoren war eine Homozystein-Konzentration von über 2,7mg/l mit einer Odds Ratio des Rezidiv- und Mortalitätsrisikos von 3,8 assoziiert (95% CI 1,3-11,0).
Die Wissenschafter konkludieren, dass bei Infarkt-Patienten mit hohem Homozystein-Spiegel das Rezidiv- und Mortalitätsrisiko deutlich gesteigert ist. 9.10.03
www.medaustria.at    Quelle: Arch Intern Med; 2003, 163: 1933-1937
 


Hirnatrophie durch B-Vitaminmangel

Arteriosklerotische Veränderungen der Gehirngefäße und damit verbunden eine Störung der Versorgung der hochempfindlichen Gehirnzellen stehen im Verdacht, eine wichtige Ursache für nachlassende geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu sein. Da diese kleinen Durchblutungsstörungen klinisch nicht auffallen, werden sie von Neurologen oft als “stille ischämische Hirnläsionen” bezeichnet. Auf lange Sicht manifestiert sich die Schädigung auch makroskopisch im Computer- bzw. im Kernspintomogramm als Hirnatrophie.
Unter den potentiellen Ursachen für arteriosklerotische Gefäßveränderungen einerseits und eine übermäßige Gerinnungsneigung des Blutes (was zu einer rezidivierenden Verlegung kleiner und kleinster Gehirngefäße durch kleine Thromben führt) andererseits könnten auch Störungen in der Versorgung mit B-Vitaminen und daraus resultierend ein Anstieg der Homocysteinwerte von Bedeutung sein. Israelische Wissenschaftler gingen dieser Hypothese nach. Eingeschlossen wurden 56 ambulante Patienten, bei denen vor Beginn der Studie ein Computertomogramm des Gehirns angefertigt wurde. Je nach dem Befund wurden die Patienten einer von drei Gruppen zugeordnet: a) kleinere ischämische Läsionen, b) Hirnatrophie und c) unauffällige Befunde. Verglichen mit den 24 Personen der Gruppe c) war der Homocysteinspiegel bei den 21 Patienten der Gruppe a) um bemerkenswerte 5.6 µmol/l höher, die Vitaminspiegel waren niedriger und die kognitiven Funktionen schlechter. Bei den 11 Patienten mit Gehirnatrophie fielen vor allem der deutlich niedrigere Vitamin B6-Spiegel und die ebenfalls schlechteren kognitiven Funktionen auf. Die Autoren empfehlen deshalb, bei älteren Menschen sorgfältig auf die Überwachung der Homocysteinwerte und des Vitaminstatus zu achten und, um Risikopatienten rechtzeitig zu identifizieren, auch auf Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit hin zu testen.

Adresse zum Bestellen der Publikation: Dr. Y. Dror, Hebrew Univ Jerusalem, Fac Agr Food & Environm Qual Sci, Inst Biochem Food Sci & Nutr, IL-76100 Rehovot, Israel (E-mail: dror@agri.huji.ac.il).

Quelle: Dementia & Geriatric Cognitive Disorders. 16(1):39-45, 2003.
 


Homocystein: Risikofaktor für Präeklamsie
Erhöhte Homocysteinwerte sind offensichtlich während der Schwangerschaft für eine ganze Reihe mütterlicher wie kindlicher Komplikationen von Bedeutung. Nachdem kürzlich gezeigt werden konnte, dass dies für schwere Formen einer bestimmten Schwangerschaftskomplikation, der so genannten Gestose (Präeklampsie), gilt, untersuchten Forscher aus Miami, Florida, ob sich dieser Zusammenhang auch für leichtere Formen der Gestose darstellen lässt. Die Erkrankung äußert sich in der Entwicklung eines Bluthochdrucks während der Schwangerschaft, zusammen mit einer Proteinurie sowie oft begleitenden Ödemen vor allem der Beine.
weiter: http://www.journalmed.de/newsview.php?id=3087


Was nützt das Senken von Homocystein?
Nicht nur Rauchen, Hypercholesterinämie und Hypertonie gelten als wesentliche Risikofaktoren für die Atherosklerose. Mittlerweile gilt auch die Hyperhomocysteinämie als ein Risikofaktor für arterielle Gefäßkrankheiten.


B-Vitamine für Schlaganfall-Risikopatienten

In der aktuell laufenden JAVIS-Studie (Jena Atherosclerosis Vitamin Intervention Study) wird die Wirkung einer B-Vitaminbehandlung auf die Gefäße von Schlaganfall-Risikopatienten untersucht. Unter der Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 zeigte sich bereits nach einem Jahr eine signifikante Verminderung der Arteria-carotis Intima-Media-Dicke (IMT) und der Homocysteinwerte.
Prof. Dr. Uwe Till vom Klinikum der Universität Jena leitet die multizentrische, placebokontrollierte Doppelblind-Studie, die insgesamt zwei Jahre dauern wird. Patienten mit einer IMT über einem Millimeter erhalten oral Placebo oder 2,5 mg Folsäure, 25 mg B6 und 0,5 mg B12 pro Tag.
Mit der IMT der Carotis-Arterien haben Till und seine Kollegen einen Parameter gewählt, der in relativ kurzer Zeit Informationen über die Wirksamkeit von B-Vitaminen bei Arteriosklerose liefern kann. Mit der Dopplersonografie lässt sich die IMT reproduzierbar messen. Außerdem eignet sie sich generell als Marker für Arteriosklerose. Bei 60% der Patienten mit einer IMT über 1 mm fand man Homocysteinwerte über 10 Mikromol pro Liter Plasma. Homocystein ist Teil eines Stoffwechselzyklus, der unter Beteiligung der Vitamine Folsäure und Vitamin B12 Methylgruppen bereitstellt für die Synthese von DNA-Bausteinen, Phospholipiden, dem basischen Myelinprotein, Katecholaminen und vielen anderen Bausteinen des Organismus.
Es ist bekannt, dass schon geringfügig erhöhte Homocysteinwerte mit einer Verdopplung des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden sind. Homocystein trägt 10% zum Gesamtrisiko für Arteriosklerose bei. Sein Risikopotenzial ist damit ähnlich hoch wie das der Risikofaktoren Rauchen oder Hyperlipidämie. Studien zeigen, dass die Senkung des Homocysteinspiegels um drei Mikromol die Risiken für Herzinfarkte um 16%, für tiefe Venenthrombosen um 25% und für Schlaganfälle um 24% verringert [1]. Bereits im Jahr 1995 konnte gezeigt werden, dass eine parenterale Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 (Medivitan®N) die Homocysteinwerte innerhalb von 21 Tagen auf den Normbereich senken kann [2].
Jetzt gibt es erstmals direkte Hinweise, dass eine Behandlung mit den drei B-Vitaminen Arteriosklerose vermindern kann. Till berichtete an der Medica in Düsseldorf über die ersten Ergebnisse seiner Interventionsstudie. 50 Patienten wurden nach einem Jahr der Teilnahme an der Studie entblindet. 24 von ihnen gehörten der Plazebo- und 26 der Verum-Gruppe an. Die Verteilung der Risikofaktoren war in Verum- und Placebo-Gruppe gleich.
Neben Homocystein wurden bestimmt: die drei zur Therapie eingesetzten B-Vitamine, Methylmalonsäure und Methylcitrat als Marker für Vitamin-B12-Mangel, Cystathionin als Indikator für Vitamin-B6-Mangel, die Endprodukte der Remethylierung (Methionin, Betain, Dimethylglycin), der Lipidstatus, die Akut-Phase-Proteine, Creatinin und die Polymorphismen der Methyl-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), einem Enzym, das an der Remethylierung von Homocystein beteiligt ist.
In der Placebo-Gruppe veränderten sich die Homocysteinwerte nicht, in der Verumgruppe fielen sie dagegen weit unter den Grenzwert von 10 Mikromol ab, auf durchschnittlich 6,56 Mikromol pro Liter Plasma. Sucht man mit der Multiplen Regression unter den gemessenen Parametern nach möglichen Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Homocystein-Werts, ergibt sich, dass nur die Zugehörigkeit zur Verum- bzw. Placebogruppe relevant ist. Kein anderer der gemessenen Parameter kommt als Einflussfaktor in Frage.
Die IMT erhöhte sich in der Placebo-Gruppe im Durchschnitt um 0,07 mm. In der Gruppe, die B-Vitamine erhielt, hat die IMT um 0,07 mm abgenommen. Dieses Ergebnis war für Till und seine Kollegen überraschend. Die Arbeitsgruppe hatte erwartet, dass die Arteriosklerose der Verum-Gruppe weniger schnell voranschreitet, nicht, dass sie sich verringert.
Besonders interessiert waren die Wissenschaftler an der Frage, ob die Senkung des Homocysteins mit der Verringerung der IMT korreliert ist. Die Veränderungen der Homocysteinwerte korrelierten jedoch nur in der fünften Quintile (Ausgangswerte ab 15,1 Mikromol Homocystein pro Liter Plasma) mit der Entwicklung der IMT.
Alle Patienten profitierten von der Vitamintherapie durch eine Verringerung von IMT und Homocysteinspiegel. Jedoch korrelierte das Ausmaß der IMT-Verringerung nicht grundsätzlich mit der Senkung des Homocysteinspiegels. Teile des Vitamineffekts sind also nicht über die Homocysteinsenkung zu erklären. Folglich gibt es eine Vitaminwirkung auf die Carotis-Arterien, die unabhängig von der durch die B-Vitamine verursachten Senkung des Homocysteinspiegels ist.
[1] Wald DS, Law M, Morris JK 2002: Homocysteine and cardiovascular disease: evidence on causality from a meta-analysis. BMJ 325(7374):1202.
[2] Naurath HJ, Joosten E, Riezler R, Stabler SP, Allen RH, Lindenbaum J. (1995): Effects of vitamin B12, folate, and vitamin B6 supplements in elderly people with normal serum vitamin concentrations. Lancet 346:85-9. 15.01.2004 Infos für Ärzte

Quelle: Medica Düsseldorf, 22. November 2003   http://www.journalmed.de


Folsäure, Vitamin B6 und B12 erhalten die geistige Leistungsfähigkeit

Spanische Wissenschaftler haben aktuelle Hinweise gefunden, dass Senioren mit erhöhten Homocysteinspiegeln schwächere kognitive Fähigkeiten aufweisen als Gleichaltrige mit niedrigeren Homocysteinspiegeln. Zur Erhaltung der kognitiven Leistungsfähigkeit sollten täglich 600 Mikrogramm Folsäure, 1,9 Milligramm Vitamin B6 und 3,5 Mikrogramm Vitamin B12 eingenommen werden. In der vorliegenden Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Bologna die Fähigkeiten von 650 Senioren, die 65 Jahre oder älter waren hinsichtlich Wahrnehmung, Denken, Erkennen und Erinnern. Die Einordnung erfolgte aufgrund eines wissenschaftlich anerkannten Tests zur Beurteilung kognitiver Fähigkeiten.
Es zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen erhöhten Homocysteinspiegeln und schlechteren Testergebnissen, und mit steigendem Bluthomocystein sanken auch die Testerfolge immer mehr ab. Die spanischen Wissenschaftler berücksichtigten andere Faktoren, die den Bluthomocysteinspiegel beeinflussen können, beispielsweise die Ernährungsform oder den Alkoholkonsum. Es zeigte sich aber, dass diese Faktoren die Ergebnisse nicht verfälschten (1). Dass ein derartiger Zusammenhang besteht, vermuten Neurologen schon seit längerer Zeit. Dies betrifft nicht nur das Nervensystem, auch das Risiko für Herzinfarkte steigt mit einem erhöhten Homocysteinspiegel. Homocystein entsteht beim Eiweißabbau im Organismus. Im Normalfall bauen Enzyme das Homocystein zu unschädlichen Verbindungen ab. Da diese Enzyme abhängig von den B-Vitaminen Folsäure, B12 und B6 sind, ist ein hoher Homocysteinspiegel auch Folge einer unzureichenden Versorgung mit diesen Vitaminen. Reich an B-Vitaminen sind vor allem grüne Blattgemüse. Doch eine ausreichende Zufuhr ausschließlich über Lebensmittel ist aufgrund der Sauerstoff- und Hitzeempfindlichkeit der Vitamine außerordentlich schwierig: Falsche Lagerung, lange Transportwege oder eine vitaminzerstörende Zubereitung führen zu hohen Verlusten in den Lebensmitteln. So kann der Folsäuregehalt einzelner Lebensmittel bei einer falschen Zubereitung um bis zu 90% absinken (2). Die Ernährungsexperten von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik empfehlen deswegen nicht nur Senioren, Folsäure in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12 zusätzlich zur Nahrung in Form von Nahrungsergänzungspräparaten zuzuführen. In den anzuwendenden Dosierungen sind solche Präparate ohne Risiko, aber von hohem Nutzen. Erhältlich sind die entsprechenden Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken und Drogerien, und das schon zu einem äußerst günstigen Preis. 27.02.2004 Infos für Ärzte
http://www.journalmed.de
Literatur:
1) Ravaglia G, Forti P, Maioli F et al.: Homocysteine and cognitive function in healthy elderly community dwellers in Italy. American Journal for clinical nutrition 2003; 77: 668-673
2) Bässler KH, Golly I, Loew D et al.: Vitamin-Lexikon. Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 2002, 152

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.


B-Vitamine sorgen bei Herzkranken für niedrigen Homocystein-Wert
Blutspiegel sollte 10 µmol/l nicht übersteigen / Drei B-Vitamine regulieren den Spiegel
MÜNCHEN (sto). Patienten, die bereits kardiovaskuläre Risiken aufweisen, sollten auch auf erhöhte Homocystein-Werte hin untersucht werden. Dies fordert Professor Klaus Pietrzik von der Universität Bonn. Denn ein erhöhter Wert ist nach seiner Ansicht als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen anzusehen. Das legten auch epidemiologische Studiendaten nahe.
An der Regulation des Homocysteinwerts sind die drei B-Vitamine Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 beteiligt. Bei einer unzureichenden Versorgung mit diesen Vitaminen sei die Metabolisierung von Homocystein eingeschränkt, so daß es bereits in einer relativ frühen Phase eines Vitaminmangels zu einem Anstieg von Homocystein im Blut komme, sagte Pietrzik bei einer Fortbildungsveranstaltung in München.
Als pathophysiologischer Effekt bei einer Hyper-Homocysteinämie wird diskutiert, daß es außer zu Veränderungen der Gefäßmorphologie auch zu einem Verlust der antithrombotischen Endothelfunktion kommt und zur Induktion eines prokoagulatorischen Milieus auf der Basis einer Homocystein-vermittelten oxidativen Streßbelastung.
Bei Hochrisikogruppen und besonders bei Patienten mit manifesten Gefäßerkrankungen sollte nach einem Konsensus der DACH-Liga Homocystein ein Homocysteinspiegel von 10 µmol/l nicht überschritten werden. Da aber nur wenige Menschen die Empfehlung umsetzten, fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu essen, werde diese Vorgabe durch die normale Ernährung nur selten erreicht, so Pietrzik.
Hier empfehle sich eine prophylaktische Vitamin-B-Einnahme. Dadurch könnten theoretisch bis zu 25 Prozent der kardiovaskulären Ereignisse vermieden werden. Ob auch gesunde Patienten mit erhöhten Homocystein-Werten von einer Vitamin-B-Supplementation profitieren, müsse noch in Interventionsstudien untersucht werden.
Weitere Infos zu Homocystein unter www.dach-liga-homocystein.org
Ärzte Zeitung, 29.03.2004


Weinkonsum erhöht Homocysteinspiegel

Das „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlichte Studienergebnisse (1), denen zufolge Weinkonsum die Homocysteinkonzentration erhöht, Bier dagegen keinen beziehungsweise einen inversen Effekt aufwies. Die Homocysteinkonzentration ist ein allgemein anerkannter Indikator für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Rahmen der „French supplementation with antioxidant vitamins and minerals study“ untersuchten Wissenschaftler die Beziehung zwischen der Homocysteinkonzentration und dem Konsum von verschiedenen alkoholischen Getränken innerhalb der französischen Bevölkerung, die sich durch einen häufigen Weinkonsum auszeichnet. 1.196 weibliche und männliche Probanden füllten insgesamt sechs 24-Stunden-Ernährungsprotokolle während eines Jahres aus, an dessen Ende die Homocysteinkonzentration im Plasma der Probanden gemessen wurde. Bei Frauen korrelierte der Konsum von Wein positiv mit der Homocysteinkonzentration, bei Männern dagegen mit dem Konsum von Bier. Diese positive Assoziation bei Männern wurde weiter untersucht durch Einteilung der Männer in Weintrinker und Nicht-Weintrinker. Daraufhin stellten die Wissenschaftler fest, dass nur bei den Weintrinkern die positive Assoziation zwischen Bierkonsum und Homocystein auftrat. Bei den Nicht-Weintrinkern schien die Beziehung sogar invers zu sein. Mit diesen Ergebnissen konnte gezeigt werden, dass die Korrelation zwischen Alkoholkonsum und Homocystein von der Art des konsumierten alkoholischen Getränks abhängig ist. Ein moderater Bierkonsum scheint dabei keinen beziehungsweise einen inversen Effekt auf das Homocystein zu haben. Dies könnte auf die Gehalte an Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 in Bier zurückzuführen sein. Die Ergebnisse sind aber keine Aufforderung zum hemmungslosen Biergenuss. Alkoholische Getränke sollten grundsätzlich nur in moderaten Mengen getrunken werden. Eine unzureichende Folsäurezufuhr kann zu einem erhöhten Homocysteinspiegel beitragen. Eine sinnvolle Ergänzung der Folsäurezufuhr über Lebensmittel stellen Nahrungsergänzungsmittel mit einer Depotwirkung dar. Sie enthalten pro Dragee 600 µg Folsäure plus Vitamin B6 und B12 und versorgen den Körper über Stunden bedarfsgerecht mit Folsäure.
Literatur:
Mennen LI et al.: Relation between homocysteine concentrations and the consumption of different types of alcoholic beverages : the french supplementation with antioxidant vitamins and minerals study. Am J Clin Nutr 2003; 78: 334-338
Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin Bad Aachen
 http://www.journalmed.de


Homocystein als Osteoporoserisiko?
ROTTERDAM/FRAMINGHAM. Ein erhöhter Homocysteinspiegel, ein etablierter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wird durch zwei neue Studien im New England Journal of Medicine mit einer weiteren “Volkskrankheit”, der Osteoporose, in Verbindung gebracht: Die Studien zeigen, dass ältere Menschen mit erhöhten Homocystein-Werten häufiger Knochenbrüche erleiden.
Homocystein ist eine Aminosäure, die als Zwischenprodukt beim Abbau von Methionin entsteht. Der Verdacht, dass ein hoher Homocysteinspiegel einen negativen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben könnte, gründet sich auf Beobachtungen an Patienten mit einer Homocysteinurie. Diese sehr seltene genetische Stoffwechselstörung führt zu exzessiv hohen Homocysteinwerten im Blut.
Die Patienten erkranken nicht nur an einer schweren Atherosklerose. Sie haben auch ein erhöhtes Frakturrisiko aufgrund eines Mineralmangels im Knochen. Da viele Menschen im Alter erhöhte Homocysteinwerte aufweisen, lag es nahe zu untersuchen, ob auch ihr Knochenbruchrisiko erhöht ist. Dies ist jetzt in zwei niederländischen Studien und der amerikanischen Framinghamstudie geschehen.
Joyce van Meurs von der Erasmus Universität in Rotterdam und Mitarbeiter werteten die Daten der Rotterdam-Studie und der Longitudinal Aging Study Amsterdam (LASA) aus, zwei laufende Kohortenstudien in den Niederlanden, in denen ältere Menschen regelmäßig nachuntersucht werden (NEJM 2004; 350:2033-2041). Unter 2 406 Teilnehmern kam es nach 11 253 Personen-Jahren zu 191 osteoporotischen Frakturen, deren Häufigkeit eng mit dem Homocysteinspiegel korreliert war.
Im obersten Viertel der gemessenen Homocysteinspiegel war das Risiko auf einen osteoporotischen Knochenbruch fast doppelt so hoch wie bei Personen mit niedrigeren Werten. Das altersbereinigte relative Risiko betrug 1,9 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,4–2,6). Das Risiko war unabhängig von der Knochenmineraldichte und anderen bekannten Risikofaktoren für Knochenbrüche im Alter.
Eine Untersuchung der Framingham-Studie, jener Kohorte aus der gleichnamigen Kleinstadt in Massachussetts, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis (NEJM 2004 350:2042-2049). Frauen mit den höchsten Plasmawerten (oberstes Viertel) hatten zu 90 Prozent häufiger Frakturen erlitten. Bei den Männern mit den höchsten Homocysteinwerten war die Häufigkeit von Frakturen sogar fast vervierfacht.
Auch wenn die Ergebnisse eindeutig sind, so bedeuten sie jedoch nicht unbedingt, dass hohe Homocysteinspiegel kausal für die Frakturen verantwortlich sind. Dies lässt sich aus Beobachtungsstudien nicht ableiten. Möglich wäre auch, dass der hohe Homocysteinspiegel nur ein Marker für eine andere Osteoporose-Ursache ist. Dies könnte beispielsweise ein Östrogenmangel sein, wie Lawrence Raisz von der Universität von Connecticut in Farmington im Editorial schreibt (NEJM 2004; 350: 2089-2090).
Bei Frauen kommt es nach der Menopause zu einem Anstieg der Homocysteinspiegel, die unter einer Behandlung mit Östrogenen wieder absinken. Möglich sei auch, dass ein hoher Homocysteinspiegel nur ein Marker für einen schlechten Ernährungszustand der Patienten ist. Ein Mangel an Vitamin D oder Kalzium konnte in der niederländischen Studie zwar als Ursache der Frakturen ausgeschlossen werden. Bekannt ist aber, dass viele ältere Menschen unter einer Mangelernährung leiden, zu der auch eine zu geringe Zufuhr von Folsäure gehört. Folsäure wird für den Abbau von Homocystein zu Methionin benötigt. Ein Mangel könnte deshalb die im Alter erhöhten Homocysteinwerte erklären.
Die logische Konsequenz aus der Studie besteht nach Ansicht von Raisz in der Durchführung einer Interventionstudie, in der ein Teil der Patienten mit Folsäure substituiert würde. Wenn es unter dieser Behandlung zu einem Absinken der Frakturrate käme, wäre der Zusammenhang zwischen hohen Homocystein-Spiegeln und der Osteoporose endgültig belegt.14.05.2004 DEUTSCHES ÄRZTEBLATT


Homocystein als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Empfehlungen für die Praxis

Der Homocysteinstoffwechsel wird im wesentlichen durch die B-Vitamine Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 reguliert, so dass eine unzureichende Vitaminversorgung einen erhöhten Homocysteinblutspiegel zur Folge hat. In einschlägigen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Homocysteinblutspiegel bereits im leicht erhöhten Bereich (>10 µmol/l) regelmäßig auf eine Vitamingabe ansprechen und dadurch signifikant gesenkt (<10 µmol/l) werden können. Bei niedrigen physiologischen Homocysteinspiegeln von <6-8 µmol/l ist auch durch Vitamingabe eine Beeinflussung des Homocysteinspiegels nicht mehr möglich. Daraus kann gefolgert werden, dass erhöhte Homocysteinspiegel >10 µmol/l als Indikator für eine unzureichende Versorgung mit den genannten B-Vitaminen angesehen werden kann. Gleichzeitig gilt ein bereits moderat erhöhter Homocysteinspiegel als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so Prof. Dr. K. Pietrzik vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn.

Diverse Fall-Kontroll-Studien und prospektive Studien zeigten übereinstimmend, dass bereits bei moderat erhöhten Homocystein-Serumspiegeln eine positive Assoziation zum Auftreten von koronarer Herzkrankheit besteht. Mit steigender Homocystein-Plasmakonzentration steigt das KHK-Risiko an, wobei jede Erhöhung der Nüchtern-Homocystein-Serumwerte um 5 µmol eine Odds Ratio (OR) von 1,7 für das KHK-Risiko nach sich zieht. Die pathologischen Effekte lassen sich in zwei Mechanismen zusammenfassen: einen direkt zelltoxischen Einfluss des Homocysteins und einer Veränderung der Gerinnungs-Homöostase. Da der Stoffwechsel des Homocysteins eng mit dem der B-Vitamine Folsäure, B12 und B6 verknüpft ist, ist ein physiologischer Abbau und Umbau der Aminosäure Homocystein nur bei ausreichenden Serumkonzentrationen der o.g. Vitamine gewährleistet. Ein therapeutisch-prophylaktisches Eingreifen in den Stoffwechsel des Risikofaktors Homocystein mit Hilfe dieser Vitamine ist möglich. Im Rahmen eigener Untersuchungen wurden die Dosis-Wirkungsbeziehungen näher untersucht. Dabei wurde sowohl die Wirkung der einzelnen Vitamine als auch unterschiedlicher Kombinationen und Dosierungsvarianten auf den Homocysteinblutspiegel überprüft. Es zeigte sich, dass der Folsäure zwar das größte Wirkungspotenzial zukommt, in Kombination mit den anderen Vitaminen jedoch noch eine Wirkungssteigerung eintritt.

Aktuelle Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe weisen zudem darauf hin, dass speziell beim älteren Menschen ein unzureichender Vitamin B12-Status für die erhöhten Homocysteinspiegel (mit)verantwortlich ist. Einschlägige Untersuchungen an 180 Altersheimbewohnern zeigten, dass die erhöhten Homocysteinspiegel zu 12% auf einen isolierten Vitamin B12-Mangel zurückzuführen sind, und dass weitere 29% einen kombinierten Vitamin B12 und Folsäuremangel aufweisen, so dass insgesamt ca. 40% dieser Altersgruppe einen unzureichenden Vitamin B12-Status haben. Die Ergebnisse erklären sich dadurch, dass 30-50% der Älteren (>60 Jahre) an einer Gastritis leiden, wodurch die Ausnutzung des mit der Nahrung aufgenommenen Vitamin B12 limitiert ist. Dementsprechend sollte nicht nur eine Verbesserung der Folsäureversorgung für die Allgemeinbevölkerung propagiert werden, sondern zusätzlich beim älteren Menschen eine Supplementierung von Vitamin B12 empfohlen werden, denn Homocystein gilt nicht nur als Marker eines Vitaminmangels sondern auch als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehrere groß angelegte Interventionsstudien mit mehr als 50.000 Versuchspersonen, die diese Zusammenhänge definitiv beweisen, befinden sich in der Durchführung bzw. im Endstadium und lassen erste Ergebnisse in Kürze erwarten.

Aktuelle Daten aus den USA bestätigen die präventive Wirkung der Folsäure. Anlässlich der 44. Konferenz der American Heart Association im März 2004 in San Francisco wurden erste Ergebnisse publiziert, die den Rückgang von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um ca. 50.000 Fälle pro Jahr auf die seit 1998 praktizierte Zwangsanreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure zurückführen.

Da derartige Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland kaum durchführbar sind, ist es dringend geboten, über andere Wege (Optimierung der Ernährung durch mehr Obst und Gemüse, Vitaminpräparate etc.) eine bessere Vitaminversorgung zu erreichen.

Aufgrund der inzwischen nachgewiesenen Bedeutung des Homocysteins als unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat sich die DACH- Liga Homocystein formiert, die einen Zusammenschluss deutscher (D), österreichischer (A) und schweizerischer (CH) Fachwissenschaftler darstellt, die Richtlinien und Empfehlungen zum rationellen und klinischen Umgang mit Homocystein und thrombotischen Erkrankungen herausgegeben hat (J. Kardiol. 2003; 10 (5)). Danach ist beim Gesunden ein Homocysteinspiegel <12 µmol/l anzustreben, bei Risiko-patienten sollte dieser 10 µmol nicht überschreiten. Zur Senkung erhöhter Homocystein-Werte werden Dosierungsempfehlungen für B-Vitamine gegeben, die im nutritiven Bereich liegen. Lediglich bei Therapieversagern kann nach spezieller Diagnostik der Einsatz pharmakologischer Dosierungen von B-Vitaminen angezeigt sein. Die Empfehlungen fußen auf den bisher zur Verfügung stehenden Daten und müssen bei zunehmendem Erkenntnisgewinn jeweils aktualisiert werden. Die einschlägigen Empfehlungen für die Praxis wurden von der DACH- Liga Homocystein in einem Konsensuspapier zusammengefasst, das im Internet unter www.dach-liga-homocystein.org abgerufen werden kann.

Quelle: Aktionstage Homocystein, 4. Mai 2004; Medice


Vitamin B gegen Herzleiden bei Diabetikern

Hohe Dosen an Vitamin B1 (Thiamin) verringern das Cholesterin im Blut von Diabetespatienten und helfen ihnen so dabei, Herzleiden zu vermeiden. Das haben Forscher an der Universität Essex herausgefunden. Demnach sollten Diabetiker auch geringe Defizite an Thiamin vermeiden. Die Einnahme von Thiamin-Ergänzungen könnte das Risiko für Herzerkrankungen und Nierenversagen signifikant mindern.
Diabetes erhöht das Risiko für Herzleiden bei Männern um das Doppelte bis Dreifache und bei Frauen um das Drei- bis Fünffache. Das erhöhte Risiko steht in Verbindung mit hohen Niveaus von Cholesterin und Lipiden im Blut.
Frühere Studien haben nachgewiesen, dass die Verwendung von Medikamenten, wie Statinen, das Risiko für Herzleiden bei Diabetikern um 20 bis 40 Prozent verringern kann. Die Autoren der aktuellen Studie unter der Leitung von Paul J. Thornalley sind zuversichtlich, dass hohe Dosen an Thiamin ebenfalls dabei helfen, den Effekt des Cholesterins und der Lipid-Level umzukehren. Thornalley empfiehlt Diabetikern, Vitamin-B-Ergänzungen einzunehmen. 14.12.2004 Infos für Ärzte www.journalmed.de


Folsäure und Vitamin B12 senken Frakturrisiko nach Schlaganfall

TAGAWA/JAPAN. Nach einem Schlaganfall ist das Risiko von Knochenbrüchen erhöht. Eine mögliche Ursache ist der Anstieg des Homocysteinspiegels im Blut, der durch eine Therapie mit Folsäure und Vitamin B12 gesenkt werden könnte. Eine im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2005; 293: 1082-1088) publizierte Doppelblindstudie aus Japan bestätigt diese Hypothese mit einem sehr guten Ergebnis, wenn auch die Editorialisten zur Zurückhaltung mahnen.
An der Studie, die am Mitate Hospital in Tagawa durchgeführt wurde, nahmen 628 Patienten teil, bei denen der Schlaganfall mindestens ein Jahr zurücklag und noch eine residuale Hemiplegie bestand. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen randomisiert. In einem Arm nahmen die Patienten täglich fünf Milligramm Folsäure plus 1500 µg Vitamin B12 ein. An die Teilnehmer des anderen Studienarms wurden Placebos verteilt.
Folsäure und Vitamin B12 werden für den Abbau von Homocystein in Methionin benötigt. Die Therapie sollte deshalb zu einem Abfall des Homocysteinspiegels führen, was auch der Fall war. Während im Placebo-Arm die Homocysteinspiegel um 31 Prozent anstiegen, fielen sie im Therapie-Arm um 38 Prozent. Das allein würde noch keinen klinischen Vorteil bedeuten. Doch unter den Patienten, die mit den beiden Vitaminen behandelt wurden, traten in den zwei Jahren der Nachbeobachtung deutlich weniger Schenkelhalsfrakturen auf, nämlich sechs gegenüber 27 im Placebo-Arm. Das ergibt unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den Patienten eine Risikominderung um 80 Prozent (relatives Risiko 0,20: 95-Konfidenzintervall 0,08-0,50). Das absolute Risiko sank nach der Auswertung der Gruppe um Yoshihiro Sato vom Mitate Hospital um 7,1 Prozent (3,6 bis 10,8 Prozent). Und die “number needed to treat” (NNT), also die Zahl der Patienten, die behandelt werden müsste, um eine einzelne Hüftfraktur zu vermeiden, betrug 14 (9 bis 28), durchaus ein beeindruckendes Ergebnis.

Die Autoren ließen die Patienten auch ein Tagebuch führen, in dem diese die Stürze notierten. Die Zahl war in beiden Gruppen gleich, so dass man vermuten darf, dass das verminderte Frakturrisiko auf eine Verbesserung der Knochenstabilität zurückzuführen war.

Für Joyce van Meurs und André Uitterlinden vom Erasmus Medical Center in Rotterdam ist die Studie der erste Beweis, das durch erhöhte Homocysteinspiegel das Frakturrisiko ansteigt (JAMA 2005; 293: 1121-1122). Dennoch sind die Experten zurückhaltend in ihrer Bewertung. Sie fordern weitere klinische Studien zur Effektivität und zu den biologischen Grundlagen der Wirkung.2. März 2005 http://www.aerzteblatt.de

Links zum Thema

Abstract der Studie im JAMA

Pressemitteilung JAMA


Vitamin B6 (Pyridoxin) im Sport

Pyridoxin stellt die Vorstufe des biologisch aktiven Pyridoxalphosphats dar, das ein wichtiges Coenzym für eine Reihe von Enzymen ist. Für den Sportler ist in erster Linie die Beteiligung am Aminosäuren-Stoffwechsel interessant, bei dem es insbesondere für Transaminierungsreaktionen unentbehrlich ist.
Zur Vermeidung eines Abbaus von körpereigenem Eiweiß, zur Förderung der Regeneration und Aufrechterhaltung der Proteinsynthese in der Muskulatur kann der Bedarf in der Diät bei schwerem Körpertraining auf das Fünffache ansteigen. Der Pyridoxin-Bedarf hängt vom Proteinumsatz ab und steigt mit der Eiweißzufuhr. Der Bedarf an Vitamin B6 für ein Gramm Nahrungsprotein wird auf 0,02 mg geschätzt.
Fazit: Die Supplementierung ist sinnvoll. Um die Effizienz bei eiweißreicher Kost zu erhöhen, wird ein hoch dosiertes Komplexpräparat mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure empfohlen.

Vitamin B12 (Cyanocobalamin) im Sport

Vitamin B12 wird im Körper in die Wirkformen 5-Desoxy-adenosyl-cobalamin und Methylcobalamin umgewandelt. Diese sind als Coenzyme für Wachstum und Blutbildung erforderlich. Cyanocobalamin wird parenteral appliziert.
Fazit: Über einen sportspezifischen Mehrbedarf an Vitamin B12 ist relativ wenig bekannt. In der einschlägigen Literatur wird ihm durch Beteiligung an der Nucleinsäure-Biosynthese eine anabole Wirkung zugeschrieben. Dibencozide ist ein Vitamin B12-Derivat, das peroral gut resorbiert wird. Viele Kraftsportler sind von der anabolen Wirkung dieser Substanz überzeugt. Wissenschaftliche Studien sind nicht bekannt.
http://www.pharmazeutische-zeitung.de 8/2004



Wenn das Gedächtnis streikt, fehlt manchmal nur
Vitamin B12
Bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen lohnt es sich, die bisherige Medikation zu überprüfen / B12-Mangel häufig bei alten Menschen
WIESEBADEN (sko). Bei Patienten mit Verdacht auf eine Demenz sollten Ärzte die Medikation einmal genauer unter die Lupe nehmen. Denn viele gängige Wirkstoffe können die Kognition beeinträchtigen. Auch eine Intoxikation durch Schwermetalle und Lösungsmittel sowie ein Vitamin-B12-Mangel sollten ausgeschlossen werden.
"Es gibt viele Substanzen, bei denen man es nicht vermutet, daß sie zu kognitiven Störungen führen können." Daran hat Privatdozent Dr. Herbert F. Durwen von der Universität Bochum beim Neurologiekongreß in Wiesbaden erinnert. Als Beispiel nannte er Glukokortikoide, Analgetika, Antiasthmatika oder auch Antihypertensiva. Er selbst habe beobachtet, daß Patienten unter einer Behandlung mit einem Antihypertensivum kognitive Einschränkungen entwickelten, die nach Absetzen des Medikaments wieder verschwanden, so Durwen bei einem Symposium des Arbeitskreises Demenz.
Schätzungsweise seien bei ein bis zwei Prozent der Patienten mit Demenz-Verdacht die kognitiven Beeinträchtigungen Arzneimittel-induziert. Der Anteil sei also gering. Doch sollte man zumindest eine Beteiligung von Medikamente an Demenz-Symptomen nicht unterschätzen und die Pharmakotherapie bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen kritisch überprüfen, sagte Durwen.
Bekannte Ursachen von kognitiven Einschränkungen sind auch Vergiftungen mit Schwermetallen wie Blei, Quecksilber, Thallium sowie mit organischen Lösungsmitteln - vor allem bei Personen, die beruflich mit solchen Substanzen Kontakt haben oder hatten.
Eine wichtige Ursache von kognitiven Störungen seien Krankheiten, die durch metabolische Störungen ausgelöst werden, etwa eine chronische Hypoglykämie.
Und auch bei einem Vitamin-B12-Mangel könne das Leitsymptom eine kognitive Einschränkung sein. Da in Deutschland besonders ältere Menschen ohne sicheres soziales Umfeld häufig fehl- oder unterernährt seien, lohne es sich hier, die Vitamin-Spiegel in regelmäßigen Abständen zu prüfen, sagte Durwen. Ärzte Zeitung, 26.09.2005


Die NORVIT-Studie – eine Einschätzung der D.A.CH.-Liga Homocystein

Weltweit werden derzeit Studien mit insgesamt mehr als 60.000 Teilnehmern durchgeführt, um zu überprüfen, ob die Einnahme von B-Vitaminen nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder Beinvenenthrombose eine weitere Komplikation verhindern kann. Diese Studien wurden gefordert, um die pathologische Wirkung erhöhter Homocysteinwerte bzw. des Vitaminmangels auf das Gefäßsystem klinisch abzusichern. Außerdem sollte das Potenzial der B-Vitamine für eine Sekundärprävention bei
Patienten eingeschätzt werden, die bereits Herz-Kreislauferkrankungen haben. Am
5. September 2005 wurden im Rahmen des Kongresses der European Society of
Cardiology
in Stockholm Ergebnisse einer dieser Studien präsentiert.

Die NORVIT-Studie befasste sich mit der Prognose von Herzinfarktpatienten. Nach dem Infarkt sollte die Wirkung von B-Vitaminen auf einen weiteren Herzinfarkt oder einen Schlaganfall untersucht werden. In 35 Krankenhäusern Norwegens nahmen 3.749 Patienten im Alter zwischen 38 und 84 Jahren teil. Sie hatten maximal 7 Tage vor Einschluss in die Studie einen Herzinfarkt erlitten. Die Teilnehmer wurden dann zufällig in 4 Gruppen eingeteilt und erhielten entweder Folsäure (0,8mg) mit Vitamin B12 (0,4mg), nur Vitamin B6 (40 mg), Folsäure (0,8mg) mit Vitamin B12 (0,4mg) und Vitamin B6 (40 mg) oder Placebo. Es handelte sich um eine Doppelblindstudie, d. h. weder der behandelnde Arzt noch der Patient wussten, was die Medikation enthielt. Die durchschnittliche Beobachtungsdauer betrug 3,5 Jahre. Die Hauptkriterien, nach denen das Ergebnis der Behandlung bewertet wurde, sog. „Studienendpunkte“, waren Herzinfarkt (tödlich oder nicht) und Schlaganfall. Weitere Kriterien waren Tod, erforderliche Herzoperationen und instabile Angina pectoris.

Die Studie ist noch nicht publiziert, deshalb ist es zurzeit schwierig, die Qualität der Daten zu beurteilen. In den Gruppen, die Folsäure und Vitamin B12 erhielten, ließ sich trotz Senkung des Homocysteinspiegels kein Prognose-Vorteil bei den mit Vitaminen behandelten Patienten nachweisen. Eine Vitamingruppe zeigte sogar ein größeres Risiko für einen zweiten Infarkt oder einen Schlaganfall als die Placebo-Gruppe. Bei den Gruppen, die Folsäure und Vitamin B12 erhielten, wurde die Homocysteinkonzentration im Blut erwartungsgemäß um 28% gesenkt, in den Placebo- und Vitamin B6-Gruppen veränderte sie sich nicht. Zusätzlich wurde in der Gruppe, die alle drei B-Vitamine erhielt, eine höhere Anzahl von Krebserkrankungen registriert. Diese Beobachtung war jedoch nicht signifikant, kann also auf Zufall beruhen.

Die Präsentation der NORVIT-Daten von Prof. Kaare Harald Bønaa hat großes Aufsehen erregt, jedoch viele wichtige Fragen nicht angesprochen bzw. unbeantwortet gelassen. In einer anschließenden Pressekonferenz wurden Aussagen getroffen, die aufgrund der vorgestellten Daten nicht zulässig sind. Nun besteht die Gefahr, dass durch unkritische
Berichterstattung aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen die Anwendung von
B-Vitaminen in Prävention und Klinik in Frage gestellt wird. Schlussfolgerungen aus der NORVIT-Studie, die anerkannte Experten auf dem Gebiet der B-Vitamin- und Homocysteinforschung bislang nicht überzeugen konnten, sollen an dieser Stelle diskutiert werden.

„B-Vitamine verhindern Herzinfarkte nicht und könnten für Patienten mit Herz-Kreislaufkrankheiten schädlich sein.“

Wenn es zu einem Herzinfarkt kommt, sind die Gefäße dem pathologischen Prozess der Atheroklerose bereits seit Jahrzehnten ausgesetzt. Die Effekte durch B-Vitamine bzw. eine Homocysteinsenkung werden kurz nach einem Herzinfarkt und bei optimaler Versorgung der Patienten mit Statinen, Acetylsalicylsäure, ß-Blockern und ACE-Hemmern im statistischen Durchschnitt sehr klein sein, so dass sehr große Patientenzahlen notwendig sind, um diesen Nachweis einer Sekundärprävention zu führen. Es bestehen deshalb starke Zweifel, ob die statistische „Power“ der Studie ausreicht. David Wald, ein Wissenschaftler aus Southampton, hat berechnet, dass für eine zuverlässige Aussage zu den Effekten der Homocysteinsenkung in der Sekundärprävention etwa 20.000 Patienten über fünf Jahre beobachtet werden müssten.

Mehr als die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle traten in der NORVIT-Studie im ersten Jahr nach Studienbeginn auf. Eine statistisch korrekte Aussage über mittel- und langfristige Effekte der Vitaminbehandlung ist daher nicht möglich.

Die NORVIT-Studie erlaubt keine Aussage zur Primärprävention von Herz-Kreis-lauferkrankungen, also einer präventiven Wirkung von B-Vitaminen und Homocysteinsenkung auf die Entwicklung von Atherosklerose. Homocysteinsenkung bzw. Vitamingabe vermögen nachweislich den Verlauf der Progression positiv zu beeinflussen. Das zeigen insbesondere die Daten der weltweit wohl größten Untersuchung zur Primärprävention mit Folsäure durch das CDC (Center of Disease Control and Prevention, Atlanta). Seit Einführung der gesetzlichen Folsäureanreicherung in Lebensmitteln im Januar 1998 wurde in den USA eine jährliche Abnahme der Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall um 48.000 Fälle dokumentiert und der erhöhten Folsäureaufnahme eindeutig zugeordnet.

In den USA und Kanada gibt es seit der gesetzlichen Folsäureanreicherung von Grundnahrungsmitteln kaum noch Folsäuremangel. Dieser Umstand macht Studien zu den
Effekten zusätzlicher Folsäuregabe in diesen Ländern unmöglich.

„Die Homocystein-Hypothese ist tot. Homocystein ist kein Risikofaktor, sondern ein unbeteiligtes Stoffwechselprodukt“

Die „Homocystein-Hypothese“ wird durch hunderte von Publikationen gestützt. Für Homocystein bzw. erbliche Stoffwechselstörungen, die zu einem erhöhten Homocysteinspiegel führen, wurden zahlreiche Pathomechanismen nachgewiesen, die sich unter anderem auf die Gefäßwand auswirken. Diese Ergebnisse stehen in Einklang mit der generell akzeptierten „response-to-injury“-Hypothese der Atheroskleroseentstehung, die besagt, dass Atherosklerose mit einer Verletzung der Gefäßwand durch aggressive (bio)-chemische Substanzen beginnt.

Zu den Gefäß schädigenden Mechanismen von Homocysteinerhöhung bzw. Folatmangel gehören Radikalbildung, Aktivierung der Zellteilung und Entzündung. Bei gleichzeitiger Gabe von Statinen, Acetylsalicylsäure, ß-Blockern und ACE-Hemmern, also Medikamenten, die teilweise die Folgen erhöhter Homocysteinwerte neutralisieren, ist von der Homocysteinsenkung bzw. Folsäuregabe kaum ein statistisch nachweisbarer Effekt zu erwarten. Da es ethisch nicht zu vertreten ist, Herzinfarktpatienten die Medikamente zu verweigern um die Effekte von Monotherapien zu überprüfen, ist es bei Hochrisikopatienten beinahe unmöglich, einen zusätzlichen Vitamineffekt zu beweisen. Das gelänge nur bei einer sehr viel höheren Fallzahl. Die im Studiendesign vorgegebene Reduktion des Risikos für einen zweiten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall um 20% ist unter begleitender Maximaltherapie unrealistisch. Daraus folgt, dass die NORVIT-Studie für die Feststellung, die getroffen werden sollte, nicht genügend Aussagekraft („Power“) hat.

„In einer Gruppe, die eine Vitaminkombination erhielt, traten mehr Krebserkrankungen auf.“

Eine kausale Verknüpfung der Vitamingabe mit einer nachträglichen Beobachtung ist nach den Kriterien der Bewertung klinischer Studien nicht zulässig. Erstens ist die Beobachtung nicht signifikant und zweitens war eine diesbezügliche Untersuchung nicht die Absicht der NORVIT-Studie. Eine Schlussfolgerung, dass die B-Vitamine die Krebsentstehung fördern könnten, ist daher unverantwortlich.

Es gibt umfangreiche Literatur über die schützende Wirkung von Folsäure vor Darmkrebs, einer der häufigsten Krebserkrankungen. Seit Einführung der gesetzlichen Folsäureanreicherung von Lebensmitteln in den USA und Kanada im Jahr 1998 hat das CDC keine Erhöhung der Krebs-Inzidenz festgestellt, die mit der Folsäureanreichung in Verbindung stehen könnte.

Ansprechpartner:

Dr. Maren Mundt

 

MW Office Redaktionsbüro

 

Steinheilstraße 10

maren.mundt@mwoffice.de

85737 Ismaning

Tel.: 089-96086-360


 

Prof. Dr. Olaf Stanger

 

Präsident der D.A.CH.-Liga Homocystein e.V.

o.stanger@lks.at

Landesklinik für Herzchirurgie Salzburg

Tel.: +43(0)662-4482-3353

 

Prof. Dr. Wolfgang Herrmann

 

D.A.CH.-Liga Homocystein e.V.

kchwher@uniklinik-saarland.de

Universitätskliniken des Saarlandes Homburg

Tel.: 06841-1630-700

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Hoher Homocystein-Spiegel als Risikofaktor der Makuladegeneration
Eine im „American Journal of Ophthalmology“ publizierte Studie beschreibt einen hohen Homocystein-Spiegel als Risikofaktor für die Entwicklung einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD).
Wissenschafter vom Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston und vom Devers Eye Institute in Portland, Oregon, (Seddon et al) beschreiben in ihrer Arbeit diesbezügliche Daten von 547 Patienten mit AMD und 387 Kontrollprobanden, die an der Age Related Eye Disease Study teilnehmen. Die Homocystein-Messungen erfolgten im Nüchternzustand, der Makulastatus wurde mittels Fundusfotografie beurteilt.
Die mittleren Homocystein-Werte waren bei AMD-Patienten signifikant höher als bei den altersadjustierten Kontrollprobanden (9,51 µmol/l vs. 8,81 µmol/l; p=0,01). Werte über 12mmol/l waren im Vergleich zu unter 12 µmol/l ebenfalls mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit der AMD assoziiert.
Die Wissenschafter schließen, dass ein hoher Homocystein-Wert einen modifizierbaren Risikofaktor der altersbedingten Makuladegeneration darstellen könnte. 2006 www.medaustria.at
Quelle: Am J Ophthalmol; 2006, 141: 201-203 26.1.06


Broschüre zu Risikofaktor Homocystein
MARBURG (eb.) Über den Risikofaktor Homocystein für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wisse die Bevölkerung kaum etwas, teilt das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) mit.
Homocystein ist ein Zellgift, das durch den Abbau der Aminosäure Methionin entsteht. Wann Homocystein-Werte bedenklich sind und wie Homocystein-Spiegel gesenkt werden können, steht in einer Broschüre des DGK.
Anforderung mit frankiertem Rückumschlag (1,44 Euro): DGK, Homocystein, Schuhmarkt 4, 35037 Marburg          Ärzte Zeitung, 21.11.2006


Schlaganfall- und TIA-Risiko: Rolle von Vitamin B12

In einer neuen prospektiven Analyse einer Subkohorte (N= 821) der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ wurde die Beziehung zwischen B-Vitaminspiegeln und dem Risiko für zerebrale Ischämien im Follow up von 6 Jahren +/- 1,5 Jahre untersucht. Dabei zeigte sich, dass niedrige Vitamin-B12-Spiegel in Kombination mit Folsäure-Mangel das Risiko für zerebrale Ischämien erhöhen (p<0,05) [1].
Die aktuellen Daten des Deutschen Instituts für Ernährung in Potsdam sind neuer Stoff für die Debatte zu der Chance, mit B-Vitaminen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu verringern. Begonnen hat die Diskussion nach Publikation epidemiologischer Studien, die zeigten, dass erhöhte Homocysteinspiegel das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigern [2; 3; 4; 5]. Dann allerdings führten die Interventionsstudien VISP [6], NORVIT [7] und WENBIT zu allgemeiner Verunsicherung, weil die Senkung des Homocysteinspiegels mit den drei B-Vitaminen des Homocysteinstoffwechsels in der Sekundärprävention keinen Vorteil zeigen konnte. Mittlerweile ist klar, dass dafür das Design der Studien verantwortlich war [8, 9, 10]. Das betrifft erstens die Einschlusskriterien:

- Einschluss von Patienten ohne Hyperhomocysteinämie, bzw. ohne B-Vitaminmangel
- Folsäure-Anreicherung der Lebensmittel in teilnehmenden Ländern
und zweitens die Power der Studie:
- Der Effekt der Behandlung auf das ungenügend selektierte Patientenkollektiv wurde überschätzt; deshalb war die Teilnehmerzahl zu klein
- Die Studiendauer war unter den genannten Rahmenbedingungen meist zu kurz (<3 Jahre). Nur in Studien, die länger als 3 Jahre dauerten, war ein Effekt auf das Schlaganfallrisiko nachweisbar (z. B. in der HOPE-2-Studie [11]). Das hat eine Metaanalyse der verfügbaren Daten gezeigt [10].

Interessant an der neuen prospektiven Studie ist, dass es die Vitamin-B12-Spiegel sind, die als härteste Parameter für das Ischämie-Risiko hervortreten. Offenbar spielt Vitamin-B12-Mangel eine wichtigere Rolle für das Schlaganfallrisiko als angenommen. Das könnte der Grund dafür sein, dass die VISP-Studie [6] kein Ergebnis erbracht hat.

In dieser Studie zur Sekundärprävention nach Schlaganfall ging es um die Frage, ob Folsäure, Vitamin B12 und B6 oral verabreicht, die Prognose verbessert. Das konnte nicht gezeigt werden,
• weil auch Patienten mit normalen Vitamin- bzw. Homocysteinwerten eingeschlossen worden waren,
• weil in den USA und Kanada Folsäure-Anreicherung in Getreideprodukten gesetzlich vorgeschrieben wurde, während die Studie noch lief und folglich Folsäure-Mangel als Risikofaktor im Verlauf der Studie entfiel,
• weil das Studiendesign ohne Placebo-, aber mit „high dose“- und „low dose“-Vitamingruppen zusätzlich auch noch den Effekt eines Vitamin B12-Mangels verwässert hat.

Trotzdem war in einer Reanalyse der VISP-Studie [12] das Schlaganfallrisiko der „high-dose“-Gruppe um 21% geringer als in der „low dose“-Gruppe. Die Subgruppenanalyse entstand aus Daten von Patienten, die bei Einschluss in die Studie weder extrem niedrige Vitamin B12-Spiegel durch Resorptionsstörungen, noch extrem hohe Spiegel durch Einnahme von Vitaminpräparaten hatten. Nur diese Patientengruppe hatte die Chance, von der „high-dose“-Vitamin B12-Einnahme messbar zu profitieren.

Insgesamt zeigen die neuen Daten aus Potsdam, dass es sinnvoll ist, die Rolle der B-Vitamine in der Prävention von Schlaganfall weiter zu untersuchen. Es ist immer noch unklar, ob es Subgruppen gibt, die in besonderem Maße von einer Vitamintherapie profitieren, denn genetische Faktoren könnten den Vitaminstoffwechsel beeinflussen. Die wichtigste Erkenntnis aus der neuen Untersuchung ist, dass niedrige Vitamin-B12-Spiegel besonders in Kombination mit Folsäure-Mangel das Risiko für TIA und Schlaganfall erhöhen können. Für eine präventive Wirkung scheint die Überschreitung bestimmter Schwellen-Vitaminspiegel entscheidend zu sein.

Das stützt auch eine Präventionsstrategie, die sich aus einer placebokontrollierten Interventionsstudie mit Schlaganfall-Risikopatienen ergibt [13]. Die Einnahme von 2,5 mg Folsäure, 25 mg B6 und 0,5 mg B12 (Medyn®forte) pro Tag bewirkte eine signifikante Verringerung der Intima-Media-Dicke (IMD) der Karotis-Arterien um 4% (p< 0,034). In der Placebo-Gruppe erhöhte sich die IMD dagegen im Mittel um 7%. Die Studie ist zwar keine Endpunktstudie zum Schlaganfall-Risiko, zeigte aber in kurzer Zeit eine deutliche Verringerung eines wichtigen Risikofaktors für Herz-Kreislauferkrankungen.
Referenzen:
[1] Weikert C, Dierkes J, Hoffmann K, Berger K, Drogan D, Klipstein-Grobusch K, Spranger J, Möhlig M, Luley C, Boeing H (2007): B vitamin plasma levels and the risk of ischemic stroke and transient ischemic attack in a German cohort. Stroke 38(11):2912-8.
[2] Boushey CJ, Beresford SA, Omenn GS, Motulsky AG (1995): A quantitative assessment of plasma homocysteine as a risk factor for vascular disease. Probable benefits of increasing folic acid intakes.
JAMA 274(13):1049-57.
[3] Weiss N, Pietrzik K, Keller C (1999): Atherosklerosefaktor Hyperhomocysteinämie. DMW 124(38)1107-13.
[4] Selhub J, Jacques PF, Bostom AG, D'Agostino RB, Wilson PW, Belanger AJ, O'Leary DH, Wolf PA, Schaefer EJ, Rosenberg ICH (1995): Association between plasma homocysteine concentrations and extracranial carotid-artery stenosis. N Engl J Med 332(5):286-91.
[5] Wald DS, Law M, Morris JK (2002): Homocysteine and cardiovascular disease: evidence on causality from a meta-analysis. BMJ 325(7374):1202.
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[7] Bonaa KH, Njolstad I, Ueland PM, Schirmer H, Tverdal A, Steigen T, Wang H, Nordrehaug JE, Arnesen E, Rasmussen K; NORVIT Trial Investigators (2005): Homocysteine lowering and cardiovascular events after acute myocardial infarction. N Engl J Med 354(15):1578-88.
[8] Wald DS, Wald NJ, Morris JK, Law M (2006): Folic acid, homocysteine, and cardiovascular disease: judging causality in the face of inconclusive trial evidence. BMJ 333(7578):1114-7. Review.
[9] Clarke R, Armitage J, Lewington S, Collins R; B-Vitamin Treatment Trialists' Collaboration (2007): Homocysteine-lowering trials for prevention of vascular disease: protocol for a collaborative meta-analysis. Clin Chem Lab Med 45(12):1575-81.
[10] Wang X, Qin X, Demirtas H, Li J, Mao G, Huo Y, Sun N, Liu L, Xu X (2007): Efficacy of folic acid supplementation in stroke prevention: a meta-analysis. Lancet. Jun 2;369(9576):1876-82.
[11] Lonn E, Yusuf S, Arnold MJ, Sheridan P, Pogue J, Micks M, McQueen MJ, Probstfield J, Fodor G, Held C, Genest J Jr, Heart Outcomes Prevention Evaluation (HOPE) 2 Investigator (2006). http://content.nejm.org/cgi/content/full/NEJMoa060900/DC1.Verum- und Placebo-Risikokurven in „Supplementary Material“ zur HOPE-2-Studie auf nejm.org. Homocysteine lowering with folic acid and B vitamins in vascular disease. N Engl J Med 354(15):1567-77.
[12] Spence JD, Bang H, Chambless LE, Stampfer MJ (2005): Vitamin Intervention For Stroke Prevention trial: an efficacy analysis. Stroke.36(11):2404-9.
[13] Till U, Rohl P, Jentsch A, Till H, Muller A, Bellstedt K, Plonne D, Fink HS, Vollandt R, Sliwka U, Herrmann FH, Petermann H, Riezler R (2005): Decrease of carotid intima-media thickness in patients at risk to cerebral ischemia after supplementation with folic acid, Vitamins B6 and B12. Atherosclerosis 181(1):131-5.
12.03.2008
Quelle: Medice  http://www.journalmed.de/newsview.php?id=20638