Antioxidantien-Kritik
Home Medizin Sportmedizin Doping Mineralien+Elekrolyte Ernährung
| Sportmedizinische
Newsletter zu Vitaminen, Doping, Antioxidantien und Sportmedizin eintragen! oder über diese Mail anfordern Bücher-Ernährung Bücher-Vitamine |
|
Antioxidantien-Kritik
Neue Chancen / Zellschutz mit Anti - Oxidantien. von Bodo Kuklinski EUR 17,79 Taschenbuch - 299 Seiten
Hier
bestellen!
| Vitamine. Aktiver Gesundheitsschutz. Bedarf, Mangel, Risiko. Hans-Konrad Biesalski Preis: EUR 15,24 Taschenbuch - 127 Seiten (1996) Hier bestellen! |
![]() |
![]() |
Das
Vitamin, das die Gesundheit organisiert. Vitamin C und Coenzym Q 10. von Günter A. Ulmer Preis: EUR 4,90 Taschenbuch - 48 Seiten Erscheinungsdatum: 1999 Hier bestellen! |
Redox-Systeme im Körper
Der Körper verfügt über ein Reihe von enzymatischen
und nicht-enzymatischen Redox-Systemen, die ihn in die Lage versetzen,
Elektronentransporte kontrolliert und stufenweise ablaufen zu lassen (z.B. bei der Atmungskette). Die
Systeme können sowohl in Richtung Oxidation als auch Reduktion ablaufen.Antioxidantien sind neben Ascorbinsäure, Tocopherolen und Carotinoiden
z.B.:die Enzyme Superoxid-Dismutase, Katalase und Glutathion-Peroxidase.Sulfhydrylgruppen von Aminosäuren, Chinone, z.B. Ubichinon, Harnsäure,Bilirubin,
Caeruloplasmin, Lactoferrin, Transferrin, Albumin, Haemopexin und Haptoglobin.
Vitamin C Ursula Wintermeyer Preis: EUR 11,76 Taschenbuch - 134 Seiten (Februar 1998) JETZT bestellen!
Antioxidantien - gestern und heute
Es ist noch gar nicht lange her, da hielt die klinische Medizin Vitamine
für Krebspromotoren, deren Zufuhr bei Carcinomkranken und im höheren
Alter eingeschränkt werden müsse. Grundlage für diese Einschätzung
waren Tierversuche, bei denen Vitaminzulagen zu gesteigertem Tumorwachstum
geführt hatten. "Die Ergänzungsstoffe haben auch ihre Schattenseiten.
Sie begünstigen das Wachstum der malignen Tumoren". Und im Hinblick
auf die Strahlentherapie erklärten die Mediziner seinerzeit, daß "vor allem die Zufuhr
von Vitaminen eingeschränkt werden muß". Aus heutiger Sicht
sind diese Empfehlungen natürlich überholt - aber nicht unbedingt widerlegt. Heute gilt die These,
antioxidative Vitamine seien "Radikalfänger" und könnten die
schädigende Wirkung von freien Radikalen auf die menschliche Zelle
und die Immunabwehr vermindern, wenn nicht gar verhindern. Einige Wissenschaftler
halten hohe, ja höchste Dosen antioxidativer Vitamine zur Prävention
von Krebs,Arteriosklerose und Infektionskrankheiten für notwendig.
Die angeblichen Beweise für die positiven Wirkungen der "Radikalfänger"
stehen jedoch auf ziemlich wackeligen Beinen. So wurde in vier großen
Untersuchungen mit Antioxidantien-Supplementation die Wirkungslosigkeit
der zusätzlichen Gaben an Vitamin A, C, E und ß-Carotin bei
der Neoplasmaprävention nachgewiesen.
Ernüchternde Studienergebnisse
Jede präventive Maßnahme zur Senkung der Mortalität
an einzelnen Tumoren ist an der Gesamtmortalität zu messen. Diese
Daten wurden teilweise erhoben, jedoch nicht mitgeteilt. Ist das Zufall? Nur eine große Studie
legte alle wesentlichen Daten offen. Mit dem ernüchternden Ergebnis,
daß durch die Verabreichung von ß-Carotin die Gesamtmortalität bei 14.800
Rauchern (insbesondere durch Koronare Herzkrankheiten) stieg. Außerdem
stieg die Lungenkrebsinzidenz und zwar umso mehr, je länger supplementiert
wurde: Nach knapp 8 Jahren war sie in der ß-Carotin-Gruppe 18% höher.
Trotzdem begründete man dieses katastrophale Ergebnis damit, daß
die Carotingabe nicht lange genug erfolgt sei, um positive Ergebnisse zu
zeitigen.Ganz so überraschend wie es auf den ersten Blick scheint, sind
die negativen Studienergebnisse nicht, bedenkt man die altbekannte Tatsache,
daß Antioxidantien sehr wohl auch prooxidative, also schädigende Einflüsse
haben können. Vielleicht sind so auch die immer wieder berichteten
therapeutischen Erfolge von Vitamin-Megadosen (z.B. 10 Gramm Ascorbinsäure i.v.)
bei Carcinomen zu erklären: Das in hoher Dosis prooxidativ wirkende
Vitamin erzeugt möglicherweise soviel oxidativen Streß, daß
es zur Zytostase des Krebses kommt. Dies würde jedenfalls erheblich
besser in unser naturwissenschaftliches Weltbild passen, als die "Radikalfänger-Theorie".
Empfindliches Gleichgewicht
Unser Körper muß über Möglichkeiten verfügen,
ein Fließgleichgewicht zwischen Anti- und Prooxidantien herzustellen.
Wahrscheinlich werden diese Regelsysteme durch massive Überangebote, wie z.B. Vitaminsupplemente, überfordert,bewältigen
den Ausgleich nicht mehr, die prooxidativen Wirkungen überwiegen und Krankheiten werden gefördert. In einer der letzten Ausgaben
des Deutschen Ärzteblattes klingen denn auch andere Töne an:
Die Vitaminzufuhr mit der Nahrung wird eindeutig bevorzugt, nicht zuletzt weil nicht einmal Einigkeit
über die "richtige" Dosierung für Supplemente besteht. Bei der
aktuellen Diskussionmuß außerdem berücksichtigt werden, daß nahezu
allen industriell hergestellten Lebensmitteln Antioxidantien zur Haltbarmachung
zugesetzt werden. Es ist noch völlig ungeklärt, inwieweit solche Zusätze zum oxidativen
Streß beitragen und Krankheiten begünstigen können. Ich
rate daher dringend von einer Supplementation mit antioxidativen Vitaminen ab, zumindest bis die
Wirkungen dieser Substanzen sowie deren Regulationsmechanismen im Organismus
besser
untersucht sind. Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte,
kann nach wie vor frisches Obst und Gemüse auf seinen Speiseplan setzen.
Damit sind unsere Patienten allemal auf der sicheren Seite der Prävention.
Editorial - Mit Radikalfängern auf Kundenfang
"Radikalfänger" sind "in". Die Vitamine C und E sowie die Vitamin-A-Vorstufe
ß-Carotin sollen aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften wahre
Wunder vollbringen: Volkskrankheiten wie Arteriosklerose, Krebs,Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Rheuma und grauen Star verhüten, das
Immunsystem stärken und sogar vor dem Altern schützen.
Skepsis ist angebracht
Allzuoft basiert der Glaube an die Wunderwirkungen der "Radikalfänger"
schlicht auf Korrelationen. Die ergeben sich z.B. beim Vergleich der
Ernährungsgewohnheiten und Totenscheine von Menschen aus der Kalahari-Wüste
mit denen von New Yorkern. Daraus lassen sich mit einigem
statistischem Geschick und wissenschaftlicher Unverfrorenheit trefflich
Kausalitäten zimmern, die für die Produkte des Sponsors werben.
Man spricht dann vollmundig vom "Krebspräventionspotential von Carotinoiden
in epidemiologischen Studien". Während interkulturelle Vergleiche
jedes gewünschte Ergebnis liefern, zeigen Vergleiche innerhalb einer
Population die Bedeutungslosigkeit antioxidativer Vitamine: In der wohl
weltweit größten Ernährungsstudie, die vor wenigen Jahren in China abgeschlossen
wurde (Diet,Life-Style, and Mortality in China, Oxford 1990), ergaben sich
kaum Zusammenhänge zwischen der Aufnahme antioxidativer Vitamine, ihrem
Blutspiegel und Krebs.Die Stunde der Wahrheit für epidemiologische
Korrelationen schlägt, wenn sie in Präventionsstudien überprüft
werden. In solchen Studien erhielten zigtausende Teilnehmer unter fachlicher
Aufsicht viele Jahre lang antioxidative Vitamine. Die meisten bisher durchgeführten
Experimente dieser Art erbrachten nichts Erfreuliches: Vier große
Studien wiesen überzeugend die Wirkungslosigkeit der Vitamine bei der Krebs-Prophylaxe nach. In einer der Studien stieg
das Lungenkrebsrisiko der Raucher sogar an, wenn sie ß-Carotin bekamen.
Wie steht es beim Essen?
Unsere Nahrung enthält, von der Natur dosiert, zahlreiche Antioxidantien,
überwiegend solche, die nicht in den Regalen der Apotheken und Supermärkte
stehen. Bei der Herstellung von Lebensmitteln sind die Wirkungen zugesetzter
Antioxidantien gut erforscht. In niedriger Dosierung verhindern sie z.B.
das Ranzigwerden von Margarine. Damit ein Zusatz von Antioxidantien in
einem Lebensmittel die gewünschte Wirkung entfaltet, muß der
Hersteller einiges beachten:Die jeweils "richtigen" Antioxidantien müssen gefunden
werden.Sie müssen homogen ins Lebensmittel eingearbeitet werden.Sie
benötigen einen geeigneten Synergisten.Der pH-Wert muß stimmen.Sie
müssen exakt dosiert werden. Überdosen wirken prooxidativ. Es liegt auf der Hand, daß diese Mindestbedingungen bei einer
Verabreichung an Menschen nicht erfüllt werden können. Und vor
allem: Vitamin C oder auch ß-Carotin wirken nur in Abwesenheit von Sauerstoff antioxidativ.
Im Blut, das den Sauerstoff transportiert, erzeugen sie zusammen mit Eisen
Radikale. Diese Reaktion wurde nach ihrem Entdecker Fenton benannt. Chemiker nutzen
sie seit über hundert Jahren zur Erzeugung von Radikalen. Der Körper
muß sich davor schützen und senkt deshalb unter oxidativem Streß (z.B.
Rauchen) die Blutspiegel der nun prooxidativen Stoffe (z.B. Ascorbinsäure).
Was der arme Schlucker ...
... auf dem Beipackzettel seiner Vitaminschachtel vergeblich sucht,
wissen Lebensmittelhersteller schon lange: Das Motto "viel hilft viel"
gilt für derartige Zusätze nicht. Im Gegenteil: Hochdosiert beschleunigen die "Radikalfänger"
den Verderb. Sie wirken prooxidativ. Dies begrenzt naturgemäß
den Zusatz von Antioxidantien und macht unsere Lebensmittel in dieser Hinsicht relativ
sicher.
Udo Pollmer
Trotz der enttäuschenden Ergebnisse mehrerer Interventionsstudien
mit antioxidativen Vitaminen (EU.L.E.n-Spiegel 1995/H.2/S.1-7 und 1996/H.2/S.9) erfreut sich die Antioxidantien-Theorie ungebrochener Beliebtheit in
ärztlichen Kreisen. So wird nach wie vor Rauchern empfohlen, vermehrt
ß-Carotin, Vitamin C und E aufzunehmen, um oxidativen Veränderungen am LDL oder an
der DNS durch den Zigarettenrauch vorzubeugen. Dabei konnten Chen und Loo
bereits 1995 zeigen, daß ein Extrakt aus Zigarettenrauch das LDL in vitro
besser vor oxidativen Schäden schützt (!) als Vitamin C. Die
Autoren gehen davon aus, daß ausgerechnet der krebserregenden Teerfraktion antioxidative Eigenschaften
zukommen. Würde die Antioxidantien-Theorie stimmen, wäre Zigarettenrauch
ein potentes Mittel gegen Krebs. Zwei skandinavische Biomarker-Studien
der Arbeitsgruppe um Salonen ergaben zudem, daß weder Vitamin C noch
Vitamin E oder Coenzym Q10 bei männlichen Rauchern die vermuteten
Schutzeffekte erzielt: Nyyssönen et al.verabreichten 59 Rauchern zwei Monate lang täglich
ein halbes Gramm Vitamin C, um die Auswirkungen auf die Lipidperoxidation
im Blut und im Reagenzglas zu untersuchen. Ihr Ergebnis: Sie "fanden keinerlei
antioxidativen Effekt". Wider Erwarten gab es im Plasma sogar signifikant
mehr oxidierte Lipide, erkennbar an den erhöhten Malondialdehyd-Werten. In einer zweiten, randomisierten, placebo-kontrollierten Studie mit
142 Rauchern fanden Priemé et al., daß Vitamin C, E und Coenzym
Q10 nicht in der Lage sind, die DNS vor oxidativen Schäden zu schützen. Die Raucher hatten
2 Monate lang täglich entweder 500 mg Ascorbinsäure, 200 mg a-Tocopherol,
90 mg Coenzym Q10 oder ein Placebo eingenommen. Anschließend wurde die Ausscheidung
von 8-oxo-7,8-dihydro-2´-Deoxyguanosin im Urin gemessen, einem
Reparaturprodukt, das nach oxidativen Schäden auftritt und im
Urin von Rauchern erhöht ist. Die Supplemente führten zu keiner
meßbaren Verringerung.
Vitamine: Übermut tut selten gut
Wer Vitamine und Mineralstoffe kombiniert einnimmt, stirbt möglicherweise
eher an Herzinfarkt oder Krebs. Darauf weist der Internist Max Horwitt
aus St. Louis (USA) hin. In einer Studie mit älteren Menschen wiesen diejenigen
die höchste Sterblichkeit auf, die Kombipräparate eingenommen
hatten. Horwitt erklärt die nachteiligen Effekte mit den oxidationsfördernden Eigenschaften
der Kombination von Metallen und Antioxidantien. So erzeugt z.B. Eisen
zusammen mit Vitamin C freie Radikale, die oxidative Schäden verursachen. Falls Supplemente
notwendigsind, sollten sie getrennt verabreicht werden. (American Journal
of Clinical Nutrition 1997/65/S.1571)
Mehr tödliche Infarkte durch ß-Carotin
Die sogenannte Finnland-Studie sollte die gesundheitlichen Vorteile
von Vitamin-E- und ß-Carotin-Pillen wissenschaftlich belegen. Und
nun jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Nachdem vor 3 Jahren herauskam, daß
ß-Carotin das Lungenkrebsrisiko für Raucher um 18 % erhöht (EU.L.E.n-Spiegel
1995/H.2/S.6), zeigte sich nun, daß die Pillen auch die Herzinfarktsterblichkeit
steigern: Von 1.862 Männern, die bereits einen Herzinfarkt hatten,
erlitten 424 während der Studiendauer von gut 5 Jahren einen weiteren. Wer
ß-Carotin alleine oder in Kombination mit Vitamin E einnahm, hatte
ein um 75 bzw. 58 % erhöhtes Risiko, beim nächsten Infarkt zu sterben.
(Lancet
1997/349/S.1715-1720)
Vitamine: Gefahr für´s Immunsystem
Herbert, V: Destroying immune homeostasis in normal adults with antioxidant
supplements. American Journal of Clinical Nutrition 1997/65/S.1901
Der Vitaminexperte Victor Herbert warnt vor Vitamin-E- und Vitamin-C-Supplementen
zur Stimulierung des Immunsystems. Nach seiner Auffassung können überschießende Lymphozytenaktivitäten
sowohl Krebs als auch Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis fördern.So müsse geklärt werden, ob Vitamin-E-Supplemente,
die hauptsächlich dl-a-Tocopherol enthalten, die Apoptose ausgedienter
T-Lymphozyten verhindern. Durch diesen programmierten Zelltod werden funktionsuntüchtige
Lymphozyten aus dem Verkehr gezogen. Die Verkäufer von Vitamin C,
E und anderen "Immunstimulantien" sollten ihre Produkte mit dem Hinweis kennzeichnen
"Vorsicht: Die Immunstimulierung durch dieses Produkt kann Ihnen schaden"
Vitamin C: aktiviert Krebsauslöser
Hsieh, SE et al: The effect of Vitamin C on N-acetyltransferase activity
in Klebsiella pneumonia
Food and Chemical Toxicology 1997/35/S.1151-1157
Vitamin C soll vor Krebs schützen, indem es z.B. die Nitrosaminbildung
verhindert. Versuche mit dem Darmkeim Klebsiella zeigten nun, daß
auch das Gegenteil der Fall sein kann: Vitamin C erhöht die Aktivität
der bakteriellen N-Acetyltransferase stark. Das Enzym verwandelt mit der
Nahrung aufgenommene Arylamine in aktive Krebsauslöser.
Antioxidanzien gegen freie Radikale. Gesünder leben mit den Vitaminen C, E
und Betakarotin.
Stefan R. Voges
Preis: DM 24,80 EUR 12,68
Hier bestellen!
Taschenbuch - 165 Seiten (1997)
Tee: wirkt, aber nicht antioxidativ
Das niedrigere Herzinfarktrisiko von Teetrinkern wird gerne auf die
antioxidativen Wirkungen der Teeinhaltsstoffe zurückgeführt.
Eine Überprüfung dieser
Hypothese ergab jedoch, daß sich die Oxidationsempfindlichkeit
des LDL-Cholesterins durch Teetrinken nicht ändert.
(American Journal of Clinical Nutrition 1997/66/S.1125-1132)
DNA-Schäden durch Vitamin C
Podmore, ID et al: Vitamin C exhibits pro-oxidant properties. Nature
1998/392/S.559
Was EU.L.E.n-Spiegel-Leser schon lange wissen (1995/H.2/S.1-8), wird
durch immer mehr Studien belegt: Antioxidative Vitamine können ebenso
gut prooxidativ wirken. Ein Team von der britischen Universität Leicester
verabreichte 30 gesunden Versuchspersonen 6 Wochen lang täglich ein
halbes Gramm Vitamin C. Auf der Suche nach DNA-Schäden in den Lymphozyten
zeigte sich ein paradoxer Effekt: Während ein Marker für oxidative
Schäden (8-oxo-Guanin) signifikant sank, nahm ein anderer (8-oxo-Adenin) signifikant
zu. Angesichts der gängigen Praxis, auch hochdosierte Vitamin-C-Präparate
als gesunde Antioxidantien zu bewerben und zu verkaufen, warnen die Autoren
vor den prooxidativen Effekten: Die fein abgestimmte Balance der körpereigenen
Abwehrfunktionen kann gestört werden, was oxidative Schäden
fördert und Krankheiten Vorschub leistet. Anmerkung: Eine schlüssige Erklärung steht aus. Möglicherweise
kommt es durch die Vitaminzulage zu einer Verschiebung der oxidativen Schutzmechanismen.
Plausibler ist jedoch, daß Vitamin C je nach Redoxpotential beim
einen Reaktionspartner antioxidativ und beim anderen prooxidativ wirkt. Prof. Berthold Gaßmann, Präsidiumsmitglied der DGE,
echauffierte sich darüber,daß die veröffentlichten Befunde
noch nicht bis ins letzte Detail erklärt sind und daß die "gesundheitliche Relevanz" der Beobachtungen "nicht einmal
ansatzweise"diskutiert würde. Man wisse zwar um die prooxidativen
Effekte von Vitamin C, doch sei der Presserummel um diese Befunde "verantwortungslos" (Ernährungs-Umschau
1998/45/S.155). Als die Finnland-Studie veröffentlicht
wurde (EU.L.E.n-Spiegel 1995/H.2/S.1-6) schwieg die DGE, obwohl die
"gesundheitliche Relevanz" evident war: ß-Carotinsupplemente führen
bei Rauchern zu mehr Todesopfern als Rauchen allein. Zum gleichen Ergebnis
kamdie prospektive CARET-Studie, und mittlerweile warnt auch das BgVV Raucher vor Carotin.
Vitamin E schützt nicht vor Herz- und Schlaganfall Aspirin dagegen hilft
http://www.wissenschaft.de
18.01.2001
Eine "Aspirin" am Tag mindert das Risiko an einem Herz-
oder Schlaganfall zu sterben fast um die Hälfte. Eine tägliche Dosis Vitamin E dagegen zeigt keinen solchen
Nutzen. Zu diesem Ergebnis kamen italienische Wissenschaftler, die eine Studie mit 4.500 Risikopersonen
durchführten, wie Reuters berichtete.
Da verschiedene Studien belegen, dass Vitamin E freie Radikale (zellschädigende Substanzen) im Körper
neutralisiert, vermuteten Wissenschaftler, dass dieses Vitamin auch gegen Herzerkrankungen und Schlaganfall
schützt. Das widerlegten jetzt die Wissenschaftler des Istituto di Ricerche Farmacologiche in Milan unter Leitung
von Maria Carla Roncaglioni. Dagegen fanden sie, dass Vitamin E arterielle Erkrankungen der Beine lindert. Die Studienteilnehmer waren alle älter als 50 Jahre. Sie
hatten ein erhöhtes Risiko für eine Herz- und Gefäßkrankheit, entweder wegen Bluthochdrucks,
Diabetes oder Fettleibigkeit. Einige der Teilnehmer bekamen nur Aspirin oder nur Vitamin E, einige schluckten
beide Präparate oder gar keine. Die Untersuchung verlief im Durchschnitt über 3,6 Jahre.
Zusätzlich stellte Roncaglionis Team fest, dass Aspirin nicht nur das Sterberisikos mindert, sondern auch das
Risiko eines nicht tödlichen Herz- oder Schlaganfalls
sowie Brustschmerzen. Dagmar Kronenberg
Folsäure-haltige Nahrung für zukünftige Väter
fördert die Gesundheit der Kinder
Los Angeles – Männer, die viel Obst und Gemüse essen,
fördern die Gesundheit ihrer zukünftigen Kinder. Die in dieser Nahrung reichlich vorhandene Folsäure bewahrt die
Erbsubstanz im Sperma vor Schäden, berichtet das Magazin "Fertility and Sterility" ("Fruchtbarkeit und
Sterilität"). Die Ernährungs-Forscherin Lynn Wallock von der Universität Kalifornien in Berkeley hat zusammen mit Kollegen das Sperma
von 48 Männern untersucht. Dabei stellte sie fest, dass Männer mit wenig Folsäure in der Samenflüssigkeit auch weniger Samen
produzieren. Der Folsäuregehalt in der Samenflüssigkeit hängt dabei direkt von der Menge dieses Vitamins in der Nahrung ab.
Bereits vor vier Jahren stellten Wallock und ihre Kollegen fest, dass ein Mangel an Folsäure
Fehler in der Erbsubstanz von Samen verursachen kann. Viele Forscher vermuten, dass vor
allem solche Fehler in den Samengenen für Krebs bei Kindern verantwortlich sind. "Es wird Zeit, nicht nur auf Mütter und ihre
Ernährung zu achten, sondern auch auf die Väter", sagt Wallock. 06.03.2001
http://www.wissenschaft.de
Neue Hoffnung für zerstörtes Knorpelgewebe - Amerikanische Forscher verwandeln Fett in
Knorpelgewebe
Zerstörtes Knorpelgewebe kann möglicherweise durch
speziell behandelte Fettzellen ersetzt werden. Das berichtete Geoffrey Erickson von der amerikanischen
Duke-Universität am Dienstag auf dem Treffen der Orthopädischen Forschungsgesellschaft in San Francisco.
Dem Wissenschaftler ist es zusammen mit Kollegen gelungen, Fettzellen in einer Nährlösung innerhalb weniger
Tage in dreidimensionales Knorpelgewebe zu verwandeln. "Das Knorpelgewebe könnte zum Beispiel in Gelenke von
Patienten implantiert werden, bei denen der Knorpel verletzt ist", sagt Farshid Guilak, der das Forschungsprojekt leitet. Ein Vorteil
der Methode ist, dass Ärzte den neuen Knorpel aus den Fettzellen des Patienten gewinnen. Die umgewandelten
Fettzellen würde der Körper nicht als fremd ansehen und daher das Implantat auch nicht abstoßen. Die Wissenschaftler hoffen,
in drei bis vier Jahren erste klinische Versuche mit dem aus Fettzellen gezüchteten Knorpelgewebe durchführen zu können.
"Bisher gibt es für Menschen mit Knorpelverletztungen keine befriedigende Therapie", so
Guilak. "Das Knorpelgewebe könnte zum Beispiel in Gelenke von
Patienten implantiert werden, bei denen der Knorpel verletzt ist", sagt Farshid Guilak, der das Forschungsprojekt leitet. Ein Vorteil
der Methode ist, dass Ärzte den neuen Knorpel aus den Fettzellen des Patienten gewinnen. Die umgewandelten
Fettzellen würde der Körper nicht als fremd ansehen und daher
das Implantat auch nicht abstoßen. Die Wissenschaftler hoffen,
in drei bis vier Jahren erste klinische Versuche mit dem aus Fettzellen gezüchteten Knorpelgewebe durchführen zu können.
"Bisher gibt es für Menschen mit Knorpelverletztungen keine befriedigende Therapie", so
Guilak. 05.03.2001n http://www.wissenschaft.de
Wirkung von Vitamin E umstritten
Hohe Dosierungen von Vitamin E können möglicherweise
vor Herzinfarkt und Schlaganfällen schützen. Dies berichten Wissenschaftler von der Keck School of Medicine
aus Südkalifornien. Dabei scheint die Höhe der Dosis und die Vitaminform diesen Effekt entscheidend zu
beeinflussen. Eine Studie von Wissenschaftlern der University of Pennsylvania in Philadelphia kommt hingegen
zu dem Ergebnis, dass Vitamin E nicht gegen Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer schützen kann.
Erst ab einer täglichen Vitamin-E-Dosis von mehr als 300
Milligramm war ein positiver Effekt zu messen, war das Ergebnis der kalifornischen Untersuchung an 573 Frauen und Männern. Die
Einnahme von Vitamin-E-Supplementen wirkte sich positiv auf die Arterien im Nacken aus, konnte mit Hilfe von
Ultraschalluntersuchungen bestätigt werden. Eine tägliche Dosis von bis zu 1.000 Milligramm könne eventuell
Arteriosklerose verlangsamen, erklärt James H. Dwyer. Dieser Effekt sei allerdings nur bei Vitamin-E-Supplementen gemessen
werden konnte, jedoch nicht durch Zufuhr in Nahrungsmitteln. Die Ernährungsrichtlinien für Vitamin E liegen bei täglich 15
Milligramm für Frauen und Männer. Ein Wert von 1.000 Milligramm Vitamin E pro Tag sollte jedoch nicht überschritten werden, so
Dwyer. Eine Studie der Universität von Pennsylvania in Philadelphia belegt hingegen, dass Vitamin E keine antioxidative Wirkung
besitzt und damit nicht gegen Krankheiten wie Krebs und Alzheimer schützen kann, wie bisher vielfach angenommen. Die
im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie basiert auf einer Untersuchung von dreißig Männern und
Frauen.
Dr. Leyla Schmidt 09.03.2001 http://www.wissenschaft.de
Ernährungsberatung: Vitamin-Getränke als Durstlöscher ungeeignet
München (dpa) - Hochdosierte Vitamin-Getränke sind nach Auffassung
der staatlichen Ernährungsberatung in Bayern als Durstlöscher völlig ungeeignet. Diese sogenannten ACE-Getränke könnten gesundheitliche
Schäden verursachen, wenn sie in Überdosis vor allem von Rauchern oder Schwangeren getrunken werden. Bereits ein Glas decke den
täglichen Vitamin-A-Bedarf zu 60 bis 150 Prozent ab. Oftmals würden aber vor allem Jungendliche eine ganze Flasche trinken und den
Vitamin-A-Tagesbedarf bis zu 375 Prozent überschreiten. Den ACE-Getränken werde Beta-Carotin zugesetzt, was bei einer Aufnahme
von mehr als 20 Milligramm am Tag bei Rauchern und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Gesundheitsschäden verursachen könne,
sagte Elisabeth Hütz von der Ernährungsberatung am Montag in München. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der
Europäischen Union habe zur Vorsicht bei der Verwendung von Beta-Carotin in Nahrungsmitteln geraten. Der Grenzwert für
Gesundheitsschäden liege bei ein bis zwei Milligramm pro Tag. Eine dauerhafte Überdosis von ACE-Getränken, die in vielen Supermärkten
preisgünstig angepriesen werden, könne zu Erbrechen, Hautschäden, Magersucht und Kopfschmerzen führen. Auch Schwangere sollten die
Vitamin-A-haltigen Getränke meiden, um Missbildungen beim Embryo zu vermeiden. Hütz: "ACE-Getränke sind als Durstlöscher völlig
ungeeignet und eher als Medikament zu betrachten." (ee) Dienstag, 15. Mai 2001
Vitamin C kann DNA schädigen
PHILADELPHIA (ple). Vitamin C wirkt als Radikalfänger nicht nur zellschützend, sondern kann offenbar
auch das Erbgut schädigen. Dies haben US-Pharmakologen jetzt zumindest im Reagenzglas entdeckt
(Science 292, 2001, 2083). Sie verwendeten in ihren Versuchen Mengen, wie sie nach Schlucken von
200 mg Vitamin C im Serum und intrazellulär erreicht werden. Daß das Vitamin auch DNA-schädigend ist, könne eine Erklärung dafür sein, warum bisher kein
krebshemmendes Potential nachgewiesen werden konnte. Für die Krebsprophylaxe komme es nicht
nur auf ein einziges Antioxidans an. Ärzte Zeitung, 18.06.2001
Vitamin C hat zwei Gesichter: Held und Schurke
Washington (dpa) - Auch das vielgerühmte Vitamin C hat zwei Seiten:
Es fängt in den Zellen zwar bestimmte chemische Substanzen (Radikale) ab, die das Erbgut schädigen können. Zugleich fördert es aber
auch Reaktionen, die das Erbmaterial zerstören. Dies könnte erklären, warum Vitamin C im Kampf gegen Krebs
weniger effektiv wirkt als bisher gehofft, schreiben die Wissenschaftler in der US-Fachzeitschrift
"Science" (Bd. 292, S. 2083). Die Ergebnisse bedeuten nach Meinung der Forscher allerdings nicht, dass Vitamin C selbst Krebs erzeugt und
seien kein Grund, seinen gut gesicherten Beitrag zu einer gesunden Ernährung in Frage zu stellen. Bestimmte chemische Stoffe, so
genannte freie Radikale, schädigen das Erbgut nicht nur direkt, sondern auch über eine Kette von Reaktionen, berichtet ein Team um Ian Blair
vom Zentrum für Krebs- Pharmakologie der Universität von Pennsylvania in Philadelphia (USA). Die Forscher untersuchten nun in
Reagenzglasversuchen die Wirkung von Vitamin C. Radikale wandeln die Linolsäure, eine für den Körper wichtige mehrfach ungesättigte
Fettsäure, in das Zwischenprodukt "Lipid Hydroperoxide" um. Dieses wird im Körper mit Hilfe von Metall-Ionen zu einer Erbgut schädigenden
Substanz umgebaut. Blair und seine Kollegen fanden, dass auch Vitamin C diese zweite Umwandlung bewirken kann, und zwar ohne
Metall-Ionen. Dies geschieht bereits bei Konzentrationen, die im Körper vorkommen, wenn ein Mensch etwa 200 Milligramm Vitamin C am Tag
zu sich nimmt.(dbw)15. Juni 2001
Die gegenwärtige Datenlage rechtfertigt nicht die
Applikation der Vitamine A, C oder E nach dem „Gießkannenprinzip“ im
Sinne einer Primär- oder Sekundärprävention.
Regelmäßig wird in der Laienpresse, aber auch in medizinischen Zeitschriften
über den Nutzen von Multivitaminpräparaten, die häufig zusätzlich mit
Aminosäuren und Spurenelementen „angereichert“ werden, im Rahmen der Primär- und
Sekundärprävention spekuliert. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht diese
Thematik gegenwärtig durch die zweifelhaften Aktivitäten in Büchern, Broschüren
und auf Plakaten von Dr. M. Rath, der verspricht, durch seine Vitaminprogramme
Volkskrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Dyslipoproteinämien,
Hypertonie, Herzinsuffizienz, Diabetes und Krebs verhindern zu können.
Schlüsselpräparat ist Vitacor Plus (früher Vitacor 20/90), eine
35-Komponenten-Mischung für alle Gesunden und Kranken zwischen 20 und 90. Eine
Reihe der Rathschen Produkte ist so hoch dosiert, dass das Bundesinstitut für
Arzneimittel in Berlin sie als „zulassungspflichtige Arzneimittel“ eingestuft
hat. Weil die Zulassung fehlt, hatte das Landgericht Berlin Rath bereits 1998
den Vertrieb von zehn Präparaten, darunter „Vitacor Plus Basis Formula“
untersagt. Rath umgeht die deutschen Bestimmungen derzeit, indem er seine
Vitamine von Holland aus über das Internet und ein Beraternetz verkauft. Für die
Zulassung der Präparate müsste Rath Studien vorlegen, die Wirksamkeit und
Unbedenklichkeit belegen. Das ist das Kernproblem: Er bleibt für die
Behauptungen jeden Beweis schuldig. Rath verweist lediglich auf
Erfahrungsberichte seiner Kunden und auf „über 10 000 Publikationen und Studien,
die Gesundheitsbedeutung von Vitaminen dokumentieren“. Tatsächlich existiert in
der internationalen Literatur aber keine einzige prospektive, multizentrische,
placebokontrollierte, randomisierte, verblindete Studie mit den klinisch
relevanten Endpunkten Lebensqualität, Morbidität und Mortalität. Das Know-how
für derartige klinische Studien ist seit langem vorhanden.
Niemand wäre glücklicher über den positiven Ausgang solcher Studien im Sinne von
„Evidence Based Medicine“ als ein Klinischer Pharmakologe, der die massenhafte
und oft wenig gesicherte Anwendung von Xenobiotika – nichts anderes sind ja
Lipidsenker, Zytostatika, Herz-Kreislauf-Medikamente et cetera – mit durchaus
gemischten Gefühlen sieht und in der Vergangenheit häufig kritisch kommentiert
hat (18, 19, 20).
Es steht außer Frage, dass Vitamine, Aminosäuren und Spurenelemente vor allem in
höherer Dosierung durchaus pharmakodynamische Effekte haben können. Dafür gibt
es eine Vielzahl von Tierversuchen und experimentellen Arbeiten an Probanden
oder Patienten, in denen ein mehr oder weniger positiver Einfluss auf
Surrogatparameter, wie Blutdruck, Lipidstatus, endotheliale Dysfunktion,
Bestandteile des Immunsystems, atherosklerotische Veränderungen und so weiter,
demonstriert werden konnte.
Aus Platzgründen kann auf die Darstellung von prospektiven Beobachtungsstudien,
die sich mit dem Einfluss von Vitaminen auf kardiovaskuläre Erkrankungen
befassen, nicht näher eingegangen werden. Die Ergebnisse sind widersprüchlich
und belegen nicht den Nutzen von Vitaminen auf kardiovaskuläre Endpunkte (14,
31).
Besonders deutlich wird dies bei Studien zum Einfluss von Vitamin C. So
ermittelten Gey et al. (Basel Prospective Study), dass bei Männern über 50
Jahren niedrige Vitamin-C-Spiegel über zwölf Jahre das relative Risiko für
ischämische Herzkrankheiten tendenziell erhöhten (7), während Gale et al. (DHSS)
keinen Zusammenhang zwischen dem Vitamin-C-Status und dem Risiko, an koronarer
Herzkrankheit zu sterben, feststellen konnten (6). Bei anderen Indikationen ist
die Situation sehr ähnlich. Aus diesem Grund wird in der Folge nur auf
prospektive, placebokontrollierte, randomisierte Studien eingegangen.
Vitamin C (Ascorbinsäure): Überraschung! Abgesehen von einigen früheren Studien
mit methodischen Mängeln, die auf der Idee von Linus Pauling (Vitamin C and the
Common Cold 1970) fußten und sich mit Erkältungskrankheiten befassten (2, 3, 4),
wird man nicht fündig. An einer sehr kleinen Zahl von hypertensiven Patienten (n
= 39) mittleren Lebensalters (49 6 zwölf Jahre) konnte gezeigt werden, dass
durch 500 mg Vitamin C pro Tag nach 30 Tagen der systolische und diastolische
Blutdruck im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant gesenkt werden konnte.
Die Autoren (5) fordern allerdings selbst langfristige Untersuchungen mit
klinisch relevanten Endpunkten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Dosen über
500 mg pro Tag die Blutspiegel nur noch unbedeutend erhöhen, aber toxische
Nebenwirkungen möglich sind (15, 23). Rath empfiehlt 900 mg pro Tag. Vitamin E (a-Tocopherol):
Für Vitamin E gibt es mehrere große Studien (Tabelle), die insgesamt zeigen,
dass Vitamin E selbst bei einer Hochrisikopopulation keinen Einfluss auf die
Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse hat. In der CHAOS-Studie (30) traten zwar
weniger kardiovaskuläre Ereignisse auf, die Gesamtmortalität war aber unter
Tocopherol höher (3,5 Prozent) als unter Placebo (2,7 Prozent). Vitamin E
schützt übrigens – selbst Raucher – nicht vor Lungenkrebs und anderen Krebsarten
(1). Auch für die Anwendung von Vitamin E in der Rheumatherapie (Einsparung
nichtsteroidaler Antirheumatika) gibt es noch keine sicheren Belege (25, 27).
Beta-Carotin (Provitamin A), Vitamin A: Beta-Carotin (20 mg pro Tag) vermindert
nach fünf bis acht Jahren die Inzidenz koronarer Ereignisse (24) im Vergleich zu
Placebo bei männlichen Rauchern zwischen 50 und 69 Jahren nicht. Die Häufigkeit
von Lungenkrebs wurde sogar erhöht (1)! 1996 stellten Hennekens et al. (11)
fest, dass auch bei gesunden Männern durch Beta-Carotin (50 mg alle zwei Tage
über zwölf Jahre) im Vergleich zu Placebo weder die Krebshäufigkeit noch die
Häufigkeit kardialer Erkrankungen oder die Gesamtmortalität verändert wird. Auch
bei Patienten mit kolorektalen Adenomen konnte die Situation weder mit
Beta-Carotin (25 mg pro Tag), Vitamin C (1 g pro Tag) oder Vitamin E (400 mg pro
Tag) noch durch deren Kombination im Vergleich zu Placebo verbessert werden (9).
Bei Rauchern, ehemaligen Rauchern und Asbest-Exponierten führte die Kombination
Beta-Carotin/Vitamin A im Vergleich zu Placebo sogar zu einer erhöhten Inzidenz
von Lungenkrebs, Tod aus kardiovaskulären Ursachen und Gesamtmortalität. Der
Versuch wurde 21 Monate früher als geplant gestoppt (21). Durch Beta-Carotin
kann auch nicht das Risiko vermindert werden, einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln
(16). Exzessive Aufnahme von Vitamin A scheint mit dem Auftreten von Osteoporose
und Hüftfrakturen (17) sowie Teratogenität (28) positiv assoziiert zu sein.
Schlussfolgerungen: Die gegenwärtige Datenlage rechtfertigt nicht die
Applikation der Vitamine A, C oder E nach dem „Gießkannenprinzip“ im Sinne einer
Primär- oder Sekundärprävention. Das betrifft auch die aktuellen Renner Coenzym
Q10 (13, 22) oder Selen (12, 26, 29). Es ist selbstverständlich, dass erkannte
oder vermutete Vitamin-Mangelzustände zu behandeln sind. Es erscheint auch
sinnvoll, bei älteren Menschen mit einseitiger Ernährung – vor allem ohne
frisches Obst und Gemüse – gegebenenfalls 200 mg Vitamin C pro Tag zu empfehlen.
Auch an der Bedeutung von Folsäure zur Prävention von
Neuralrohrschluss-Störungen besteht kein Zweifel. Für die gegenwärtig im
Internet und anderswo angebotenen obskuren, monströsen, hoch dosierten
Kombinationspräparate gibt es dagegen keinerlei Rechtfertigung.
In der Laienpresse immer wieder veröffentlichte andere Meinungen, oft verbunden
mit dem Hinweis auf berühmte Persönlichkeiten, zum Beispiel, dass die
Schauspielerin Iris Berben seit zehn Jahren täglich Anti-Aging-Hormone,
Vitamine, Calcium, Magnesium, Zink, Eisen und
Selen in Höchstdosen nimmt, sind durchaus kontraproduktiv. Auch die
Pressefreiheit sollte – wie die Therapiefreiheit – nicht als Beliebigkeit oder
Anarchie fehlgedeutet werden.
Anschrift des Verfassers:
MR Prof. Dr. med. Frank P. Meyer
Institut für Klinische Pharmakologie
Otto-von-Guericke-Universität
Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg
E-Mail: Frank-Peter.Meyer@medizin.uni-magdeburg.de
Kardiologie: Antioxidative Vitamine nicht sekundärpräventiv
bei KHK
Patienten mit einer bestehenden koronaren Herzkrankheit (KHK) und niedrigen
HDL-Cholesterin-Werten profitieren nicht von der Einnahme antioxidativer
Vitamine. Dagegen konnte die Progression der Koronarsklerose durch die
Kombination aus Simvastatin plus Niacin aufgehalten werden. Dies zeigen die
Ergebnisse der HDL-Atherosclerosis Treatment Study (HATS) im New England Journal
of Medicine vom 29. November (2001;345:1583-92).
An der vom National Heart, Lung, and Blood Institute gesponsorten randomisierten
Doppelblindstudie hatten 160 Patienten mit niedrigen HDL-Werten (=35mg/dl bei
Männern und =40mg/dl bei Frauen; LDL und Triglyzeride nicht erhöht)
teilgenommen. Unter der Behandlung von Simvastatin plus Niacin kam es nach drei
Jahren zu einem Rückgang der Stenosen in der Koronarangiografie um 0,4 Prozent.
In diesem Ast erlitten nur drei Prozent der Patienten ein erstes
kardiovaskuläres Ereignis (Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Revaskularisation).
Dagegen nahmen die Koronarstenosen bei Patienten, die täglich Kapseln mit
Vitamin E, C, Betacaroten und Selen eingenommen hatten, um 1,8 Prozent zu. Der
Unterschied zur Placebogruppe (Stenose plus 3,9%) war nicht signifikant. Trotz
der Antioxidantien erlitten 21 Prozent der Patienten ein kardiovaskuläres
Ereignis, was ebenfalls nicht signifikant weniger war als in der Placebogruppe
(24 Prozent). Interessant auch: Wurden Antioxidanzien zusätzlich zu Simvastatin
plus Niacin gegeben, waren die Ergebnisse tendenziell schlechter als bei einer
alleinigen Gabe von Simvastatin plus Niacin (Stenose plus 0,7 Prozent; 14
Prozent kardiovaskuläre Ereignisse).
Das Fazit der Autoren deshalb: Der Einsatz von Antioxidanzien in dieser
Indikation sei in Frage zu stellen. Jane Freedman von der Boston University
School of Medicine findet die Ergebnisse im Editorial (2001;345:1636-37)
„faszinierend“, warnt jedoch davor, die Ergebnisse auf andere Kollektive (etwa
zur Primärprävention) oder andere Medikamente auszuweiten. Hier sei nach den
jüngsten Statin-Skandalen Zurückhaltung angebracht. http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=7553
(30.11.01)
Antioxidantien-Kitik 1999 aus http://www.das-eule.de
Als "Raucher-Vitamin" und "Zellschutz" wurden ß-Carotin-Pillen sogar an der Supermarktkasse feilgeboten. Hohe Blutspiegel sollten vor allem Risikogruppen wie Raucher vor Krebs schützen: In einigen Studien war aufgefallen, daß niedrige ß-Carotinspiegel mit höheren Krebsraten einhergehen. Da ß-Carotin in Obst und Gemüse weit verbreitet ist, hatte man außerdem aus zahlreichen Korrelationsstudien zum Obst- und Gemüseverzehr geschlossen, daß es das Provitamin A ist, das vor den Folgen eines "riskanten" Lebensstils bewahrt. Gestützt wurde die These durch Labor- und Tierversuche. Drei zum Beweis durchgeführte Interventionsstudien lieferten jedoch katastrophale Ergebnisse (EU.L.E.N-SPIEGEL 1998/H.9/S.5).
Der Zusammenhang zwischen ß-Carotin und Lungenkrebs ist
mittlerweile gut untersucht, immerhin wurden drei doppelblinde,
placebokontrollierte Interventionsstudien in großen Kollektiven durchgeführt:
Die Physicians Health Study ergab, daß ß-Carotin bei
Gesunden offensichtlich nichts nützt: 22.000 Ärzte, von denen 11% rauchten,
erhielten alle zwei Tage 50 mg ß-Carotin oder Placebo. Nach 12 Jahren fand sich
kein Unterschied zwischen beiden Gruppen, weder bei der Krebsrate oder bei
Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch bei der Gesamtsterblichkeit. Damit, so die
Autoren, sei "jede noch verbliebene Hoffnung darauf, daß ß-Carotin-Supplemente,
zumindest für Erwachsene, ein effektives Mittel seien, um das Risiko für Krebs
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, im Keim erstickt".
Die Finnland-Studie wurde dagegen mit Rauchern
durchgeführt, einer Risikogruppe, die durch niedrige ß-Carotinspiegel im Blut
auffällt. Man verabreichte 30.000 Männern 5 - 8 Jahre lang täglich entweder
a-Tocopherol (50 mg), ß-Carotin (20 mg), beides oder Placebo. Während Vitamin E
das Risiko nicht beeinflußte, stieg die Lungenkrebsrate in der ß-Carotin-Gruppe
bereits nach 18 Monaten progressiv an. Am Ende waren in der ß-Carotin-Gruppe 18%
mehr Lungenkrebsfälle aufgetreten als bei den Teilnehmern, die "nur" geraucht
hatten. Die Gesamtsterblichkeit war durch ß-Carotin um immerhin 8% erhöht. Damit
war klar, daß ß-Carotin genau den Menschen, denen es den größten Nutzen bringen
sollte, schadet. Die CARET-Studie bestätigte
die Ergebnisse der Finnland-Studie in vollem Umfang: 18.000 Raucher und
Asbestarbeiter nahmen durchschnittlich vier Jahre lang täglich 30 mg ß-Carotin
und 25.000 IU Vitamin A oder Placebo ein. Die Lungenkrebsrate stieg durch die
Vitaminpräparate um 28%. Die Gesamtsterblichkeit lag 17% über der Placebogruppe,
wobei allein die Sterblichkeit an Lungenkrebs um 46% gestiegen war. Aufgrund
dieser alarmierenden Zahlen wurde die Studie 21 Monate vor ihrem geplanten Ende
abgebrochen.
Anmerkung: Die schädlichen Wirkungen von ß-Carotin
bei Rauchern wurden nachträglich im Tierversuch bestätigt: Marder entwickelten
nach sechsmonatiger ß-Carotingabe Metaplasien in der Lunge, die als
Krebsvorstufen gelten. Zigarettenrauch verstärkte den Effekt (Journal of the
National Cancer Institute 1999/91/S.60-66).
Außer bei Lungenkrebs "versagte" ß-Carotin auch in einer Interventionsstudie zur
Prophylaxe von Hautkrebs (Lancet 1999/354/S.723-729) sowie zur Vorbeugung
anderer Zivilisationsleiden wie Diabetes (Journal of the American Medical
Association 1999/282/S.1073-1075).
Ahmed S et al: Interactions between alcohol and
ß-carotene in patients with alcoholic liver disease. American Journal of
Clinical Nutrition 1994/60/S.430
Nach landläufiger Auffassung "verbraucht"
Alkohol Carotin, so daß der Bedarf steigt. Diese Einstellung muß nach der
Publikation der Arbeitsgruppe um den "Alkohol-Papst" Charles Lieber revidiert
werden. So fällt der Carotinpegel mit steigendem Alkoholkonsum nicht gleichmäßig
ab: Bei mäßigem Konsum sinkt er, um sich mit zunehmender Alkoholzufuhr immer
mehr dem Normwert anzunähern. Selbst wenn, wie im Falle einer Lebercirrhose,
niedrige Carotinwerte gemessen werden, könnte eine Supplementierung nachteilig
sein: Aus Versuchen mit Pavianen ist bekannt, daß die gleichzeitige
Verabreichung von Alkohol und ß-Carotin zu histologischen Veränderungen der
Leber führt. Die Autoren empfehlen deshalb dringend, bei ß-Carotingaben die
Alkoholzufuhr zu drosseln, um toxische Carotin-Konzentrationen in der Leber zu
vermeiden.
Anmerkung: Den Umkehrschluss wagte offenbar niemand zu formulieren: Wer Alkohol trinkt, sollte die Finger von ß-Carotin lassen.
Kaum ein Vitamin ist derart populär und gilt so sehr
als Inbegriff des Gesunden wie Vitamin C. Entsprechend lang ist die Liste der
Wunderwirkungen, die es vollbringen soll: vor Erkältungen und Infektionen
bewahren, das Immunsystem stärken, das Bindegewebe straffen, Umweltgifte
unschädlich machen, das Altern hinauszögern und - natürlich - den Krebs
besiegen. Populärster und streitbarster Verfechter des Vitamin C war Linus
Pauling, der zwar an Krebs starb, aber immerhin 92 Jahre alt wurde - weil oder
obwohl er täglich mehrere Gramm des Vitamins zu sich nahm. Trotz zahlreicher
Bemühungen gelang es bis heute nicht einmal, die populärste aller Versprechungen
zu sichern: Die vorbeugende Wirkung gegen Erkältung und Grippe wartet immer noch
auf eine wissenschaftliche Bestätigung. Ein therapeutischer Nutzen ist bisher
nur für die Behandlung der Methämoglobinämie (Blausucht) durch Nitritvergiftung
belegt. Der Mindestbedarf des Menschen wird vom Wissenschaftlichen
Lebensmittelausschuss der EU mit 12 mg/Tag beziffert, nachdem Versuche mit
Gefangenen, die 99 (!) Tage lang Vitamin-C-frei ernährt wurden, zeigten, daß
bereits 6,5 - 10 mg täglich ausreichen, um einen Mangel zu beheben. In einem
neuen Experiment wurden auch bei weniger als 3,9 mg/Tag keine
Mangelerscheinungen beobachtet (American Journal of Clinical Nutrition
1997/65/S.1434-1440). Die häufig zitierte Empfehlung der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung (DGE) von 75 - 125 mg/Tag gibt nicht den Bedarf an, sondern die
sog. "Bevölkerungsreferenzzufuhr". Diese Empfehlung der DGE wird vom
Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der Europäischen Union mit dem Hinweis
kritisiert, es sei "schwer einen Bedarf zu rechtfertigen, der die
Speicherfähigkeit der Zellen übersteigt" (Berichte des Wissenschaftlichen
Lebensmittelausschusses, 31. Folge, Luxemburg 1993).
3. Vitamin E: das Marketing-Wunder
Vitamin E wird gerne "zur Therapie klinischer
Mangelzustände" oder gegen Rheuma verordnet, wobei die Autoimmunkrankheit als
Folge eines "marginalen Vitamin-E-Defizits" angesehen wird. Personen mit
"starker oxidativer Belastung" sollen Vitamin E in hohen Dosen zur
Herzinfarkt-Prophylaxe einnehmen, ebenso Menschen mit genetisch bedingten
Fettstoffwechselstörungen. Obwohl der "richtige" Plasmaspiegel nicht bekannt
ist, legte das sogenannte Hohenheimer Konsensus-Meeting 1997 einen "präventiven"
Plasmaspiegel von 30 µmol/100 ml als erstrebenswert fest. Das ist rund doppelt
so viel wie bislang als "normal" galt. Da weder ein prophylaktischer noch ein
therapeutischer Nutzen belegt ist, beschränkt sich der Vorteil auf´s
Geschäftliche.
CHAOS-Studie: nomen est omen
Stephens NG et al: Randomised controlled trial of
vitamin E in patients with coronary disease: Cambridge Heart Antioxidant Study
(CHAOS). Lancet 1996/347/S.781-786
Nach den widersprüchlichen und zweifelhaften Daten der
großen prospektiven Studien müssen die Ergebnisse dieser kleinen
Interventionsstudie den Vertretern der Antioxidantien-Theorie wie ein warmer
Regen vorgekommen sein: Bei der CHAOS-Studie erhielten rund 2.000 Patienten mit
Verengungen der Herzkranzgefäße entweder alpha-Tocopherol (400 oder 800 mg) oder
Placebo. Nach ca. eineinhalb Jahren waren in der Vitamin-E-Gruppe nur 14, in der
Placebogruppe jedoch 41 neue, nichttödliche Infarkte aufgetreten (relatives
Risiko -77%). Angesichts dieses Erfolges fanden die anderen Befunde zumindest in
der deutschen Fachpresse kaum ein Echo: Es war gleichzeitig zu mehr tödlichen
Herzinfarkten gekommen (18 statt 13), und die Gesamtsterblichkeit war etwa um
ein Drittel gestiegen (36 statt 26 Todesfälle).
Anmerkung: Unglaublich, aber wahr: Obwohl mehr Menschen starben, gilt die
CHAOS-Studie als Musterbeispiel erfolgreicher Prävention. Zudem sind die Angaben
über die erniedrigte Herzinfarktrate wenig vertrauenswürdig: Es gab keine
Nachuntersuchung der Patienten, man verließ sich vielmehr auf Befragungen und
Berichte der Hausärzte. Außerdem holte sich nur die Hälfte der Probanden ihre
Vitamin-E-Pillen bis zum Schluß ab. Wie sicher war die Diagnose "nichttödlicher
Herzinfarkt" wohl bei ihnen? Die einzigen "harten" Daten dieser kleinen Studie
zeigen, daß Vitamin E die Lebenserwartung senkt (Lancet 1996/347/S.1689). Auch
die Finnland-Studie spricht gegen einen Schutzeffekt von Vitamin E. Raucher, die
bereits einen Infarkt erlitten hatten, profitierten nicht von den Supplementen:
Nahmen sie alpha-Tocopherol alleine, erlitten sie ebenso häufig ein neues
Koronar-Ereignis wie die Placebogruppe. Nahmen sie alpha-Tocopherol jedoch in
Kombination mit ß-Carotin ein, stieg sowohl die Sterblichkeit beim zweiten
Herzinfarkt (+58%) als auch die Gesamtmortalität (Lancet 1997/349/S.1715-1720).
Während sich Interventionsstudien mit diversen Vitaminpräparaten bevorzugt auf die Einwohner armer Landstriche kaprizieren, nehmen beispielsweise US-Amerikaner freiwillig und häufig Nahrungsergänzungsmittel zu sich: Bereits vor 10 Jahren waren es 32% der amerikanischen Männer und 45% der US-Frauen. Insgesamt wurden schätzungsweise 10 Mrd Dollar für Vitamin- und Mineralstoffpräparate ausgegeben, zumeist, weil man sich einen gesundheitlichen Nutzen davon versprach, Defizite beim Essen ausgleichen, sich wohler fühlen oder länger leben wollte. Studien, die einen wie auch immer gearteten Nutzen belegen könnten, fehlen.
Die vorliegende Auswertung der ersten großen US-Gesundheits-untersuchung (NHANES I) verglich den Konsum von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten in der amerikanischen Bevölkerung mit den Daten zur Sterblichkeit. Es ließen sich keine Unterschiede ausmachen. Regelmäßige wie ununregelmäßige Präparateverwender starben ebenso häufig und an den gleichen Ursachen wie Menschen, die auf Nahrungszusätze verzichteten - und zwar unabhängig von der Nährstoffzufuhr durch die Nahrung, vom Alkohol- und Tabakkonsum sowie vom Körpergewicht und von chronischen Erkrankungen. Durch eine erhöhte Sterblichkeit fielen lediglich untergewichtige Frauen auf, die Supplemente verwendeten.
5. Antioxidantien: unverzichtbare Zusatzstoffe
Antioxidantien verlängern die Haltbarkeit von
Lebensmitteln, denn sie schützen sie vor den Folgen von Oxidationen: vor dem
Ranzigwerden, vor Farbverlusten und vor Geschmacksveränderungen. Die
Antioxidantien reagieren schneller mit dem Sauerstoff als die
Lebensmittelinhaltsstoffe. Da sie dabei selbst zum Radikal werden, wirken
Antioxiantien nur in einem engen und niedrigen Konzentrationsbereich. Bei
überhöhten Zugaben können sie prooxidativ wirken, d.h., sie beschleunigen den
chemischen Verderb. Um einen Oxidationsschutz durch Antioxidantien
sicherzustellen, ist der gleichzeitige Zusatz von Synergisten erforderlich, die
z.B. Metallspuren binden. Da die chemischen Antioxidantien als Zusatzstoffe im
Kreuzfeuer der Kritik stehen, bemüht sich die Lebensmittelwirtschaft, möglichst
"natürliche" Antioxidantien mit positivem Image zu nutzen. Hierzu gehören vor
allem die Vitamine C und E, aber z.B. auch natürliche Extrakte aus Rosmarin, die
als "Aroma" deklariert werden können.
In lebenden Systemen hängt die Radikalbildung weniger von Vitaminen ab, sondern wird enzymatisch geregelt. Es liegt also nahe, antioxidative Enzymsysteme auch zur Haltbarmachung von Lebensmitteln zu nutzen. Die Verwendung von Glucose-Oxidase in Verbindung mit Katalase ist das älteste und bewährteste Enzym, insbesondere für Getränke und Mayonnaise. Es oxidiert Glucose unter Bildung von Wasserstoffperoxid, das wiederum von der Katalase zu Wasser und Sauerstoff abgebaut wird. Indem pro Cyclus ein Atom gebunden wird, lässt sich Sauerstoff aus Lebensmitteln entfernen. Da es viele weitere Oxidasen gibt, hat eine rege Forschungstätigkeit eingesetzt: Das größte Interesse gilt der Alkohol-, Thiol-, Galactose-, Pyranose- und Hexose-Oxidase. Statt der Katalase bietet sich die Superoxid-Dismutase an. Darüber hinaus besteht erhebliches Interesse an der Nutzung der Glutathion-S-Transferase und der Glutathion-Peroxidase.
Anti-Aging-Mittel: Oftmals ein
Alter Hut
Illinois/Chikago (pte) - 51 Forscher warnen in
einem in der Juni-Ausgabe des Fachmagazins Scientific American erscheinenden
Artikel vor einem Anti-Aging-Hype. Die Autoren des Artikels warnen vor
vielversprechenden Aussagen diverser Unternehmen, deren Ziel es ist, aus
Anti-Aging-Therapien Geschäfte zu machen. In ihrer Resolution wollen sie die
Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass "es derzeit keinen Eingriff gibt, der
den Alterungsprozess beim Menschen verlangsamt, stoppt oder umkehrt". Die
Popularität von "Langlebigkeits"-Kliniken und der Internet-Boom bedeuten laut
Studienautor S. Jay Olshansky von der University of Illinois für Unternehmen
eine Möglichkeit, Produkte zu verkaufen und zu vermarkten. "Während die
Bevölkerung mit Lügen über Therapien, die das Altern verzögern, bombardiert
wird, suchen viele Biologen intensiv nach der Ursache des Alterungsprozesses.
Mit ihrer Forschung hoffen sie Wege zu finden, das Altern hinauszuzögern und
somit die Lebensqualität der Menschen zu verbessern", schreiben die Kritiker.
Aber jeder, der behaupte, derzeit ein Anti-Aging-Produkt anbieten zu können,
spreche nicht die Wahrheit, so die Forscher. Häufig würden Unternehmen
Supplemente wie Antioxidantien offerieren. Diese erweisen sich laut der
Forschergruppe aber im Kampf gegen das Altern als wirkungslos. Nicht nur das,
die Produkte enthielten auch keine Angaben, dass ohne genehmigte Verabreichung
der Medikamente Nebenwirkungen auftreten können. Vor allem
Hormon-Ersatzprodukte, die von Anti-Aging-Kliniken verkauft werden seien nicht
ungefährlich. Sie sollten nur bei ärztlicher Verschreibung eingenommen werden,
so Olshansky. 23. Mai 2002
Sehkraft im Alter: Vitaminpräparate können Augen
stärken
Bonn (dpa) - Um die Sehkraft auch im Alter zu erhalten, sollten Senioren unter
Umständen Vitaminpräparate zu sich nehmen. Besonders wichtig seien Vitamin A
sowie Vitamin C und E, so die Deutsche Seniorenliga in Bonn. Aber auch
Mikronährstoffe wie Beta-Karotin sowie Selen und Zink sollten in ausreichendem
Maße vorhanden sein, um der altersbedingten Augenkrankheit "Makuladegeneration"
vorzubeugen. Die Erkrankung sei die häufigste Ursache für das Nachlassen der
Sehkraft bei Senioren. Die Betroffenen litten vor allem unter dem Verlust der
persönlichen Mobilität. Insgesamt sind der Seniorenliga zufolge zwei Millionen
Menschen in Deutschland betroffen. netdoktor 13. September 2002
Kommentar:
Klingt insgesamt vergeißungsvoll, ist leider
aber so nicht vollständig.
Im Zeitraum 1996/1997 wurden erste Studien zum
Verdacht des Vorteils dieser Behandlung bezüglich seniler Makuladegeeration in
den USA aufgelegt. Nach Rücksprache mit den Durchführenden zeigte sich jedoch
sehr schnell, daß ein verbessernder Einfluß einer Spurenelemte-Vitamin-Therapie
nicht abzuleite war. Auch ein einhaltgebietender Effekt war für die senile
Makuladegenration nicht statistisch signifikant.
Einzig eine leicht verbesserte Immunlage hat
sich retrospektiv als nutzbar erwiesen.
Mit freundlichen Grüßen Dr.med.
E. Ehlert
Bei Vitamintherapie erhöhte Restenose-Rate nach Stent-Op
Neue Studie stellt bisherige Daten in Frage
CHICAGO (gwa). Patienten mit erhöhten Homocystein-Spiegeln, die wegen
Koronarstenosen Stents bekommen sollen oder gerade erhalten haben, sollten keine
Kombinations-Therapie mit Folsäure sowie den Vitaminen B6 und B12 erhalten.
Damit wird zwar der erhöhte Homocystein-Spiegel gesenkt, allerdings erhöht sich
nach Stentimplantation gleichzeitig die Rate an Restenosen.
Dies ist ein Ergebnis der FACIT (Folate After Coronary Intervention
Trial)-Studie, über das Dr. Helmut Lange aus Bremen beim ACC in Chicago
berichtet hat. Die FACIT-Ergebnisse stehen im Gegensatz zu denen der Swiss Heart
Study, in der Patienten von der Kombi-Therapie profitiert hatten (NEMJ 345,
2001, 1593).
Patienten erhielten Vitaminkombination oder Placebo
Die 636 deutschen und niederländischen Patienten, die an der Studie teilnahmen,
hatten alle erhöhte Homocystein-Blutwerte, im Mittel über 12 µmol / l. Die
Patienten erhielten entweder direkt nach der Stentimplantation als Bolus
intravenös 1 mg Folat, 5 mg Vitamin B6 sowie 1 mg Vitamin B12 und dann sechs
Monate lang täglich oral 1,2 mg Folat, 48 mg B6 und 0,06 mg B12. Oder sie
bekamen jeweils Placebo.
Das Ergebnis nach sechs Monaten: Zwar sank der Homocysteinspiegel in der
Verumgruppe im Mittel auf 9 µmol / l, doch 35 Prozent der Patienten in der
Verumgruppe, aber nur 27 Prozent in der Placebogruppe bekamen Restenosen. Das
minimale Stentlumen betrug in der Verumgruppe im Mittel 1,39 mm, in der
Placebogruppe dagegen 1,72 mm. Auch die Rate an MACE (major adverse cardiac
events) war in der Verumgruppe mit 16 Prozent größer als in der Placebogruppe
mit 11 Prozent; alles signifikante Unterschiede, wie der niedergelassen
Kardiologe in Chicago betonte.
Zellproliferation Grund für erhöhte Stenose-Rate?
Als Ursache der erhöhten Stenoseraten wird etwa der stimulierende Einfluß dieser
Therapie auf die Zellproliferation unter anderem der Intima angenommen. Wieso
FACIT im Vergleich zur Swiss Heart Study so konträre Ergebnisse gebracht hat,
ist noch nicht klar, hat Lange auf dem Kardiologen-Kongreß gesagt. Ärzte
Zeitung, 01.04.2003
Riskante
B-Vitamine
Hohe Homocystein-Werte im Blut gelten als Gefahr für Blutgefäße, Herz und
Gehirn. Die Werte durch die Einnahme von B-Vitaminen und Folsäure zu senken,
kann sogar riskant sein, fand eine neue Studie
Hoher Homocystein-Spiegel: Vitamine bringen Herz in Gefahr
"Die Homocystein-Hypothese ist tot", sagt Dr. Kaare Harald Bønaa von der Tromsø
Universität in Norwegen auf dem diesjährigen europäischen Kardiologenkongress in
Stockholm. Um den Homocystein-Spiegel und damit das Risiko für Herzinfarkt und
Schlaganfall in Schach zu halten, empfahlen Experten jahrelang, Folsäure,
Vitamin B12 und Vitamin B6 zuzuführen.
Herz in Gefahr
Die NORVIT-Studie (Norwegian Vitamin Trial) bewies jetzt, dass eine Kombination
aus Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 sogar zu einem erhöhten Risiko für
Herzinfarkt und Schlaganfall führt. Bønaa untersuchte knapp 4000 Personen mit
erhöhten Homocystein-Werten, die schon einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die
Studienteilnehmer wurden in vier Gruppen unterteilt. Eine Gruppe bekam eine
Kombination aus Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure, die zweite nur Vitamin B6,
die dritte Folsäure kombiniert mit Vitamin B12 und die vierte ein
Scheinmedikament (Placebo). Nach 3,5 Jahren verglichen die Forscher die Zahl der
Herzinfarkte und Schlaganfälle in den unterschiedlichen Studienarmen.
Vitamine bringen nichts
Der Homocystein-Spiegel sei bei den Patienten, die Vitamin B6 oder eine
Kombination aus Folsäure und Vitamin B12 einnahmen, um jeweils 28 Prozent
gesunken, berichtet Bonna. Jedoch habe dies nicht den erwarteten positiven
Effekt gebracht. Das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt war in der
Placebogruppe genauso hoch wie in der Vitamin B6 und Folsäure/Vitamin B12
-Gruppe - nämlich 18 Prozent. Ein noch höheres Risiko hatten Personen, die eine
Kombination aus Folsäure/Vitamin B12 und Vitamin B6 bekommen hatten - es lag bei
23 Prozent. "Hohe Vitamin B Dosen sollten nicht verschrieben werden, um
Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen", schlussfolgert Bønaa. Ärzte hatten dies
bislang empfohlen. Unklar ist bisher, über welchen Mechanismus Folsäure und
Vitamin B das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhen.
Krebsrisiko klettert
Die Forscher fanden in der NORVIT-Studie außerdem einen Trend zu mehr
Krebserkrankungen bei Patienten, die hohe Folsäuredosen einnahmen. Folsäure ist
beim Bau und Einbau von Nukleinsäuren (Erbsubstanz) in den Zellkern und damit an
Zellwachstum und -teilung beteiligt. Allerdings bedürfe es weiterer, größerer
Studien, um diesen Zusammenhang zu erforschen, so Bønaa. Dass auch hier das
Ankurbeln des Zellwachstums eine Rolle spielt, ist wahrscheinlich, aber bisher
nicht bewiesen.
Riskanter Vitamin B-Cocktail
Schon vor einem Jahr hatte eine Untersuchung Hinweise gefunden, dass die Gabe
von B-Vitaminen bei Patienten mit Verengungen der Herzkranzgefäße nicht
unproblematisch sind. Nach der Aufdehnung eines verengten Herzkranzgefäßes mit
einem Stent entstand bei den Patienten, die einen Vitamin B-Cocktail erhielten,
häufiger eine erneute Verengung im Stentbereich als bei Teilnehmern, die keine
Vitamine bekommen hatten. Die Untersucher machten die wachstumsfördernde Wirkung
der Folsäure für diesen Effekt verantwortlich (Lange H et al: Folate therapy and
in-stent restenosis after coronary stenting. N Engl J Med. 2004 Jun
24;350(26):2673-81).
Zwei Abbauwege
Homocystein ist ein Stoffwechselprodukt, das beim Abbau der Aminosäure Methionin
entsteht. Mit Hilfe von Vitamin B6 wandelt der Körper Homocystein zu Cystein um,
das problemlos ausgeschieden wird. Homocystein kann aber auch mit Hilfe von
Folsäure und Vitamin B12 in Methionin zurückgewandelt werden. Folsäure gehört zu
den B-Vitaminen und ist hitzeempfindlich. Ein Großteil wird bei der Zubereitung
von Mahlzeiten zerstört. Nach Angaben von Ernährungsexperten kommen die
Deutschen durchschnittlich auf rund 240 Mikrogramm Folsäure täglich, empfohlen
sind 400 Mikrogramm.
06.09.2005 netdoktor