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Vitamin B Gruppe - Homocystein
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Hochleistung für den Körper
Übersicht über die B-Vitamine
Die große Gruppe der B-Vitamine gehört zusammen mit Vitamin
C zu den wasserlöslichen Vitaminen. Ohne die Faktoren der Vitamin-B-Gruppe läuft so gut wie nichts in unserem biochemischen
Stoffwechselbetrieb. Die Vitamine des B-Komplexes stellen keine einheitliche Klasse dar, sie sind vielmehr chemisch und pharmakologisch
völlig verschiedene Substanzen. Dagegen entstammen die meisten B-Vitamine den gleichen Nahrungsquellen: Leber, Vollkorn,
Milchprodukte, Bierhefe, Melasse. B-Vitamine aus Bierhefe und Melasse sind nur gut für Menschen,
bei denen nachgewiesenermaßen keine übermäßige Pilzbesiedlung im Darm herrscht. In der Natur tauchen einzelne B-Vitamine
niemals isoliert in der Nahrung auf: Im Feldsalat sind neben der Folsäure auch andere Mitglieder des B-Komplexes
vertreten. Wohl aus diesem Grund wirken B-Vitamine auch im Verbund. Es macht also keinen Sinn, sich mit einem einzigen
B-Vitamin aus der Apotheke zu versorgen. In den 70 Billionen Körperzellen, aus denen der Mensch besteht, brauchen
alle Stoffwechselfunktionen B-Vitamine zum Ab- und Umbau von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten.Wenn B-Vitamine fehlen,
entsteht Streß, Reizbarkeit, Nervosität und Konzentrationsmangel. Die Nervenzellen sind betroffen, aber auch die von der Arbeit
der Nervenzellen abhängigen Muskeln, die Organe des Verdauungsapparates, Leber, Augen, Mund, Haut und Haare. In einer
gesunden Darmschleimhaut kann ein Teil der B-Vitamine hergestellt werden. Daher schadet alles, was die Darmschleimhaut angreift:
Zucker, Coffein, Alkohol, Nikotin, Durchfälle oder chronische Entzündungen im Darm.Wie wichtig eine gesunde Darmschleimhaut
ist, zeigt auch ihre Größe: Wenn alle Windungen und Verästelungen des Dünn- und Dickdarmes ausgebreitet werden
könnten, würden sie die Fläche eines Tennisplatzes abdecken. Über diese Fläche werden alle Mikronährstoffe wie Vitamine,
Mineralstoffe und Spurenelemente aus der Nahrung aufgenommen und dem Stoffwechsel zugeführt. Der Bedarf an B-Vitaminen ist
demnach bei Menschen gesteigert, die viel Süßes essen, Kaffee und Alkohol trinken, Sport treiben, von Muskel- oder Nervenschmerzen
gequält sind oder unter starkem seelischem Streß stehen. Bei diesen Belastungen sollten B-Vitamine zusätzlich zur Nahrung
eingenommen werden.
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Katarakt und Vitamine Canberra 11-03-2000(Xinhua): Eine australische
Studie mit 3000 Teilnehmer zeigte, dass Vitamin B
vor altersbedingtem Katarakt schützen, da der Linsenkern offensichtlich
empfindlich auf Nährstoffdefizite reagiert. Die Vitamine B1, B2, B3 wie auch
Eiweiß und Antioxidantien inkl. Vitamin A sind wichtige augenschützende
Nährstoffe. In der Gruppe der besten Nährstoffversorgung halbierte sich die
Kataraktrate
gegenüber der mit Nährstoffdefizit.
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Nerven
Herz
Muskeln
Ein Mangel führt zu:
Konzentrationsschwäche
Müdigkeit
Beri-Beri (Störungen der Muskel- und
Nervenerregbarkeit, Lähmungen, Krämpfe)
Spuren von Vitamin B1 sind praktisch in allen Lebensmittel enthalten.
Um den Tagesbedarf von 1,4 - 1,6 mg zu decken,
reicht das jedoch nicht aus. Gute Vitamin B1-Lieferanten sind Vollkornprodukte,
Hülsefrüchte, Schweinefleisch, Nüsse,
Kleie und Sonnenblumenkerne.
Beriberi, eine Nervenkrankheit, basiert auf akutem Thiamin Mangel.
Thiamin fördert den Kreislauf, hilft bei der Blutbildung, dem Kohlenhydrat-Stoffwechsel und der Produktion von Salzsäure
für die Verdauung. Wichtig für Haut, Mund, Augen, Haare, Herz, Nervengewebe, Muskeln, Lernfähigkeit,
Wachstum. Stabilisiert den Appetit. Delirium hängt mit B1 Mangel zusammen, bei Kindern kann B1 Mangel
Infektionen vortäuschen.
( - ) Tabak, Stress, Fieber, Kaffee, Alkohol, rohe Muscheln, Operationen,
Antibiotika, "Sulfa"-Medikamente,
Entwässerungspillen und Anti-Babypillen.
( + ) B- Komplex, Schwefel, Mangan, Niacin, B2, Folsäure, C, E.
Als Nahrungsergänzung werden täglich 100 -200mg empfohlen
Vitamin B1Vitamin B1 (Thiamin) dient Nerven, Herz, Muskeln und dem Stoffwechsel
der Kohlenhydrate. Bei Mangel: Leistungsabfall, Nervosität, Kopfweh, Herzstörungen,
Verdauungsstörungen, Krämpfe, Lähmungen.
Vitamin B1 ist vorwiegend enthalten in: Vollkomprodukten, Kartoffeln,
Hülsenfrüchten, Schweinefleisch, Geflügel. Thiamin kann im Körper nicht gespeichert werden. Deshalb sollte
die tägliche Zufuhr an Vitamin B1 auch 1,3 bis
1,6 mg betragen (1,2 mg = 250 Gramm Haferflocken).
Die heitere Seite des Vitamin B1: extrovertiert durch Mangel
Heseker, H et al: Psychische Veränderungen als Frühzeichen
einer suboptimalen Vitaminversorgung. Ernährungs-Umschau 1990/37/S.87-94
Die Autoren rekrutierten gut 1.000 junge Erwachsene, weil diese als
schlecht mit Vitaminen versorgt gelten, unterzogen sie etwa einstündigen psychologischen Tests und korrelierten die Ergebnisse
mit denen der Blutuntersuchungen (Vitamine A, E, B1, B2, B6, B12, C, Folsäure). In die "Mangelgruppe" kam, wessen
Blutwerte unterhalb der 5er Perzentile aller Meßwerte lagen. Es folgte eine achtwöchige Supplementierung, bei der etwa
die Hälfte der Probanden ein Placebo, die anderen ein Multivitaminpräparat erhielten. Danach wurden die Blutuntersuchung
und die psychologischen Tests wiederholt. Etwas enttäuscht vermelden die Autoren, daß "für die
Mangelgruppe nur auf einer geringen Anzahl psychometrischer Skalen signifikant ungünstigere Befunde" zu verzeichnen waren. Dennoch
schließen sie, daß eine unzureichende Vitaminbedarfsdeckung unmittelbar "mit einem verminderten Wohlbefinden ... einer erhöhten
emotionalen Gereiztheit ... und einem gesteigerten Angstempfinden" einhergeht. Langfristig werde ein Vitamindefizit "von
erhöhter Nervosität und Depressivität sowie größerer Extraversion begleitet". Die Tests im Anschluß an die Supplementierung
zeigten bei keinem der psychometrischen Befunde eine Verbesserung. Unter Einbeziehung der Ausgangsversorgungslage habe
man dann aber doch Effekte gefunden, bei Folsäure, Vitamin C "und in eingeschränktem Maße bei
Thiamin". Die Daten dazu werden leider nicht mitgeteilt.
Futter fürs Hirn: Mit der richtigen Ernährung lassen sich Intelligenz, Leistungsfähigkeit und Ausgeglichenheit steigern. Das haben amerikanische Wissenschaftler bei einer neuen Studie herausgefunden, berichtet die Zeitschrift «FAMILIE&CO» in ihrer neuen Ausgabe. Wissenschaftler der Stanford-Universität haben zum Beispiel herausgefunden, so die Zeitschrift, dass ein Mangel an
Thyamin (eines der B-Vitamine) gezielt graue Zellen absterben und das Gehirn schrumpfen lassen. Andere Studien belegten, dass
Zink das Hirn wachsen lassen könne, wie etwa auch die Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Fisch zu finden sind. Kohlenhydrate machten ruhig und gelassen, Proteine wach und aufmerksam. (dpa, 19.06.2000)
Auf- und Abbau der roten
Blutkörperchen
Entgiftung in der Leber
wichtig für Myelinschicht,
der
"Schutzschicht" der Nerven
Ein Mangel führt zu:
Schädigung von Haut und Schleimhäuten
(Dermatitis)
Wachstumsstörungen
Nervenstörungen
Gute Quellen sind: Milch und Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch,
Vollkornprodukte, Spinat und Broccoli. Die DEG schätzt den täglichen
Bedarf
eines Erwachsenen auf 1,8 mg. Riboflavin ist wichtig für die Bildung roter Blutkörperchen
und Antikörper, für Wachstum und Zellatmung. Es hilft
den Mitochondrien, Energie zu produzieren. Besonders wichtig in der
Schwangerschaft für die Entwicklung des Fötus, der Schaden erleiden kann, obwohl die Mutter keine Mangelerscheinung
zeigt. Auch Sportler brauchen sehr viel B2. In europäischen Studien verbesserten sich Ausdauer und
Kraft solcher Menschen, die unter genetisch bedingter Müdigkeit litten, wenn B2 supplementiert wurde. Der
Urin färbt sich leicht gelb, dies ist aber kein Grund zur Sorge. Gut für Augen, Haare, Haut und Nägel.
( - ) Alkohol, Tabak, übermäßig viel Zucker, Kaffee.
( +) Phosphor, Niacin, C, B-Komplex, B6.
Supplementierung von 25 - 200mg täglich sind effektiv.
Vitamin B2 (Riboflavin) dient der Verwertung von Fett, Eiweiß
und Kohlenhydraten, dem Sauerstofftransport, Wachstum und der Haut. Bei Mangel: Wachstumsstörungen, rissige Lippen und
Mundwinkel, Sehstörungen, in schweren Fällen Blutarmut (Anämie). Vitamin B2 ist vorwiegend enthalten in: Milch
(16 mg = 1 Liter Milch), Käse, Geflügel, Fleisch,
Getreide, Hefe, Fisch. Die tägliche Zufuhr liegt bei 1,5 bis 1,7
mg Riboflavin.
Die empfohlene Menge von 9 - 15 mg/Tag kann leicht über die Nahrung zugeführt werden. Es ist eigentlich in allen Lebensmitteln enthalten.Besonders hoch ist der Niacin-Gehalt in Leber, Muskelfleisch und Champignons. Da Niacin aus Tryptophan hergestellt werdenkann, eignen sich auch tryptophanreiche Lebensmittel, den Niacin-Bedarf zu decken, z.B. Milch und Eier. Niacin (Nicotinsäure) ist beim Auf- und Abbau von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten beteiligt, dem Schutz der Haut und des Nervensystems. Bei Mangel kommt es zu den drei "DS": Dermatitis (Hauterkrankung), Diarrhoe (Durchfall) und Dementia (nervöse Störungen) - in Europa sehr selten. Niacin findet sich in: Vollkorn, Mais, Erbsen, Fleisch, Fisch, Pilzen, Erdnüssen, Kaffee. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 16,5 mg, was etwa 150 Gramm Hühnerbrust entspricht.
Effektive Migräneprävention mit hochdosiertem Riboflavin---Vitamin B2
schützt vor Migräneattaken
In einer Doppelblindstudie mit 400 mg Vitamin B2 hatte sich die Anzahl
der Migräneattaken signifikant abgenommen und die Patienten waren auch an
weniger Tagen geplagt.Die Riboflavinwirkung setzte nach enem Monat ein und
erreichte ihr Maximum nach 3 Monaten.
Schoenen J. et al. Neurology(1998) 50:466-470
Homocystein-Spiegel im Blut wichtiger Marker für Atherosklerose-Risiko
Experte fordert: Grundnahrungsmittel mit B-Vitaminen
anreichern!
Von Thomas Meißner
Ein hoher Homocystein-Spiegel im Blut ist als Risikofaktor für die Ausbildung kardiovaskulärer
Erkrankungen mindestens ebenso bedeutsam wie der Cholesterin-Spiegel. Obwohl dieser
Zusammenhang mittlerweile durch viele Untersuchungen belegt worden sei, sei er gerade mal ein
paar Fachleuten bekannt, beklagt Professor Klaus Pietrzik vom Institut für
Ernährungswissenschaft in Bonn. Ganz zu schweigen davon, daß ebenso große Anstrengungen
unternommen würden, den Homocystein-Spiegel zu senken wie die Blutfette unter Kontrolle zu
halten. Dabei sei eine adäquate Zufuhr von Folsäure, Vitamin B6 und B12 ausreichend.
Das Zelltoxin Homocystein (Hc) ist als Transportmolekül für Methylgruppen im Stoffwechsel des
Menschen von zentraler Bedeutung. In chemischer Partnerschaft mit den B-Vitaminen mache Hc
jedwede Zellteilungsprozesse erst möglich, so Pietrzik beim Medica-Kongreß in Düsseldorf.
Mittlerweile wird von der American Heart Association (AHA) bei Personen mit frühen kardiovaskulären
Erkrankungen bereits eine Hc-Konzentration im Serum von mehr als 10 µmol/l als kritisch angesehen -
ein Wert der sich bei 50 Prozent der über 50jährigen findet! Bislang galten Werte von bis zu 13 µmol/l
bei Frauen und 15 µmol/l bei Männern als normal. Pietrzik zitierte eine Meta-Analyse epidemiologischer
Studien von 1988 bis 1994: "Jede Erhöhung der Nüchtern-Hc-Konzentrationen um 5 µmol/l oberhalb
eines Schwellenwertes von 10 µmol/l ist mit einem Anstieg des Risikos für koronare Herzerkrankungen
um 60 Prozent bei Männern und um 80 Prozent bei Frauen verbunden."
Wie kommt das? Offenbar werden die Gerinnungsfaktoren so
beeinflußt, daß die Blutplättchen
vermehrt aggregieren. Plättchenfaktoren werden freigesetzt, Makrophagen nehmen verstärkt von Hc
oxidiertes LDL-Cholesterin auf, die Fibrinolyse wird vermindert - kurz, die Pathogenese der
Atherosklerose wird eingeleitet.
Die zentrale Stellung der Aminosäure macht plausibel, daß Homocystein nicht nur für die Entwicklung
kardiovaskulärer, sondern auch anderer Erkrankungen bedeutsam ist. So mehren sich nach Angaben
von Professor Karl-Ludwig Resch vom Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft in Bad
Elster die Indizien dafür, daß hohe Homocystein-Spiegel auch mit folgenden Krankheiten assoziiert
sind: Diabetes mellitus, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronische Niereninsuffizienz,
neurodegenerative Erkrankungen. Frauenärzte wissen, daß hohe Homocysteinwerte mit Schwangerschaftskomplikationen wie Eklampsie
und Frühgeburten sowie frühkindlichen Mißbildungen, etwa Neuralrohrdefekten, assoziiert sind. Man
vermutet, daß vom Homocystein fruchtschädigende Wirkungen in der Frühschwangerschaft ausgehen.
Daher werde Frauen, die schwanger werden wollen, empfohlen, bereits vier Wochen vor der
Konzeption 400 µg Folsäure täglich zusätzlich zur normalen Ernährung zu sich zu nehmen, so
Pietrzik. Die Dosis sollte während der gesamten Schwangerschaft beibehalten werden.
Müssen wir nun täglich Vitaminpillen schlucken?
"Die Natur hat es nicht darauf abgesehen, daß wir in der Apotheke landen", meint
Pietrzik. Wer täglich
etwa 250 g Obst und Gemüse zu sich nehme, dessen Bedarf an B-Vitaminen sei normalerweise
gedeckt. Leber sei zwar auch Folsäure-reich, jedoch wegen der Belastung mit anderen Substanzen
nicht zu empfehlen. Die AHA empfiehlt den Verzehr von Lebensmitteln, die mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 angereichert
sind. Sollte der Hc-Spiegel damit nicht unter 10 µmol/l fallen, sollten Multivitaminpräparate
eingenommen werden, die 400 µg Folsäure, 2 mg Vitamin B6 und 6 µg B12 enthalten. Zu beachten sei
auch, daß Personen mit Vorerkrankungen, etwa der Niere, wesentlich höhere Vitamindosen zu sich
nehmen müssen, so Pietrzik. Einen Schritt weiter ist man in Ungarn gegangen. Dort werden nach Angaben von Pietrzik bereits seit
Jahren die Grundnahrungsmittel mit den drei Vitaminen angereichert. "Ich denke, hier hat eine
Regierung Verantwortung gezeigt", betonte der Ernährungswissenschaftler. Auch in Deutschland
müsse man endlich den Erkenntnissen Rechnung tragen. Zwar fehlten noch Interventionsstudien, die den endgültigen Beweis des Zusammenhangs zwischen
hohen Hc-Spiegeln und verschiedenen Erkrankungen bringen würden. Aber die Datenlage sei so klar,
daß man einen Indizienbeweis führen könne, so Pietrzik. "Mit einer optimierten Vitaminversorgung
schaden wir niemandem. Daher sollten wir dies der Allgemeinheit auch nicht vorenthalten. Dies ist eine
präventive Maßnahme, für die es höchste Zeit wird."
Ärzte Zeitung, 30.11.200
Homocystein
ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die normalerweise nur intrazellulär vorkommt. Die zelltoxische Substanz entsteht als metabolischer Zwischenschritt bei
der Übertragung von Kohlenstoffresten, den Methylgruppen. Diese Methylgruppen
sind ein Grundbaustein aller organischen Substanzen. Abgebaut werden kann Homocystein nur dann, wenn außer dem erforderlichen Enzym Cystathionin-Synthase
auch die Koenzyme Vitamin B12, Folsäure und Vitamin B6 in ausreichender Konzentration in der Zelle vorhanden sind.
Bei der Bestimmung von Homocystein im Serum ist unter anderem zu beachten, daß das Blut nach Abnahme mit speziellen Röhrchen sofort zentrifugiert werden
muß.
Ansonsten diffundiert die Aminosäure aus den Erythrozyten heraus und es kommt zur
Verfälschung der Werte. Alternativ kann man das Frischblut eine halbe bis eine Stunde auf Eis lagern, bevor zentrifugiert werden
muß. (ner) Ärztezeitung 30.11.2000
Hoher Homocysteinspiegel als kardiovaskulärer Risikofaktor
bestätigt
LONDON. David Wald vom Southampton General Hospital und Mitarbeiter
gelangen durch eine systematische Metaanalyse von 92 Studien mit mehr als 20 000
Probanden zu dem Ergebnis, dass erhöhte Homocysteinspiegel kausal mit
ischämischen Herzerkrankungen assoziiert sind (BMJ 2002; 325: 1202-1206). Die
Autoren haben prospektive Studien untersucht, in denen die Serumkonzentration
von Homocystein mit der Inzidenz von KHK verglichen wurde. Darüber hinaus wurde
hinsichtlich einer möglichen Korrelation von Genträgern, die einen Defekt im
Folsäuremetabolismus besitzen (Mutation im Gen für
Methylentetrahydrofolat-Reduktase; MTHFR), und dem kardiovaskulären
Erkrankungsrisiko untersucht. Personen mit zwei defekten Allelen hatten im
Vergleich zu jenen mit zwei intakten MTHFR-Genen um 2,7 μmol/L erhöhte
Homocysterinwerte. Dies entspricht einer Erhöhung um etwa 20 Prozent.
Mutationsträger wiesen ein signifikant erhöhtes Risiko auf, an einer
ischämischen Herzerkrankung oder einer tiefen Beinvenenthrombose zu erkranken.
In den prospektiven Untersuchungen wurde ein vergleichbares kardiovaskuläres
Risiko ermittelt. Nach Extrapolation gehen Wald und Mitarbeiter davon aus, dass
eine Absenkung des Homocysteinspiegels um 3 μmol/L das kardiovaskuläre Risiko um
16 Prozent, das Thromboserisiko um 25 Prozent und das Schlaganfallrisiko um 24
Prozent vermindern kann. Dies könnte durch die Einnahme von 0,8 mg Folsäure pro
Tag erreicht werden. (21.11.2002) DEUTSCHES ÄRZTEBLATT
Vitamine bauen erhöhte Homocystein-Spiegel ab
Plasmawerte unter 10 µmol / l gelten noch als unbedenklich /
Risikogruppen sollten jährlich kontrolliert werden
MAINZ (ner). Erhöhte Homocystein-Werte im Plasma haben für die Entwicklung
kardiovaskulärer Erkrankungen eine ebenso große Bedeutung wie die Hyperlipidämie,
meinen Wissenschaftler. Daher sei bei Risikopersonen eine jährliche Kontrolle
sinnvoll, bei Männern ab 30 und Frauen ab 40 Jahren.
Ein echter Schwellenwert, ab dem Homocystein schädlich ist, existiere nicht, so
der Pathobiochemiker Professor Uwe Till aus Jena bei einer Tagung der Stiftung
Allgemeinmedizin in Mainz. "Je niedriger er ist, desto besser", sagte Till auf
einer Veranstaltung des Unternehmens Medice, zumal Homocystein (HC) keine
physiologische Funktion im Plasma habe. Der prädiktive Wert des HC für
Atherosklerose entspreche anderen Hauptrisikofaktoren wie dem
Gesamt-Cholesterin. Derzeit könne man HC-Werte von unter 10 µmol / l als
unbedenklich betrachten, obwohl auch bei zunehmenden Werten ab 5 µmol / l ein
stetig steigendes Risiko für Koronarerkrankungen ermittelt worden ist.
Regelmäßig kontrolliert werden sollten etwa Personen mit Atherosklerose oder
Thrombosen in der Familienanamnese, Frauen in den Wechseljahren, aber auch
Frauen, die Ovulationshemmer einnehmen und gleichzeitig rauchen oder andere
kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen. Hinzu kommen alte Menschen, die sehr
oft nicht nur zu wenig Obst und Gemüse essen, sondern zusätzliche
Vitamin-Resorptionsstörungen haben, was die HC-Werte in die Höhe treibt.
Bei HC-Werten über 10 µmol / l empfiehlt Till außer der Ernährungsumstellung die
Vitamin-Substitution mit einer Kombination aus Folsäure, Vitamin B6 und B12, die
vom Unternehmen als Medyn® angeboten wird. Bei sehr hohen HC-Werten könne vorher
auch Medivitan® als Booster injiziert werden.
Homocystein ist ein Zwischenprodukt des Proteinstoffwechsels. Durch kovalente
Bindung an Gefäßproteine, Bildung von H2O2 und Bindung von Stickoxid schädigt es
das vaskuläre System. Zum Abbau werden Folsäure, B6 und B12 benötigt. Ärzte
Zeitung, 21.01.2003
Die Ergebnisse mehrerer Studien geben Anlass zur Vermutung, dass niedrige Konzentrationen an B-Vitaminen, vor allem Folsäure, in Zusammenhang mit einer Verminderung kognitiver Leistungen stehen. In einer Langzeitstudie sollte die Rolle des Folsäurespiegels im Serum auf einen möglichen Zusammenhang mit neurodegenerativen Prozessen im Gehirn untersucht werden. Derartige neurodegenerative Prozesse, wie sie z.B. bei Morbus Alzheimer beobachtet werden, lassen sich an einer durch Ernährungsmangel bedingten Rückbildung des Großhirns (Atrophie ) erkennen. An der Studie nahmen 30 Nonnen eines Konvents teil. Ihr Blut wurde auf eine Reihe von Variablen untersucht, die mit der Ernährung in Zusammenhang stehen, unter anderem der Folsäure- und der Homocysteispiegel. Nach ihrem Tod wurde jeweils eine Autopsie durchgeführt, bei der nach verschiedenen Indikatoren für eine Alzheimer-Krankheit gesucht wurde, unter anderem das Ausmaß der ernährungsbedingten Rückbildung des Großhirns. Bei 15 der Nonnen lagen derartige Anzeichen vor. Von den 15 Nonnen, bei denen eindeutige Zeichen für eine Alzheimer-Krankheit gefunden wurden, hatten zwei Drittel einen deutlich niedrigeren Folsäurespiegel gehabt. Aufgrund dieses Ergebnisses gehen die Forscher davon aus, dass ein Mangel an B-Vitamine, insbesondere an Folsäure, die Entstehung von Alzheimer begünstigt.
Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung, Nr. 38 vom 21.09.2000
Erythrozytenzahl und Vitamin B2-Serumspiegel korrelieren bei
Alkoholikern
6.9.02
Vitamin B2-Mangel könnte bei alkoholkranken Patienten zu Anämie führen.
Wissenschafter vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (Himmerich H.,
Müller M.J., Anghelescu I., Klawe C. et al.) untersuchten in einer rezenten
Studie die Zusammenhänge zwischen Erythrozytenzahl und Vitamin B2-Serumspiegel
bei männlichen alkoholkranken Patienten.
Bei 50 männlichen Patienten mit Alkoholabhängigkeit oder Alkoholabusus wurden
Erythrozytenzahl (Ery) und Hämoglobin (Hb), Vitamin (Vit) B1-, B2-, B6-, B12-
und Folsäurekonzentrationen, die biologischen Marker für Alkoholkonsum:
Kohlenhydrat-defizientes Transferrin (CDT), Gamma-glutamyltranspeptidase (GGT)
und das mittlere Erythrozytenvolumen (MCV) bestimmt.
Es wurde eine hochsignifikante positive Korrelation zwischen Vit B2-Werten und
der Erythrozytenzahl gefunden. Patienten mit zu niedriger Erythrozytenzahl (<
4,4 /pl) zeigten signifikant geringere Vit B2-Werte. Außerdem zeigten sich
signifikante negative Korrelationen von GGT und von MCV mit der Erythrozytenzahl,
aber keine signifikanten Korrelationen von MCV oder GGT mit den Vit B2-Werten.
Die deutschen Forscher schließen aus diesen Ergebnissen, dass Vit B2-Mangel bei
Patienten mit Alkoholabhängigkeit oder Alkoholabusus eine wichtige Rolle in der
Entwicklung einer Anämie spielen kann.
www.medaustria.at 9.9.2002
Studie: Vegetarische Ernährung verringert Herzinfarkt-Risiko
M. Weiß
Homocystein - ein kardiovaskulärer Risikofaktor? - betrachtet
unter sportmedizinischen Aspekten
Sportmedizinisches Institut, Universität Paderborn
Jahrgang 54, Nr. 4 (2003) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
Zusammenfassung
Homocystein (Hcy) ist ein Zwischenprodukt im Methionin-Homocystein-
Glutathion-Stoffwechselsystem. Sechs verschiedene Enzymdefekte oder mangelnde
Verfügbarkeit von Folsäure, Vitaminen B 6 und B 12 sowie Serin können zur
Hyperhomocysteinämie (HyperHcyämie) führen, die als unabhängiger
kardiovaskulärer Risikofaktor gilt. Retrospektive Studien kommen zu einer
höheren Risikoeinschätzung bezüglich des arteriosklerotischen Risikopotentials
als prospektive mit langem follow up und Interventionsstudien können nicht
durchweg diese Einschätzung bestätigen. Die Ursache für thromboembolische
Komplikationen bei HyperHcyämie werden mit der direkten oder indirekten
oxidativen Zelltoxizität und der prokoagulatorischen Wirkung auf Thrombomodulin
und Protein C gesehen. Kurze hochintensive und konsumierende extensive
Belastungen wie hochintensives Training
können zum PlasmaHcy-Anstieg führen, moderate Ausdauerbelastung und
entsprechendes Training können den PlasmaHcy-Spiegel geringfügig senken.
Sportmedizinisch sollte die Hcy-Forschung sowohl unter präventiven Aspekten wie
im Hinblick auf die Trainingssteuerung zur Erkennung kataboler Situationen
interessant sein. Symptome von Ermüdung und Übertraining lassen sich aus diesen
Stoffwechselzusammenhängen erklären.
Training
Biochemie
Homocystein (Hcy) ist ein Zwischenprodukt im Stoffwechsel der
schwefelhaltigen Aminosäure Methionin und eine Vorstufe der schwefelhaltigen
Aminosäure Cystein. Letztere hat selbst Redox-Eigenschaften und ist gleichzeitig
der limitierende Schritt in der Synthese des wichtigsten antioxidativen Systems
Glutathion (). Neben den Redox- und Entgiftungs- Funktionen durch Glutathion hat
das Methionin-Homocystein- Glutathion-(MHG-)System Stoffwechsel-Bedeutung durch
die Rolle des Methionins nach Aktivierung zum S-Adenosyl-Methionin (SAM) als
Methylgruppendonator in der Synthese einer ganzen Reihe vital bedeutender
Verbindungen wie Kreatin, Karnitin, Adrenalin/Noradrenalin, Cholin/ Acetylcholin,
Phosphatidylcholin, Thymin. Etwa 75% des Plasma-Hcy stammen aus der
Kreatin-Synthese in der Leber Biochemie (30), und die Korrelation mit Kreatinin
gilt als Indiz für die Verknüpfung des MHG-Systems mit dem Kreatin-Stoffwechsel
(28). Der Abbau von Hcy erfolgt entweder über Cystathionin zu Cystein mittels
des Vitamin B6 - abhängigen Enzyms Cystathionin- Synthetase unter Verbrauch von
Serin oder durch Rückmethylierung zu Methionin mittels des Vitamin B12 -
abhängigen Methylgruppen - übertragenden Systems der Tetrahydrofolsäure
ebenfalls unter Verbrauch von Serin (Abb.1). Der Hcy-Stoffwechsel ist also
abhängig von den Vitaminen B6 und B12 sowie von der Verfügbarkeit von Folsäure
und Serin. Alternativ zu Serin kann bei der Rückmethylierung auch Betain
eingesetzt werden. Enzym-Defekte oder mangelnde Verfügbarkeit von Folat oder
Serin können zur Hyperhomocysteinämie (HyperHcyämie) führen (Werte > 14 µmol/l,
4).
Zur klinischen Diagnostik reicht oft die Spontanmessung des
PlasmaHcy-Spiegels, bei wissenschaftlichen Fragestellungen und zur Aufdeckung
subklinischer Enzymdefekte erfolgt der Methioninbelastungstest. Die
PlasmaHcy-Spiegel sind im wesentlichen nahrungsabhängig (Vitamine B6, B12 und
Folsäure), außerdem vor allem bei Männern altersabhängig.Durch den Einfluss von
Geschlechtshormonen variieren die Werte mit dem Menstruationszyklus, bei
Schwangerschaft und bei Hormonersatztherapie (9, 12). Im Plasma liegt Hcy zu 65%
protein-gebunden vor und zu ca. 35% als freies Hcy in reduzierter oder
oxidierter Form oder als gemischtes Disulfid zum Beispiel mit Cystein.
Klinische Bedeutung
Das Krankheitsbild der Homocysteinurie (Plasmaspiegel weit über 50 µmol/l),
beruhend auf einem homozygoten Cystathionin- Synthetase-Mangel, wurde 1962
erstmals beschrieben. Die Prävalenz beträgt je nach Bevölkerungsgruppe 1 :
40.000 und 1 : 330.000. Kennzeichen sind Bindegewebsschwäche,
Skelettdeformitäten - in erster Linie an der Augenlinse und als Osteoporose der
Wirbelkörper - , ein marfanoider
Habitus und zentralnervöse Defekte mit verzögerter motorischer und
intellektueller Entwicklung. Neben psychiatrischen Auffälligkeiten imponieren
thrombo-embolische Komplikationen schon in jugendlichem Alter (Übersicht z. B.
bei 11). Mildere HyperHcyämien sind bei der heterozygoten Form bekannt. Sechs
weitere Enzymdefekte bzw. -Funktionsstörungen sind noch bekannt, die zur
HyperHcyämie führen können. Deren häufigste, ein Defekt der thermolabilen
Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), kommt in ca. 5% (in bestimmten
Gegenden, z.B. Italien bis zu 15%) der Bevölkerung vor. In zahlreichen
epidemiologische Untersuchungen wurde die HyperHcyämie als unabhängiger
Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen identifiziert, vor allem bei
solchen „Fällen“ von Herzinfarkt und Schlaganfall, bei denen das „klassische“
Risikofaktorenmodell nicht zutrifft (Reviews bei 16, 32, 39). Die europäische
Multicenter-Studie schätzt das kardiovaskuläre Erkrankungsrisiko durch die
ausgeprägte HyperHcyämie gleich hoch ein wie das durch Rauchen oder durch die
Hyperlipidämie mit einer angedeuteten „Dosis-Wirkungs-Beziehung“ (13). In der
Meta-Analyse von Boushey et al wurde eine Zunahme des KHK – Risikos mit einer
Odd’s-Ratio von 1,3 bis zu 1,7 bei einer Zunahme des Plasmaspiegels um 5 µmol/l
errechnet (5) und die Meta- Analyse von Moller et al (23) bestätigt dies auch
für die cerebrovaskulären Erkrankungen auf der Basis epidemiologischer,
prospektiver und retrospektiver Studien. Stampfer errechnete 1992 in einer
prospektiven Untersuchung von 14.900 Ärzten im Alter von 40 bis 84 Jahren mit
einem follow- up von fünf Jahren durch eine HyperHcyämie einen Anstieg des
relativen Risikos auf 3,1, unter Berücksichtigung anderer Risiko-Konstellationen
sogar auf 3,4 (31). Bei längerem follow-up konnten allerdings diese Ergebnisse
nicht bestätigen werden. Auch ist die Theorie des Risikofaktors Hcy ist nicht
ganz unwidersprochen geblieben (z.B. 6). So fehlt u.a. in einer 17-jährigen
prospektiven Studie der Zusammenhang zwischen PlasmaHcy-Konzentration und
plötzlichem Herztod (1) bzw. die Manifestation einer KHK bis zur Notwendigkeit
einer Bypass-Operation (38). Auch erwies sich die Restenosierungsrate nach
Coronardilatation unabhängig von erhöhten Hcy-Werten (15). Auch in Bezug auf die
periphere arterielle Verschlusskrankheit gibt es keine volle Übereinstimmung.
Zwar wurde ein Zusammenhang zwischen PlasmaHcy-Spiegel und Schwere der
Erkrankung gesehen (36), andererseits wurde die endothelial vermittelte
Vasodilatation durch Hcy-senkende Intervention nicht, aber wohl die Zahl
pathologischer EKG-Befunde beeinflusst (32) mit einer Senkung der Odd’s- Ratio
auf 0,4 (39). Auch Pullin et al (26) fanden keinen Zusammenhang zwischen
Endothelfunktion gemessen an der flussabhängigen Vasodilatation und Hcy-Spiegeln
bei Polymorphismen des Methylentetrahydrofolatreduktase-Gens.Die HyperHcyämie
bei Nierenerkrankungen kann teilweise mit Serin-Mangel erklärt werden, da im
urämischen Stadium die renale Serin-Synthese eingeschränkt ist (34) und Serin
dann zur semiessenziellen Aminosäure wird. Die selbe Ursache - mangelnde
Verfügbarkeit von Serin - wurde auch für den Hcy-Anstieg bei körperlicher
Belastung verantwortlich gemacht (41, siehe unten). Im Vergleich aller Studien
ist grundsätzlich der Schätzwert des relativen Risikos für arteriosklerotische
Folgekrankheiten durch HyperHcyämie in retrospektiven Studien größer als bei
prospektiven und bei letzteren nimmt er mit der Beobachtungsdauer ab. Eine
mögliche Erklärung dafür wurde darin gesehen, dass wie z.B. bei
Schlaganfall-Patienten in der post-akuten Krankheitsphase bzw. in der
Rekonvaleszenz
die möglicherweise ursprünglich normalen Werte ansteigen (20).
Pathophysiologie
Obwohl Hcy den lokalen Vasodilatator NO destabilisieren kann (19), wurde bei
Interventionsstudien die Beeinflussung der endothelialen Dysfunktion (Review bei
4) nicht eindeutig bestätigt, zum Beispiel bei jungen Erwachsenen mit MTHFR-
Genpolymorphismus (26). Andererseits sind nicht nur bei chronischer sondern auch
durch akute Hcy-Exposition – wenn auch teilweise reversible -
Endothelschädigungen beschrieben, weswegen die Vitamin- Supplementation als
vasoprotektiv bezeichnet wird
(32). Zwei Schädigungsarten werden im Wesentlichen diskutiert (43):
1. direkte Zelltoxizität
2. Einfluss auf die Blutgerinnung/Hämostase
Ad 1.: Das System Homocystein/Homocystin (Hcy/Hcy-S-SHcy) ist zwar ein
Redoxsystem, jedoch mit überwiegend oxidativer Komponente. Davon ausgehende
oxidative Schädigung von Membranen und Zellproteinen, unter anderem auch
ox-LDL-Bildung, wird teilweise durch Metall-Ionenkatalysierte (Kupfer)
Radikalbildung vermittelt (Literatur bei 22). Vor allem werden die hochtoxischen
Hydroxylradikale (OH·) verantwortlich gemacht (4). Die Interaktion mit dem
Endothel-Faktor NO ist nicht unwidersprochen, da keine Korrelationen zum
Gesamt-Nitrat bzw. -Nitrit gefunden wurden (9). Auch ein indirekter Zusammenhang
zwischen HyperHcyämie und oxidativer Gewebschädigung ist denkbar, wenn die
HyperHcyämie das Resultat eines „Staus“ durch ungenügende
Weiterverstoffwechslung des Hcy ist mit der Folge einer reduzierten Synthese des
wichtigsten antioxidativen Systems Glutathion-Glutathiondisulfid (GSH/GSSG).
Eine Reduktion der antioxidativenKapazität de Redox-System GSH/GSSG kann auch
durch direkte Hemmung der Glutathion-Peroxidase durch Hcy erklärt werden (7,
35). Pathophysiologie Ebenso kann durch die Schwefelgruppe des Hcy im
endoplasmatischen Retikulum die Protein-Faltung durch „falsche“
Disulfid-Brückenbildung beeinflusst sein, wodurch vor allem die funktionellen
Proteine geschädigt sein können (Lit. bei 16). Dies und/oder die Einflussnahme
auf Transportsysteme sowohl an den Membranen des endoplasmatischen Retikulums
wie an der Endothel-Oberfläche können auch im Gerinnungssystem eine Rolle
spielen.
Ad 2.: Im Zusammenhang mit o. g. Mechanismus wurde die fehlende Externalisation
von Thrombomodulin auf die Endothel-Oberfläche vermutet und zum Teil darin die
prokoagulatorische Wirkung als Auslösefaktor für die thromboembolischen
Komplikationen bei HyperHcyämie gesehen (18). Außerdem scheint eine
Inaktivierung des Protein C vorzuliegen sowie ein Einfluss auf den
Von-Willebrandt-Faktor. Möglicherweise ist die Toxizität von Hcy additiv zu
anderen Risikofaktoren der Arteriosklerose, worauf sich die Aussage von Graham
begründet, dass Hcy „powerfully increases the risk associated with smoking and
hypertension“ (13).
Einfluss von physischer Belastung und Training
Angesichts der Fülle von Mitteilungen über den Zusammenhang von Hcy und
kardiovaskulärem Risikoprofil sowie den deswegen durchgeführten
ernährungsphysiologischen Interventionsstudien gibt es erstaunlich wenige
Studien über die Beeinflussung des Hcy-Stoffwechsels, obwohl doch der
Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Arteriosklerose wiederum
Bibliotheken füllt.
Akute Belastung
Bei akuter hoher Belastung von jungen Frauen wurde ein Anstieg der
Hcy-Plasmaspiegel gefunden mit leichten Unterschieden zwischen Luteal- und
Follikel-Phase (9). Submaximale Belastungen von 30 Minuten mit 70% VO2 max oder
60 Minuten mit 60 % VO2 max führten unter Berücksichtigung der Hämokonzentration
nicht zu Plasmaspiegelveränderungen (11, 42). Erst extensive Dauerbelastung
induzierte bei absinkenden Plasmaspiegeln zahlreicher Aminosäuren, insbesondere
von Serin und Glycin, einen Hcy-Anstieg (41). Obwohl Hcy- und
Kreatin-Stoffwechsel eng verknüpft sind (s.o., 28, 30) ergab in einer
Kraft-Studie zwar das Training aber nicht die Kreatin-Supplementationen einen
senkenden Effekt auf die Hcy-Plasmaspiegel (33). Zur Hormonabhängigkeit bzw. zum
Einfluss von anabolen Steroiden siehe oben und bei Ebenbichler et al (12), die
bei Bodybuildern einen Anstieg der Hcy-Mittelwerte von 8,3 auf 11,9 µmol/l in
der Einnahmephase von anabolen Steroiden fanden.
Training
Erste Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und Hcy wurden von Nygard et
al (24) publiziert, die bei körperlich aktiven Menschen niedrigere Spiegel
fanden als bei gleichaltrigen inaktiven. Dies wurde unlängst für Männer aber
nicht für Frauen bestätigt: Mennen et al berechneten bei ihnen eine inverse
Beziehung zwischen der Höhe der Hcy- Spiegel und der körperlichen Aktivität
(21). Dagegen fanden Rinder et al (29) bei ausdauertrainierten Alterssportlern
höhere Hcy-Werte als im altersgleichen Kontrollkollektiv und Wright et al fanden
in ihrem Kollektiv keine Korrelationen zur maximalen aeroben Kapazität (42).
Auch Trainingsinterventionsstudien oder trainingsbegleitende Untersuchungen sind
rar. In einer eigenen Untersuchung (unpubliziert) führte ein 8-wöchiges nach
Laktat-Test pulsgesteuertes Training von Freizeitläufern nur im Zusammenhang mit
niedrig dosierter Folsäure-B12-Substitution zur Senkung der Hcy-Spiegel. Im
Jahreszyklus einer Schwimm-Mannschaft fanden wir keinen Unterschied zwischen der
Regenerationsphase und der trainingsintensivsten Phase trotz erheblicher
Veränderungen im Plasma-Aminosäuren- Muster (17), in den intensiven
Trainingsphasen von Schnellkraftsportlern jedoch ansteigende Werte (14). In
einem 4-wöchigen Trainingsprogramm, dreimal pro Woche 20 bis 30 Minuten mit 70
bis 85 % der maximalen Herzfrequenz, unter hypoxischen oder normoxischen
Bedingungen, beobachteten Bailey et al einen Anstieg der PlasmaHcy- Spiegel um
10 % nach dem normoxischen Training, einen Abfall um 11 % nach dem hypoxischen
Training, wobei die übrigen Risikofaktoren unter beiden Trainingsformen
verringert wurden (3). Geringe Abnahme wurde auch durch Krafttraining
dokumentiert (33). Im Rahmen der kardialen Rehabilitation konnten ebenso
Senkungen der PlasmaHcy- Konzentrationen nachgewiesen werden (2) wie in einem 6-
monatigen Programm zur Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Frauen mit
polycystischen Ovarien (27). In einem nur 8 Wochen dauernden ähnlichen Ansatz
bei Männern und Frauen ergaben sich zwar Effekte auf andere Risikofaktoren und
eine Abnahme der Leptinspiegel, die Hcy-Werte blieben jedoch unverändert (40).
Bei älteren Menschen konnten innerhalb von 17 Wochen nur durch
Ernährungsintervention mit Anheben der Vitaminspiegel aber nicht durch ein
Trainingsprogramm eine Absenkung des Plasma-Hcy bewirkt werden (10).
Zusammengefasst ergibt sich aus den mehr oder weniger kontrollierten
Feldbeobachtungen kein ganz einheitliches Bild zur Beeinflussung des Hcy durch
Belastung und Training. Moderate Belastungen von 30 bis 60 Minuten Dauer führen
akut offenbar nicht zur Beeinflussung des Methionin- Homocystein-Zyklus, was
angesichts der auch sonst metabolisch und hormonell geringen Konsequenzen kaum
zu erwarten ist. Sehr intensive kurze oder zu extensive Belastungen und
Trainingsformen scheinen aber zum Anstieg der Plasma-Hcy-Spiegel zu führen,
wobei jedoch die Risikobereiche von > 14 µmol/l nicht erreicht werden. Die
Auswirkungen akuter intensiver oder extensiver BeIastungen haben ihren Grund im
Einfluss auf den Aminostoffwechsel. Bei hochintensiver Belastung wird die
Ammoniakproduktion infolge der Myokinase-Reaktion gefolgt von der Aktivierung
des Purin-Nukleotid-Zyklus und es dürften auch die Kreatin- Synthese und der
Harnstoffzyklus verstärkt aktiviert werden, während bei konsumierenden
Ausdauerbelastungen mit dem Verlust des glukoplastischen Serins der
Homocystein-Stoffwechsel direkt beeinträchtigt wird (35, siehe ). Moderates
Ausdauer- oder Kraft-Training beeinflussen offenbar das PlasmaHcy nicht oder
wirken senkend, wobei anscheinend eine adäquate Zufuhr von Folsäure und
B-Vitaminen erforderlich ist. Die unterschiedlichen Befunde der einzelnen
Studien dürften begründet sein in zu hoher Trainingsintensität (bei 29) oder in
der Trainingsdauer, wobei es vorübergehend auch zu Anstiegen kommen kann (4),
nach 8 Wochen (Paderborn unpubliziert, 40) oder 17 Wochen noch kein Effekt (10)
und erst nach 6 Monaten ein absenkender Effekt auf die Hcy-Plasmaspiegel
eintritt (27). Erst längerfristige permanente Beanspruchungen der
Stoffwechselwege sind offenbar in der Lage, die notwendigen Anpassungen der
vielen am Homocysteinstoffwechsel beteiligten Enzyme in allen daran beteiligten
Organen herbeizuführen, um die Befunde niedrigerer Homocysteinspiegel bei
aktiveren Menschen zu erklären (21, 24). Ob die Hypoxie in oben zitierter
Untersuchung von Bailey et al (3) hierbei verstärkend wirkt, bleibt spekulativ.
Sportmedizinischer Ausblick
Angesichts der sowohl akuten wie chronisch-toxischen Schädigungsmöglichkeit
von Geweben durch Hcy wie auch wegen dessen Einflussnahme auf das
Gerinnungssystem mit prokoagulatorischer Wirkung sollte die Auswirkung von
Belastung und Training unter präventiv-medizinischen Aspekte in der Zukunft
intensiver untersucht werden. Aufmerksamkeit sollte das MHG-System aber auch in
Bezug auf die sportmedizinische Trainingskontrolle insofern erfahren, als dass
sich in diesem System Hinweise auf die metabolische Belastungsverarbeitung
ergeben. Zahlreiche Trainings-„Begleiterscheinungen“ könnten ausgelöst werden
durch einen S-Adenosyl-Methionin-Mangelzustand infolge von Überbelastung oder
nach Verbrauch glukoplastischer Aminosäuren. Vor allem ein Serin-Mangel führt zu
einem Hcy-Anstieg durch die verminderte Remethylierung zu Methionin (Abb.1),
wodurch pathobiochemisch durch verminderte Verfügbarkeit von
S-Adenosyl-Methionin sowohl Ermüdung ausgelöst wie der Wiederherstellungsprozess
verzögert werden kann durch Beeinträchtigung der Synthesen von
• Kreatin (Symptom: Kraftlosigkeit),
• Stresshormonen (mögliches Symptom: mangelnde Aktivierbarkeit, „parasympathikotones“
Übertraining),
• Neurotransmittern, z.B. Acetylcholin (mögliche Symptome: „zentrale Ermüdung“,
Antriebsschwäche, schlechte koordinative Kontrolle),
• organischen Basen wie Thymin (mögliche Symptome: mangelnde Anpassung,
unzureichende Erneuerung überbelasteter Strukturen).
Damit ergeben sich weitere und neue Aspekte in Bezug auf die akute Ermüdung und
das Übertrainingssyndrom. Sportmedizinischer Ausblick
Diagnostik
Obwohl Homocystein im Blut in verschiedenen gebundenen und nur zu einem
geringen Teil in freier Form vorkommt, genügt wegen der engen Korrelation aller
Formen mit den toxischen pathophysiologischen Vorgängen (s.o.) die Bestimmung
des Gesamt-Hcy. Wichtig ist die sofortige Kühlung und Zentrifugation der
gewonnenen Blutproben, da durch den Zellstoffwechsel der Blutzellen ansteigende
Werte fälschlicherweise vorgetäuscht werden können. Auch der Zusatz von Fluorid
kann dies nur begrenzt unterdrücken. Eine Übersicht zur Klassifizierung der
HyperHcyämie und der neueren Bestimmungsverfahren ist erst unlängst erschienen
(25, j.pietzsch@fz-rossendorf.de). Die momentan gängigen Bestimmungen des
PlasmaHcy erfolgen mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) (14,
25). Mittels Gaschromatographie und anschließender massenspektroskopischer
Detektion können noch weitere am Hcy-Stoffwechsel beteiligten Substrate erfasst
werden, so dass der evtl. einer HyperHcyämie zugrunde liegende Defekt in einem
Schritt aufgeklärt werden kann. Interessanter für den zukünftigen einfachen
Einsatz in der Sportmedizin könnten seit kurzem verfügbare Immunoassays sein
(Erläuterung und Literatur bei 25). Damit sollte künftig untersucht werden, ob
sich mit Hcy eine Art Überblicksparameter ergibt, der neue Aspekte auf die
Trainingssteuerung im Hinblick auf das Übertrainingssyndrom und den präventiven
Sport werfen könnte.
Jahrgang 54, Nr. 4 (2003) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
Dr. med. M. Look (Bonn)
Literatur
| Parameter | SWISS HEART 2002 (JAMA) | CIT 2003 (ACC-Abstract) |
| Teilnehmerzahl | 553 | 636 (weniger Diabetiker) |
| Design | placebokontrolliert, doppelblind, randomisiert | placebokontrolliert, doppelblind, randomisiert |
| Dauer (Messpunkte) | 6 Monate (+ follow up: 12 Monate) | 6 Monate |
| Katheter Intervention | Angioplastie (PTCA)46,5% Unbeschichtete Stents 53,5% | Unbeschichtete Stents |
| Dosis Vitamin B12 | 0,4 mg | 0,06 mg |
| Dosis Vitamin B6 | 10 mg | 48 mg |
| Dosis Folat | 1,0 mg | 1,2 mg |
| Homocystein; vorher/nachher (prozentuale Änderung) | 11,4 auf 7,5 µmol/l (- 34,2%) |
12,2 auf 9,0 µmol/l (- 26,2 %) |
| Overall-Outcome | Positiv | Negativ* |
B-Vitaminstatus
als Marker für kardiovaskuläre Erkrankungen
Homocystein wird als Risikofaktor in der deutschen Ärzteschaft noch nicht in dem
Maße wahrgenommen, wie es seiner Bedeutung für die Entstehung von
Herz-Kreislauferkrankungen, Apoplexie und peripherer arterieller
Verschlusskrankheit entspricht. Die Ergebnisse der großen Endpunktstudien, die
klären sollen, ob die Supplementierung mit B-Vitaminen die Sterblichkeit an
Atherosklerose-bedingten Gefäßerkrankungen zu senken vermag, stehen noch aus.
Zahlreiche epidemiologische Studien sprechen jedoch eindeutig dafür, dass
B-Vitamine nicht nur den Homocysteinspiegel senken, sondern auch vor
kardiovaskulären Erkrankungen schützen können.
Prof. Dr. Klaus Pietrzik von der Universität Bonn belegte anhand von Studien,
dass die Empfehlungen für die bestehenden Normalwerte zur Beurteilung der
Vitaminversorgungssituation dringend dem Stand der aktuellen Vitaminforschung
angepasst werden müssten. So geht man bisher von einem Serumfolatspiegel von 8
nmol/L als unterem Normalwert aus. Bei der Definition von Mangel orientiert man
sich dabei noch immer am Auftreten von klassischen Mangelerscheinungen (Macrocytose)
ohne dass frühzeitig auftretende biochemische Veränderungen (Homocysteinanstieg)
Beachtung finden. Ein Routine-Differentialblutbild kann auf B-Vitaminmangel
hinweisen, wenn man sich an der Übersegmentierung des Zellkerns von neutrophilen
Granulozyten orientiert. Bei ausreichender Vitaminversorgung treten in maximal
5% dieser Zellen bis zu fünf Kernsegmente auf. Bereits bei leichtem
B-Vitaminmangel konnte Pietrzik in bis zu 20% der Zellen sieben bis zehn
Segmente nachweisen. Nach Vitaminsupplementation normalisierte sich das
Blutbild.
In einem Experiment mit Studenten, die definierte Mengen an B-Vitaminen
einnahmen, hat der Wissenschaftler Übersegmentierungen bereits bei Folatspiegeln
von 7 bis 8 nmol/L nachgewiesen, was ebenfalls darauf hindeutet, dass die
bisherigen Grenzwerte zu niedrig angesetzt sind. Ein besonders sensitiver Marker
für B-Vitaminmangel ist der Plasma-Homocysteinspiegel. Dieser steigt bereits bei
Folsäurespiegeln unter 15 bis 20 nmol/L an. In diesem Bereich sollte deshalb
nach Auffassung von Pietrzik der untere Grenzwert für den Serumfolatspiegel
liegen.
Reicht eine Ernährungsumstellung aus?
Innerhalb von zehn Jahren ist es durch Aufklärungskampagnen gelungen, den
durchschnittlichen Verzehr von Obst und Gemüse pro Kopf von 230 g auf 260 g
täglich zu steigern. 500-700 g täglich werden zur Deckung des Bedarfs an
Vitaminen und
Antioxidantien empfohlen. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass sich
die Ernährungsgewohnheiten mittelfristig den Empfehlungen anpassen werden.
Vitamin B12, das neben
Folsäure
und Vitamin B6 essenziell für die Kontrolle des Homocysteinspiegels ist, kann
nur aus tierischer Nahrung aufgenommen werden. Im Allgemeinen enthält unsere
Nahrung ausreichend Vitamin B12. Allerdings ist es dort, anders als in
Tabletten, an Eiweiß gebunden. Darum wird bei älteren Menschen die Resorption
des Vitamins häufig zum Problem. Bei leichteren Gastritiden wird der „Intrinsic
Factor“ zwar in ausreichenden Mengen gebildet, jedoch kann bei Patienten mit
Gastritis und in deren Folge einem erhöhten pH-Wert im Magen Vitamin B12 nicht
aus der Nahrungseiweißbindung gelöst werden. Folgerichtig weisen Untersuchungen,
die Pietrzik mit spanischen Kollegen in Altenheimen durchführte, auf eine
Unterversorgung mit B-Vitaminen hin, insbesondere von Folsäure und Vitamin B12.
In einer Studie fand man bei 3% der Altenheimbewohner eine megaloblastische
Anämie, bei 11% eine Übersegmentierung der neutrophilen Granulozyten und bei 50%
erhöhte Methylmalonsäurespiegel, einen für B12-Mangel spezifischen Marker. Der
Homocysteinwert war bei 70% der Senioren erhöht [1].
Prophylaxe von Herz-Kreislauferkrankungen
Auch Dr. Riezler aus Münster ist nicht sehr optimistisch, dass es gelingt,
breite Bevölkerungskreise über die normale Ernährung mit ausreichend B-Vitaminen
zu versorgen. Er empfiehlt daher, zusätzlich zu den Risikopatienten mit
Hyperlipidämie, Bluthochdruck und Diabetes auch Patienten mit Gefäßerkrankungen
im Frühstadium und Gesunde über 50 Jahren mit den für die Kontrolle des
Homocysteinspiegels notwendigen B-Vitaminen zu versorgen. „Es gibt kaum eine
Prophylaxe ohne Nebenwirkungen, die so preiswert ist. Die Kosten der
Vitaminbehandlung stehen in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, der durch das
verminderte Risiko für Gefäßerkrankungen und Hirnleistungsstörungen gewonnen
wird.“ Nach Riezler können zur Prophylaxe von Alterskrankheiten und bei leicht
erhöhten Plasma-Homocysteinwerten ab 10 bis 12 Mikromol/L orale
Vitamin-B-Präparate eingesetzt werden. Wenn der Homocysteinwert nach vier bis
sechs Wochen nicht gefallen ist, sollte eine Dosissteigerung erfolgen. Eine
parenterale Behandlung mit Medivitan®N hat dabei große Vorteile: Erstens können
hohe Dosen des schwer resorbierbaren Vitamin B12 appliziert werden und zweitens
kann diese Therapie den Homocysteinwert nachweislich schon innerhalb von 21
Tagen in den Normbereich unter 10 µmol/l senken [2]. Empfohlen werden sechs
Injektionen innerhalb von drei Wochen. Ist der Homocysteinwert dann unter 10
Mikromol gefallen, sollte eine orale Erhaltungstherapie angeschlossen werden.
[1] R. Sola, M. Gonzalez-Gross, V. Lemmen, D. Janke, M.J. Castillo, K. Pietrzik
(2003): Pattern of morphological and biochemical markers in vitamin B12
deficiency. 8th Congress of the European Hematology Association, Abstract Nr.
178].
[2] Naurath HJ, Joosten E, Riezler R, Stabler SP, Allen RH, Lindenbaum J.
(1995): Effects of vitamin B12, folate, and vitamin B6 supplements in elderly
people with normal serum vitamin concentrations. Lancet 346:85-9.
Quelle: Ärzte-Workshop zur Bedeutung des Risikofaktors Homocystein anlässlich
der „4th International Conference on Homocysteine Metabolism“ vom 29. Juni bis
zum 3. Juli 2003 in Basel; Medice
Nach Informationen der Charité Berlin
BSMO , 02.10.2003
Hoher Homozystein-Spiegel als Prädiktor für
MI-Rezidiv und gesteigerte Mortalität
Laut Resultaten einer israelischen Studie sind bei Infarkt-Patienten mit hohem
Homozystein-Spiegel Rezidivrisiko und Mortalitätsrisiko deutlich gesteigert.
Dr. Shlomo Matetzky von der Universitätsklinik in Tel Aviv und Kollegen
analysierten diesbezügliche Daten von 157 Myokardinfarkt-Patienten, bei 22 (14%)
konnte ein Homozystein-Spiegel von über 2,7mg/l diagnostiziert werden.
Frauen und Diabetiker hatten einen signifikant niedrigeren Homozystein-Spiegel
als Männer (p<0,01) und Nicht-Diabetiker (p=0,005). Das Alter hatte keinen
Einfluss auf die Homozystein-Konzentration.
Nach einem durchschnittlichen Follow-up von 30±10 Monaten konnte für Patienten
mit Homozystein-Konzentrationen von über 2,7mg/l eine signifikant höhere
Inzidenz eines koronaren Rezidivs (36% vs. 17%; p=0,04) und ein gesteigertes
Mortalitätsrisiko (18% v. 5%; p<0,05) registriert werden. Nach Adjustierung auf
diverse Risikofaktoren war eine Homozystein-Konzentration von über 2,7mg/l mit
einer Odds Ratio des Rezidiv- und Mortalitätsrisikos von 3,8 assoziiert (95% CI
1,3-11,0).
Die Wissenschafter konkludieren, dass bei Infarkt-Patienten mit hohem
Homozystein-Spiegel das Rezidiv- und Mortalitätsrisiko deutlich gesteigert ist.
9.10.03
www.medaustria.at Quelle: Arch Intern Med; 2003, 163:
1933-1937
Hirnatrophie durch
B-Vitaminmangel
Arteriosklerotische Veränderungen der Gehirngefäße und damit verbunden eine
Störung der Versorgung der hochempfindlichen Gehirnzellen stehen im Verdacht,
eine wichtige Ursache für nachlassende geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu
sein. Da diese kleinen Durchblutungsstörungen klinisch nicht auffallen, werden
sie von Neurologen oft als “stille ischämische Hirnläsionen” bezeichnet. Auf
lange Sicht manifestiert sich die Schädigung auch makroskopisch im Computer-
bzw. im Kernspintomogramm als Hirnatrophie.
Unter den potentiellen Ursachen für arteriosklerotische Gefäßveränderungen
einerseits und eine übermäßige Gerinnungsneigung des Blutes (was zu einer
rezidivierenden Verlegung kleiner und kleinster Gehirngefäße durch kleine
Thromben führt) andererseits könnten auch Störungen in der Versorgung mit
B-Vitaminen und daraus resultierend ein Anstieg der Homocysteinwerte von
Bedeutung sein. Israelische Wissenschaftler gingen dieser Hypothese nach.
Eingeschlossen wurden 56 ambulante Patienten, bei denen vor Beginn der Studie
ein Computertomogramm des Gehirns angefertigt wurde. Je nach dem Befund wurden
die Patienten einer von drei Gruppen zugeordnet: a) kleinere ischämische
Läsionen, b) Hirnatrophie und c) unauffällige Befunde. Verglichen mit den 24
Personen der Gruppe c) war der Homocysteinspiegel bei den 21 Patienten der
Gruppe a) um bemerkenswerte 5.6 µmol/l höher, die Vitaminspiegel waren niedriger
und die kognitiven Funktionen schlechter. Bei den 11 Patienten mit
Gehirnatrophie fielen vor allem der deutlich niedrigere Vitamin B6-Spiegel und
die ebenfalls schlechteren kognitiven Funktionen auf. Die Autoren empfehlen
deshalb, bei älteren Menschen sorgfältig auf die Überwachung der
Homocysteinwerte und des Vitaminstatus zu achten und, um Risikopatienten
rechtzeitig zu identifizieren, auch auf Einschränkungen der geistigen
Leistungsfähigkeit hin zu testen.
Adresse zum Bestellen der Publikation: Dr. Y. Dror, Hebrew Univ Jerusalem, Fac
Agr Food & Environm Qual Sci, Inst Biochem Food Sci & Nutr, IL-76100 Rehovot,
Israel (E-mail: dror@agri.huji.ac.il).
Quelle: Dementia & Geriatric Cognitive Disorders. 16(1):39-45, 2003.
Homocystein: Risikofaktor für Präeklamsie
Erhöhte Homocysteinwerte sind offensichtlich während der Schwangerschaft für
eine ganze Reihe mütterlicher wie kindlicher Komplikationen von Bedeutung.
Nachdem kürzlich gezeigt werden konnte, dass dies für schwere Formen einer
bestimmten Schwangerschaftskomplikation, der so genannten Gestose (Präeklampsie),
gilt, untersuchten Forscher aus Miami, Florida, ob sich dieser Zusammenhang auch
für leichtere Formen der Gestose darstellen lässt. Die Erkrankung äußert sich in
der Entwicklung eines Bluthochdrucks während der Schwangerschaft, zusammen mit
einer Proteinurie sowie oft begleitenden Ödemen vor allem der Beine.
weiter:
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=3087
Was nützt das
Senken von Homocystein?
Nicht nur Rauchen, Hypercholesterinämie und Hypertonie gelten als
wesentliche Risikofaktoren für die Atherosklerose. Mittlerweile gilt auch die
Hyperhomocysteinämie als ein Risikofaktor für arterielle Gefäßkrankheiten.
B-Vitamine für Schlaganfall-Risikopatienten
In der aktuell laufenden JAVIS-Studie (Jena Atherosclerosis Vitamin
Intervention Study) wird die Wirkung einer B-Vitaminbehandlung auf die
Gefäße von Schlaganfall-Risikopatienten untersucht. Unter der Therapie mit
Folsäure, Vitamin B6 und B12 zeigte sich bereits nach einem Jahr eine
signifikante Verminderung der Arteria-carotis Intima-Media-Dicke (IMT) und
der Homocysteinwerte.
Prof. Dr. Uwe Till vom Klinikum der Universität Jena leitet die
multizentrische, placebokontrollierte Doppelblind-Studie, die insgesamt zwei
Jahre dauern wird. Patienten mit einer IMT über einem Millimeter erhalten
oral Placebo oder 2,5 mg Folsäure, 25 mg B6 und 0,5 mg B12 pro Tag.
Mit der IMT der Carotis-Arterien haben Till und seine Kollegen einen
Parameter gewählt, der in relativ kurzer Zeit Informationen über die
Wirksamkeit von B-Vitaminen bei Arteriosklerose liefern kann. Mit der
Dopplersonografie lässt sich die IMT reproduzierbar messen. Außerdem eignet
sie sich generell als Marker für Arteriosklerose. Bei 60% der Patienten mit
einer IMT über 1 mm fand man Homocysteinwerte über 10 Mikromol pro Liter
Plasma. Homocystein ist Teil eines Stoffwechselzyklus, der unter Beteiligung
der Vitamine Folsäure und Vitamin B12 Methylgruppen bereitstellt für die
Synthese von DNA-Bausteinen, Phospholipiden, dem basischen Myelinprotein,
Katecholaminen und vielen anderen Bausteinen des Organismus.
Es ist bekannt, dass schon geringfügig erhöhte Homocysteinwerte mit einer
Verdopplung des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden sind.
Homocystein trägt 10% zum Gesamtrisiko für Arteriosklerose bei. Sein
Risikopotenzial ist damit ähnlich hoch wie das der Risikofaktoren Rauchen
oder Hyperlipidämie. Studien zeigen, dass die Senkung des
Homocysteinspiegels um drei Mikromol die Risiken für Herzinfarkte um 16%,
für tiefe Venenthrombosen um 25% und für Schlaganfälle um 24% verringert
[1]. Bereits im Jahr 1995 konnte gezeigt werden, dass eine parenterale
Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 (Medivitan®N) die Homocysteinwerte
innerhalb von 21 Tagen auf den Normbereich senken kann [2].
Jetzt gibt es erstmals direkte Hinweise, dass eine Behandlung mit den drei
B-Vitaminen Arteriosklerose vermindern kann. Till berichtete an der Medica
in Düsseldorf über die ersten Ergebnisse seiner Interventionsstudie. 50
Patienten wurden nach einem Jahr der Teilnahme an der Studie entblindet. 24
von ihnen gehörten der Plazebo- und 26 der Verum-Gruppe an. Die Verteilung
der Risikofaktoren war in Verum- und Placebo-Gruppe gleich.
Neben Homocystein wurden bestimmt: die drei zur Therapie eingesetzten
B-Vitamine, Methylmalonsäure und Methylcitrat als Marker für
Vitamin-B12-Mangel, Cystathionin als Indikator für Vitamin-B6-Mangel, die
Endprodukte der Remethylierung (Methionin, Betain, Dimethylglycin), der
Lipidstatus, die Akut-Phase-Proteine, Creatinin und die Polymorphismen der
Methyl-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), einem Enzym, das an der
Remethylierung von Homocystein beteiligt ist.
In der Placebo-Gruppe veränderten sich die Homocysteinwerte nicht, in der
Verumgruppe fielen sie dagegen weit unter den Grenzwert von 10 Mikromol ab,
auf durchschnittlich 6,56 Mikromol pro Liter Plasma. Sucht man mit der
Multiplen Regression unter den gemessenen Parametern nach möglichen
Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Homocystein-Werts, ergibt sich,
dass nur die Zugehörigkeit zur Verum- bzw. Placebogruppe relevant ist. Kein
anderer der gemessenen Parameter kommt als Einflussfaktor in Frage.
Die IMT erhöhte sich in der Placebo-Gruppe im Durchschnitt um 0,07 mm. In
der Gruppe, die B-Vitamine erhielt, hat die IMT um 0,07 mm abgenommen.
Dieses Ergebnis war für Till und seine Kollegen überraschend. Die
Arbeitsgruppe hatte erwartet, dass die Arteriosklerose der Verum-Gruppe
weniger schnell voranschreitet, nicht, dass sie sich verringert.
Besonders interessiert waren die Wissenschaftler an der Frage, ob die
Senkung des Homocysteins mit der Verringerung der IMT korreliert ist. Die
Veränderungen der Homocysteinwerte korrelierten jedoch nur in der fünften
Quintile (Ausgangswerte ab 15,1 Mikromol Homocystein pro Liter Plasma) mit
der Entwicklung der IMT.
Alle Patienten profitierten von der Vitamintherapie durch eine Verringerung
von IMT und Homocysteinspiegel. Jedoch korrelierte das Ausmaß der
IMT-Verringerung nicht grundsätzlich mit der Senkung des Homocysteinspiegels.
Teile des Vitamineffekts sind also nicht über die Homocysteinsenkung zu
erklären. Folglich gibt es eine Vitaminwirkung auf die Carotis-Arterien, die
unabhängig von der durch die B-Vitamine verursachten Senkung des
Homocysteinspiegels ist.
[1] Wald DS, Law M, Morris JK 2002: Homocysteine and cardiovascular disease:
evidence on causality from a meta-analysis. BMJ 325(7374):1202.
[2] Naurath HJ, Joosten E, Riezler R, Stabler SP, Allen RH, Lindenbaum J.
(1995): Effects of vitamin B12, folate, and vitamin B6 supplements in
elderly people with normal serum vitamin concentrations. Lancet 346:85-9. 15.01.2004 Infos für Ärzte
Quelle: Medica Düsseldorf, 22. November 2003
http://www.journalmed.de
Folsäure,
Vitamin B6 und B12 erhalten die geistige Leistungsfähigkeit
Spanische Wissenschaftler haben aktuelle Hinweise gefunden, dass Senioren mit
erhöhten
Homocysteinspiegeln schwächere kognitive Fähigkeiten aufweisen als
Gleichaltrige mit niedrigeren Homocysteinspiegeln. Zur Erhaltung der kognitiven
Leistungsfähigkeit sollten täglich 600 Mikrogramm Folsäure, 1,9 Milligramm
Vitamin B6 und 3,5 Mikrogramm Vitamin B12 eingenommen werden. In der
vorliegenden Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Bologna die
Fähigkeiten von 650 Senioren, die 65 Jahre oder älter waren hinsichtlich
Wahrnehmung, Denken, Erkennen und Erinnern. Die Einordnung erfolgte aufgrund
eines wissenschaftlich anerkannten Tests zur Beurteilung kognitiver Fähigkeiten.
Es zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen erhöhten
Homocysteinspiegeln und schlechteren Testergebnissen, und mit steigendem
Bluthomocystein sanken auch die Testerfolge immer mehr ab. Die spanischen
Wissenschaftler berücksichtigten andere Faktoren, die den Bluthomocysteinspiegel
beeinflussen können, beispielsweise die Ernährungsform oder den Alkoholkonsum.
Es zeigte sich aber, dass diese Faktoren die Ergebnisse nicht verfälschten (1).
Dass ein derartiger Zusammenhang besteht, vermuten Neurologen schon seit
längerer Zeit. Dies betrifft nicht nur das Nervensystem, auch das Risiko für
Herzinfarkte steigt mit einem erhöhten Homocysteinspiegel. Homocystein entsteht
beim Eiweißabbau im Organismus. Im Normalfall bauen Enzyme das Homocystein zu
unschädlichen Verbindungen ab. Da diese Enzyme abhängig von den B-Vitaminen
Folsäure, B12 und B6 sind, ist ein hoher Homocysteinspiegel auch Folge einer
unzureichenden Versorgung mit diesen Vitaminen. Reich an B-Vitaminen sind vor
allem grüne Blattgemüse. Doch eine ausreichende Zufuhr ausschließlich über
Lebensmittel ist aufgrund der Sauerstoff- und Hitzeempfindlichkeit der Vitamine
außerordentlich schwierig: Falsche Lagerung, lange Transportwege oder eine
vitaminzerstörende Zubereitung führen zu hohen Verlusten in den Lebensmitteln.
So kann der Folsäuregehalt einzelner Lebensmittel bei einer falschen Zubereitung
um bis zu 90% absinken (2). Die Ernährungsexperten von der Gesellschaft für
Ernährungsmedizin und Diätetik empfehlen deswegen nicht nur Senioren, Folsäure
in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12 zusätzlich zur Nahrung in Form von
Nahrungsergänzungspräparaten zuzuführen. In den anzuwendenden Dosierungen sind
solche Präparate ohne Risiko, aber von hohem Nutzen. Erhältlich sind die
entsprechenden Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken und Drogerien, und das
schon zu einem äußerst günstigen Preis. 27.02.2004 Infos für Ärzte
http://www.journalmed.de
Literatur:
1) Ravaglia G, Forti P, Maioli F et al.: Homocysteine and cognitive function in
healthy elderly community dwellers in Italy. American Journal for clinical
nutrition 2003; 77: 668-673
2) Bässler KH, Golly I, Loew D et al.: Vitamin-Lexikon. Urban & Fischer Verlag,
München, Jena, 2002, 152
Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.
B-Vitamine sorgen bei Herzkranken für
niedrigen
Homocystein-Wert
Blutspiegel sollte 10 µmol/l nicht übersteigen / Drei
B-Vitamine
regulieren den Spiegel
MÜNCHEN (sto). Patienten, die bereits kardiovaskuläre Risiken aufweisen, sollten
auch auf erhöhte Homocystein-Werte hin untersucht werden. Dies fordert Professor
Klaus Pietrzik von der Universität Bonn. Denn ein erhöhter Wert ist nach seiner
Ansicht als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen
anzusehen. Das legten auch epidemiologische Studiendaten nahe.
An der Regulation des Homocysteinwerts sind die drei B-Vitamine Folsäure,
Vitamin B12 und Vitamin B6 beteiligt. Bei einer unzureichenden Versorgung mit
diesen Vitaminen sei die Metabolisierung von Homocystein eingeschränkt, so daß
es bereits in einer relativ frühen Phase eines Vitaminmangels zu einem Anstieg
von Homocystein im Blut komme, sagte Pietrzik bei einer
Fortbildungsveranstaltung in München.
Als pathophysiologischer Effekt bei einer Hyper-Homocysteinämie wird diskutiert,
daß es außer zu Veränderungen der Gefäßmorphologie auch zu einem Verlust der
antithrombotischen Endothelfunktion kommt und zur Induktion eines
prokoagulatorischen Milieus auf der Basis einer Homocystein-vermittelten
oxidativen Streßbelastung.
Bei Hochrisikogruppen und besonders bei Patienten mit manifesten
Gefäßerkrankungen sollte nach einem Konsensus der DACH-Liga Homocystein ein
Homocysteinspiegel von 10 µmol/l nicht überschritten werden. Da aber nur wenige
Menschen die Empfehlung umsetzten, fünfmal am Tag Obst und Gemüse zu essen,
werde diese Vorgabe durch die normale Ernährung nur selten erreicht, so Pietrzik.
Hier empfehle sich eine prophylaktische Vitamin-B-Einnahme. Dadurch könnten
theoretisch bis zu 25 Prozent der kardiovaskulären Ereignisse vermieden werden.
Ob auch gesunde Patienten mit erhöhten Homocystein-Werten von einer
Vitamin-B-Supplementation profitieren, müsse noch in Interventionsstudien
untersucht werden.
Weitere Infos zu Homocystein unter
www.dach-liga-homocystein.org
Ärzte Zeitung, 29.03.2004
Weinkonsum erhöht
Homocysteinspiegel
Das „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlichte Studienergebnisse
(1), denen zufolge Weinkonsum die Homocysteinkonzentration erhöht, Bier dagegen
keinen beziehungsweise einen inversen Effekt aufwies. Die
Homocysteinkonzentration ist ein allgemein anerkannter Indikator für das Risiko
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Rahmen der „French supplementation with
antioxidant vitamins and minerals study“ untersuchten Wissenschaftler die
Beziehung zwischen der Homocysteinkonzentration und dem Konsum von verschiedenen
alkoholischen Getränken innerhalb der französischen Bevölkerung, die sich durch
einen häufigen Weinkonsum auszeichnet. 1.196 weibliche und männliche Probanden
füllten insgesamt sechs 24-Stunden-Ernährungsprotokolle während eines Jahres
aus, an dessen Ende die Homocysteinkonzentration im Plasma der Probanden
gemessen wurde. Bei Frauen korrelierte der Konsum von Wein positiv mit der
Homocysteinkonzentration, bei Männern dagegen mit dem Konsum von Bier. Diese
positive Assoziation bei Männern wurde weiter untersucht durch Einteilung der
Männer in Weintrinker und Nicht-Weintrinker. Daraufhin stellten die
Wissenschaftler fest, dass nur bei den Weintrinkern die positive Assoziation
zwischen Bierkonsum und Homocystein auftrat. Bei den Nicht-Weintrinkern schien
die Beziehung sogar invers zu sein. Mit diesen Ergebnissen konnte gezeigt
werden, dass die Korrelation zwischen Alkoholkonsum und Homocystein von der Art
des konsumierten alkoholischen Getränks abhängig ist. Ein moderater Bierkonsum
scheint dabei keinen beziehungsweise einen inversen Effekt auf das Homocystein
zu haben. Dies könnte auf die Gehalte an
Folsäure, Vitamin
B6 und Vitamin B12 in Bier zurückzuführen sein. Die Ergebnisse sind aber keine
Aufforderung zum hemmungslosen Biergenuss. Alkoholische Getränke sollten
grundsätzlich nur in moderaten Mengen getrunken werden. Eine unzureichende
Folsäurezufuhr kann zu einem erhöhten Homocysteinspiegel beitragen. Eine
sinnvolle Ergänzung der Folsäurezufuhr über Lebensmittel stellen
Nahrungsergänzungsmittel mit einer Depotwirkung dar. Sie enthalten pro Dragee
600 µg Folsäure plus Vitamin B6 und B12 und versorgen den Körper über Stunden
bedarfsgerecht mit Folsäure.
Literatur:
Mennen LI et al.: Relation between homocysteine concentrations and the
consumption of different types of alcoholic beverages : the french
supplementation with antioxidant vitamins and minerals study. Am J Clin Nutr
2003; 78: 334-338
Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin Bad Aachen
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Homocystein als
Osteoporoserisiko?
ROTTERDAM/FRAMINGHAM. Ein erhöhter Homocysteinspiegel, ein etablierter
Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wird durch zwei neue Studien im
New England Journal of Medicine mit einer weiteren “Volkskrankheit”, der
Osteoporose, in Verbindung gebracht: Die Studien zeigen, dass ältere Menschen
mit erhöhten Homocystein-Werten häufiger Knochenbrüche erleiden.
Homocystein ist eine Aminosäure, die als Zwischenprodukt beim Abbau von
Methionin entsteht. Der Verdacht, dass ein hoher Homocysteinspiegel einen
negativen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben könnte, gründet sich auf
Beobachtungen an Patienten mit einer Homocysteinurie. Diese sehr seltene
genetische Stoffwechselstörung führt zu exzessiv hohen Homocysteinwerten im
Blut.
Die Patienten erkranken nicht nur an einer schweren Atherosklerose. Sie haben
auch ein erhöhtes Frakturrisiko aufgrund eines Mineralmangels im Knochen. Da
viele Menschen im Alter erhöhte Homocysteinwerte aufweisen, lag es nahe zu
untersuchen, ob auch ihr Knochenbruchrisiko erhöht ist. Dies ist jetzt in zwei
niederländischen Studien und der amerikanischen Framinghamstudie geschehen.
Joyce van Meurs von der Erasmus Universität in Rotterdam und Mitarbeiter
werteten die Daten der Rotterdam-Studie und der Longitudinal Aging Study
Amsterdam (LASA) aus, zwei laufende Kohortenstudien in den Niederlanden, in
denen ältere Menschen regelmäßig nachuntersucht werden (NEJM 2004;
350:2033-2041). Unter 2 406 Teilnehmern kam es nach 11 253 Personen-Jahren zu
191 osteoporotischen Frakturen, deren Häufigkeit eng mit dem Homocysteinspiegel
korreliert war.
Im obersten Viertel der gemessenen Homocysteinspiegel war das Risiko auf einen
osteoporotischen Knochenbruch fast doppelt so hoch wie bei Personen mit
niedrigeren Werten. Das altersbereinigte relative Risiko betrug 1,9
(95-Prozent-Konfidenzintervall 1,4–2,6). Das Risiko war unabhängig von der
Knochenmineraldichte und anderen bekannten Risikofaktoren für Knochenbrüche im
Alter.
Eine Untersuchung der Framingham-Studie, jener Kohorte aus der gleichnamigen
Kleinstadt in Massachussetts, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis (NEJM 2004
350:2042-2049). Frauen mit den höchsten Plasmawerten (oberstes Viertel) hatten
zu 90 Prozent häufiger Frakturen erlitten. Bei den Männern mit den höchsten
Homocysteinwerten war die Häufigkeit von Frakturen sogar fast vervierfacht.
Auch wenn die Ergebnisse eindeutig sind, so bedeuten sie jedoch nicht unbedingt,
dass hohe Homocysteinspiegel kausal für die Frakturen verantwortlich sind. Dies
lässt sich aus Beobachtungsstudien nicht ableiten. Möglich wäre auch, dass der
hohe Homocysteinspiegel nur ein Marker für eine andere Osteoporose-Ursache ist.
Dies könnte beispielsweise ein Östrogenmangel sein, wie Lawrence Raisz von der
Universität von Connecticut in Farmington im Editorial schreibt (NEJM 2004; 350:
2089-2090).
Bei Frauen kommt es nach der Menopause zu einem Anstieg der Homocysteinspiegel,
die unter einer Behandlung mit Östrogenen wieder absinken. Möglich sei auch,
dass ein hoher Homocysteinspiegel nur ein Marker für einen schlechten
Ernährungszustand der Patienten ist. Ein Mangel an
Vitamin D oder
Kalzium konnte in der
niederländischen Studie zwar als Ursache der Frakturen ausgeschlossen werden.
Bekannt ist aber, dass viele ältere Menschen unter einer Mangelernährung leiden,
zu der auch eine zu geringe Zufuhr von Folsäure gehört.
Folsäure wird für
den Abbau von Homocystein zu Methionin benötigt. Ein Mangel könnte deshalb die
im Alter erhöhten Homocysteinwerte erklären.
Die logische Konsequenz aus der Studie besteht nach Ansicht von Raisz in der
Durchführung einer Interventionstudie, in der ein Teil der Patienten mit
Folsäure substituiert würde. Wenn es unter dieser Behandlung zu einem Absinken
der Frakturrate käme, wäre der Zusammenhang zwischen hohen Homocystein-Spiegeln
und der Osteoporose endgültig belegt.14.05.2004 DEUTSCHES ÄRZTEBLATT
Homocystein
als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Empfehlungen für die Praxis
Der Homocysteinstoffwechsel wird im wesentlichen durch die B-Vitamine
Folsäure,
Vitamin B6 und
Vitamin B12 reguliert, so dass eine unzureichende Vitaminversorgung
einen erhöhten Homocysteinblutspiegel zur Folge hat. In einschlägigen
Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Homocysteinblutspiegel bereits im
leicht erhöhten Bereich (>10 µmol/l) regelmäßig auf eine Vitamingabe ansprechen
und dadurch signifikant gesenkt (<10 µmol/l) werden können. Bei niedrigen
physiologischen Homocysteinspiegeln von <6-8 µmol/l ist auch durch Vitamingabe
eine Beeinflussung des Homocysteinspiegels nicht mehr möglich. Daraus kann
gefolgert werden, dass erhöhte Homocysteinspiegel >10 µmol/l als Indikator für
eine unzureichende Versorgung mit den genannten B-Vitaminen angesehen werden
kann. Gleichzeitig gilt ein bereits moderat erhöhter Homocysteinspiegel als
Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so Prof. Dr. K. Pietrzik vom
Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Bonn.
Diverse Fall-Kontroll-Studien und prospektive Studien zeigten übereinstimmend,
dass bereits bei moderat erhöhten Homocystein-Serumspiegeln eine positive
Assoziation zum Auftreten von koronarer Herzkrankheit besteht. Mit steigender
Homocystein-Plasmakonzentration steigt das KHK-Risiko an, wobei jede Erhöhung
der Nüchtern-Homocystein-Serumwerte um 5 µmol eine Odds Ratio (OR) von 1,7 für
das KHK-Risiko nach sich zieht. Die pathologischen Effekte lassen sich in zwei
Mechanismen zusammenfassen: einen direkt zelltoxischen Einfluss des Homocysteins
und einer Veränderung der Gerinnungs-Homöostase. Da der Stoffwechsel des
Homocysteins eng mit dem der B-Vitamine Folsäure, B12 und B6 verknüpft ist, ist
ein physiologischer Abbau und Umbau der Aminosäure Homocystein nur bei
ausreichenden Serumkonzentrationen der o.g. Vitamine gewährleistet. Ein
therapeutisch-prophylaktisches Eingreifen in den Stoffwechsel des Risikofaktors
Homocystein mit Hilfe dieser Vitamine ist möglich. Im Rahmen eigener
Untersuchungen wurden die Dosis-Wirkungsbeziehungen näher untersucht. Dabei
wurde sowohl die Wirkung der einzelnen Vitamine als auch unterschiedlicher
Kombinationen und Dosierungsvarianten auf den Homocysteinblutspiegel überprüft.
Es zeigte sich, dass der Folsäure zwar das größte Wirkungspotenzial zukommt, in
Kombination mit den anderen Vitaminen jedoch noch eine Wirkungssteigerung
eintritt.
Aktuelle Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe weisen zudem darauf hin, dass speziell
beim älteren Menschen ein unzureichender Vitamin B12-Status für die erhöhten
Homocysteinspiegel (mit)verantwortlich ist. Einschlägige Untersuchungen an 180
Altersheimbewohnern zeigten, dass die erhöhten Homocysteinspiegel zu 12% auf
einen isolierten Vitamin B12-Mangel zurückzuführen sind, und dass weitere 29%
einen kombinierten Vitamin B12 und Folsäuremangel aufweisen, so dass insgesamt
ca. 40% dieser Altersgruppe einen unzureichenden Vitamin B12-Status haben. Die
Ergebnisse erklären sich dadurch, dass 30-50% der Älteren (>60 Jahre) an einer
Gastritis leiden, wodurch die Ausnutzung des mit der Nahrung aufgenommenen
Vitamin B12 limitiert ist. Dementsprechend sollte nicht nur eine Verbesserung
der Folsäureversorgung für die Allgemeinbevölkerung propagiert werden, sondern
zusätzlich beim älteren Menschen eine Supplementierung von Vitamin B12 empfohlen
werden, denn Homocystein gilt nicht nur als Marker eines Vitaminmangels sondern
auch als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehrere groß angelegte
Interventionsstudien mit mehr als 50.000 Versuchspersonen, die diese
Zusammenhänge definitiv beweisen, befinden sich in der Durchführung bzw. im
Endstadium und lassen erste Ergebnisse in Kürze erwarten.
Aktuelle Daten aus den USA bestätigen die präventive Wirkung der Folsäure.
Anlässlich der 44. Konferenz der American Heart Association im März 2004 in San
Francisco wurden erste Ergebnisse publiziert, die den Rückgang von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen um ca. 50.000 Fälle pro Jahr auf die seit 1998
praktizierte Zwangsanreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure
zurückführen.
Da derartige Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland kaum durchführbar sind,
ist es dringend geboten, über andere Wege (Optimierung der Ernährung durch mehr
Obst und Gemüse, Vitaminpräparate etc.) eine bessere Vitaminversorgung zu
erreichen.
Aufgrund der inzwischen nachgewiesenen Bedeutung des Homocysteins als
unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat sich die DACH-
Liga Homocystein formiert, die einen Zusammenschluss deutscher (D),
österreichischer (A) und schweizerischer (CH) Fachwissenschaftler darstellt, die
Richtlinien und Empfehlungen zum rationellen und klinischen Umgang mit
Homocystein und thrombotischen Erkrankungen herausgegeben hat (J. Kardiol. 2003;
10 (5)). Danach ist beim Gesunden ein Homocysteinspiegel <12 µmol/l anzustreben,
bei Risiko-patienten sollte dieser 10 µmol nicht überschreiten. Zur Senkung
erhöhter Homocystein-Werte werden Dosierungsempfehlungen für B-Vitamine gegeben,
die im nutritiven Bereich liegen. Lediglich bei Therapieversagern kann nach
spezieller Diagnostik der Einsatz pharmakologischer Dosierungen von B-Vitaminen
angezeigt sein. Die Empfehlungen fußen auf den bisher zur Verfügung stehenden
Daten und müssen bei zunehmendem Erkenntnisgewinn jeweils aktualisiert werden.
Die einschlägigen Empfehlungen für die Praxis wurden von der DACH- Liga
Homocystein in einem Konsensuspapier zusammengefasst, das im Internet unter
www.dach-liga-homocystein.org abgerufen werden kann.
Quelle: Aktionstage Homocystein, 4. Mai 2004; Medice
Vitamin B
gegen Herzleiden bei Diabetikern
Hohe Dosen an Vitamin B1 (Thiamin) verringern das Cholesterin im Blut von
Diabetespatienten und helfen ihnen so dabei, Herzleiden zu vermeiden. Das haben
Forscher an der Universität Essex herausgefunden. Demnach sollten Diabetiker
auch geringe Defizite an Thiamin vermeiden. Die Einnahme von Thiamin-Ergänzungen
könnte das Risiko für Herzerkrankungen und Nierenversagen signifikant mindern.
Diabetes erhöht das Risiko für Herzleiden bei Männern um das Doppelte bis
Dreifache und bei Frauen um das Drei- bis Fünffache. Das erhöhte Risiko steht in
Verbindung mit hohen Niveaus von Cholesterin und Lipiden im Blut.
Frühere Studien haben nachgewiesen, dass die Verwendung von Medikamenten, wie
Statinen, das Risiko für Herzleiden bei Diabetikern um 20 bis 40 Prozent
verringern kann. Die Autoren der aktuellen Studie unter der Leitung von Paul J.
Thornalley sind zuversichtlich, dass hohe Dosen an Thiamin ebenfalls dabei
helfen, den Effekt des Cholesterins und der Lipid-Level umzukehren. Thornalley
empfiehlt Diabetikern, Vitamin-B-Ergänzungen einzunehmen. 14.12.2004 Infos für
Ärzte www.journalmed.de
Folsäure
und
Vitamin B12 senken Frakturrisiko nach Schlaganfall
TAGAWA/JAPAN. Nach einem Schlaganfall ist das Risiko von Knochenbrüchen erhöht.
Eine mögliche Ursache ist der Anstieg des Homocysteinspiegels im Blut, der durch
eine Therapie mit Folsäure und Vitamin B12 gesenkt werden könnte. Eine im
amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2005; 293: 1082-1088) publizierte
Doppelblindstudie aus Japan bestätigt diese Hypothese mit einem sehr guten
Ergebnis, wenn auch die Editorialisten zur Zurückhaltung mahnen.
An der Studie, die am Mitate Hospital in Tagawa durchgeführt wurde, nahmen 628
Patienten teil, bei denen der Schlaganfall mindestens ein Jahr zurücklag und
noch eine residuale Hemiplegie bestand. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen
randomisiert. In einem Arm nahmen die Patienten täglich fünf Milligramm Folsäure
plus 1500 µg Vitamin B12 ein. An die Teilnehmer des anderen Studienarms wurden
Placebos verteilt.
Folsäure und Vitamin B12 werden für den Abbau von Homocystein in Methionin
benötigt. Die Therapie sollte deshalb zu einem Abfall des Homocysteinspiegels
führen, was auch der Fall war. Während im Placebo-Arm die Homocysteinspiegel um
31 Prozent anstiegen, fielen sie im Therapie-Arm um 38 Prozent. Das allein würde
noch keinen klinischen Vorteil bedeuten. Doch unter den Patienten, die mit den
beiden Vitaminen behandelt wurden, traten in den zwei Jahren der Nachbeobachtung
deutlich weniger Schenkelhalsfrakturen auf, nämlich sechs gegenüber 27 im
Placebo-Arm. Das ergibt unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den
Patienten eine Risikominderung um 80 Prozent (relatives Risiko 0,20:
95-Konfidenzintervall 0,08-0,50). Das absolute Risiko sank nach der Auswertung
der Gruppe um Yoshihiro Sato vom Mitate Hospital um 7,1 Prozent (3,6 bis 10,8
Prozent). Und die “number needed to treat” (NNT), also die Zahl der Patienten,
die behandelt werden müsste, um eine einzelne Hüftfraktur zu vermeiden, betrug
14 (9 bis 28), durchaus ein beeindruckendes Ergebnis.
Die Autoren ließen die Patienten auch ein Tagebuch führen, in dem diese die
Stürze notierten. Die Zahl war in beiden Gruppen gleich, so dass man vermuten
darf, dass das verminderte Frakturrisiko auf eine Verbesserung der
Knochenstabilität zurückzuführen war.
Für Joyce van Meurs und André Uitterlinden vom Erasmus Medical Center in
Rotterdam ist die Studie der erste Beweis, das durch erhöhte Homocysteinspiegel
das Frakturrisiko ansteigt (JAMA 2005; 293: 1121-1122). Dennoch sind die
Experten zurückhaltend in ihrer Bewertung. Sie fordern weitere klinische Studien
zur Effektivität und zu den biologischen Grundlagen der Wirkung.2. März 2005
http://www.aerzteblatt.de
Links zum Thema
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Abstract der Studie im JAMA
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Pressemitteilung JAMA
Vitamin B6 (Pyridoxin) im Sport
Pyridoxin stellt die Vorstufe des biologisch aktiven Pyridoxalphosphats dar, das
ein wichtiges Coenzym für eine Reihe von Enzymen ist. Für den Sportler ist in
erster Linie die Beteiligung am Aminosäuren-Stoffwechsel interessant, bei dem es
insbesondere für Transaminierungsreaktionen unentbehrlich ist.
Zur Vermeidung eines Abbaus von körpereigenem Eiweiß, zur Förderung der
Regeneration und Aufrechterhaltung der Proteinsynthese in der Muskulatur kann
der Bedarf in der Diät bei schwerem Körpertraining auf das Fünffache ansteigen.
Der Pyridoxin-Bedarf hängt vom Proteinumsatz ab und steigt mit der Eiweißzufuhr.
Der Bedarf an Vitamin B6 für ein Gramm Nahrungsprotein wird auf 0,02 mg
geschätzt.
Fazit: Die Supplementierung ist sinnvoll. Um die Effizienz bei
eiweißreicher Kost zu erhöhen, wird ein hoch dosiertes Komplexpräparat mit den
Vitaminen B6, B12 und Folsäure empfohlen.
Vitamin B12 (Cyanocobalamin) im Sport
Vitamin B12 wird im Körper in die Wirkformen 5-Desoxy-adenosyl-cobalamin und
Methylcobalamin umgewandelt. Diese sind als Coenzyme für Wachstum und
Blutbildung erforderlich. Cyanocobalamin wird parenteral appliziert.
Fazit: Über einen sportspezifischen Mehrbedarf an Vitamin B12 ist relativ
wenig bekannt. In der einschlägigen Literatur wird ihm durch Beteiligung an der
Nucleinsäure-Biosynthese eine anabole Wirkung zugeschrieben. Dibencozide ist ein
Vitamin B12-Derivat, das peroral gut resorbiert wird. Viele Kraftsportler sind
von der anabolen Wirkung dieser Substanz überzeugt. Wissenschaftliche Studien
sind nicht bekannt.
http://www.pharmazeutische-zeitung.de 8/2004
Wenn das Gedächtnis streikt, fehlt manchmal nur
Vitamin B12
Bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen lohnt es sich, die
bisherige Medikation zu überprüfen / B12-Mangel häufig bei alten Menschen
WIESEBADEN (sko). Bei Patienten mit Verdacht auf eine Demenz sollten Ärzte die
Medikation einmal genauer unter die Lupe nehmen. Denn viele gängige Wirkstoffe
können die Kognition beeinträchtigen. Auch eine Intoxikation durch Schwermetalle
und Lösungsmittel sowie ein Vitamin-B12-Mangel sollten ausgeschlossen werden.
"Es gibt viele Substanzen, bei denen man es nicht vermutet, daß sie zu
kognitiven Störungen führen können." Daran hat Privatdozent Dr. Herbert F.
Durwen von der Universität Bochum beim Neurologiekongreß in Wiesbaden erinnert.
Als Beispiel nannte er Glukokortikoide, Analgetika, Antiasthmatika oder auch
Antihypertensiva. Er selbst habe beobachtet, daß Patienten unter einer
Behandlung mit einem Antihypertensivum kognitive Einschränkungen entwickelten,
die nach Absetzen des Medikaments wieder verschwanden, so Durwen bei einem
Symposium des Arbeitskreises Demenz.
Schätzungsweise seien bei ein bis zwei Prozent der Patienten mit Demenz-Verdacht
die kognitiven Beeinträchtigungen Arzneimittel-induziert. Der Anteil sei also
gering. Doch sollte man zumindest eine Beteiligung von Medikamente an
Demenz-Symptomen nicht unterschätzen und die Pharmakotherapie bei Patienten mit
kognitiven Einschränkungen kritisch überprüfen, sagte Durwen.
Bekannte Ursachen von kognitiven Einschränkungen sind auch Vergiftungen mit
Schwermetallen wie Blei, Quecksilber, Thallium sowie mit organischen
Lösungsmitteln - vor allem bei Personen, die beruflich mit solchen Substanzen
Kontakt haben oder hatten.
Eine wichtige Ursache von kognitiven Störungen seien Krankheiten, die durch
metabolische Störungen ausgelöst werden, etwa eine chronische Hypoglykämie.
Und auch bei einem Vitamin-B12-Mangel könne das Leitsymptom eine kognitive
Einschränkung sein. Da in Deutschland besonders ältere Menschen ohne sicheres
soziales Umfeld häufig fehl- oder unterernährt seien, lohne es sich hier, die
Vitamin-Spiegel in regelmäßigen Abständen zu prüfen, sagte Durwen. Ärzte
Zeitung, 26.09.2005
Die NORVIT-Studie – eine Einschätzung der D.A.CH.-Liga Homocystein
Weltweit werden derzeit
Studien mit insgesamt mehr als 60.000 Teilnehmern durchgeführt, um zu
überprüfen, ob die Einnahme von B-Vitaminen nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder
Beinvenenthrombose eine weitere Komplikation verhindern kann. Diese Studien
wurden gefordert, um die pathologische Wirkung erhöhter Homocysteinwerte bzw.
des Vitaminmangels auf das Gefäßsystem klinisch abzusichern. Außerdem sollte das
Potenzial der B-Vitamine für eine Sekundärprävention bei
Patienten eingeschätzt werden, die bereits Herz-Kreislauferkrankungen haben. Am
5. September 2005 wurden im Rahmen des Kongresses der European Society of
Cardiology in Stockholm Ergebnisse einer dieser Studien präsentiert.
Die NORVIT-Studie befasste sich mit der Prognose von Herzinfarktpatienten. Nach dem Infarkt sollte die Wirkung von B-Vitaminen auf einen weiteren Herzinfarkt oder einen Schlaganfall untersucht werden. In 35 Krankenhäusern Norwegens nahmen 3.749 Patienten im Alter zwischen 38 und 84 Jahren teil. Sie hatten maximal 7 Tage vor Einschluss in die Studie einen Herzinfarkt erlitten. Die Teilnehmer wurden dann zufällig in 4 Gruppen eingeteilt und erhielten entweder Folsäure (0,8mg) mit Vitamin B12 (0,4mg), nur Vitamin B6 (40 mg), Folsäure (0,8mg) mit Vitamin B12 (0,4mg) und Vitamin B6 (40 mg) oder Placebo. Es handelte sich um eine Doppelblindstudie, d. h. weder der behandelnde Arzt noch der Patient wussten, was die Medikation enthielt. Die durchschnittliche Beobachtungsdauer betrug 3,5 Jahre. Die Hauptkriterien, nach denen das Ergebnis der Behandlung bewertet wurde, sog. „Studienendpunkte“, waren Herzinfarkt (tödlich oder nicht) und Schlaganfall. Weitere Kriterien waren Tod, erforderliche Herzoperationen und instabile Angina pectoris.
Die Studie ist noch nicht publiziert, deshalb ist es zurzeit schwierig, die Qualität der Daten zu beurteilen. In den Gruppen, die Folsäure und Vitamin B12 erhielten, ließ sich trotz Senkung des Homocysteinspiegels kein Prognose-Vorteil bei den mit Vitaminen behandelten Patienten nachweisen. Eine Vitamingruppe zeigte sogar ein größeres Risiko für einen zweiten Infarkt oder einen Schlaganfall als die Placebo-Gruppe. Bei den Gruppen, die Folsäure und Vitamin B12 erhielten, wurde die Homocysteinkonzentration im Blut erwartungsgemäß um 28% gesenkt, in den Placebo- und Vitamin B6-Gruppen veränderte sie sich nicht. Zusätzlich wurde in der Gruppe, die alle drei B-Vitamine erhielt, eine höhere Anzahl von Krebserkrankungen registriert. Diese Beobachtung war jedoch nicht signifikant, kann also auf Zufall beruhen.
Die Präsentation der
NORVIT-Daten von Prof. Kaare Harald Bønaa hat großes Aufsehen erregt, jedoch
viele wichtige Fragen nicht angesprochen bzw. unbeantwortet gelassen. In einer
anschließenden Pressekonferenz wurden Aussagen getroffen, die aufgrund der
vorgestellten Daten nicht zulässig sind. Nun besteht die Gefahr, dass durch
unkritische
Berichterstattung aufgrund mangelnder Hintergrundinformationen die Anwendung von
B-Vitaminen in Prävention und Klinik in Frage gestellt wird. Schlussfolgerungen
aus der NORVIT-Studie, die anerkannte Experten auf dem Gebiet der B-Vitamin- und
Homocysteinforschung bislang nicht überzeugen konnten, sollen an dieser Stelle
diskutiert werden.
„B-Vitamine verhindern Herzinfarkte nicht und könnten für Patienten mit Herz-Kreislaufkrankheiten schädlich sein.“
Wenn es zu einem Herzinfarkt kommt, sind die Gefäße dem pathologischen Prozess der Atheroklerose bereits seit Jahrzehnten ausgesetzt. Die Effekte durch B-Vitamine bzw. eine Homocysteinsenkung werden kurz nach einem Herzinfarkt und bei optimaler Versorgung der Patienten mit Statinen, Acetylsalicylsäure, ß-Blockern und ACE-Hemmern im statistischen Durchschnitt sehr klein sein, so dass sehr große Patientenzahlen notwendig sind, um diesen Nachweis einer Sekundärprävention zu führen. Es bestehen deshalb starke Zweifel, ob die statistische „Power“ der Studie ausreicht. David Wald, ein Wissenschaftler aus Southampton, hat berechnet, dass für eine zuverlässige Aussage zu den Effekten der Homocysteinsenkung in der Sekundärprävention etwa 20.000 Patienten über fünf Jahre beobachtet werden müssten.
Mehr als die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle traten in der NORVIT-Studie im ersten Jahr nach Studienbeginn auf. Eine statistisch korrekte Aussage über mittel- und langfristige Effekte der Vitaminbehandlung ist daher nicht möglich.
Die NORVIT-Studie erlaubt keine Aussage zur Primärprävention von Herz-Kreis-lauferkrankungen, also einer präventiven Wirkung von B-Vitaminen und Homocysteinsenkung auf die Entwicklung von Atherosklerose. Homocysteinsenkung bzw. Vitamingabe vermögen nachweislich den Verlauf der Progression positiv zu beeinflussen. Das zeigen insbesondere die Daten der weltweit wohl größten Untersuchung zur Primärprävention mit Folsäure durch das CDC (Center of Disease Control and Prevention, Atlanta). Seit Einführung der gesetzlichen Folsäureanreicherung in Lebensmitteln im Januar 1998 wurde in den USA eine jährliche Abnahme der Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall um 48.000 Fälle dokumentiert und der erhöhten Folsäureaufnahme eindeutig zugeordnet.
In den USA und Kanada gibt es
seit der gesetzlichen Folsäureanreicherung von Grundnahrungsmitteln kaum noch
Folsäuremangel. Dieser Umstand macht Studien zu den
Effekten zusätzlicher Folsäuregabe in diesen Ländern unmöglich.
„Die Homocystein-Hypothese ist tot. Homocystein ist kein Risikofaktor, sondern ein unbeteiligtes Stoffwechselprodukt“
Die „Homocystein-Hypothese“ wird durch hunderte von Publikationen gestützt. Für Homocystein bzw. erbliche Stoffwechselstörungen, die zu einem erhöhten Homocysteinspiegel führen, wurden zahlreiche Pathomechanismen nachgewiesen, die sich unter anderem auf die Gefäßwand auswirken. Diese Ergebnisse stehen in Einklang mit der generell akzeptierten „response-to-injury“-Hypothese der Atheroskleroseentstehung, die besagt, dass Atherosklerose mit einer Verletzung der Gefäßwand durch aggressive (bio)-chemische Substanzen beginnt.
Zu den Gefäß schädigenden Mechanismen von Homocysteinerhöhung bzw. Folatmangel gehören Radikalbildung, Aktivierung der Zellteilung und Entzündung. Bei gleichzeitiger Gabe von Statinen, Acetylsalicylsäure, ß-Blockern und ACE-Hemmern, also Medikamenten, die teilweise die Folgen erhöhter Homocysteinwerte neutralisieren, ist von der Homocysteinsenkung bzw. Folsäuregabe kaum ein statistisch nachweisbarer Effekt zu erwarten. Da es ethisch nicht zu vertreten ist, Herzinfarktpatienten die Medikamente zu verweigern um die Effekte von Monotherapien zu überprüfen, ist es bei Hochrisikopatienten beinahe unmöglich, einen zusätzlichen Vitamineffekt zu beweisen. Das gelänge nur bei einer sehr viel höheren Fallzahl. Die im Studiendesign vorgegebene Reduktion des Risikos für einen zweiten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall um 20% ist unter begleitender Maximaltherapie unrealistisch. Daraus folgt, dass die NORVIT-Studie für die Feststellung, die getroffen werden sollte, nicht genügend Aussagekraft („Power“) hat.
„In einer Gruppe, die eine Vitaminkombination erhielt, traten mehr Krebserkrankungen auf.“
Eine kausale Verknüpfung der Vitamingabe mit einer nachträglichen Beobachtung ist nach den Kriterien der Bewertung klinischer Studien nicht zulässig. Erstens ist die Beobachtung nicht signifikant und zweitens war eine diesbezügliche Untersuchung nicht die Absicht der NORVIT-Studie. Eine Schlussfolgerung, dass die B-Vitamine die Krebsentstehung fördern könnten, ist daher unverantwortlich.
Es gibt umfangreiche Literatur über die schützende Wirkung von Folsäure vor Darmkrebs, einer der häufigsten Krebserkrankungen. Seit Einführung der gesetzlichen Folsäureanreicherung von Lebensmitteln in den USA und Kanada im Jahr 1998 hat das CDC keine Erhöhung der Krebs-Inzidenz festgestellt, die mit der Folsäureanreichung in Verbindung stehen könnte.
Ansprechpartner:
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Dr. Maren Mundt |
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MW Office Redaktionsbüro |
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Steinheilstraße 10 |
maren.mundt@mwoffice.de |
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85737 Ismaning |
Tel.: 089-96086-360 |
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Prof. Dr. Olaf Stanger |
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Tel.: +43(0)662-4482-3353 |
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Prof. Dr. Wolfgang Herrmann |
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D.A.CH.-Liga Homocystein e.V. |
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Universitätskliniken des Saarlandes Homburg |
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Hoher
Homocystein-Spiegel
als Risikofaktor der Makuladegeneration
Eine im „American Journal of Ophthalmology“ publizierte Studie beschreibt einen
hohen Homocystein-Spiegel als Risikofaktor für die Entwicklung einer
altersbedingten Makuladegeneration (AMD).
Wissenschafter vom Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston und vom Devers
Eye Institute in Portland, Oregon, (Seddon et al) beschreiben in ihrer Arbeit
diesbezügliche Daten von 547 Patienten mit AMD und 387 Kontrollprobanden, die an
der Age Related Eye Disease Study teilnehmen. Die Homocystein-Messungen
erfolgten im Nüchternzustand, der Makulastatus wurde mittels Fundusfotografie
beurteilt.
Die mittleren Homocystein-Werte waren bei AMD-Patienten signifikant höher als
bei den altersadjustierten Kontrollprobanden (9,51 µmol/l vs. 8,81 µmol/l;
p=0,01). Werte über 12mmol/l waren im Vergleich zu unter 12 µmol/l ebenfalls mit
einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit der AMD assoziiert.
Die Wissenschafter schließen, dass ein hoher Homocystein-Wert einen
modifizierbaren Risikofaktor der altersbedingten Makuladegeneration darstellen
könnte. 2006 www.medaustria.at
Quelle: Am J Ophthalmol; 2006, 141: 201-203 26.1.06
Broschüre zu Risikofaktor Homocystein
MARBURG (eb.) Über den Risikofaktor Homocystein für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
wisse die Bevölkerung kaum etwas, teilt das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) mit.
Homocystein ist ein Zellgift, das durch den Abbau der Aminosäure Methionin
entsteht. Wann Homocystein-Werte bedenklich sind und wie Homocystein-Spiegel
gesenkt werden können, steht in einer Broschüre des DGK.
Anforderung mit frankiertem Rückumschlag (1,44 Euro): DGK, Homocystein,
Schuhmarkt 4, 35037 Marburg
Ärzte Zeitung, 21.11.2006
Schlaganfall- und TIA-Risiko: Rolle von Vitamin B12
In einer neuen prospektiven Analyse einer Subkohorte (N= 821) der „European
Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ wurde die Beziehung
zwischen B-Vitaminspiegeln und dem Risiko für zerebrale Ischämien im Follow up
von 6 Jahren +/- 1,5 Jahre untersucht. Dabei zeigte sich, dass niedrige
Vitamin-B12-Spiegel in Kombination mit Folsäure-Mangel das Risiko für zerebrale
Ischämien erhöhen (p<0,05) [1].
Die aktuellen Daten des Deutschen Instituts für Ernährung in Potsdam sind neuer
Stoff für die Debatte zu der Chance, mit B-Vitaminen das Risiko für
Herz-Kreislauferkrankungen zu verringern. Begonnen hat die Diskussion nach
Publikation epidemiologischer Studien, die zeigten, dass erhöhte
Homocysteinspiegel das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigern [2; 3; 4;
5]. Dann allerdings führten die Interventionsstudien VISP [6], NORVIT [7] und
WENBIT zu allgemeiner Verunsicherung, weil die Senkung des Homocysteinspiegels
mit den drei B-Vitaminen des Homocysteinstoffwechsels in der Sekundärprävention
keinen Vorteil zeigen konnte. Mittlerweile ist klar, dass dafür das Design der
Studien verantwortlich war [8, 9, 10]. Das betrifft erstens die
Einschlusskriterien:
- Einschluss von Patienten ohne Hyperhomocysteinämie, bzw. ohne B-Vitaminmangel
- Folsäure-Anreicherung der Lebensmittel in teilnehmenden Ländern
und zweitens die Power der Studie:
- Der Effekt der Behandlung auf das ungenügend selektierte Patientenkollektiv
wurde überschätzt; deshalb war die Teilnehmerzahl zu klein
- Die Studiendauer war unter den genannten Rahmenbedingungen meist zu kurz (<3
Jahre). Nur in Studien, die länger als 3 Jahre dauerten, war ein Effekt auf das
Schlaganfallrisiko nachweisbar (z. B. in der HOPE-2-Studie [11]). Das hat eine
Metaanalyse der verfügbaren Daten gezeigt [10].
Interessant an der neuen prospektiven Studie ist, dass es die
Vitamin-B12-Spiegel sind, die als härteste Parameter für das Ischämie-Risiko
hervortreten. Offenbar spielt Vitamin-B12-Mangel eine wichtigere Rolle für das
Schlaganfallrisiko als angenommen. Das könnte der Grund dafür sein, dass die
VISP-Studie [6] kein Ergebnis erbracht hat.
In dieser Studie zur Sekundärprävention nach Schlaganfall ging es um die Frage,
ob Folsäure, Vitamin B12 und B6 oral verabreicht, die Prognose verbessert. Das
konnte nicht gezeigt werden,
• weil auch Patienten mit normalen Vitamin- bzw. Homocysteinwerten
eingeschlossen worden waren,
• weil in den USA und Kanada Folsäure-Anreicherung in Getreideprodukten
gesetzlich vorgeschrieben wurde, während die Studie noch lief und folglich
Folsäure-Mangel als Risikofaktor im Verlauf der Studie entfiel,
• weil das Studiendesign ohne Placebo-, aber mit „high dose“- und „low
dose“-Vitamingruppen zusätzlich auch noch den Effekt eines Vitamin B12-Mangels
verwässert hat.
Trotzdem war in einer Reanalyse der VISP-Studie [12] das Schlaganfallrisiko der
„high-dose“-Gruppe um 21% geringer als in der „low dose“-Gruppe. Die
Subgruppenanalyse entstand aus Daten von Patienten, die bei Einschluss in die
Studie weder extrem niedrige Vitamin B12-Spiegel durch Resorptionsstörungen,
noch extrem hohe Spiegel durch Einnahme von Vitaminpräparaten hatten. Nur diese
Patientengruppe hatte die Chance, von der „high-dose“-Vitamin B12-Einnahme
messbar zu profitieren.
Insgesamt zeigen die neuen Daten aus Potsdam, dass es sinnvoll ist, die Rolle
der B-Vitamine in der Prävention von Schlaganfall weiter zu untersuchen. Es ist
immer noch unklar, ob es Subgruppen gibt, die in besonderem Maße von einer
Vitamintherapie profitieren, denn genetische Faktoren könnten den
Vitaminstoffwechsel beeinflussen. Die wichtigste Erkenntnis aus der neuen
Untersuchung ist, dass niedrige Vitamin-B12-Spiegel besonders in Kombination mit
Folsäure-Mangel das Risiko für TIA und Schlaganfall erhöhen können. Für eine
präventive Wirkung scheint die Überschreitung bestimmter
Schwellen-Vitaminspiegel entscheidend zu sein.
Das stützt auch eine Präventionsstrategie, die sich aus einer
placebokontrollierten Interventionsstudie mit Schlaganfall-Risikopatienen ergibt
[13]. Die Einnahme von 2,5 mg Folsäure, 25 mg B6 und 0,5 mg B12 (Medyn®forte)
pro Tag bewirkte eine signifikante Verringerung der Intima-Media-Dicke (IMD) der
Karotis-Arterien um 4% (p< 0,034). In der Placebo-Gruppe erhöhte sich die IMD
dagegen im Mittel um 7%. Die Studie ist zwar keine Endpunktstudie zum
Schlaganfall-Risiko, zeigte aber in kurzer Zeit eine deutliche Verringerung
eines wichtigen Risikofaktors für Herz-Kreislauferkrankungen.
Referenzen:
[1] Weikert C, Dierkes J, Hoffmann K, Berger K, Drogan D, Klipstein-Grobusch K,
Spranger J, Möhlig M, Luley C, Boeing H (2007): B vitamin plasma levels and the
risk of ischemic stroke and transient ischemic attack in a German cohort. Stroke
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assessment of plasma homocysteine as a risk factor for vascular disease.
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[3] Weiss N, Pietrzik K, Keller C (1999): Atherosklerosefaktor
Hyperhomocysteinämie. DMW 124(38)1107-13.
[4] Selhub J, Jacques PF, Bostom AG, D'Agostino RB, Wilson PW, Belanger AJ,
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[8] Wald DS, Wald NJ, Morris JK, Law M (2006): Folic acid, homocysteine, and
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nejm.org. Homocysteine lowering with folic acid and B vitamins in vascular
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[12] Spence JD, Bang H, Chambless LE, Stampfer MJ (2005): Vitamin Intervention
For Stroke Prevention trial: an efficacy analysis. Stroke.36(11):2404-9.
[13] Till U, Rohl P, Jentsch A, Till H, Muller A, Bellstedt K, Plonne D, Fink
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181(1):131-5.
12.03.2008
Quelle: Medice http://www.journalmed.de/newsview.php?id=20638